Reise 3

 

1998 -2005  Renate und Manfred Urich

 

Mit dem Segelboot "La Rossa" um die Welt


Renate, Somati und Manfred

 

 

Manfred ist der Skipper an Bord, 60 Jahre alt, von Beruf und im Herzen Ingenieur und Tüftler. Bis 1995 selbständiger Unternehmer. Er reist seit dem 20. Lebensjahr mit Leidenschaft in ferne Länder, nicht als Pauschaltourist, sondern am liebsten im eigenen Gefährt. Seit seiner Studienzeit in Berlin segelt er; die Umsegelung der Erde war und ist sein Lebenstraum.

Renate ist die Bordfrau, 56 Jahre alt, Kauffrau. Bis 2000 selbständige Unternehmerin. Sie tüftelt über Seekarten und Navigation, kocht, backt und wäscht, und kämpft bei Seegang tapfer gegen aufkommende Seekrankheit. Segeln bedeutet für sie, Länder und Inseln zu bereisen, die man mit anderen Transportmitteln nicht oder nur sehr schwer erreichen kann. „La Rossa“ ist Transportmittel, Geliebte, Kind, technisches Wunderwerk...

 

 

„La Rossa“

 

 La Rossa wurde von 1995 bis 1998 bei der niederländischen Werft Trintella B.V. in `s Hertogenbosch gebaut. Im Grundkonzept ist sie nach Plänen des Yachtkonstrukteurs van de Stadt entstanden, und die hervorragenden Handwerker von Trintella setzten alle technischen Wünsche um in ein Schiff, das uns nicht nur gut gefällt, sondern das für uns das ideale Schiff für unsere erste Weltumsegelung war.

 

 

Auf dem Weg nach Darwin Australien

Technische Daten:

 

Hersteller:                      Trintella

Disign:                            van de Stadt

Schiffstyp:                     51 A

Baujahr:                         1998

Rumpf:                           Alluminium

Länge:                            15,6 m (51 ft)

Breite:                            4,6 m (15 ft)

 

 

 

 

 

 

 

 

  • LaRossa11
  • Blister 3
  • Bild 071
  • Türkei nach Athen 160

Tiefgang:                       1,90 m ( 6,2 ft)

Masthöhe:                       28 m

Segelfläche                   145 m²

Genua:                             69 m²

Gross                               58 m²

Fock                                 18 m²

Blister:                            207 m²

Try                                    17 m²

Motor                              Perkins 135 PS

Treibstoff                       1250 Liter

Wasser                          1000 Liter

 

 

Ausstattung generell

 

  • Hydraulische      Winschen und hydraulische Rollreffanlage für Groß-, Genua und Fock
  • -hydraulische      Ankerwinch
  • 45 kg und 25 kg      - Bügelanker mit 100 m

     Edelstahlkette –13 mm stark

  • Autopilot und      Windpilot
  • Moderne      Navigationshilfen (DGPS, Radar, Fishfinder,  elektr. Seekarten „Transas“) und      Kommunikationstechnik (UKW-Sprechfunk, Amateurfunk, Wetterfax,      Satelliten-Telefon)
  • Beiboot mit      15PS-Motor und ein kleineres mit 2,5PS-Motor
  • Sicherheits-Equipment:
         8 Personen-Rettungsinsel, große EPIRB-Boje, Emergency Guard   und jede Menge weitere      Sicherheitstechnik
  • Grosse      Waschmaschine
  • Geschirrspüler
  • 2 Gästekabinen à      2 Kojen (Betten übereinander)
  • Gästebad mit      Dusche, Waschbecken und WC
  • Bade- und      Tauchplattform
  • Klimaanlage
  • Warmwasser-Heizung      
  • 90 l/h      Watermaker
  • 12 kw ONAN      Generator

 

 

 Ausstattung Gästekabinen

 

Gäste:        max. 4 Personen

Anzahl:       zwei Gästekabinen

Betten:        übereinander

Warmwasserheizung und Klimaanlage

Stereo Radio mit CD-Wechsler

Seperates Gästebad inkl. Dusche und WC

 

 

Route der 1. Weltumsegelung

 

1999: Ijsselmeer – Nordsee – Spanien – Madeira – Balearen –

          Port Balis (Barcelona)

2000: Port Balis – Menorca – Sardinien – Sizilien – Zakynthos –

          Kreta - Türkische Küste bis Alanya, dann zurück über

          Rhodos – Malta – Mallorca – Gibraltar – Marocco – Gran

          Canaria – Teneriffa

2001: Atlantiküberquerung im Januar 2001 – Karibische Inseln

          von Dominica ab nach Süden – Trinidad – ABC-Inseln –

          Cartagena/Kolumbien – San Blas Inseln/Panama –

          Panama  Kanal – Galapagos.

 

          Am 1.12.2001 Start zum 1. langen Einhand-Törn von

          Galapagos über Pitcairn (10 Tage in Pitcairn über 

          Weihnachten und Silvester 2001/2002) und Mangareeva

          nach Tahiti. Ankunft in Tahiti im Februar 2002.

2002: Franz. Polynesien – Highlight Tuamotus – Rarotonga/Cook

          IslandsNiue – Tonga – American Samoa und West 

          Samoa – Wallis – Futuna – Fidji – Bay of

          Islands/Neuseeland

2003: Neuseeland-Umrundung: an der Westküste nach Süden in 

          die Sounds, dann rund um Stewart Island und an der 

          Ostküste wieder nach Norden. Danach Neuseeland – Fidji –

          Vanuatu – Neu Kaledonien – Scarborough/Australien.

2004: Scarborough – Sydney – Hobart/Tasmanien – Broken Bay –

          Scarborough – Townsville – Cairns – Darwin.

          Von Darwin nach Indonesien: Timor – Lembata – Selat

          Solor – Flores – Komodo – Sumbawa – Lombok – Bali –

          Borneo – Singapur – Malaysia – Langkawi –

          Phuket/Thailand (Tsunamiohne Schäden  überstanden).


2005: Manfred wieder Einhand unterwegs von Thailand –

          Malediven-Uligamo Nordatoll  – Oman – Eritrea – Sudan –

          Ägypten – Suez Kanal – Alanya/Türkei.

          Ende Mai 2005 kreuzen wir unseren Ausgangspunkt in 

          Alanya/Türkei.

         

Gesamtstrecke der 1. Weltreise : ca. 45.000 sm, davon 18.000 sm Einhand

         

 


 

  • Cape Yorck Australien

 

 

 Reiseberichte (viele von Renate)


Die Reiseberichte vom Mittelmeer bis in die Karibik habe ich weggelassen!


Bericht 10  Santa Marta, Kolumbien, 6.9.2001

 

seit dem 29.8. sind wir unterwegs nach Cartagena. Wir segeln zu dritt, d.h. 3 Segelboote, "Boomerang" mit Juana und Klaus aus Berlin an Bord, "Chris Myr" mit Jean-Denis und Marie-Paule sowie wir beide mit "la Rossa". Jean-Denis, kurz "J-D" genannt, und Marie sind Canadier aus Montreal, d.h. sie haben Französisch als Muttersprache, legen aber grössten Wert darauf, dass sie keine Franzosen sind, auch wenn "mon Général" das zu Lebzeiten gerne anders gehabt hätte.

 

Es ist lustig, wir verständigen uns regelmässig über das VHF-Radio in Englisch, gelegentlich auch in Deutsch oder Französisch, mit den Einheimischen Spanisch, so ist für ausreichend Sprachunterricht gesorgt. Wir reisen zu dritt, da wir allerhand Schauergeschichten über das Banditentum hier gehört haben und allgemein empfohlen wird, sich mit einem oder 2 Booten zusammen zu tun. Wir fühlen uns tatsächlich ruhiger und entspannter, vor allem nachts ist es besser, wenn man nicht ganz alleine ist. Bei Nachtfahrten bleiben wir dicht zusammen und in den Buchten ankern wir nah beieinander und haben Notrufe verabredet, falls etwas passiert. Bislang war das nicht der Fall, im Gegenteil, wir fühlen uns sehr wohl und die anderen 4 sind sehr nett und unkompliziert. Die Strecke von Aruba nach Cartagena ist recht lang (450sm), und es wäre blöd, einfach 3 Tage und 3 Nächte nur durchzufahren. Segeln ist kein Rennsport, sondern gerade deshalb schön, weil man einfach bleiben kann, wenn einem der Sinn danach steht.

 

Erster Ankerplatz war Cabo de La Vela, ein karges Plätzchen gleich hinter dem Cap. Ab Mittag kamen Fallböen vom Land her, die sich gewaschen hatten, 40 Knoten! Am Abend war der Spuk regelmässig vorbei. Wir blieben 2 Nächte und feierten einen ganzen Tag lang Klaus' Geburtstag, schon morgens umkreisten wir sein Schiff mit dem Dinghi und sangen "Happy Birthday" und mittags gab es Kaffe und Kuchen sowie Abendessen. Manfred war überglücklich! Am ersten Abend hatten wir 3 grosse Langusten gekauft (7 US$) und eine davon hatte sich gleich aus dem Eimer gestürzt, als Manfred den Eimer ins Meer tauchte. So gab es für jeden eine Languste und die 3. war wahrscheinlich froh, dass sie ihrem Schicksal vorerst entgangen war.

 

Nachts ist es sehr warm, meistens gibt es wenig Wind, und unsere Achterkabine ist ohnehin etwas ungünstig und windgeschützt durch das Deckshaus. Wir haben aus Heiners Bettbezug einen Windsack gebastelt und nun ist es besser!

 

Der 2. Ankerplatz lag in einer herrlichen Bucht vor einem langen Sandstrand. Am Ufer hinter einer Riffbank waren 2 Häuser, die aussahen wie aus einem Märchenbuch: mit dicken strohgedeckten Steildächern und Holzbalkonen ringsherum. Am Strand Bäume und Palmen in einem unbeschreiblichen Grün. In unserer gruseligen Phantasie tauften wir sie „Kokain-Bucht“. Am Sandstrand hatten ein paar Fischer ihre Hütte, und sie zeigten uns ihr Angelgeschirr und ihre Gerätschaften. Wir brachten ihnen eine Dose Fleisch und Erbsen, weil sie zum Essen nur trockenen Reis hatten. Der Fisch, den sie nachts fangen, wird morgens mit einem Boot abgeholt und in die Stadt gebracht zum Verkauf. Zum Selbst-Essen ist der Fisch nicht.

 

Bei einem Spaziergang am Strand trafen Juana und ich ein junges Pärchen, das Juana gleich auf Deutsch ansprach, und die beiden fragten ganz erstaunt, woher wir wüssten, dass sie Deutsch sprechen - sie sahen eigentlich eher südländisch aus. Es war ein Schweizer Pärchen, und da die junge Frau groß, dunkelhaarig und hübsch war, fragte ich gleich, ob sie zufälligerweise Anina Burgi heisse. (Anina ist die Tochter einer Freundin von Vreni und reist derzeit auch mit ihrem Freund hier in der Gegend. Durch unsere Motorpanne sind wir nun zeitlich nicht mehr à jour, aber es ist doch witzig und es wäre ein  toller Zufall gewesen.) Wir wollten die beiden, Nicole und Marius aus Baden bei Zürich, zu einem Drink einladen, aber sie wurden noch am selben Nachmittag von einem Fischer mit dem Boot abgeholt und wieder zu ihrem Standort gebracht. Sie hatten eine Woche lang an diesem herrlichen einsamen Strand verbracht, in Hängematten geschlafen und in den wunderbaren Riffen geschnorchelt. Sie wollten mehr von Anina wissen, aber leider weiss ich jetzt auch nicht, ob Anina schon wieder in der Schweiz ist.

 

Nun sind wir wieder an einem Ankerplatz, gleich hinter Santa Marta. Es ist ziemlich hässlich, vor uns liegen Großschiffe, die hier Öl durch riesige Pipelines aufnehmen. Überall sind grosse Festmachebojen für die Tanker, also wirklich nicht schön; es ist auch ein eher ungeplanter Stop hier, denn heute herrscht Windstille und morgen soll es wieder etwas mehr blasen. Wir brauchen halt den Wind, unter Motor zu fahren ist nicht schön und eines Segelbootes unwürdig. Bis Cartagena sind es jetzt noch gut 100 sm, es ist also eine Nachtfahrt, so dass wir morgens in Cartagena einlaufen. Den Hafen von Cartagena kann man nachts nicht anlaufen, es ist ein komplizierter und verwinkelter Naturhafen.

 

Heute Nachmittag backt Juana zum Trost für uns alle (weil wir noch eine Nacht hier in dieser rolligen Bucht bleiben müssen) einen Kuchen. Wir holen später mit unserem Gummibötchen alle ab und bringen sie hierher zu uns, weil wir das schattigste Deckshaus haben.

 

So, ihr seht, dass wir sehr gut leben und es geniessen.

 

 Bericht 11 (Cartagena-Panama), 12.10.2001,

Port Escosés

 

So unvermittelt wie der letzte Bericht endete, so schreibt das Leben sein eigenes Drehbuch, und schert sich nicht um unsere Wünsche und Träume....

 

Wir reisten anfangs September gemütlich von einer Bucht zur anderen und erreichten Cartagena am frühen Morgen des 9. September. Dass auch das Leben nicht ohne dicke Wolken an uns vorbeizieht, wurde symbolisiert durch ein heftiges Gewitter, das wir noch in Dunkelheit vor Cartagena durchquerten. Es war richtig unheimlich.

 

Schließlich lagen wir sicher vor Anker direkt vor Cartagenas schöner Altstadt. Aber bevor wir das alles erkunden durften, holte uns das Leben wieder ein. Zunächst löste sich unser Dreier-Team auf, mit dem wir die ganze Zeit gesegelt waren. Die Gründe sind im nachhinein unwichtig, aber wir waren doch sehr traurig, denn wir hatten die beiden Berliner von Boomerang schon recht lieb gewonnen, eine Seltenheit, wenn man so weit weg von zu Hause ist und die Freunde ja nicht einfach mitnehmen kann. Die Kanadier erwiesen sich als „Spaltpilze“ und wir traten den Rückzug an. In dieser Zeit trafen Anrufe diverser Freundinnen und Bekannter meiner Mutter ein, die mich wissen ließen, dass meine Mutter häufig gefallen sei und jetzt im Krankenhaus liege. Ich hatte einen Rückflug für den 17.9. von Quito über Miami nach Frankfurt und wollte den 17.9. abwarten.

 

Dann sahen wir früh um 9 Uhr am 11. September – Manfred wollte gerade unsere Einreiseunterlagen abholen – das schreckliche Attentat von New York im Fernsehen in der Marina. Manfred erlebte am Bildschirm den Anflug der 2. Maschine auf das WTC-Gebäude und kam mit der fürchterlichen Nachricht zurück zum Schiff. Wir sahen alles in Auflösung, es war schlimm. Ich beschloss, so schnell wie möglich nach Hause zu fliegen. Wir legten La Rossa in die Marina von Cartagena und Manfred brachte mich schweren Herzens zum Flughafen, wo ich – ebenso traurig - ein Ticket nach Bogotá kaufte und dann im Flughafen von Bogotá tränenüberströmt vor dem Stationsleiter der Lufthansa stand, denn die Maschine nach Frankfurt war völlig überbucht.  Schließlich fand man einen Weg und ich konnte in der Business-Class nach Hause fliegen, für 6500 DM! Mein Ticket für den 17.9. über Miami konnte ich natürlich nicht nutzen. Immerhin hatte ich einen Rückflug für den 4.10. bei Lufthansa gleich mitgebucht.

 

Manfred verbrachte also 3 Wochen in der Marina von Cartagena und ich hechelte zu Hause jeden Tag ins Krankenhaus, von Arzt zu Arzt und von Altersheim zu Altersheim, um einen Platz für meine Mutter zu finden, denn sie kann nicht mehr ganz alleine wohnen. Inzwischen wohnt sie – zumindest zeitweise – in der Stadtresidenz in Oberursel. Auch von Manfreds Eltern haben wir nicht so gute Nachrichten. Manfreds Mutter liegt derzeit auch im Krankenhaus; sein Vater ist ein rechtes Stehaufmännchen: er arbeitet täglich beim Nachbarn in dessen Blumenbeeten und hält sich dadurch aufrecht. Dennoch sind Manfreds Gedanken natürlich auch oft bei seinen Eltern. Sobald wir durch den Panama-Kanal durch sind, kann Manfred auch nicht mehr so einfach nach Hause fliegen.

 

Meinen Rückflug nach Bogotá verschob ich nochmals um 2 Tage und landete schließlich am 7.10. wieder in Cartagena, empfangen von einem glücklichen Manfred, der sich schon an sein Junggesellen-Dasein auf dem Schiff gewöhnt hatte. Wir blieben noch 3 Tage in der Marina und bereiteten alles für die Abreise vor, d.h. vor allem Proviant kaufen! In Kolumbien sind Lebensmittel relativ preisgünstig, qualitativ gut und das Einkaufen ist bequem, in Panama soll es weitaus gefährlicher sein, sich außerhalb der Marinas zu bewegen, so bunkern wir hier, vor allem Flüssiges, für die nächsten 6 Monate. In der Südsee ist alles enorm teuer, so kostet in Tahiti eine Dose Bier beispielsweise 7-8 DM, und hier in Kolumbien 1,10 DM. Also kauften wir 480 Dosen Bier, 240 Dosen Cola, 60 Liter Saft, 30 Liter H-Milch, 400 Liter Trinkwasser in Flaschen, Nudeln, Reis, Spaghetti-Saucen, Gewürze, 10 kg Kaffee.

Dazu noch frische Lebensmittel für die nächsten 2-3 Wochen. Der Einkauf dauerte ewig, aber noch länger dauerte das Verstauen der Schätze. Bis wir einen Platz unter Deck gefunden hatten, standen die Sachen in der glühenden Sonne, und zu unserer großen Freude platzten – natürlich unter Deck! – eine Cola-Dose und eine Bierdose. Sauerei!

 

Na gut, jetzt haben wir Schlagseite! Die Gästekabine an Steuerbord ist voll von Getränken. Wir füllten noch Wasser und Diesel auf und starteten dann, tief im Wasser liegend, in Richtung Panama. Von Cartagena habe ich leider nicht viel gesehen, Manfred dafür umso mehr, es ist wirklich eine sehr schöne alte Stadt, hat aber, wie jede andere Großstadt auch moderne Stadtviertel mit Hochhäusern und Casinos.

 

Wir befinden uns jetzt in Begleitung von Boomerang, und sind froh darüber, die beiden in der Nähe zu haben. Die Kanadier haben wir in Cartagena zurückgelassen.

 

Mit zu wenig Wind überquerten wir den großen Golf von Darien unter Motor, von Cartagena aus westwärts. Ein wenig segeln konnten wir auch, dabei riss allerdings das Auge des Großsegels mit einem lauten Knall aus und nun ist erst mal vorbei mit Segeln. Es ist zwar blöd, aber besser, es passiert hier als mitten auf dem Pazifik. In Panama wollen wir es reparieren lassen. Was uns mehr stört, ist der Ruderantrieb. Das Rudergestänge rumpelt sehr laut und unter Motor reißt das Lenkrad heftig am Gestänge. Das hat zur Folge, dass der Autopilot häufigndig aussteigt und immer einer von uns parat sein muss, das Ruder von Hand zu übernehmen. Die elektrische Whitlock-Anlage hat sich bisher als nicht so toll erwiesen, und wir überlegen, ob wir einen hydraulischen Antrieb einbauen lassen sollen, der insgesamt weicher funktioniert. Ich verstehe ja nicht viel von Technik, und Manfred wird das bestimmt noch korrigieren, aber ich verstehe inzwischen so viel vom Ruder-Gehen, dass ich merke, dass das nicht in Ordnung ist.

 

Insgesamt bin ich erstaunt, wie sehr Sonne, Salz und Wind dem Material zusetzen. Dabei haben wir darauf geachtet, erstklassiges Material zu nehmen, trotzdem bin ich platt, wie sich Stoffe und Nähte oder metallene Zipper von Reißverschlüssen einfach in Nichts auflösen. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit fangen die Polster im Deckshaus an zu schimmeln, Manfred hat zwar die Bezüge gewaschen, aber die Stockflecken gehen nicht mehr raus.

Wir nähern uns immer mehr dem Äquator, und die Luftfeuchtigkeit nimmt immer mehr zu. Jeden Tag gibt es einen oder auch mehrere heftige Regenschauer, aber solange wir vor Anker liegen, haben wir das ganze Boot mit einer großen Persenning abgedeckt und müssen nicht immer gleich flitzen und die Luken schliessen, sobald ein Regentropfen fällt.

Inzwischen sind wir nun an einem wunderschönen Ankerplatz angekommen. Eine herrliche Bucht am Beginn der San-Blas-Inseln, ringsum sind dichte Palmen-Haine, tiefes Grün. Gestern Abend nach unserer Ankunft und heute früh haben wir schon Besuch von Kuna-Indianern in ihren schmalen Ruderbooten erhalten. Sie wollen Langusten und gestickte Handarbeiten verkaufen. Eine hübsche Kuna-Frau wollte unser Boot besichtigen, und ich habe sie ein wenig herumgeführt. Sie war sehr nett, Beine und Arme mit Perlenarmbändern geschmückt, hübsche schwarze Haare und ein nettes Gesicht. Die Kuna sind sehr freundlich und zumindest in dieser Gegend unaufdringlich. Weiter östlich soll es anders sein.

 

Am Ufer entlang befinden sich zahlreiche Korallenstöcke, heute nacht hat unser Ruder einen touchiert und ich bin von dem komischen Geräusch aufgewacht. Wir konnten ihn bei der Ankunft nicht sehen, da das Licht schon zu schwach war, heute früh haben wir La Rossa neu platziert. Inzwischen ist auch Boomerang eingetroffen, sie sind gesegelt und haben länger gebraucht als wir unter Motor.

 

Manfred macht gerade ein paar Umbauten am Motor, und ich taue die Kühlschränke ab und tippe, wir hören schöne Musik, und nachher gehen wir baden. Es gibt in dieser Bucht viele Fische, sogar Delfine waren heute früh schon hier! Zuerst müssen wir aber noch den Schlüssel von dem Vorhängeschloss finden, mit dem wir das Dinghi gesichert haben, wenn wir ihn nicht finden, muss der Bolzenschneider her!

 

Mamitupu (San-Blas-Insel), 15.10.2001

 

Heute Morgen haben wir Port Escoses verlassen und liegen jetzt etwa 30sm entfernt vor Mamitupu. In Port Escoses hatten wir noch sehr nette Erlebnisse. Ganz in der Nähe von unserem Ankerplatz befand sich ein Dorf der Kuna-Indianer. Einige Bewohner waren schon am ersten Tag mit ihren Holzbooten zu uns gerudert, teils aus Neugier, teils, weil sie etwas verkaufen wollten. Das Verkaufen stand hier aber nicht im Vordergrund, sie akzeptierten es, wenn wir ihnen sagten, dass wir im Moment nichts brauchen. Dann kam der Dorfälteste, der „sahila“ mit seinem Übersetzer. Sie erklärten uns, dass man einen Kostenbeitrag von 5USD an das Dorf bezahlen sollte. Wir hatten unsere Hausaufgaben nicht gemacht und versuchten zu handeln, denn wir wollten nichts bezahlen. Wir sagten, dass wir am nächsten Tag ins Dorf kommen und statt des Geldes Geschenke mitbringen würden.

 

Das taten wir dann auch. Wir fuhren mit dem Dinghi ins Dorf und machten in Begleitung mehrerer Dorfbewohner einen Rundgang, wir durften sogar einen Blick in Hütten werfen. Wir fanden am Bach den Waschplatz und das „Bad“. Der „sahila“ war noch nicht da – er arbeitet auf der Plantage (Bananen und Kokosnüsse), wir sollten aber warten. Schließlich kam er und wir wurden in seine Hütte geführt. Es sind Strohhütten, innen ist alles sauber gefegt, mehrere Hängematten hängen an den Balken, es gibt hölzerne Schemel zum sitzen und eine Kochstelle, sogar einen „Kleiderschrank“, d.h. eine aufgehängte Holzstange, über die die Kleider gehängt werden.

 

Manfred hatte sich vorher schon zusammen mit einem der Männer „abgeseilt“. Er sollte etwas an dessen Jagdgewehr reparieren und der Kuna-Mann ruderte meinen zierlichen Manfred im wackeligen Einbaum zu La Rossa. Dazu muss man sagen, dass die Kuna eher klein sind, ca. 1.50m gross und zierlich. Manfred mit dem Kuna-Mann im Einbaum war schon ein lustiges Bild.

 

Wir verbliebenen drei, Juana, Klaus und ich, saßen also beim „sahila“ und breiteten unsere Geschenke vor ihm aus, der alles mit unbewegter Miene zur Kenntnis nahm. Nach langen Erklärungen sagte er dann aber, dass wir trotzdem die 5USD pro Boot zu bezahlen hätten. Da ich die einzige war, die ein wenig Spanisch spricht, war ich also unsere „Verhandlungsführerin“, und wir wollten natürlich auch nicht klein beigeben. Aber so einfach war es nicht. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich mit meinen bescheidenen Spanisch-Kenntnissen einmal mit einem Indianer-Häuptling in dessen Hütte über unseren ungehinderten Abzug verhandele, derweil die Sandflöhe unsere Beine und Arme traktierten. Juana half mit ein paar Brocken in Kuna-Sprache nach. Schließlich fanden wir einen Kompromiss (5USD für beide Boote) und wir wurden verabschiedet.

 

Manfreds Freund mit dem Gewehr war glücklich über die reparierte Jagdflinte und er schenkte uns zum Dank 2 Kokosnüsse und 2 Langusten; er bekam noch einen Einwegrasierer, einen „stern“ (Zeitschriften finden sie genial) und eine Zigarette. Sie lachten sich halbtot über den Bildschirmschoner an unserem PC (Unterwasserwelt) und machten große Augen über das Innenleben von La Rossa.

 

Hier in Mamitupu ist es ganz anders: hier gibt es bereits einige Touristen, obwohl sich der Kuna-Kongress gegen die Förderung des Tourismus ausspricht. Die „congresos“ wollen nicht, dass die Einheimischen Kontakt mit den Touristen haben. Sie sollen ihr traditionelles Handwerk ausüben und ihre alte Kultur pflegen. Die Kuna sind der einzige Indianerstamm in Amerika, die noch nach den alten Gebräuchen leben und von den Touristen noch unabhängig sind. Die Männer gehen der Jagd nach und fischen, die Frauen fertigen „molas“, das sind Stickereien, aus denen die traditionellen Blusen gemacht werden.

Aber was die „congresos“ beschließen, interessiert die Kinder nicht. Unsere Segelboote sind umlagert von bis zu 10 Einbäumen mit lachenden Kindern darin. Sie freuen sich, wenn man sie nach ihren Namen fragt und ihnen Bonbons schenkt. Als ich schnorcheln ging, wurde ich von einer ganzen Horde Boote begleitet, deren kleine Insassen neugierig beobachteten, was ich da treibe.

 

 

Green Island (Kanildup) -San-Blas-Insel, 18.10.2001

 

Von Mamitupu aus fuhren wir in langsamer Schlängelfahrt durch zahlreiche Riffe und zwischen Inselchen hindurch; man muss sehr sorgfältig navigieren und genau beobachten, wo Untiefen sind – Augapfelnavigation nennt man das. Das Navigieren mit den Augen geht nur bei hoch stehender Sonne und sehr guter Sicht; das war bei unserer Reise leider nicht immer der Fall, immerhin sind wir hier schon sehr weit am Äquator und es regnet oft, d.h. die Sonne versteckt sich hinter den Wolken und lässt uns ganz schön im Irrgarten suchen. Das Wasser ist hier auch nicht überall richtig klar, sodass die Augapfelnavigation auch ganz schön schwierig ist. Wegpunkte aus dem GPS sind nur teilweise hilfreich und unser elektronisches Kartenprogramm nutzt in dieser Gegend nichts, denn es gibt von dieser Gegend keinerlei Detailkarten, weder auf Papier noch elektronisch. Wir haben aber einen guten Segelführer, den wir in Aruba glücklicherweise ausleihen und kopieren lassen konnten. Ohne den wären wir hier total aufgeschmissen.

 

Trotzdem ist es wunderschön: völlig unberührte Landschaft, Hunderte kleiner Inselchen, dicht mit Palmen bewachsen. Manchmal hat man den Eindruck, eine Insel ist durch die vielen Palmen so schwer, dass sie gleich untergeht. Sie haben manchmal nur 10 Meter Durchmesser und beherbergen vielleicht 30 Palmen.

 

In Snug Harbour, einen Traum-Ankerplatz, kauften wir Langusten und große Krebse und zahlten für einen ganzen Eimer voll Krabbeltieren 5 US$.

 

Heute ist Back- und Kochtag. Der Generator läuft und wir nutzen den Strom, machen Trinkwasser, backen Kuchen und unsere ersten Brote!!! Im Moment sind sie im Ofen und wir sind gespannt wie sie schmecken werden. Der Kuchen ist ganz lecker – Marmorkuchen von Dr.Oetker. Außerdem haben wir die Klimaanlage an, sonst würden wir hier unten wahrscheinlich gleich mitgebraten.

 

Wenn alles fertig ist, machen wir mit der Gummiwutz eine kleine Tour zum Riff und wir wollen dort ein wenig schnorcheln. Unser Gummiboot ist leider kaputt, der Boden hat sich am Bug abgelöst (Marke Zodiac) und wenn man nicht aufpasst, läuft Wasser herein. Wir müssen es reparieren, bevor Manfred in die Südsee aufbricht, denn dort ist alles wahnsinnig teuer, auch solche Reparaturen.

 

 

Montag, 22.10.2001, Isla Linton

 

Gestern haben wir die San-Blas-Inseln verlassen und ankern jetzt hinter der Isla Linton, etwa 25 sm östlich von Colon, der Stadt an der Nordeinfahrt zum Panama-Kanal. Auf der anderen Seite liegt Panama-City. Morgen fahren wir weiter bis Colon und haben dort einiges zu tun. In erster Linie müssen wir uns um einen Termin für die Kanal-Durchfahrt kümmern, das dauert einige Tage und bedeutet etliche Gänge zu diversen Behörden: Immigration, Schiffsvermessung, Kanal-Transit-Office, Lotsen und Leinenhändler usw. usw. Wir wollen auch sehen, dass wir zusammen mit anderen Yachten durch den Kanal gehen können, das ist pro Yacht dann nicht nur billiger, sondern auch angenehmer, als alleine hinter einem riesigen Frachter in der Schleuse zu hängen. Vielleicht können wir auch an ein Pilot-Boot andocken, das machen sie auch manchmal mit Yachten. Insgesamt wird die Kanal-Durchfahrt wohl schon recht aufregend, und es ist schon ein besonderes Ereignis.

 

Außerdem müssen wir uns um die Reparatur des Großsegels kümmern, das auf der Fahrt von Cartagena zu den San Blas Inseln am Auge ausgerissen ist. Das Dinghi muß repariert werden und eine schadhafte Stelle an der Deckshaus-Persenning, und einige der Polster brauchen neue Reißverschlüsse.

 

Wir wollen vor dem Start in den Pazifik alles in Ordnung haben, denn unterwegs gibt es keine Reparatur-Möglichkeiten, erst wieder in Tahiti.

 

Wir beobachten seit längerem, dass hier so gut wie keine schönen Segelyachten herumfahren. Boomerang (eine Amel Super Maramu 2000) und La Rossa sind die einzigen größeren Segelyachten hier in der Gegend, alles andere sind kleine Segler, leicht angegraut und etwas vergammelt, aber offensichtlich irgendwie auf größerer Fahrt oder auch hier hängen geblieben. Die schönen Yachten fahren anscheinend höchstens noch bis Trinidad, vielleicht auch nur bis Grenada, meistens scheinen sie ohnehin nur in ihrem Hafen oder vor Anker zu liegen und Parties zu feiern. Schade eigentlich um so schöne Schiffe, die ja zum segeln gebaut sind und nicht zum herumliegen. Wir jedenfalls freuen uns jeden Tag über unser schwimmendes Haus und genießen alles, was wir an Bord haben. Es ist zwar viel Technik, aber das macht uns auch völlig unabhängig. Ohne den ganzen Krimskrams hätten wir nicht 2 Wochen in den San-Blas-Inseln bleiben können, oder wir wären ständig beschäftigt gewesen, uns mit irgendwelchen Dingen, z.B. Wasser und frischen Lebensmitteln zu versorgen. Alternative: man wäscht sich nicht und isst Dosenfutter. Das geht natürlich auch.

 

So, nun will ich diesen Reisebericht, der nun doch sehr lang geworden ist, beenden und ihn in Colon abschicken. Die Panama-Kanal-Durchfahrt werden wir in einem neuen Bericht beschreiben und alles auch filmen.

Für heute grüßen wir alle ganz herzlich, bis zum nächsten mal! Eure Renate und Manfred

 

 

 

Reisericht 12 (Panama)

Flamenco Island, Sonnta


Gestern haben wir die San-Blas-Inseln verlassen und ankern jetzt hinter der Isla Linton, etwa 25 sm östlich von Colon, der Stadt an der Nordeinfahrt zum Panama-Kanal. Auf der anderen Seite liegt Panama-City. Morgen fahren wir weiter bis Colon und haben dort einiges zu tun. In erster Linie müssen wir uns um einen Termin für die Kanal-Durchfahrt kümmern, das dauert einige Tage und bedeutet etliche Gänge zu diversen Behörden: Immigration, Schiffsvermessung, Kanal-Transit-Office, Lotsen und Leinenhändler usw. usw. Wir wollen auch sehen, dass wir zusammen mit anderen Yachten durch den Kanal gehen können, das ist pro Yacht dann nicht nur billiger, sondern auch angenehmer, als alleine hinter einem riesigen Frachter in der Schleuse zu hängen. Vielleicht können wir auch an ein Pilot-Boot andocken, das machen sie auch manchmal mit Yachten. Insgesamt wird die Kanal-Durchfahrt wohl schon recht aufregend, und es ist schon ein besonderes Ereignis.

 

Außerdem müssen wir uns um die Reparatur des Großsegels kümmern, das auf der Fahrt von Cartagena zu den San Blas Inseln am Auge ausgerissen ist. Das Dinghi muß repariert werden und eine schadhafte Stelle an der Deckshaus-Persenning, und einige der Polster brauchen neue Reißverschlüsse.

 

Wir wollen vor dem Start in den Pazifik alles in Ordnung haben, denn unterwegs gibt es keine Reparatur-Möglichkeiten, erst wieder in Tahiti.

 

Wir beobachten seit längerem, dass hier so gut wie keine schönen Segelyachten herumfahren. Boomerang (eine Amel Super Maramu 2000) und La Rossa sind die einzigen größeren Segelyachten hier in der Gegend, alles andere sind kleine Segler, leicht angegraut und etwas vergammelt, aber offensichtlich irgendwie auf größerer Fahrt oder auch hier hängen geblieben. Die schönen Yachten fahren anscheinend höchstens noch bis Trinidad, vielleicht auch nur bis Grenada, meistens scheinen sie ohnehin nur in ihrem Hafen oder vor Anker zu liegen und Parties zu feiern. Schade eigentlich um so schöne Schiffe, die ja zum segeln gebaut sind und nicht zum herumliegen. Wir jedenfalls freuen uns jeden Tag über unser schwimmendes Haus und genießen alles, was wir an Bord haben. Es ist zwar viel Technik, aber das macht uns auch völlig unabhängig. Ohne den ganzen Krimskrams hätten wir nicht 2 Wochen in den San-Blas-Inseln bleiben können, oder wir wären ständig beschäftigt gewesen, uns mit irgendwelchen Dingen, z.B. Wasser und frischen Lebensmitteln zu versorgen. Alternative: man wäscht sich nicht und isst Dosenfutter. Das geht natürlich auch.

 

So, nun will ich diesen Reisebericht, der nun doch sehr lang geworden ist, beenden und ihn in Colon abschicken. Die Panama-Kanal-Durchfahrt werden wir in einem neuen Bericht beschreiben und alles auch filmen.


Panamadurchfahrt, 28. Oktober 2001

 

 

Wir hatten auch einen großen Tag und zwar war gestern unsere Panama-Kanal-Durchfahrt. Es ist schon eine größere Sache, die einigen Behörden-Kram, Vorbereitung am Schiff und nicht zuletzt Kosten mit sich bringt. Wir lagen dazu 3 Tage in der Kanal-Zone vor Anker, zusammen mit etwa 10 anderen Yachten, die entweder vom Pazifik kamen oder auch auf die andere Seite wollten. Von dort aus pendelten wir mit dem Dinghi immer zum benachbarten Panama-Canal-Yacht-Club, wo wir Rudy, unsere gute Seele kennen lernten. Rudy kümmert sich um alles und weiß um alle Abläufe Bescheid. Er lebt von den Yachties, er ist zuverlässig, kutschiert einen überall hin und ist dabei noch bezahlbar. Dadurch benötigten wir keinen der teuren Agenten. Rudy und ein Kollege, Alfonso, fungierten auch als line handlers, zusammen mit unserem Freund Klaus von der SY Boomerang und Erwin von der SY Moonwalker. Man benötigt 4 line handlers für die Durchfahrt, dazu 4 120 Fuß lange Leinen, die wir im Yacht Club mieten konnten. Und natürlich etliche Papiere und Genehmigungen.

 

Der Transit einer Yacht ist für die Kanal-Gesellschaft nicht interessant, der Kanal wurde für die Großschiffe gebaut und ist auch entsprechend dimensioniert. Eine kleine Yacht ist dort wie eine kleine Fliege.

 

Morgens um 4 Uhr holte Manfred die line handlers ab, der Pilot namens Ruben wurde von einem Piloten-Taxi abgesetzt und dann ging es gleich los, wir mussten noch „unser“ Schiff abwarten, d.h. den Frachter, hinter dem wir die ersten 3 Schleusen passieren sollten. Es war ein hässliches Ding, wie eine riesige Schachtel, ein PKW-Transporter, diese Dinger werden auch tatsächlich „boxes“ genannt.

 

Noch bei Dunkelheit passierten wir die erste der 3 Aufwärts-Schleusen, die Gatun Locks. Es ist schon sehr aufregend, wenn das Wasser durch riesige unterirdische Kammern und Kanäle in die Schleusenkammer strömt; es gibt starke Verwirbelungen dadurch und sowohl line handlers als auch der Captain mussten gut aufpassen und La Rossa schön gerade halten. Aber es klappte alles hervorragend und ohne Zwischenfälle. Meine Aufgabe war, alles zu filmen, und natürlich die Mannschaft mit flüssiger und fester Nahrung bei Laune zu halten.

 

Wir motorten dann durch den Gatun-Lake. Es ist ein riesiger künstlicher See, der durch verschiedene Stauseen gespeist wird. Das Wasser des Sees wird für den Betrieb der Kanal-Schleusen benötigt. Pro Schleusenkammer werden 194 Millionen Liter Wasser gebraucht. Der Gatun Lake überschwemmte bei seiner Entstehung 1913 ein großes Waldgebiet und man sieht noch heute überall Baumstämme mit dürren Ästen aus dem See herausragen. Die Panamesen nennen den See „tree cemetary“. Die Schiffe folgen einem ausgebaggerten Kanal. Die Durchfahrt ist ungefähr 30sm lang, dann kommen die 3 Abwärts-Schleusen. An den Miraflores Locks wurden wir von einer Web-Camera gefilmt, wir waren allerdings früher dort als erwartet, und so weiß ich nicht, ob uns jemand im Internet gesehen hat. Ich habe schnell noch ein paar „Internet-freaks“ per email darüber informiert, weiß aber nicht, ob am Samstagabend jemand online war, wenn ja, dann wäre es nett, wenn ihr uns das mitteilt.

 

In jeder Schleusenkammer wird man 10 Meter angehoben bzw. wieder abgesenkt. Das Niveau des Pazifik ist in diesen Breiten etwas höher als der Atlantik und hat außerdem mehrere Meter Tidenhub.

Wir erreichten die Pazifik-Seite bei Hochwasser und passierten bei Balboa die „Bridge of the Americas“. Wir setzten unseren Piloten sowie die line handlers Rudy und Alfonso ab und fuhren weiter bis zum Kanal-Ausgang bei Flamenco Island. Dort liegen wir jetzt vor Anker, im Hintergrund im Dunst die Hochhäuser von Panama City.

 

Der Pazifik-Effekt hat sich noch nicht eingestellt. Wir waren natürlich schon bewegt als wir den Pazifik vor uns sahen, aber so richtig verinnerlicht haben wir das noch nicht, geht vielleicht auch nicht so schnell.

 

Soviel können wir schon sagen: das Wetter ist hier ganz anders. Es ist zwar warm, aber es regnet wesentlich häufiger als auf der Karibik-Seite und das Wasser soll deutlich kälter sein, was wir aber noch nicht ausprobiert haben. Immerhin liegen wir hier im kalten Humboldt-Strom, und die karibischen Wassertemperaturen von 30°C gibt es jetzt nicht mehr. Aktuell weht hier auch ein ordentlicher Wind von 25 Knoten (davon träumen Segler!), das ist aber eher untypisch, denn wir befinden uns hier in der tropischen Konvergenz-Zone, wo normalerweise nahezu Windstille herrscht. Im Moment regnet es, und die Männer nutzen die Zeit und machen irgendwelche Tests mit dem SSB-Radio, das in den letzten Tagen gesponnen hat. Auch unser Telefon funktioniert zeitweise nicht, wobei wir noch nicht wissen, ob es daran liegt, dass wir hier im Pazifik andere Satelliten haben oder ob es ein elektrischer Fehler ist.

 

Wer uns anrufen will, sollte jetzt auf jeden Fall notieren, dass sich die Vorwahl ändert: anstatt 00874... ändert sich das jetzt auf 00872... , im Zweifelsfall also beide ausprobieren. Der Übergang ist wahrscheinlich allmählich und nicht von jetzt auf nachher.

 

Hier in Panama City müssen wir noch ein paar Sachen erledigen, bevor wir die Etappe nach Galapagos beginnen. Bis dort sind es rund 1000 sm, mit einem Stop bei den Las Perlas Inseln. Das dauert zwischen 6 und 20 Tagen, je nach Wind, denn motoren können und wollen wir nicht die ganze Strecke. Hier wollen wir auch noch mal in ein Internet-Café gehen und uns melden, denn dann geht es erst wieder in Galapagos, wenn es dort überhaupt Internet gibt. Ich werde dann von Galapagos nach Quito und von dort nach Bogotá fliegen, von wo dann am 29.11. mein Rückflug nach Frankfurt startet. Manfred segelt „Einhand“ in die Südsee weiter. Es ist eine Herausforderung für ihn, aber er möchte es unbedingt so – es ist auch so ein Traum von ihm!

 

Soweit der kurze Bericht für heute! Wir fahren heute Nachmittag nach Panama City und wir wollen versuchen, das auf den Weg zu bringen.

 

Reisebericht 13

Panama-Galapagos, 5. November 2001

 

 

Wie schnell sich die Bilder ändern! Vor einer Woche erst erlebten wir die Panama-Kanal-Durchfahrt, und nun tippe ich diesen Bericht auf dem zwischen Panama und den Galapagos-Inseln auf Pazifik-Wellen schwankenden Schiff. Das Wasser kracht von Zeit zu Zeit kräftig gegen den Rumpf, oben ist volle Segelgarderobe angelegt: Genua, Fock und Groß, die Sonne scheint und zwischen 20 und 35 Knoten Wind ziehen uns in Richtung SSW. Das ist schöne Reisegeschwindigkeit, so ca. 5 Knoten, aber ein wackeliger Am-Wind-Kurs auf Backbordbug, bei dem einem beim Kochen immer der Inhalt der Schrankfächer entgegenfliegt und die Schubladen mit Getöse herauskrachen. Den Seglern erscheint vor dem geistigen Auge sicher gleich ein bestimmtes Szenario; den Nicht-Seglern kann man das so erklären: stellt euch vor, euer Haus ist in der Längsachse ständig etwa 20 bis 30° zur Seite gekippt und macht zusätzlich nach vorne heftige unregelmäßige Nickbewegungen, die von heftigem Rumsen und größeren Wassermengen begleitet werden, die über das Deck schwappen. Dabei muss man sitzen, liegen, essen, kochen, duschen und die Toilette benutzen usw. usw. Jeder kleinste Gang wird zum akrobatischen Kunststück, zumal man sich mit mindestens einer Hand festhalten muss, und eine Hand reicht manchmal nicht.

 

Alles in allem: für mich ist das nichts! Ich war die ersten Tage seekrank und ab dem 5. Tag ging es dann besser, aber es ist ätzend langweilig für eine Langstrecken- und Waldläuferin. Manfred  dagegen, dem Seebär, macht alles nichts aus. Er hüpft herum und freut sich, wenn es so richtig zur Sache geht und Rasmus ordentlich bläst.

 

Aber erst noch mal zurück nach Panama. Nach der Kanal-Durchfahrt lagen wir 3 Tage in einer Art Hafen in der Nähe von Panama-City und fuhren mit dem Bus einige male in  die Stadt, um ein paar Sachen zu besorgen, aber das ist in Panama City schwierig. Es ist zwar eine Großstadt mit Hochhäusern und einer Altstadt, aber alles ist chaotisch, laut und unübersichtlich. Wir hatten eine Liste von Adressen für Schiffszubehör, aber keine der Firmen existierte noch und wir fanden letzten Endes nichts, dafür gab es gute Lebensmittel und wir deckten uns ordentlich ein.

 

Von Panama City aus segelten wir dann zu den Inseln Las Perlas, eine Tagesetappe entfernt. Wir waren überrascht über das Wetter; es ist ganz anders als auf der karibischen Seite, wesentlich kühler und alles ist rauer. Wir mussten uns auch erst an das Navigieren bei Ebbe und Flut gewöhnen, der Tidenunterschied beträgt rund 4m, und es ist schon wichtig zu wissen, ob man bei Hochwasser irgendwo ankert oder bei Niedrigwasser, sonst macht man beim Aufwachen vielleicht ein erstauntes Gesicht. Wir waren auch überrascht über die enorm starken Strömungen, die Ebbe und Flut mit sich bringen. Man kann nicht so einfach ins Wasser springen und schwimmen. An einem Ankerplatz, den wir bei ruhigem Niedrigwasser anfuhren, kriegten wir große Augen, als bei auflaufender Flut ein so starker Strom einsetzte, dass unser Schiff trotz 25 Knoten Wind aus der dem Strom entgegengesetzten Richtung mit dem Heck gegen den Wind stand. Ich versuchte zu schwimmen, gut gesichert durch den Lifebelt und eine lange Leine, die Manfred von Deck aus festhielt, aber es war absolut unmöglich, und ohne den Lifebelt wäre ich auch nicht mehr zurückgekommen, sondern irgendwo gestrandet. Kurz vor dem niedrigsten Wasserstand war der Spuk schlagartig vorbei, es herrschte wieder Ruhe und das Schiff drehte sich wieder in den Wind.

 

In einer anderen Ankerbucht waren wir bei Hochwasser angekommen und Manfred entschied sich für einen Ankerplatz relativ weit weg von dem schönen einladenden Sandstrand; das war gut so, denn bei Ebbe breitete sich vor dem Sandstrand eine riesige Felsenlandschaft aus, von der man bei Hochwasser absolut nichts sehen konnte. Die ersten Felsen waren nur wenige Meter von unserer La Rossa entfernt. Beim Abschnorcheln des Ankerplatzes war nichts zu erkennen, denn das Wasser ist um diese Jahreszeit wegen der häufigen Regenfälle ganz trüb und man kann vielleicht nur einen Meter tief schauen. Trotzdem gefiel uns diese Bucht, Puente Coco, sehr gut und wir blieben ein paar Tage. An Land befindet sich eine Station der Marine, zwei junge Männer taten dort Dienst. Wir besuchten sie in ihrer Einsamkeit, brachten Bier und Cola mit, sie versorgten uns dafür mit dem neuesten Wetterbericht. Von Einheimischen, die mit ihren Holzbooten zu uns ruderten, kauften wir Zitronen und Papayas sowie einen Fisch und – eine Perle!

 

Die Menschen hier ernten Perlen aus Austernmuscheln, früher waren die Perlen von den Las Perlas, die daher auch ihren Namen haben, sehr bekannt. Die Peregrina-Perle der englischen Königin Mary Tudor stammt von der Insel Contadora. Heute sind die Perlen von hier nur noch sehr klein und die Las Perlas sind für die Perlenzucht unbedeutend geworden.

 

Letzte Vorbereitungen für den langen Trip nach Galapagos mussten noch getroffen werden, Brot backen, vorkochen etc, und am 4.11. hoben wir den Anker und starteten in Richtung Galapagos, 930 sm entfernt.

 

Heute ist nun bereits der 16. November und wir ankern jetzt im Hafen von Puerto Ayero, das ist der Hafen der Isla Santa Cruz, einer der Inseln des Archipiélago de Colón – das ist der geografische Name – in der Provincia de Galapagos. Galapagos gehört zu Ecuador. Wir haben alle Einklarierungsformalitäten erledigt und sind nun dabei, unser Schiff wieder auf Vordermann zu bringen. Immerhin hat die Überfahrt 10 Tage gedauert, und in dieser Zeit kann man weder etwas reparieren noch putzen oder sonstiges. Größere Defekte gab es nicht, nur der übliche Kleinkram, der bei einem nicht-segelnden Menschen Unverständnis hervorruft und für segelnde Menschen zum Alltag gehört. Inzwischen regen uns solche Sachen nicht mehr auf, es ist einfach „normal“ und auf unserem Schiff im Vergleich zu anderen Booten erfreulich wenig. Man muss einfach alles ständig pflegen, kontrollieren und einen kleinen Defekt sofort reparieren, bevor sich der Schaden ausbreiten kann. Heute z.B. baut Manfred alle Luken aus, reinigt sie und überprüft, ob die Wasserabläufe noch dicht sind und der Schließmechanismus funktioniert. Ich habe Wasch- und Putztag. Und tippen!

 

Über die Inselwelt selbst wissen wir heute noch nicht so viel. Es ist nicht so, dass an der Hafeneinfahrt 20 Schildkröten zur Begrüßung Spalier stehen und die Seelöwen mit den Schwänzen wackeln. Im Moment erleben wir hier die Hafenstimmung und die ist wie in einer kanadischen Siedlung im Goldrausch. Überall ankern Schiffe, Segler, kleine Frachter und Motoryachten, oft ältere Exemplare, dazwischen kurven Gummiboote herum, voll beladen mit einer Fracht von Touristen, alle im Expeditions-Outfit, mit roten Schwimmwesten um den Hals und gespannten Gesichtern. Kleine gelbe Taxiboote mit blauen Baldachinen fahren im Zick-Zack-Kurs durch die Bucht und halten Ausschau nach Kundschaft: man fährt hier nicht dem eigenen Dinghi, sondern macht ein Taxiboot durch lautes Rufen, Pfeifen oder wildes Gestikulieren auf sich aufmerksam, es kommt dann ans Schiff und man hüpft mit einem mutigen Sprung aufs Taxiboot, denn hier herrscht ordentlicher Schwell. Jeder Passagier muss sich aus einem Plastiksack eine Schwimmweste greifen und umlegen, das ist Vorschrift hier, nur abends fährt man „ohne“, denn das Auge des Gesetzes hat kein Nachtsichtgerät.

 

Gestern waren wir in der „Stadt“, um uns überall anzumelden, ins Internet zu gehen und ein wenig einzukaufen. Unsere frischen Lebensmittel waren nach der 10-tägigen Reise aufgebraucht. In einer Nebenstrasse fanden wir einen Gemüse- und Obstladen, echt ecuadorianisch! Auf der Treppe saß sie, die Chefin, „er“ war im düsteren Inneren des Ladens beschäftigt. Manfred wollte lieber nicht hineingehen, aber so viel Auswahl und Supermärkte gibt es hier nicht, also kletterte ich über mehrere Säcke und kämpfte mich zu den Holzregalen und den Waren durch. Ich suchte Tomaten, Gurken, Mangos, Papayas, Ananas und eine uns unbekannte Frucht aus, dann stieg ich wieder zurück und arbeitete mich zu einer altmodischen Waage durch, wo der Chef alles wog und für mich einpackte. Das Ermitteln der Preise machte allerdings sie, die Chefin, wobei er jeweils sagte, worum es sich handelt, Anzahl oder Gewicht angab, und sie, immer noch auf der Treppe hockend, gab dann durch: „2 Papayas? Sagen wir mal 1 Dollar pro Stück, nein, 80 Centavos!“ So ging das, bis alles erfasst war. Sie lachte dabei, er auch, und ich konnte vor Vergnügen kaum ernst bleiben, es war einfach köstlich, diese Szene. Am Ende bezahlten wir 7 US$ für zwei volle Tüten.

 

 

Sonntag, 18. November 2001

 

Nun sitze ich im Deckshaus, es regnet ein wenig und ich muss erst mal die gestrigen Erlebnisse in den Computer tippen. Wir haben mit einem Taxi eine Tour ins Inselinnere unternommen und endlich die Riesenschildkröten gesehen, für die Galapagos so berühmt ist. Man glaubt es kaum! Diese Ungetüme laufen herum wie andernorts Kühe oder Schafe!

 

Die Insel Santa Cruz ist zu 92% Naturpark und 8% sind besiedelt bzw. kultiviert. Alle Galapagos Inseln sind vulkanisch und die Vulkane sind noch aktiv. Im Hochland der Insel befinden sich Fincas, die von Familien bewohnt werden und die dort Kaffee, Papayas, Mais und Bananen anbauen. Insektizide sind streng verboten, so ist alles naturrein. Wir haben die Rancho Primizio besucht, unser netter Taxifahrer Caesar begleitete uns und erklärte uns vieles. Auf dem Finca-Gelände leben zwischen 40 und etwa 100 Riesenschildkröten, je nach Jahreszeit. Wenn sie ihre Eier ablegen, wandern sie ungefähr 5km weit zum Strand, legen dort ihre Eier im Sand ab und kehren dann wieder ins Land zurück. Auf der Insel leben sie ungestört in ihrer natürlichen Umgebung.

 

Man kann sich langsam nähern, dann erschrecken sie nicht und ziehen auch ihren Kopf nicht ein; aber wenn man sich zu hastig bewegt, verschwindet der Kopf unter dem Panzer und sie geben ein unheimliches Zischen von sich. Es sind gutmütige Riesen; sie fressen nur Pflanzen, vielleicht werden sie deshalb so alt! Sie werden ca. 250 Jahre alt, die Männchen sind bis zu 1,5m lang und etwa 1m hoch und wiegen etwa 250kg; die Weibchen sind etwas kleiner und haben einen stärker gewölbten Panzer. Es ist einfach unfassbar, wenn man diese Tiere beobachtet. Erstens weil sie so groß sind und so steinzeitlich aussehen, und dann natürlich wegen der Vielzahl der Tiere. Wir sahen nicht eine oder zwei, nein, vielleicht 20 oder 30! Sie sind einfach überall!

 

Wir konnten einer deutschen Reisegruppe folgen, die einen Reiseführer dabei hatte, so hatten nicht nur unsere Augen etwas, sondern auch die Ohren. Mit dieser Gruppe gingen wir dann noch durch einen unterirdischen natürlichen Lava-Tunnel, von denen es auf dieser Insel mehrere gibt. Die Lava auf den Galapagos Insel ist sehr flüssig und ohne große Gesteinsbrocken und sucht sich ihren Weg unterirdisch durch diese Tunnels. Die Tunnels sind bis zu 6m breit und bestimmt 10m hoch, an einer Stelle allerdings nur 60cm, so dass wir alle auf die Knie und kriechen mussten, sogar Manfred!!!!!

 

Am Ende des Tunnels nahm uns unser Taxifahrer wieder in Empfang, er hatte in der Zwischenzeit für uns Papayas geerntet. Er fuhr mit uns noch zu einer Familie, die selbst Kaffe anbaut, röstet und mahlt. Wir kauften 3kg Kaffee für 12 US$ und eine große Dose selbstgemachte Erdnussbutter für Tatjan. Alle Familienmitglieder standen um uns herum, Paapi wurde gerufen für die Preisverhandlung und die Hausfrau pflückte für mich eine Rose in ihrem Garten.

 

Lauter Highlights: am Nachmittag stöberte ich noch in einem herrlichen Geschäft, wo Bilder, Tücher und Spiegel verkauft werden, die eine englische Künstlerin, die hier lebt, anfertigt und bemalt. Es sind wunderschöne Sachen und mir gingen die Augen über ob der herrlichen Farben. Es gibt hier ein paar Läden mit dem üblichen Touristen-Kram, aber dies war wirklich etwas besonderes. Ich musste an meine malende Nachbarin Heide Batz denken – dies hätte ihr gefallen!

 

Heute ist Sonntag, auf der Insel der Ruhetag, alles ist geschlossen, das kleine Städtchen ist wie ausgestorben. Wir fuhren in den kleinen Ort Bellavista, wo heute so etwas wie „der Tag des offenen Kochtopfs“ war. Die Bewohner öffnen ihre Fenster und kochen, grillen und brutzeln und man geht einfach hin und kauft sich etwas zum Essen. Wir aßen Maiskolben und eine Art Salat mit Tomaten und Zwiebeln und Manfred aß geschmortes Fleisch mit Mais, danach gab es Empanada, ein mit Käse gefülltes salziges Gebäck, auf das etwas Zucker gestreut wird. Wir ließen uns von den Einheimischen erklären, wie man das isst und saßen mitten in der fiesta.

 

Heute Abend haben wir eine Verabredung mit dem Eigner der „Happy Joss“, Rudy. Die „Happy Joss“ liegt hier ebenfalls vor Anker. Es ist ein Schiff (Jongert), dessen Bau Angelika Baumanns Ehemann Günther beaufsichtigt hat. Sie waren in Polynesien und befinden sich jetzt auf dem Rückweg nach Europa. Es ist Zufall, dass wir die „Happy Joss“ hier getroffen haben, wir hatten durch Angelika schon etliches über die Yacht gehört. Nun, heute Abend gibt es bestimmt Schiffsklatsch.

 

 

Donnerstag, 22. November 2001

 

Nachdem La Rossa wieder sauber, vollgetankt, gewartet und alles frisch gewaschen war, lichteten wir wieder den Anker, um noch ein bisschen in Galapagos herumzuschippern. Für Segler gibt es nicht so viele Informationen, so war es nicht ganz einfach, herauszufinden, was wo ist. Die Tiere leben nicht alle auf einer kleinen Insel, sondern der Archipel ist riesengroß und jede Tierart hat ihre besondere „Kolonie“. Im Prinzip ist es ein riesiger Zoo, aber man muß schon ein wenig suchen. Tiere, die schwimmen können, leben auf allen Inseln, z.B. die Seelöwen und Wasserschildkröten. Landschildkröten gibt es nur auf einigen Inseln, und es ist streng verboten, Tiere von einer Insel zur anderen zu transportieren und dadurch die natürliche Verbreitung zu verändern.

 

Wir besuchten eine kleine Insel, auf der Seelöwen und Leguane leben. Die Tiere sind vollkommen zutraulich, sie kommen ans Dinghi und spielen mit dem Boot und sind total neugierig, wenn sie Menschen sehen. Die Muttertiere haben keine Angst, selbst wenn sie ihre Jungen säugen, du kannst sie ganz ruhig dabei aus nächster Nähe beobachten und zuhören, wie das Baby schmatzt. Auf derselben Insel leben in friedlicher Eintracht mit den Seelöwen Leguane – eine Art, die es nur hier auf den Inseln gibt. Auch sie bleiben stehen, wenn man vorbeigeht und sie beobachtet.

 

Die Unterwasserwelt hat auch einiges zu bieten, wenn uns das nasse Element hier auch zu kalt ist und wir das bisher nur von oben beobachten. Zweimal schwamm unter der La Rossa ein großer Manta hindurch, oft sieht man die Spitzen ihrer Schwingen aus dem Wasser lugen. Heute früh beobachteten wir Wale, die immer wieder an die Wasseroberfläche kamen und die Atemluft ausbliesen; ständig begegnet man Seelöwen, die eifrig unterwegs sind irgendwohin oder irgendwoher, sie wirken immer so emsig. Wir sahen große Wasserschildkröten und es soll auch Haie geben. Letztere will ich lieber nicht sehen, da habe ich Schiss...

 

Im Moment liegen wir in einer Bucht an der Isla Isabela. Isabela ist eine kohlschwarze Insel, die aus 6 oder 7 Vulkankegeln besteht und fast keine Vegetation besitzt. Es wachsen nur graue Büsche, meistens gar nichts. Nachher wollen wir mal an Land und zu einem Kratersee hinaufsteigen. Schön ist es hier nicht, eher unheimlich, aber die Bucht ist ruhig und um uns herum jagen die Seevögel und die unvermeidlichen Pelikane. Angeblich soll es hier Pinguine geben, die einzige Sorte, die in der Wärme leben kann. Bis jetzt habe ich noch keine gesehen.

 

A propos Wärme: hier ist es überhaut nicht warm, obwohl wir genau auf dem Äquator sind. Es ist meistens bewölkt und ohne lange Hose und Pullover ist es unangenehm. Die Meeresströmungen hier sind kalt, allerdings beginnt ab Dezember die warme Jahreszeit, im Moment ist noch Regenzeit und die Temperaturen sind für die Jahreszeit normal. Wir sind nachts über unsere warmen Bettdecken froh.

 

 

Sonntag, 25. November 2001

 

Unser Besuch auf der Isla Islabela stellte sich als „illegal“ heraus. Wir wussten zwar schon vorher, dass man eine Genehmigung braucht und dafür auch recht happige Gebühren anfallen, aber dass man mit dem eigenen Segelboot überhaupt keine Buchten anlaufen darf, war uns so nicht bewusst. Man darf nirgends ankern (außer in den drei offiziellen Häfen) und schon gar nicht den Fuß auf eine der Inseln setzen, ohne dass ein offizieller Park-Führer dabei ist. Die Alternative wäre eine mehrtägige Rundreise auf einem Kreuzfahrtschiff für mehrere Tausend US$ gewesen. Wir betraten also – quasi unrechtmäßig – heimlich zwei Stellen, die uns als sehr schön geschildert worden waren, und bekamen auch prompt einen „Anschiss“ von einem Park-Fuzzi. Sie sind sogar verpflichtet, das bei der Verwaltung des Naturparks zu melden. So hatten wir uns das eigentlich hier nicht vorgestellt, und insgesamt sind wir dadurch von den Galapagos Inseln doch etwas enttäuscht. Die Mischung aus Naturschutz und Profitsucht gefällt uns nicht, wobei wir nicht wissen, welches Element hier überwiegt. Aber so ist das überall, sobald etwas für den Tourismus entdeckt wird, geht das Ursprüngliche verloren.

 

Unzweifelhaft sind die Inseln noch ein Paradies für bestimmte Tiere; es gibt Arten, die wirklich nur hier leben, z.B. die großen Landschildkröten und der Galapagos-Leguan, aber die Schiffsladungen von Schwimmwesten tragenden Touristen, die auf den Inseln abgesetzt werden – natürlich mit Park-Führer! – und sich, bewaffnet mit meterlangen Teleobjektiven, auf den erstbesten Leguan stürzen und diesen armen Kerl aus allen erdenklichen Positionen ablichten, sind für die Tiere bestimmt nicht angenehm.

 

Unser Fazit: wir sind froh, dass wir hier waren und selbst einen Eindruck gewonnen haben, aber wir kommen nicht mehr hierher. Die Naturerlebnisse, die wir anderswo hatten, z.B. die Islas Aves in Venezuela, haben uns eindeutig mehr beeindruckt.

 

Nun endet auch dieser Reisebericht. Am Mittwoch trete ich meine 3-tägige Heimreise über Quito und Bogotá an und Manfred startet am Wochenende seinen Einhand-Törn in Richtung Osterinsel, Pitcairn, Gambier und Polynesien. 



Reisebericht 14

Galapagos - Pitcairn, 1. Dezember 2001

 

 

Heute ist Samstag der 1. Dezember 9.00 Uhr und ich habe das Schiff so weit klar, das die Anker hochgeholt werden können. Freitagabend wurden mir noch 30 Gallonen Diesel geliefert (1.30 US$ /Gallone) an der Tankstelle kostet der Diesel nur 0,766 $. Aber was solls ich brauch den Sprit für die bevorstehenden 3.500 sm (6.500 km) bis zu den Gambierinseln-Mangareva.

Ich lasse nochmals 20 m Kette raus um das Schiff Richtung Heckanker ziehen zu koenne, der sich so stark eingegraben hat, dass er sich nicht lösen läst. Aber mit Hilfe der Winsch bekomme ich ihn dann doch endlich frei. Den Hauptanker kann ich ohne Probleme über die neu geschweißte Ankerwippe einholen. Schon im Hafen setze ich Groß und Genua und schon geht’s los. Ich schaue nochmals nach Pt. Ayero zurück und rufe Cäsar über Kanal 80 (USA) an und sage good bay. Gedankenversunken gehe ich die  Reise mit gemischten Gefühlen an, was mich wohl in den nächsten 8 Wochen erwartet? Satelliten Telefon klingelt – und ich freue mich, dass mein Freund Heiner mich gerade bei der Abreise noch einmal anruft, um auch tschüß zu sagen.

Kurs 240 grd. Bei ca. 15 kn hoch am Wind erreiche ich eine Reisegeschwindigkeit von ca. 5 kn/h.

Der Tag geht so zuende und um 18.00 Uhr koche ich mir mein erstes Essen – drei Bouletten mit Kartoffeln, Paprika, Zwiebeln und Knoblauch. War gut aber nicht so gut , wenn mein Bäro gekocht hätte. Gegen 22.00 schlagen so die Segel, dass ich bis Mitternacht zwei Stunden motoren muß.

Tagesetmal: 120 sm

 

Sonntag, der 2. Dez.

 

Die Nacht  war ruhig, keine weiteren Vorkommnisse, morgens um 9.00 hat mich Renate angerufen und mir mitgeteilt, dass mich morgen um 7.00 Uhr UTC Günther Hirschberg auf der Funke anruft und mir das Wetter durchgibt.  Machen um diese Jahreszeit kein Wetter, da keine Saison.

Heute gab es zum Abendbrot ein Steak und eine Schüssel Salat. Hab so viel Knoblauch und Zwiebeln rangemacht, dass mir hinterher ganz schlecht war. Werde den nächsten Salatkopf teilen und zwei Portionen daraus machen. Im Moment mache ich nicht sehr viel außer lesen. Habe das Buch von Margret Wittmer  „Postlagern Floreana“ fertig gelesen, eine Frau die mit Ihrem Mann 1932 auf die kleine Galapagos Insel ausgewandert ist und bis heute dort lebt. Ist nun über 90 Jahre alt.  

Der Wind flaut immer zwischen 22.00 Uhr und 24.00 Uhr  bis auf 6-7 kn ab, sodaß die Segel anfangen zu schlagen. Ist blöd aber nicht zu ändern. Der Windpilot macht seine Arbeit gut und ich spare dadurch eine Menge Strom und schone den Autopilot.

 

Montag, der 3 Dez.

 

Um 07.00 Uhr UTC ( in Deutschland ist es Montagfrueh 08.00 Uhr) bin ich Nachts um 01.00 Uhr am Funkgerät und versuche Günther von Intermar zu hören, aber ich konnte nur Bruchstückhaft seinen Wetterbericht empfangen. Habe ihn auch angefunkt, aber auch er konnte mich nicht hören. Dafür hat sich Ingrid von der Harlekin Rufzeichen DL1Yj? Gemeldet und wir haben vereinbart, dass wir über die 14313 kHz  in Verbindung bleiben. Sie liegen mit ihrem Cat vor der Insel St. Martens ?? und wollen nach Weihnachten anscheinend auch durch den Panamakanal.

 

Tagesetmal: 107 sm

 

Dienstag, der 4. Dez.

 

Gestern um 0.00 Uhr UTC entspricht 18.00 Uhr Ortszeit habe ich mich in das Günther Pacificnetz 14.135 kHz eingeklinkt. Habe eine Rufnummer 311 erhalten und kann mich regelmäßig jeden Tag in das Netz einloggen. Der Wetterbericht wird per E-Mail im Pactorverfahren an alle ausgesendet, was ich aber leider noch nicht habe. Nachts um 1.00 Uhr (7.00 Uhr UTC ) habe ich nochmals versucht Intermar 14.313 kHz zu erwischen. Ich glaube, dass ich Günther ganz schwach gehört habe, aber das meiste ist im Rauschen untergegangen.

Habe ihn auch gerufen, aber er hat mich vermutlich nicht hören können.

Der Wind hat bis auf 30 kn zugelegt und ich musste heute Nacht mehrmals raus und reffen sowie die Segel trimmen. Der Windpilot arbeitet prima, brauch am Tag nur noch 2 mal fuer  eine Stunde die Batterien laden.

 

Tagesetmal: 140 sm Pos. 5.28`s , 93.44 W

 

Samstag,der 08. Dez.

 

8 Tage bin ich nun unterwegs und habe die ersten 1000 sm von insgesamt 2650 sm hinter mir. Es ist Routine an Bord eingekehrt und im Durchschnitt segle ich in 24 Std. ca. 140 bis 150 sm. Wenn alles glatt verläuft, bin ich am 22. oder 23. Dez. rechtzeitig zu Heiligabend in Pitcairn.

Heute habe ich versucht nochmals das Sat.-Telefon zu aktivieren, aber bei der Pos. 10° s und 100° W habe ich leider keine Verbindung mehr zum Satelliten bekommen. Es wird nun lange dauern, bis ich den kl. B. wieder am Ohr habe. Werde morgen früh versuchen, über den Amateurfunk meine Pos. an Klaus oder Wulf durchzugeben und die sollen eine kurze E-Mail an Renate senden.

Wind ist ganz unterschiedlich von 10 bis 30 kn. Bei 10 kn Wind mache ich allerdings so wenig Fahrt, dass das Schiff fürchterlich in der Dünung anfängt zu rollen und die Segel beängstigend schlagen. Dies tut mir dann am ganzen Körper weh. Gott sei dank, ist dies nur von kurzer Dauer.

Ansonsten lese ich sehr viel und lege Passionen und mache die übliche Bordroutine. Zwei mal am Tag wird gegessen, Frühstück und um 18.00 Uhr Abendbrot. Im Moment habe ich noch genug frische Sachen, die ich fortlaufend verbrauche, bevor sie verfaulen. Im Moment ist dies jedoch noch kein Problem und die Apfelsinen, Äpfel und Gemüse werden noch ca. 1 Woche vorhanden sein, bevor es an die Konserven geht. Eier habe ich auch noch 50 Stück.

Am Donnerstag habe ich einen gehörigen Schrecken bekommen, da der Generator nicht mehr angesprungen ist. Das wäre wirklich eine Katastrophe zu einem so frühen Zeitpunkt, da ich nur kochen kann, wenn der Generator läuft und die Batterien müssen ja auch 2 x  am Tag für eine Stunde geladen werden. Den Fehler habe ich nach einiger Zeit gefunden – eine Schraube am Startmagnet hat sich gelöst und der Draht baumelte frei umher. Nun läuft er wieder und ich kann mein warmes Abendessen wieder geniessen.

Ansonsten sind noch keine Störungen aufgetaucht. Woll`n mal sehen ob dies so bleibt.

Heute gibt’s Blumenkohl und Salat mit Schwarzbrot.

Eines steht fest, kochen ist nicht so mein Fall!!!!

Pos. ist S 11°36 und W 102°18`  noch 1.667 sm bis Pitcairn.

 

Dienstag, der 11 Dez.

 

Bisher habe ich 1400 sm hinter mich gebracht und es liegen als noch 1300 sm vor mir und das Bergfest habe ich bereits mit einer Flasche Wein gefeiert. Leider hat der Wind sehr nachgelassen, sodass ich jetzt im Moment nur noch ca. 4 kn max. mache. Der Wind geht nicht über 10-12 kn. Und das wirkt sich erheblich auf segeln aus. Die Segel schlagen, aufgrund der Dünung erheblich und dies hat auch schon Tribut gezollt. Heute morgen habe ich gesehen, dass das Großsegel im oberen Teil beschädigt ist und es hängen lange Fäden herunter. An der Genua ist der Titanschekel auseinander gefallen. Den konnte ich wieder reparieren und hoff, dass er nun hält. Den Kurs habe ich nun auf 275 ° geändert und segle mit Passatbesegelung – Gross auf bb und Genua auf stb., Nachteil, das Schiff macht jetzt eine starke Rollbewegung, was typisch ist , wenn mann vor dem Wind segelt.

Habe heute nochmals Klaus und Juana gebeten, meinem Schatz zu Hause doch eine E-Mail zu senden, damit sie weiß, dass ich noch lebe. Sie kann dann über Günter seine E-Mail Adresse : contadora@gmx.de täglich meine Position erfahren. Habe heut Nacht auch nochmals um 7.00 Uhr UTC den Günter von Intermar zu erreichen, was leider nicht geklappt hat. Dafür habe  ich den  Carlo auf  Gran Canaria über die Funke erwischt, der hat sich gefreut, wieder etwas von der La Rossa zu hören.

Heute gibt es Salzkartoffeln mit Sauce Hollandaise (braune Soße habe ich nicht gefunden) Zwiebelringen und ein Steak.

 

Tagesetmal:123 sm

Pos. S 15°02, W 107°36

 

Mittwoch, der 12.Dez.

 

Bin auf Pasatkurs 260-270 °, Wind aus O bis OSO. Nacht war sehr unruhig, durch das geschaukel auf diesem Kurs. 30° stb, 30 ° bb. Versuchte noch einmal um 7.00Uhr UTC Nachts 01.00 Uhr- den Günther von Intermar zu bekommen, aber da ist zur Zeit funkstille.     

Heute morgen um 7.00 habe ich dann mit Wulf von der Swantje gesprochen und der hat mir versprochen, dass er meinem Schätzchen, was ich nun doch sehr vermisse, meine heutige Position per E-Mail durchzugeben. Fahren anscheinend nach Colon. Die Segelyachten Boomerang, Swantje, Moonwauker und noch einige andere Yachten liegen alle vor der Insel Linton, in der Nähe von der Markus-Marina.

Der mechanische Windpilot arbeitet auch auf dem Passatkurs hervorragend und ich spare dadurch eine Menge Diesel.

Heute gibt’s Nachmittags wieder Bärenkuchen und abends werde ich Bratkartoffeln mit Eier machen.

Tagesetmal: 108 sm (schlechtester Wert bis heute)

 

Freitag, der 14 Dez.

 

Und es wurde noch schlechter mit dem Segeln, der Wind hat bis auf 5 kn abgenommen und die Segel schlagen aufgrund der Dünung ständig gegen die Wanten oder knallen in die Genueschot. Tut einem Segler richtig weh in der Seele. Donnerstagabend habe ich dann die Pasatbesegelung aufgegeben und bin auf Steuerbordbug gegangen und es segelte sich auch gleich besser, wenn auch nur  mit 2,5-3 kn. Na ja, besser als gar nichts und motoren möchte ich noch nicht, da ich genügend Zeit habe und man ja auch nie weiß, wann man den Sprit wirklich braucht.

Gestern Abend hat mir der Günther auf seinem Pacificnetz 14135 kHz 0.00 Uhr UTC, die E-Mail von Renate vorgelesen, man habe ich mich darüber gefreut,. Vor allem hat mich beruhigt, dass bei meinen Eltern und Monika auch alles o.k. ist. Heute morgen hat mir dann noch der Wulf von der SY. Swantje noch eine E-Mail von Renate vorgelesen und das war natürlich für mich das zweite high light. Ich hoffe, dass ich noch vor Pitcairn in ca. 10 Tagen wieder mit meinem Sat.telefon erreichbar bin. Gesternabend habe ich zum ersten Mal eines von den Fertiggerichten warmgemacht, Nürnberger Würstchen mit Sauerkraut und Kartoffelpüree: Ist nicht schlecht, aber frisch gekocht finde ich mein essen besser und reichhaltiger. Die Portionen sind so dimensioniert, dass man bestimmt kein Fett ansetzen kann. An Bord ist alles o.k., nichts ist ausgefallen. Was mich immer wieder wundert ist, saß in der Luft so viel Staub vorhanden ist. Hier mitten im Pacific müsste man eigentlich annehmen, dass die Luft rein und sauber ist, das ist jedoch nicht der Fall. Nach 10 Tagen habe ich dann das ganze Schiff innen gesaugt und außen auch den Dreck von Deck und vom Doghaus mit Süßwasser herunter gewaschen.

 

Tagesetmal: 78 sm

Pos. 15°08 S, 111°50` W

 

 Sonntag, der 16.Dez.

 

Weil heute Sonntag ist habe ich heute morgen erst einmal ein ausgiebiges Duschbad genommen, rasiert (Teilrasur) neue Unterwäsche und T-Shirt, Gesicht und Hände eingekremt. Dann bin ich im Schiff herumgelaufen und habe den fünf Schlampen laut zugerufen, lecker Kerlchen, lecker Kerlchen an Bord. Leider hat niemand geantwortet.

Dann wurde erst einmal ausgiebig gefrühstückt und es gab den frisch gepressten  Orangensaft von den letzten zwei Orangen, eine frische Grapefruit und die erste Scheibe Schwarzbrot aus der Büchse.

Über Nacht hatte ich den Blister stehen gelassen und es ging mit über 7-8 kn Rauschefahrt vorwärts. Gegen Mittag frischte der Wind jedoch über 20 kn auf und ich hatte Angst, dass mir der Blister runter kommt oder sonst ein Teil bricht und so habe ich ihn geborgen, was allerdings bei dem Wind sehr viel Mühe machte. Da man nicht alle Leinen alleine gleichzeitig händeln kann, hat sich der Blister um das Genuavorstag gewickelt und ich brauchte über eine halbe Stunde um es wieder frei zu bekommen. Es ist also wichtig rechtzeitig zu reffen. Leider ist eine Stunde später der Wind eingeschlafen - nur noch weniger als 10 kn – sodass ich den Blister auch hätte stehen lassen können.

Irgend wann Nacht ist auch den backbord Block vom Niederhohler  abgerissen. Habe leider keinen Ersatz, konnte mir aber mit einer Leine den noch vorhandenen Block auf der bb Klampe provisorisch belegen.         

Nachts hatte ich auch wieder einmal Glück, als ich den Achterhohler dicht hohlen wollte, hatte ich zufällig meine Hand an der Leine vor der Winsch, um zu prüfen wie groß der Druck auf der Leine ist, betätige aus versehen die hydr. Winsch und merke wie die Hand unter die Leine gezogen wird. Im letzten Augenblick habe ich gerade noch die Hand hinter der Leine hervorbekommen. Den kleinen Finger hat es etwas erwischt und tut mir nun etwas weh. Nicht daran zu denken, wenn es die ganze Hand unter die Leine gezogen hätte, ich hätte mir vermutlich alle vier Finger gebrochen oder zumindest  stark gequetscht. Man kann also nie vorsichtig genug sein.

 

Tagesetmale: 100 sm

Pos.: 17°08 S, 113°59` W

 

Montag, der 17. Dez.

 

Mit normal Besegelung, Groß und Genua geht es mit halben Wind langsam aber sicher mit 4-5 kn voran. Wind kommt nun vorherschend aus Ost und ich habe auch ständig 1-1,5 kn mitlaufenden Strom. Heute früh gabs Pancake, war lecker. Um 7.00 Uhr war ich wieder auf der Funke und habe Wulf von der Swantje meine neue Pos. durchgegeben, der diese heute an meinen Bäro per E-Mail weitergeben wird. Klaus war nicht erreichbar und Erwin ist gestern mit der Cris Millar Richtung Panama aufgebrochen.

Bis zum Wegpunkt Insel Handerson sind es noch rund 800 sm und bis Pitcairn noch mal 100 sm mehr.

Bin überrascht wie wenig im Moment kaputt geht. Hoffentlich hält das noch lange an. Heute habe ich auch einmal ausgerechnet, was meine Durchschnittsgeschwindigkeit in den letzten 14 Tagen bei 1950 gesegelten Meilen ist, es sind genau 4,78 sm/h. Also kann man bei zukünftigen Planungen von einem Durchschnitt von 5 sm/h ausgehen!!!!

 

Tagesetmal: 112 sm

Pos.: 17°57`S, 115°44` W

 

Freitag, der 21.Dez.

 

Gestern ist der Wind um ca. 18.00 Uhr ganz eingeschlafen  und hat sogar auf West gedreht, sodaß ich den Blister bergen musste. Beim Bergen des Blisters gab es allerdings zwei Probleme, zum Einen hat sich die Bergeleine für den Bergeschlauch um das Radar gewickelt und ich habe fast eine halbe Stunde benötigt, um diese Leine wieder frei zu bekommen. Gott sei Dank, musste ich dabei nicht in den Mast klettern. Zum Zweiten konnte ich am Spi-baum nicht mehr den Achterhohler ausklinken. Der B0lzen ließ sich mit der Leine einfach nicht mehr heben und ich musste dann den Spi-baumkopf abnehmen. Innen im Spi-Baum haben sich die beiden Zugleinen für diesen Bolzen vertörnt und dadurch konnte ich den Bolzen nicht mehr hochziehen. Diese Reparatur hat mich auch mindestens 1-1 ½ Stunden gekostet. Ab 19.00 Uhr bin ich dann 12 Std. mit der Maschine gefahren  und habe so doch noch 120 sm in 24 Std. geschafft.

Heute Nacht um 02.00 Uhr habe ich auf der Frequenz 14.313 kHz nochmals mit Carlos aus St. Cruz de Teneriffa sprechen können und habe ihm und seiner Frau unsere besten Weihnachtsgrüße übermittelt.

Was immer ein größeres Problem wird, ist das ich im Heck immer mehr Wasser durch die Heckklappe hereinbekomme und wenn ich nicht aufpasse, wie heute Nacht, dann steht das Wasser hinten fast einen ½ m hoch und das ist natürlich für die gelagerten Sachen nicht gut. Habe fast 1 Std. benötigt, bis das ganze Wasser wieder drausen war. Muss mal sehen , ob ich das irgendwie provisorisch besser abdichten kann.

Heute um 07.00 Uhr habe ich auch nochmals die Swantje den Wulf auf der Funke errreicht. Der geht morgen mit dem Erwin von der Moonwaker durch den Kanal und er hilft aus Linehandler aus.

 

Tagesetmal:  120 sm

Pos.: 21°23´ S, 122°48`W

 

 Montag, der 24.Dez.

 

Heute ist Heiligabend und ich liege ohne Wind noch immer 200 sm vor Pitcairn auf der Pos. 24°08`S und 126°33`W. Nachdem ich mich heute nacht wieder einmal richtig ausschlafen konnte, bin ich schon um 06.30 Uhr aufgestanden und habe mich ausgiebig geduscht. Danach ging`s an die Funke und ich habe mit Wulf von der Swantje sprechen können und habe allen Seglern die mitgehört haben, eine schöne Weihnachten gewünscht.

Die letzten 2 Tage waren nicht so angenehm, da ich noch am Freitagnacht überraschend auf einmal sehr viel Wind bekam. Von Freitag bis Sonntagfrüh hatte ich ständig 35 bis 40 kn Wind und am Samstagmorgen mit 55 kn (Orkanstärke) das max. erreicht. Konnte nur noch Richtung Süden ablaufen und hatte doppelt gerefft, also kleinstmögliche Segelfläche gesetzt. Dazu hat es dann noch sehr stark geregnet. Seit der Sturm vorrüber ist, ist hier totale Flaute und ich dümpel so vor mich her.  Habe nur die Genua stehen und ganz stramm gezogen, damit das Boot nicht so von rechts nach links und umgekehrt schaukelt. Das Groß habe ich komplett eingerollt, da es zu stark geschlagen hat und ich Angst haben musste, dass es kaputt gehen kann, was ich ohne Ersatz natürlich auf keinen Fall möchte.

Heute um 09.00 Uhr haben mich dann sie Lieben von zu Hause angerufen und es hat mich natürlich unheimlich gefreut, dass ich den kl. Bär, Tatjan, Monika und Mutter Elfriede sprechen konnte. Es ist einem schon komisch zumute, wenn man alleine Weihnachten auf dem Meer ohne eine Menschenseele verbringt. Hatte auch etwas den Moralischen, aber nun ist alles wieder o.k..

Zum Frühstück habe ich mir dann meinen eigenen Weihnachtstisch gedeckt. Die Geschenke und den Weihnachtsbrief von meinem kleinen Bär, sowie ein liebes Fax. vom Tatjan und Heiner hingelegt und gelesen. Zum Frühstück gab es die letzte Mango, Schwarzbrot mit Schwarzwälder Schinken und Honig, ebenfalls aus dem Schwarzwald. Dann habe ich mir noch die obligatorischen zwei Spiegeleier gebraten und Columbianischen Kaffee getrunken. Als Weihnachtsgeschenke hat mir Renate eine Schachtel Ferrero Schokoladenkugeln, eine Schachtel Nüsse mit Schokolade überzogen, ein T-Shirt von den Galapagos-Inseln und eine CD -Full Latino- in Weihnachtpapier eingepackt  und hier gelassen. Dazu einen ganz lieben Weihnachtsbrief geschrieben, der mich ganz gerührt hat. Alle an Bord befindlichen Bären saßen natürlich mit am Frühstückstisch und das ganze habe ich dann auch noch mit der Video - Kamera aufgenommen.

Renate hat mir heute auch einen Wetterbericht von Honolulu Hawai zugeschickt und es ist z.Z. nicht ratsam nach Pitcairn oder Papete weiter zu segeln, da dort im Moment der Tropical Storm „Vicky“ tobt, mit Windgeschwindigkeiten von 50 bis 60 kn. / h, also Orkanstärke. Jetzt warte ich hier erst einmal ab und mache noch ein paar notwendige Arbeiten an Bord, dass ich für den nächsten Sturm gerüstet bin.

Gerade habe ich eine Undichtigkeit am Mast abgedichtet, wenn es viel geregnet hat, ist  immer Wasser durch die Hydraulikschlauchöffnungen, am Mastfuß, in den Salon gedrungen. Die habe ich nun am Mast mit Sikaflex abgedichtet und am Mastfuß zusätzlich zwei Entwässerungsbohrungen angebracht. Bin gespannt ob beim nächsten starken Regen immer noch Wasser in den Salon eindringt. Dann habe ich den Kühlschrank abgetaut und sauber gemacht , sowie das ganze Schiff gesaugt. Nun ist 14.00 Uhr und ich werde es mir bis zum Abendbrot noch mit einem Buch gemütlich machen. Dazu höre ich noch die neue CD mit Latino-Musik.

Im Moment ist alles am Schiff o.k. und auch die Heckklappe habe ich gestern mit Moosgummi abdichten können. Einzig und allein nerven die etwas hohen Wellen, die mit einer Regelmäßigkeit gegen das Heck klatschen und ein fürchterlich lautes Geräusch machen, das Nacht, wenn man schlafen möchte, besonders stört. Na ja, wenn’s sonst nichts ist, kann man doch zufrieden sein, oder nicht? 

 

Tagesetmal: 58 sm, noch 200 sm bis Pitcairn

Pos.  24°08`S, 126°32`W

 

Donnerstag, der 27.Dez.

 

Am Dienstag habe ich die Fahrt nach Pitcairn wieder aufgenommen und ohne Probleme, bei halben Wind , die Insel am Mittwochabend erreicht. Mit Steve Christian, der im Moment auch der Bürgermeister von Adamstown ist, habe ich schon 40 sm vor Pitcairn per UKW Kanal 16  Kontakt aufgenommen und mich erkundigt, wie es mit dem Ankern vor der Insel aussieht. Er hat mir empfohlen, auf See beigedreht liegen zu bleiben und am Donnerstagmorgen mich wieder über UKW zu melden. Die Nacht war ruhig und ich habe 8 Std. am Stück durchgeschlafen. Strom und Wind haben mich jedoch über 9 sm nach Nordwesten versetzt.

Ca. 1 sm vor Adamstown sagte mir Steve, dass es besser ist am West Harbour (Tedsite) zu ankern und nicht in der Bounty – Bay. Die Wassertiefe beträgt hier 22-23 m und ich habe vorsichtshalber 80 m Kette gesteckt.  Die genaue Pos. ist 25°03`60 S und 130°07`398 W.

Nach 2932 sm habe ich nach 27 Tagen zum ersten Mal wieder den Anker geworfen und Land betreten.



Reparatur eines Generators auf Pitcairn

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Randy, Steve`s Sohn, hat mich um 11.00 Uhr mit einem kleinem sehr robust gebautem Aluminium – Dinghy abgeholt und ich wurde von Steve und seiner Frau Olive sehr herzlich empfangen.     

Nachdem wir uns fast 2 Stunden unterhalten haben, in dieser Zeit arbeiteten aber beide ununterbrochen an Ihrem Bounty – Boot ca. 30 cm lang, und brachten mich dann zu Brenda, die z. Z. Immigration und Police-Station ist.

Für das einklarieren habe ich 12 US$  bezahlt. Steve hat mir schon erklärt, dass sich hier auf Pitcairn einiges geändert hat, alles ist mehr und mehr kommerzialisiert. Früher war so gut wie alles umsonst und die Leute haben wie überall ihre Souvenirs verkauft oder gegen andere Sachen getauscht. Heute muss man für so gut wie jede Leistung bar bezahlen.

Wird man von der Yacht abgeholt, kostet dies per Fahrt 25 US$, was wie ich finde aber o.k. ist, da dies mit sehr viel Aufwand verbunden ist. Das Alu-Dinghy muß jedes Mal per Kran ins Wasser gelassen werden und die Fahrt hin und zurück dauert auch fast 1 Stunde, danach wird das Dinghy wieder herausgekrant und man wird nach Adamstown mit dem four-, und three - wheeler (das sind kleine vier- und dreirädrige Motorräder, der Marke Honda) gefahren.

Inselrundfahrten kosten zwischen 20 und 25 US$. Sehr zu empfehlen ist hier der Honig, den man für 5 US$ per Glas erwerben kann. Mir hat man auch ein Fass Diesel verkauft, das sind 210 l für 170 US$. Umgerechnet DM 1,90/Liter, dies ist der gleiche Preis wie in Franz. Polynesien.

Von Brendas Haus aus, bin ich dann auf den höchsten Punkt (highest point) gewandert und habe von dort ein paar schöne Aufnahmen gemacht. Der höchste Punkt liegt ca. 330 m hoch und man benötigt dorthin ca. 70 Minuten  zu Fuß. War ein wunderschöner Spaziergang und nach meiner Rückkehr gab es bei Brenda und der ganzen restlichen Familie ein sehr ausgiebiges Mittagessen.

Gestern Freitag, der 28.12.  bin ich auch noch auf der Insel gewesen und habe dort mit Steve versucht, dessen alten Generator zu reparieren, was uns aber nach 3 Stunden Arbeit dann doch nicht gelungen ist. Zum Schluß habe ich dann noch 24 Eier und viele Früchte, wie Bananen, Papayas, Ananas und Advocados mitbekommen. 

Heute am Samstag bleibe ich auf der La Rossa und mache einige notwendige Putzarbeiten, die ich vor dem Jahresende erledigt haben möchte. Leider war die Nacht sehr unruhig, viel Schwell und ich kam so gut wie kaum zum Schlafen.  Zur Entschädigung hat mich gleich morgens mein kleiner Bär  und Peter Fischer auf dem Sat.-Telefon angerufen.

Viel mehr möchte ich nicht über Pitcairn schreiben, da ich ein Video und einige Broschüren gekauft habe, in denen man alles über das Leben und die Historie nachlesen kann. Ich habe vor mit den Leuten das Neue Jahr zu feiern und werde vermutlich am 2. Januar 2002  nach Mangareva auf den Gambier Inseln weitersegeln.

 

 

 

 

Montag, der 31. Dez.

 

Heute Nacht habe ich sehr schlecht geschlafen, da der Wind nach Nord/NordWest gedreht hat und der Ankerplatz nun im Schwell liegt. Das arme Boot hat gestampft und gegiert und ich konnte nicht schlafen. Bin dann um 04.45 Uhr an die Funke und habe mit Wulf von der Zwantje gesprochen.

Um 08.30 Uhr hat mich noch Monika angerufen und mir ein gutes Neue Jahr gewünscht. Dann habe ich den Anker hoch gewinscht und bin an die Südseite der Insel vor Anker gegangen. Pos. 25°046521, W 130°06`9290.

Meine Eltern habe ich um 10.00 Uhr angerufen und sie haben sich riesig gefreut.

Bin gerade dabei und mache zwei Waschmaschinen  voll Wäsche und noch ein paar Aufräumarbeiten.

Gestern war ich auf der Insel, bei Meralda und deren 82 jährigen Vater. Mit Steve zusammen haben wir auch versucht, den defekten Generator wieder in Gang zu bringen, was aber nach einiger Zeit auch gelungen ist.  Steve`s Generator läuft wieder. Die Magnete des Rotors waren demagnitisiert und mit einem Trick  konnten wir die Magnete wieder aktivieren, indem wir am Kondensator für eine Sekunde eine Gleichspannung von 12 V angelegt haben. Steve ist nun auch happy und freut sich, dass er Strom hat, wenn der Hauptgeneraor von Adamstown abgeschaltet wird, was zwei mal am Tag für 5 Std. passiert.

Des weiteren haben ca. 6-8 Männer alle dürren Bäume mit der Motorsäge abgesägt und es gab für Meralda Holz in Hülle und Fülle. Dadurch, dass ich auch mitgearbeitet habe, war der Tag im nu herum. Die Zeit hat gerade noch gereicht um 15 Postkarten mit Briefmarken zu versehen und im Shop habe ich noch für ca. 20 Us $ ein paar Sachen eingekauft. Steve hat mir dann noch 10 kg Kartoffeln und Obst mitgegeben.

 

Neue Pos.: 25°04`6538 S,  130°06`9373 W.

 

Mittwoch, der 2. Jan. 2002

 

Gestern bin ich zum letzten Mal auf die Insel gegangen und habe mit all den Leuten ca. 40 den  Neujahrstag gefeiert. Um 9.00 Uhr hat mich Randy wieder mit dem Aluboot abgeholt und Steve hat mich mit dem fourweehler zu sich nach Hause gebracht. Da die Feier erst um 14.00 Uhr statt fand, bin ich vorher noch zu Meralda gegangen um noch einige Sachen für Sie zu reparieren. Sie lebt mit Ihrer Mutter und ihrem 82 jährigen, noch sehr rüstigen Vater, in einem Haus zusammen. Am 7. Febr. 1997 hat sie die Stelle des Immigrationsofficers inne und ich kann mich noch gut an sie erinnern. Der Vater ist den ganzen Tag am Schnitzen und fertigt kleine Holzschildkröten. Die Mutter ist gerade dabei und backt mir zwei große Brote. Für Meralda reparier ich das kleine Handfunkgerät, eine Schleifmaschinen und ein Messinstrument. Um 13.30 bringt mich Meralda dann zum Tenniscourt , wo das Fest stattfindet. Jede Familie bringt eine leckere Sache mit und im nu war der große Tisch voller Speisen. Von der Suppe, zum Truthahn und Hühnchen, Fleisch, Fisch viel Gemüse und natürlich viel Kuchen und Obst zum Nachtisch. War ein herrliches Fressgelage, aber alle haben immer nebenbei irgendwelche Holzsachen bearbeitet. Die Jungen haben Tennis und Volleyball gespielt und ich habe kräftig gegessen und photographiert. Um ca. 18.30 Uhr war die Tafel leer und alle gingen zufrieden nach Hause. Von Steve habe ich dann noch 4 Papayas und 8-10 kleine Annanas mitbekommen und Randy hat mich dann wieder zum Schiff gefahren.

 

Heute um 8.30Uhr habe ich die Segel gesetzt und los gings auf den nächsten Reiseabschnitt, 1100 sm nach Papete/Tahiti. Der Beginn war sehr verheißungsvoll, da der Wind gut mit 20 kn. blies und ich am ersten Tag schon 120 sm hinter mich gebracht habe.

 

 

Sonntag, der 6.Jan. 2002-01-06

 

Leider gab es danach immer weniger Wind, sodaß ich manchmal nur noch 40 sm am Tag geschafft habe. Sehr unangenehm ist, dass bei so wenig Wind und hoher Dünung, die Segel ganz furchtbar anfangen zu schlagen. Das tut richtig weh und versuche mit allen Tricks, dies nach Möglichkeit zu verhindern. 

Durch diese Schläge hat sich am Reffsystem im Mast, ein Bolzen gelöst, was ich aber Gott sei Dank, rechtzeitig bemerkt habe und wieder reparieren konnte. Die Reffstange war unten komplett ausgehängt und ich hätte im Ernstfall überhaupt nicht mehr reffen können. Den Bolzen habe ich nun mit einer Imbusschraube und zusätzlich Tape gesichert.

Gestern hatte ich Glück und hatte fast 24 Std. Wind mit ca. 20 kn aus Süd und konnte über 100 sm segeln. War richtig happy.

Heute ist auch so ein Tag, Mangareva liegt 40 sm nördlich querab von mir. Zuerst habe ich versucht unter Motor die Strecke bis heute Abend zu schaffen, aber der Autopilot ist ständig ausgestiegen. Das Problem ist achterlicher Wind und Dünung von hinten, dass schafft er nicht und ich habe keine Lust 9 Std am Ruder zu stehen. So habe ich halt wieder Segel gesetzt und treibe mit ca. 2 kn Richtung Mangareva.

Ob ich nach Mangareva reingehe oder nach Papete weitersegle, entscheide ich erst morgenfrüh. Leider fehlt mir die Karte mit dem Südpass von Mangareva, sodaß ich einen Umweg von ca. 15 sm machen muß, um die Nordpassage zu nehmen.

 

 

Reisebericht 15

Pitcairn- Mangareva-Papete 

 

 

Ankunft in Mangareva am 07.Jan.2002

 

 

Heute ist Montag der 14. Jan. und ich befinde mich schon eine Woche hier in Rikitea/Mangareva auf den Gambier Inseln. Es war nicht geplant, Mangareva anzulaufen, aber am 5. und 6. Januar hatte ich so wenig Wind, dass es keinen Sinn machte, noch weiter zu segeln und so entschloss ich mich kurzfristig Mangareva anzulaufen, was ungefähr 40 sm nördlich der Route lag.

Ich habe es nicht bereut und es ist hier traumhaft ruhig und schön. Etwa 800 Leute wohnen hier und das Beste war, nach vielen Wochen endlich wieder schöne französische Baquet´s (Stück für 70CFR = ca. DM 0,60) zu bekommen. Da  die ganze Gegend mit Riffen gespickt ist, habe ich mich für die Ostpassage entschieden, da ich nur von dieser Passage entsprechende Karten besaß und so ohne Gefahr bis an die Mole von Rikitea zu motoren.

Hier habe ich auch äußerst günstig 210 Liter (ein Faß) Diesel bekommen für 17.000 CFR, das sind umgerechnet 142,-- US $. Der Umtauschkurs hier ist 1 US $ = 120 CFR, auf der Bank erhält man anscheinend 130 CFR.

Neben mir lag die Franz. Segelyacht „PEEWIT“ mit Tujet (eine Vietnamesin), Bernard, (der hier für die Franz. Verwaltung bis August arbeitet), und die Kinder Adele (11 jähriges Mädchen) sowie Louis 8 der 7 jährige Sohn). Die Kinder waren oft an Bord und haben auf dem Computer die „Moorhuhnjagd“ eröffnet. Am Samstag den 12. Jan. war ich bei Ihnen zum Essen eingeladen und es gab Hühnchen mit Reis und Salat, sowie einen gute Karamellpudding. Ansonsten hat mich Yves ein pensionierter Fremdenlegionär, der sich hier mit seiner Frau und seinen beiden Kindern niedergelassen hat, gut versorgt mit Fisch und Tomaten aus seinem Garten. Er spricht sehr gut Deutsch und hat mir hier sehr viel geholfen. Leider war es ihm auch nicht möglich, mich mit einem der Perlenzüchter zusammenzubringen, da es im Moment keine Perlen mehr gibt. Erst wieder ende Febr. Wird wieder geerntet, aber solange wollte ich hier nicht warten. Dominic ist anscheinend der, der die  größten Perlenzuchtfarmen hier betreibt. Es gibt noch einen Bernard, der versucht einem aber minderwertige Ware zu überhöhten Preisen anzubieten. So segle ich morgen hier ab, ohne Perlen, aber ich hoffe später noch welche auf Taaha zu erhalten.

Die vergangenen Tage habe ich genutzt und mein Außenschiff zu putzen und wenn ich Lust habe, werde ich heute noch das Unterwasserschiff reinigen.    

 

Liegeplatz:  S   23°07`0852, W 134°58`1090

 

Donnerstag, der 17.Jan.2002

 

Heute ist Mutters Geburtstag und ich habe sie gleich um 7.00 Uhr (zu Hause 17.00 Uhr) angerufen und Ihr meine besten Glückwünsche übermittelt. Monika war auch zu besuch und so konnte ich mit allen dreien telefonieren.

20 sm Querab von mir liegt das Mururoa Atoll auf dem die Franz. Atomtest´s stattgefunden haben. Gehe davon aus, dass im Moment dort keine weiteren Test´s durchgeführt werden.

Es sind noch 650 sm bis Papete, leider ist der Wind etwas eingeschlafen, sodaß ich nur noch langsam mit 3-4 sm/h vorankomme. Wenn es so weiter geht, brauche ich noch ca. 7 Tage.

Bei dem täglichen Rundgang  stellte ich fest, dass sich von der Großschot am Großbaum der Schekel gelöst hatte. Wenn der Nachts ganz rausgeflogen wäre, wäre mir der Großbaum um die Ohren geflogen. Na ja, ist nichts passiert und der Schekel ist wieder fest und gesichert.

 

Pos.: S21°15`, W 138°50`  Mururoa Atoll

 

Dienstag, der 22. Jan. 2002

 

Bis jetzt ist alles glatt und ohne Probleme verlaufen und darüber bin ich doch sehr froh. Am Sonntag den 20. Jan. wurde es gegen 18.00 Uhr sehr dunkel, der Himmel hatte sich vollständig mit dicken, schwarzen Regenwolken bezogen und ich rechnete schon mit viel Wind. Habe dementsprechend auch Vorkehrungen getroffen und die Genua und das Groß doppelt gerefft, sowie alles festgezurrt und dicht gemacht. Um 19.00 Uhr steigerte sich der Wind auf 30 knt. Und kurz darauf hatte ich für 2-3 Std. 40- 50 kn Wind, in Böen bis 55 knt!! Mußte am Ruder stehen und selbst steuern, da der Autopilot diesen Sturm nicht aussteuern konnte. Um 22.00 Uhr war der Spuck vorbei und totale Windstille. Danach eine leichte Briese mit 5-10 knt. Worauf ich zu Bett ging. Morgens um 04.00 Uhr wurde ich geweckt, indem ich fast aus dem Bett geworfen wurde. Der Wind hatte wieder 40- 50 knt. In Böen auch wieder 55 knt. Ich versuchte sofort entsprechend zu reffen, was auch gelang. Eine Böe hat mich fast mit dem Mast der La Rossa auf´s Wasser gedrückt. Dabei bin ich auch gegen den Ruderstand geschleudert worden und habe mir an der Hüfte eine starke Prellung zugezogen. Nicht so schlimm gibt nur blaue Flecken!

Nach 2-3 Std. war auch diese Front vorbei und ich musste anschließend motoren, da es total windstill war. Dabei habe ich festgestellt, dass leider das Großsegel einen Schaden davon getragen hat. Am Achterlik ca. auf der Hälfte, habe ich nun einen ca. 10 cm langen Riß. Hoffentlich hält das Groß noch bis Papete, da muß es dann genäht werden.

Laut Renates Wetterbericht habe ich für die letzten 300 sm bis Papete nur noch Wind von hinten, mit ca. 15-25 knt., was natürlich gut für mich wäre. Na, wo`lln wir mal sehen!!

 

Pos.: S 19°14`71,   W 144°56

 

Freitag, der 25.Januar 16.00 Uhr

 

Nach genau 56 Tagen bin ich nun endlich in Papeete/Tahiti ohne nennenswerte Probleme angekommen und bin nun ganz froh darüber, dass die Schaukelei nun endlich aufhört. Es ging mir schon manchmal auf den Keks, dass man ständig auf sein Glas oder die Tasse aufpassen musste, damit es nicht umfiel. Oder, dass man  den Teller immer gerade halten musste, damit einem nicht die Soße auf den Tisch oder die Polster schwappte.

9 sm vor Papeete bin ich aus versehen, zu früh in die Lagune eingebogen, weil ich dort einen Yachthafen sah. Es stellte sich jedoch heraus, dass es nicht Papeete sondern der Yachtclub „Marina Taina“ in Punaauia war. Es war gerade Mittag und das Büro war geschlossen und so habe ich mich entschlossen, doch bis Papeete zu motoren. Es waren nur etwa ca. 10 sm  bis zum großen Hafen, aber als ich die Pier mit den ca. 15 dort vor sich hin gammelden Yachten sah, habe ich mich doch entschlossen, wieder zur Marina Taina (VHF-Kanal 09) zurückzugehen. Einen Platz für mich, hatten sie leider nicht mehr und so musste ich schweren Herzens außen in der Lagune vor Anker gehen. Hatte mich eigentlich gefreut mal wieder ruhig in einem Hafen zu liegen, aber bei den Preisen hier, kann man sich dies so oder so nicht lange leisten. Für ein Boot wie La Rossa (51“) beträgt die Liegegebühr pro Tag 125 FCP x 51“ = 6.375,-- FCP das sind ca. DM 100,--/Tag  oder  auf den Monat bezogen  DM 3.100,--/Monat. Wenn ich das Dingi für mehr als zwei Stunden dort deponieren möchte, dann kostet dies auch 500,-- FCP. Da der Dingiklau hier sehr groß ist, ist es ratsam, diesen Betrag zu investieren, wenn man sein Dingi länger behalten möchte.

      

Montag, der 29.Jan.

 

Am Samstag habe ich die La Rossa nochmals auf einen anderen Ankerplatz vor der Marina verholt, da ich bemerkt hatte, dass der Anker nicht richtig hielt. Der Anker ist nun in ca. 12 m Tiefe fest und gut eingegraben und ich habe  ca. 50 m Kette gesteckt. Es liegen hier noch 6 andere Franz. Yachten. Jetzt konnte ich auch über das ganze Schiff, beide Persenning`s aufspannen und es ist dadurch tagsüber merklich kühler im Boot. Die Temperaturen betragen hier z.Z. tagsüber 34-36° und Nachts kühlt es auf ca. 28°C ab.

 

Was ich immer vermeiden wollte, aber vermutlich seit Pitcairn habe ich einen blinden Passagier an Bord. Es ist entweder eine Maus oder kleine Ratte an Bord, der ich aber noch nicht habhaft wurde, obwohl ich Rattengift sowie eine Mausefalle aufgestellt habe. Am Samstag musste feststellen, dass sie doch schon einen beträchtlichen Schaden angerichtet hat. Beim genauen inspizieren der einzelnen Abteile stellte ich fest, dass sie 4 Packungen Milch und mindestens 6 Packungen Saft geöffnet hat.  Sogar in eine der großen 5 Liter Wasserflaschen  hat sie ein größeres Loch genagt, um an das Wasser zu kommen. Eines der Löcher der Grätings (sind Gitterroste aus Holz) im vorderen und hinteren Bad, hat sie solange bearbeitet, bis sie durch ein Loch hindurchgepasst hat, um an die darunter lagernden Sachen heranzukommen. Eine Packung Tomatenmark hat sie angefressen, hat ihr anscheinend nicht geschmeckt, sodaß sie die restlichen Packungen in Ruhe ließ.       

Gestern Abend habe ich nochmals die Falle gestellt, aber das Bist hat die Backpflaume verschmäht und hat mir wieder eine Milchpackung angeknabbert.  Heute werde ich nochmals in die Stadt fahren und erneut Rattengift und noch einige Fallen kaufen, die ich dann mit Speck bestücken werde.




Reisebericht 22 (Bora-Bora-Rarotonga)

 

Besorgte Fragen nach unserem (äußeren) Zustand mehren sich - hier die Antworten: meine Haare habe ich gestern selbst nachgefärbt, nachdem das Grau die Überhand gewonnen hatte. Geschnitten werden sie nicht, es gibt hier eine grosse Auswahl an Spangen und ich stecke sie einfach hoch. Aber es sieht auch ohne Spangen schön aus, mit einer roten Blüte überm linken Ohr. Manfreds Haartracht rücke ich so alle 2-3 Monate selbst zu Leibe, es ist wieder mal fällig....  Unsere Hautfarbe ist immer gleich – gut gebräunt – Sonnenbäder nehmen wir nicht (mehr). Gewicht: gestern haben wir uns in einer Apotheke auf die Waage gestellt. Also, entweder war die Waage bestochen oder wir sind total abgemagert, was aber nicht stimmt. Meine Fingernägel sind raspelkurz und teilweise abgebrochen, aber das kriegen wir im Altersheim wieder hin...

Ich mache jeden Morgen Gymnastik, immer wechselnd. Was sonst noch? Wir sind beide gesund, mein Knie ist wieder verheilt, das Inlay ist eingesetzt, und Manfred hat noch ein paar Tage Badeverbot wegen seiner Ohrenentzündung, ansonsten geht es uns prächtig!

 

14.06.2002

 

Ich musste jetzt erst mal im Logbuch nachsehen, wann ich diesen Text eigentlich angefangen habe, aber nun weiss ich es: es war Ende Mai, und heute ist schon der 14.6.... geht alles verdammt schnell...

Bis zum 3.6. lagen wir am Steg in der Marina Taina/Tahiti und genossen das Luxus-Leben: direkter Landzugang über die Gangway – sogar mit Geländer!!! – Edel-Shopping bei Carrefour und im Markt von Papeete, Schwätzchen mit den Bekannten aus der Marina (inzwischen kennen wir wirklich einige!), Sundowner mit Ausblick auf die Super-Luxus-Yachten neben uns, z.B. die Mega-Segelyacht „Hyperion“ von Jim Clark, dem Boss von Netscape, und wieder mal die „MV Méduse“, die dem Vize von Microsoft gehört, mit Hubschrauber an Bord und 5 Dinghies, und etliche andere grosse Segelboote.

Unser Steg-Nachbar Peter, ein Deutscher, der vor 50 Jahren nach Polynesien ausgewandert ist, kümmerte sich rührend um uns, besorgte uns den Liegeplatz und nahm uns abends mit zu seiner Tochter, die – wie ihre Eltern – ein Nobelhaus im „Beverly Hills von Papeete“ bewohnt und dort Papageien züchtet. Zusammen mit ihrem Freund vertreibt sie Möbel, die sie aus Thailand, Indien und Indonesien importieren und entsprechend ist ihr Haus auch möbliert. Sieht gut aus und passt in die Gegend, nur die Papageien waren uns entschieden zu laut.

 

Dann gab’s noch ein fröhliches Wiedersehen mit Klaus und Juana von der Boomerang. Wir waren bis Panama mit ihnen zusammen und wollten sie unbedingt noch treffen, und das hat auch geklappt – Riesen-Wiedersehensfreude auf beiden Seiten, knallende Sektkorken und erzählen, erzählen, erzählen.....

 

Schliesslich drängte uns dann doch die Zeit und wir trennten uns von Tahiti und unseren Bekannten. Letzter Blick zurück, vorbei ging’s unter Segel an Moorea, mit Ziel Bora Bora. Eigentlich wollten wir nur 1 oder 2 Nächte bleiben, aber es kam natürlich anders. Wir kamen im Dämmerlicht in die Lagune und ankerten aus Zeitgründen wieder an unserem „alten“ Platz, vor dem Bora Bora Hotel und dachten an Biermanns und an Werner Schumacher. Am nächsten Tag erhielten wir Besuch von dem Besitzer des Hauses mit dem langen Steg und den beiden Rottweiler-Hunden (erinnert ihr euch??) – Erwin Christian, ein Deutscher, der seit 1961 in Bora Bora lebt. Er hat als junger Mann im Breitenbacher Hof in Düsseldorf eine Lehre gemacht und kam schliesslich als Vize-Manager ins Bora Bora Hotel. Später machte er sein Hobby, das Fotografieren, zu seinem Beruf. Er hat mehrere Bildbände über Französisch Polynesien herausgegeben, Aufnahmen über und unter Wasser für Postkarten gemacht und für bekannte Magazine wie Geo oder National Geographic fotografiert. Die Texte zu den Bildern machte sein Schwager Raymond Bagnis, der in Polynesien als „der“ Experte in der Ciguatera-Forschung gilt. Die Frauen der beiden sind Schwestern, und Erwins Frau Até war in jungen Jahren bestimmt mal Miss Bora Bora.

 

Sie luden uns und den Schwager Raymond zu einem chinesisch-polynesischen Abendessen auf der Terrasse ein, sehr edel, mit Ess-Stäbchen aus Elfenbein und Silber. Wir erhielten als Geschenk Bücher mit den Widmungen der beiden, und Erwin war so freundlich und stellte uns sogar sein Auto für eine Inselrundfahrt zur Verfügung. Wir durften auch seinen Internet-Zugang benutzen. Wir konnten uns für soviel Gastfreundschaft gar nicht richtig revanchieren, aber Manfred half Erwin bei der Reparatur von Elektronik-Geräten auf dessen Sport-Trimaran.

 

Trotz aller Faulenzerei konnte ich Manfred doch überreden, mit mir einen Spaziergang zu dem Hügel zu machen, der sich direkt oberhalb unserer Bucht erhebt. Man hat von dort einen herrlichen Rundblick über die Lagune und auf die Insel. Manfred war stolz auf seine Bergebesteigung und berichtete am Abend auf der Funke von seiner „Wanderung“ auf den Berg. Wir gingen auch zusammen schnorcheln - es gibt einen Platz, den uns Erwin nannte; er hatte dort vor längerer Fische angefüttert, um Unterwasser-Aufnahmen zu machen, und die Fische sind jetzt so daran gewöhnt, dass sie, sobald sich ein Fuss ins Wasser streckt, in Schwärmen herankommen und neugierig lauern, ob sie etwas zu fressen bekommen. Sie schwimmen einem direkt vor die Taucherbrille. 

 

Wir mussten ein paar Tage auf den passenden Wind warten, der uns zu den südlichen Cook Islands bringen sollte. Am 8.6. war es dann so weit und wir lichteten den Anker. Erwin begleitete uns mit seinem Trimaran bis zum Pass, und es war toll! Wir segelten mit 8 Knoten in der Lagune durch ein Regatta-Feld, alle Boote hatten die Segel gehisst und es war ein herrliches Bild. Winke, winke, Erwin und Bora Bora bye bye!

 

Die Strecke nach Rarotonga – 547sm – legten wir in kürzester Zeit zurück, dabei kam uns ein Starkwind-Tief zu Gute, das uns in einem durchschnittlichen Tempo von 7 Knoten pro Stunde übers Wasser pustete. Wir hatten bis 40 Knoten Wind, 4-5 Meter hohe Wellen, und Rasmus forderte einen Teil des Biminis, aber Manfred konnte es ihm gerade noch entreissen und die Reste bergen. Ich lag meistens in der Koje und erwartete sehnsüchtig unsere Ankunft. Nach nur 3 ½ Tagen erreichten wir noch bei Dunkelheit Rarotonga, mussten sogar beidrehen und warten, um bei Tageslicht in den kleinen Hafen einzulaufen. Hier liegen wir nun an der Hafenmauer, vor Buganker und mit Heckleinen gut festgemacht, denn der Wind bläst ordentlich mit bis zu 25 Knoten von der Seite und da der Hafen nach Norden völlig offen ist, steht auch ein ziemlicher Schwell im Hafenbecken. Das Aus- und Einsteigen ist jedes Mal ein kleines Abenteuer. Man balanciert über die schwankende Gangway und dann über ein schmales Brett, das im Schwell hin- und herschwankt und rettet sich dann mit einem mutigen Sprung auf eine Art Hühnerleiter.

Das Wetter ist hier völlig anders als in Franz. Polynesien. Es ist nicht nur wesentlich windiger, sondern auch deutlich kühler als dort oben. Wir befinden uns hier am 21. Breitengrad und auf der südlichen Halbkugel ist jetzt Winter, d.h. es gibt zwar jetzt keine Zyklone, aber es ist kühl. Zum ersten mal seit Monaten ziehen wir wieder Jacken und abends lange Hosen an. Nachts freut man sich über eine Decke!

 

Gestern haben wir ein Moped gemietet, Manfred musste sogar einen Cook Islands-Führerschein erwerben, und umrundeten das Inselchen. Rarotonga ist die grösste der Cook Islands und umfasst gerade mal 31km. Es ist landschaftlich ein bisschen ähnlich wie Moorea, die Vegetation ist jedoch anders. Während weiter im Norden das ganze Jahr über Blumen blühen, ist hier tatsächlich „Winter“. Es gibt kaum blühende Pflanzen, und zur Zeit ist auch keine Erntezeit für Früchte. In dieser Hinsicht müssen wir also ein wenig darben, aber wir waren ja auch sehr verwöhnt. Dennoch ist alles üppig grün, den Winter darf man sich auch hier nicht mit Schnee und Eisregen vorstellen.

 

Die Menschen hier sind aussergewöhnlich freundlich. Alle lachen dich an. Es gibt hier Tourismus, aber es ist kein Edel-Tourismus, sondern alles ist eher einfach. Die Einheimischen sind mit eigenen Mitteln im Tourismus aktiv, was von einer Cooperative gefördert wird. Sie verkaufen selbst hergestellte Marmeladen und Chutneys, Muffins, geflochtene Körbe und Hüte aus Stroh, Holzschnitzereien, Perlenschmuck, selbst gebatikte oder bemalte Pareous (schreibt man hier so!), und verkaufen diese Sachen am Strassenrand oder in einer Hütte. Übrigens sprechen die Leute hier neben ihrer Hauptsprache Cook Island Maori als 2. Sprache Englisch, seit Aruba das erste Mal wieder, dazwischen war alles Spanisch oder Französisch.

 

Auf der Insel gibt es ein oder zwei grössere Hotels, aber die meisten Unterkünfte sind Strandhütten oder kleine Bungalows. Zumindest die Insel Rarotonga scheint das Mallorca der Australier und Neuseeländer zu sein, aber es ist keineswegs überlaufen.

 

Gestern Abend waren wir in einem Lokal, das uns von einem Schweizer (aus Rapperswil, lebt seit 30 Jahren hier) empfohlen wurde. Viele Einheimische und Touristen aus Australien und Neuseeland gehen dorthin; es gab ein Essen und im Anschluss eine temperamentvolle Show einer Tanzgruppe. Da wir nicht vorbestellt hatten, sassen wir - mit Regenjacken - im Freien und fanden es ganz toll! Die Tanzgruppen tanzen hier nicht nur wegen der Touristen, sondern das Tanzen ist ein echter Volkssport, also kein „uga uga“! Ich glaube, wir beide waren die ältesten Gäste dort.

 

Heute früh konnten wir unseren ersten Wal beobachten! Er tobte vor der Hafeneinfahrt herum und hob sich aus lauter Freude und Übermut immer wieder aus dem Wasser und liess sich langsam wieder hineinfallen. Wir kommen jetzt so langsam in die Gegend, wo die Wale in dieser Jahreszeit hinziehen und ihre Jungen zur Welt bringen. Angelika, die nach Tonga kommt sowie Traudel und Raimund können sich freuen, denn in dieser Zeit ist „Walzeit“!!

 

18. Juni 2002

 

Wir sind dabei, La Rossa wieder startklar zu machen, d.h. einkaufen (Wein und andere Alkoholika gibt es für auslaufende Yachten zollfrei), ausklarieren, vorkochen, Gummiwutz wieder mal reparieren (diesmal ist die vordere Luftkammer undicht), usw...

Morgen früh um 8 Uhr wollen wir in Richtung Niue starten, mit einem Zwischenstop am Beveridge Reef. Die Gesamtstrecke umfasst 580sm, wir werden also insgesamt 6-7 Tage unterwegs sein.

 

Gestern, am Sonntag, war die Inselhauptstadt Avarua wie eine tote Westernstadt. Alles war geschlossen, nicht mal der örtliche Radiosender brachte Musik. Nachdem wir mit dem Moped bereits zweimal um die Insel gefahren sind, wollten wir (eigentlich „ich“) uns mal zu Fuss bewegen. Ich konnte Manfred das Versprechen, eine Stunde – mit Stoppuhr! – mit mir spazieren zu gehen. Es gibt hier auf Rarotonga etliche Vulkanische Berggipfel, einer davon ist das Wahrzeichen der Insel und nennt sich „the Needle“ – nomen est omen. Mit dem Moped fuhren wir ein Stück weit in ein Tal hinein und dann begaben wir uns auf den Spaziergang. Einige Leute kamen uns entgegen und berichteten, dass der Weg enden würde bzw. nicht gut begehbar sei. Der breite Weg endete tatsächlich vor dichtem Buschwerk und führte nur noch als Trampelpfad weiter.

 

Wer nun denkt, dass Manfred nicht gut zu Fuss ist, der irrt: zunächst noch flach, ging es immer steiler bergan, bis wir schliesslich einem Pfad nach oben folgten und als Trittstufen die Wurzeln von Bäumen benutzten. Der Schweiss rann in Strömen, um uns herum summten die Mücken, der Weg wurde immer steiler und glitschiger, aber wir erreichten das Ziel direkt unterhalb von the Needle. Die Landschaft ist atemberaubend schön, ein bisschen ähnlich wie Moorea, aber viel kleiner. Ich muss zugeben, dass ich lieber umgekehrt wäre, wenn Manfred mich nicht hinaufgescheucht hätte, denn mich gruselt es immer vor dem Abstieg, aber Manfred brach für uns zwei Stöcke ab und so kamen wir gut wieder hinunter.

 

24. Juni 2002

 

Auf Rarotonga erledigten wir noch einige Einkäufe, denn es stand eine längere Seereise bevor. Hier sind die Lebensmittel meistens neuseeländischer Herkunft, was für uns beide auch ein neues Einkaufserlebnis war. Es gibt alles in erstklassiger Qualität in einem grossen Supermarkt, Fleisch kauften wir bei einem Metzger auf der Insel, auch ein neues Erlebnis, denn wir mussten erst mal auf einem Poster studieren, wie die Fleischstücke heissen und wie sie geschnitten werden – anders als bei uns; wir bekamen was wir wollten und es schmeckt herrlich.

 

Wir hatten bei gutem Wind eine 3-tägige Strecke von knapp 400sm vor uns. Unser erstes Ziel war das Beveridge-Reef. Jimmy Cornell empfiehlt in seinen Segelbüchern, dieses Riff weiträumig zu umfahren, aber der Hafenkapitän von Rarotonga hatte uns eine Skizze mitgegeben, und so waren wir natürlich neugierig. Sicherheitshalber legten wir den Wegpunkt für die Ansteuerung etwa 4sm südlich des Riffs und mussten auch ein wenig suchen, aber wir fanden es. Das Beveridge Reef muss man sich wie eine riesengrosse Niere vorstellen, etwa 4-5sm lang und 2-3sm breit. Man erkennt es wirklich erst in dem Moment, wo man die Brandung sieht bzw. hört. Durch einen Pass fährt man in die riesige, türkisfarbige Lagune hinein. Der Umriss der „Niere“ ist ein 50m breites Riff, das etwa 1/2m hoch mit Wasser bedeckt ist. Sonst gibt es nichts, keine Insel, keine Palme, kein anderes Segelboot, nichts... nur das Wrack eines vor Jahren am Riff gestrandeten Fischtrawlers und La Rossa.

 

Wir ankerten eine Nacht lang in der Lagune, gingen schnorcheln und am nächsten Morgen machten wir im Dinghi noch einen Ausflug zu dem Schiffswrack, kletterten darauf herum und suchten nach einem Souvenir, fanden aber nichts, was sich abmontieren liess. Dann liessen wir uns im Wasser, Dinghi im Schlepptau, von der Strömung zu La Rossa zurücktreiben.

 

Noch eine Nacht und ein Tag auf See, und wieder Land in Sicht! Niue ... aus 25sm Entfernung sieht es aus wie eine graue Frisbee-Scheibe... befindet sich auf Pos 19°S, 169°W, mitten im Pazifik, und ist wahrscheinlich auf keinem Globus und in kaum einem Atlas eingezeichnet. Wir haben bis jetzt noch nichts von der Insel gesehen, denn heute ist Sonntag, der hier auf den Inseln sehr strikt beachtet wird, und wir müssen auf dem Schiff bleiben und können erst morgen einklarieren. Aber wir konnten in dem kristallklaren Wasser schon mal schwimmen und schnorcheln, die Unterwasserwelt ist fantastisch! Unter unserem Schiff lebt ein riesiger Napoleon-Fisch, und es gibt zahlreiche schwarz-weiss geringelte Seeschlangen und natürlich viele bunte Fische.

 

Morgen geht’s also an Land und hoffentlich auch in ein Internet-Cafe.

 

Ich beende also diesen Bericht erst mal, die nächsten Neuigkeiten gibt es dann von Tonga oder Samoa. Für heute ganz viele liebe Grüsse, rund um den halben Globus nach Deutschland! Wir hoffen, dass es Euch allen gut geht!

 

P.S. Manfred hört nach wie vor jeden Tag das Amateurfunk-Radio, wir bekommen von dort Wetterberichte und die neuesten Nachrichten aus Hessen, ei                     
nschliesslich aller Informationen über den Hessentag und die aktuellen Strassenbauprojekte in Usingen!

 

 

 

Reisebericht 23

Niue - Neiafu/Tonga


Montag, 1. Juli 2002

 

Malo e lelei,

 

Fefe hake? Wie geht es euch? Kleiner Sprachkurs in Tonganisch....

 

Es gibt so etliches zu berichten, seit wir Niue am Horizont gesichtet haben. Niue ist der kleinste Staat der Erde, mit 1500 Einwohnern, und es ist der grösste zusammenhängende Korallenblock der Erde. Er sitzt auf einem erloschenen Vulkan und wurde durch tektonische Verschiebungen über die Wasseroberfläche gehoben. Niue hat dadurch keine Sandstrände, sondern nur Steilküsten mit unzähligen Höhlen, Grotten und Schluchten. Das Wasser ist glasklar, man ankert dort nicht, weil der Anker auf dem harten Boden nicht halten würde, sondern macht an Bojen fest und fährt mit dem Dinghi an Land. Allein das ist ein Abenteuer für sich. Man fährt mit dem Dinghi unter einen grossen Haken, hängt es an vorbereiteten Leinen dort ein und steigt dann aus. Das ist, je nach Tide, ein mehr oder weniger nasses Vergnügen, denn man hangelt sich an einem Seil aus dem Boot auf eine glitschige Treppe, und wenn ein bisschen Seegang herrscht, dann kriegt man noch schnell von einer Welle eins gewischt. Das Dinghi wird dann per Kran aus dem Wasser gehoben und an Land geparkt. Das macht man übrigens alles selbst.

 

Die Hauptstadt von Niue heisst Alofi, und die meisten Leute wohnen dort auch. Wir haben noch nirgends auf unserer gesamten Reise so viel Freundlichkeit erfahren wie hier. Niue ist wirtschaftlich abhängig von Neuseeland, und die kürzen die Zuschüsse, so dass viele Leute, vor allem die Jungen, nach Neuseeland gehen, um dort Arbeit zu finden. Der Tourismus ist für die „Niuans“ die einzige Hoffnung auf eine Einnahmequelle. Alle, aber auch wirklich alle, sind hilfsbereit und ausgesprochen nett. Geht man an der Strasse entlang, so dauert es keine Minute und ein Auto hält an: „can I give you a lift?“ Sie fahren Dich weiss Gott wohin. In den Geschäften, bei der Post, überall werden persönliche Worte gewechselt. Viele hatten uns schon bei der Ankunft gesehen, und jeder kannte das „red boat“, das vor der Küste im Wasser lag.

 

Wir mieteten uns für einen Tag ein Auto für eine Inselrundfahrt – rundherum sind es 70km. Landschaftlich ist das Inselinnere nicht umwerfend. Die Insel ist flach und dicht bewachsen mit Bäumen, Palmen und Buschwerk. Auffallend waren die Dörfer mit vielen verlassenen Häusern, ein Zeichen der wirtschaftlichen Aussichtslosigkeit dieser Insel.

Einen Aussichtspunkt gibt es nicht, dafür aber sehr viele Zugänge zum Meer, meistens schmale Pfade oder Treppen, über die man zu den Höhlen und Grotten kommt. Wir hatten Schnorchelausrüstung dabei und schwammen in natürlichen Schwimmbädern zwischen Felsen und Korallen. Dort mischt sich das Salzwasser vom Meer mit frischem Wasser aus unterirdischen Quellen. Einige dieser pools waren früher die Schwimmbäder der Könige.

 

Am nächsten Tag machten wir mit einem Tauchboot zwei Tauchgänge – Manfred tauchte, ich habe geschnorchelt. Es gibt viele herrliche Korallen und Höhlen unter Wasser. Papageienfische, Napoleonfische, sogar Seeschlangen und etliche gelbe Fische sind dort zu Hause. Nachmittags erledigten wir dann noch ein paar Einkäufe. Wir hatten Glück, denn am Tag zuvor war gerade das Versorgungsschiff aus Neuseeland angekommen und die Geschäfte waren wieder gefüllt, aber das Warenangebot ist doch sehr bescheiden. Im Supermarkt gibt es im Prinzip das wichtigste: Dosen, Zucker, Mehl, Lebensmittel in Kartons (z.B. Corn flakes), Körperpflege- und Putzmittel, Butter in Konservendosen, usw. Es gibt keine frischen Milchprodukte, also auch kein Yoghurt oder Käse. Die frischen Lebensmittel sind äußerst spärlich und nur in kleinen Mengen vorhanden; es gibt ein paar Äpfel, Karotten, Mangold, Salat. Die Einheimischen pflanzen ihr Gemüse selbst an, aber jetzt ist keine Saison. Ihr Grundnahrungsmittel, ähnlich unseren Kartoffeln, sind Taro-Wurzeln. Im Sommer gibt es auch Papayas und Mangos.

Beim Metzger stehen ein paar Tiefkühltruhen, aus denen man sich Fleisch aussuchen kann: Lamm aus Neuseeland, einheimische Hühnchen und Schweinefleisch. Frisches Fleisch kann man im Laden nicht kaufen. Hühner gibt es auf Niue wie Korallen im Meer. Überall auf der Insel trifft man auf die schönsten und stolzesten Hähne und Hühner.

 

Wir warteten in Niue ein paar Tage auf guten Segelwind, denn wir hatten 330sm nach Tonga vor uns.  Nach dem Ablegen von der Boje entschied der „Boss“, dass „ausgebaumt“ wird, denn der Wind kam direkt von achtern. Also, los ging’s: Spinnakerbaum aus der „Spibaumgarage“, Leinen dicht holen, knacks!! Ein Schrei von vorne, der Spibaum baumelte nur noch an einer Leine: die Spinnakerbaumglockenhalterung (Donaudampfschifffahrtsdirektor...) war abgebrochen und der grosse Chef konnte den Baum gerade noch von seinem Kopf ‚abwehren, indem er sich den Zeigefinger ins linke Auge bohrte. Nun hat er ein Veilchen und jeder denkt, ich war’s...

 

Einige Stunden später machten wir eine Patenthalse, weil der Autopilot die hohen Wellen nicht aussteuern konnte und ausstieg – der Grossbaum war Gott sei Dank durch den Bullen gesichert, aber auf der Leine war so viel Druck, dass eine Relingsstütze nach innen gedrückt wurde. Aber das war das geringere Übel, ohne den Bullen wäre der Schaden wahrscheinlich erheblich grösser gewesen. Schliesslich und endlich ging es ans Reffen und Einholen des Spibaums, leider ging auch das in die Hose, diesmal brach zu unserer grossen Freude die Spibaumglocke ab (Prüfungsfrage für den Aufstieg zum 1. Schiffsmaat). Diesmal aber ohne körperliche Blessuren. Danach gab’s dann zu Erholung ein Hi-na-no (=Tahiti-Bier)!

 

Tonga erreichten wir gegen 21 Uhr abends, und natürlich war es stockfinster. Die Vava’u-Inselgruppe besteht aus unzähligen kleinen Inseln und Riffen, und es war gar nicht so einfach, in der Nacht durch dieses Labyrinth zu fahren. Aber dank Radar, elektronischen Seekarten und anderer Gerätschaften erreichten wir gegen 22.30 Uhr in langsamer Fahrt einen Ankerplatz. Am nächsten Morgen war Sonntag, das ist hier ein absoluter Ruhetag, alles ist geschlossen, die Tonganer dürfen nur in die Kirche gehen, sie dürfen per Gesetz nicht einmal schwimmen. Also verbrachten wir einen faulen Tag an Bord und kamen erst heute nach Neiafu zum Einklarieren.

 

5. Juli 2002

 

Tonga liegt übrigens jenseits der Datumsgrenze, d.h. die Uhren gehen gegenüber Europa vor; bis jetzt waren wir hinten dran. Wenn wir nach Samoa segeln, ändert sich das wieder, Samoa ist wieder „zurück“. Ihr merkt euch am besten: Zeitunterschied 12 Stunden – da liegt ihr immer richtig, das Datum ist nicht so wichtig.

 

Während ich dies schreibe, liegen wir vor einer kleinen Insel vor Anker, neben uns noch 2 andere Boote.

Vor 2 Tagen kam Angelika Baumann hier an. Sie wurde gleich ins Bordleben integriert, was ihr nicht schwer fällt, denn Angelika ist eine alte Seglerin. Die ersten beiden Tage verbrachten wir allerdings mehr an Land als auf dem Wasser. Wir kauften in der Markthalle frisches Obst und Gemüse ein, Brot beim „deutschen Bäcker“ und Wasser und Müsli in einem Lebensmittelgeschäft. Das alles darf man sich nicht grossartig und modern vorstellen. In der Markthalle ist die Auswahl nicht überwältigend, es wird nur das angeboten, was hier auch wächst: Ananas, Bananen, Kokosnüsse, Taro-Wurzeln, Melonen, Tomaten. Salat wird aus Neuseeland importiert und kostet dann auch gleich 15 Pa’anga pro Kopf (ca. 8 Euro). Die anderen Sachen sind preisgünstiger. Eine grosse Ananas kostet z.B. 5 Pa’anga.

 

In einem kleinen Holzhäuschen arbeitet ein Österreicher als Bäcker. Es ist ein Mini-Mini-Lädchen. Alle 2 Tage gibt es eine frische Torte, ansonsten backt er Vollkornbrot, Roggenbrot, Baguettes usw. Die Verkäuferin ist eine 17jährige Tonganerin namens Manuta, unheimlich nett, wie alle Tonganer. Im Garten des Bäckerhäuschens schnüffeln Schweine; Schweine mit ihrem Nachwuchs begegnen einem sowieso überall auf Schritt und Tritt, auch zahlreiche Hunde, Hühner und Hähne.

 

Die Lebensmittelgeschäfte sind wie bei uns früher die Tante-Emma-Lädchen. Supermärkte gibt es nicht, Selbstbedienung ist unbekannt. Auch Postamt und Telegrafenamt sind technische Relikte aus 1950. Wir haben heute einige Faxe verschickt, weil es hier natürlich auch kein Internet gibt. Der Beamte, der unsere Faxe wegschickte, war ein rundlicher, netter Tonganer mit einem farbenprächtigen Sonnenuntergang auf seinem Hemd. Die Männer tragen knielange Wickelröcke und darüber eine rundherum gewickelte Bastmatte – das ist hier das Statussymbol! Die Frauen tragen meistens knielange Wickelröcke, Blusen und über dem Rock auch einen Bastgürtel, ähnlich wie ein Bastrock. Es sieht schon sehr ulkig aus. Auch wir kleiden uns hier etwas gesittet, d.h. knielanger Rock und T-Shirt; kurze Shorts und Trägertops trägt man hier auch als Tourist nicht.

 

Angelika und ich machten gestern einen langen Spaziergang quer durch Neiafu und auf einen Aussichtsberg hinauf. Unser Weg führte uns durch die Wohngebiete der Tonganer, es war schon sehenswert. Da gestern Feiertag war (Königs Geburtstag) sah man nicht viele Erwachsene auf den Wegen und Strassen, aber dafür umso mehr Kinder, alle lachend und sich freuend! Endlich haben wir auch wieder eine Video-Kamera, so konnten wir alles filmen, sogar unseren Besuch im Haus einer Familie, die Vanille anbaut.

Man muss aber schon sagen, dass es bei aller Beschaulichkeit nicht romantisch ist. Die Menschen sind arm und der Unterschied zu Französisch Polynesien ist schon gravierend. Durch strenge Gesetze wird versucht, die Menschen zu einem bescheidenen und gottesfürchtigen Leben anzuhalten, sicher auch mit Erfolg, denn Kirchen gibt es hier mehr als Schulen, und schon früh um 5 Uhr klingen mehrstimmige Kirchengesänge über die Bucht. 

 

Sonntag, 7. Juli 2002

 

Seit 2 Tagen sind wir hier in der Inselwelt unterwegs von Ankerplatz zu Ankerplatz und halten Ausschau nach den Walen, die wir aber bisher noch nicht gesichtet haben; es ist vielleicht noch etwas zu früh im Jahr. Wir gehen oft schnorcheln oder Muscheln suchen, und heute morgen waren wir zu Besuch in einem kleinen Dorf. Leider wurde hier während des Zyklons, der in der Silvesternacht über Tonga tobte, vieles verwüstet, Häuser abgedeckt, Äste von Bäumen gerissen und damit fast die gesamte Obsternte – Mangos, Papayas – zerstört. Auch die Unterwasserwelt wurde in grossen Teilen durch die Wellen zerstört; es sind fast alle Korallenstöcke abgebrochen. Dennoch ist es eine wunderschöne Gegend, mit vielen kleinen Inselchen, von denen die meisten unbewohnt sind.

 

Samstag, 13. Juli 2002

 

Wir verbrachten die ganze Woche in der Inselwelt von Vava’u, immer an unterschiedlichen Ankerplätzen. Das Wetter war nicht so strahlend schön wie man sich die Südsee vielleicht vorstellt: es ist meistens bewölkt und in den letzten Tagen hat es sehr oft geregnet, aber für die Bevölkerung war der Regen ein willkommener Gruss vom Himmel, denn das Wasser war bereits knapp geworden, denn es hatte in den vergangenen Wochen zu wenig geregnet. So hatten wir nicht unbedingt einladendes Badewetter, dafür war es ideal für Landspaziergänge und Besuche in den Dörfern. Wenn Angelika und ich alleine unterwegs sind, kommen die Frauen aus ihren Häusern, plauschen und lachen mit uns, und wir sind umringt von Kindern. Die Männer bleiben reserviert und halten sich im Hintergrund, wenn Manfred mit an Land geht, ist es umgekehrt, dann begleitet uns ein Mann, der nur mit Manfred spricht, und die Frauen verschwinden in den Häusern.

 

Die meisten sprechen etwas Englisch, so klappt die Verständigung ganz gut. Die Frauen führten uns in ihre Häuser, so konnten wir sehen, wie die Leute hier leben. Sie haben meistens nur einen Raum, in dem ein Bett steht, in den Ecken stapeln sich Bündel von Kleidungsstücken. Die Häuser dienen den Frauen auch als Arbeitsplatz; sie trocknen im Haus Vanille oder flechten Strohmatten, Körbe, Taschen und bemalen Tapamatten. Die Korbwaren, die in der Hauptstadt Tongatapu und auf anderen Tonga-Inseln verkauft werden, kommen zumeist von hier. Es ist oft die einzige Einnahmequelle der Familien. Einige fertigen auch Schnitzereien an oder stellen Schmuck aus Muscheln und geschnitzten Knochen her.

 

Keine der Frauen drängt uns ihre Waren auf; sie zeigen uns zwar die Sachen, aber sie akzeptieren ein „nein“ ohne weiteres, bleiben freundlich, lachen und erzählen. Eine Szene hat uns besondern gerührt. Wir hatten Müsliriegel dabei, die wir an die Kinder verteilten, aber plötzlich kamen so viele Kinder angelaufen, dass es nicht für alle reichte. Wir gaben den letzten Müsliriegel an eine Frau, die ihn in kleine Stücke zerteilte und ihn an die Kinder verteilte. Etliche gingen leer aus, aber kein Kind drängelte oder war unzufrieden, im Gegenteil, sie begleiteten uns noch bis an unser Dinghi und winkten uns noch lange nach, als wir mit La Rossa wieder aus der Bucht segelten.

 

Zum Einkaufen gehen wir auch sehr gerne in die Markthalle. Es sind auch fast alles Frauen, die dort Früchte, Gemüse, Eier und Korbwaren verkaufen. Immer dieses freundliche Lachen, ein paar persönliche Sätze, keine ist beleidigt, wenn uns die Ananas am Nachbartisch besser gefällt.

 

Auch heute waren Angelika und ich wieder stundenlang „per pedes“ unterwegs, kreuz und quer über die Insel. Wir wandern durch die Wohngebiete der Tonganer und werden überall begrüsst. Leider ist es überall ziemlich schmutzig, keiner weiss, wohin mit dem Wohlstandsmüll, Plastikflaschen, Glas, Dosen etc. Alles liegt an den Wegrändern, im Gebüsch, überall, in den Schlammpfützen suhlen sich die Ferkel mit ihren Müttern.

 

Die Müllentsorgung ist auf allen Inseln, einschließlich Französisch Polynesien, ein Problem. Es ist ja nicht damit getan, dass man seinen Müllsack einfach in eine Tonne stopft, der Müll muss ja irgendwohin, und wenn er nicht am Strassenrand vergammelt, dann wird er irgendwo gelagert, vielleicht verbrannt, stinkende Qualmwolken in den Himmel schickend.  Die schlimmste Müllhalde haben wir in Bora Bora gesehen, aber auch hier in Tonga ist es ein Riesen-Problem.

 

Morgen früh nun wollen wir weitersegeln, unser nächstes Ziel auf dem Weg nach American Samoa ist die nördlichste der Tonga-Inseln, Niuatoputapu. Dort wollen wir einen kleinen Stopp einlegen und dann weiter nach Pago Pago (sprich Pango Pango). Wir  hoffen auf guten Segelwind! Gestern Abend und letzte Nacht hat es so fürchterlich geschüttet, dass wir dachten, der Himmel kommt herunter. Wir waren mit dem Dinghi an Land bei einem Barbecue und mussten die Rückfahrt bei strömendem Regen antreten, begleitet von heftigen Sturmböen, so dass wir Angst hatten, dass La Rossa von der Muringboje abgerissen wird. Schon am Nachmittag war ein anderes Segelboot ins Driften gekommen und beinahe auf unserem Bug gelandet.

 

In Pago Pago hoffen wir auch endlich ein Internet-Cafe zu finden, wahrscheinlich ist unsere Mailbox schon übervoll.

 

Donnerstag, 18. Juli 2002

 

Jetzt sind wir in Pago Pago (sprich Pahngo Pahngo) in American Samoa angekommen. Die Fahrt war entsetzlich, ich war todsterbenskrank. Das war Segeln zum Abgewöhnen, hart am Wind, 35 Knoten und entsprechende Wellen!!! Wir machten einen Zwischenstop am Nabel der Welt, Niuatoputapu, wo wir wieder schöne Erlebnisse mit der Bevölkerung hatten, diesmal hauptsächlich mit Kindern und Jugendlichen.

Wir segelten gleich am nächsten Morgen weiter nach Pago Pago, was leider die totale Enttäuschung ist. Vielleicht liegt es auch am Wetter, es regnet nämlich dauernd, statt Sonnenschutzfaktor 20 ist Selbstbräuner angesagt! Wir waren schon seit Ewigkeiten nicht mehr schwimmen, statt dessen haben wir Schwimmfüsse vom vielen Regen. Hoffentlich ändert sich das wieder! Pago Pago selbst ist landschaftlich sehr schön, aber total verdreckt. Im Hafen sind 2 Fischfabriken und es stinkt bestialisch. Gelegentlich kommt eine Duftwolke angeflogen...

Wir wollen nicht lange hier bleiben, morgen wollen wir noch einkaufen und am Freitag geht es wahrscheinlich weiter. Vielleicht machen wir noch einen kleinen Ausflug, aber offensichtlich wollen sie auch Touristen hier nicht so gerne. Nun, wir werden berichten.

Nächstes Ziel ist Western Samoa, wo dann Traudl und Raimund zu uns stossen werden.

 

So, für heute will ich diesen Bericht abschliessen, sonst wird er so endlos.  Wir grüssen Euch alle von Herzen... Sonne können wir im Moment nicht liefern, aber Wärme und Südsee-Lachen! Eure Renate und Manfred

 

P.S. Heute ist Mittwoch, 24. Juli 2002. Wir sind seit Sonntag in Apia, Western Samoa. Die Fahrt von Pago Pago hierher war schrecklich, Wind und riesige Wellen – das ist hier z.Zt. das Südsee-Wetter, und wir waren froh, als wir im letzten Dämmerlicht in einer Bucht in Samoa einliefen. Leider stand ein hoher Schwell in die Bucht und das Boot rollte heftig, so passierte das Unglück: ich hatte vergessen, den Wasserkessel zu sichern, er sauste aus der Halterung und kippte um, ich stand Gott sei Dank nicht direkt daneben, sondern kam gerade dazu, aber genug, dass das heisse Wasser mir den Handrücken und die Hälfte des rechten Unterarms verbrannte. Es hätte schlimmer ausgehen können, wenn ich direkt davor gestanden hätte, so hatte ich wahrscheinlich Glück im Unglück. Wir fuhren gleich weiter nach Apia, 20sm weiter und ich konnte nachmittags schon dort im Krankenhaus behandelt werden. Eigentlich machten sie gar nicht viel, ich bekam nur eine Salbe und Antibiotikum, hoffentlich ist das die neueste medizinische Erkenntnis! Der Taxifahrer, der uns ins Krankenhaus brachte, hielt gleich beim ersten Bambusbaum an, brach einige trockene Blätter ab, und empfahl mir, diese auf Folie zu verbrennen und dann mit Samoanischen  Öl, das man auf dem Markt kaufen kann, zu mischen und auf die Brandwunden zu schmieren. Gibt garantiert keine Narben – hokuspokus fidibus!

Gestern trafen wir den Taxifahrer wieder, und er war ganz enttäuscht, dass ich sein Heilmittel verschmäht hatte.

 

Heute schien übrigens den ganzen Tag lang die Sonne! Unglaublich!!!

 

 

 

Reisebericht 24 (Samoa) Apia       30. Juli 2002

 

Ich glaube, ich bin an der Ostsee! Nun war es ein paar Tage schön, aber heute herrscht Landregen über Apia, so gar nicht passend für die Südsee. Nach Aussagen der Wetterdienste spielt das Wetter im gesamten Pazifik in diesem Jahr verrückt, angeblich ist jetzt die trockene Jahreszeit (=Winter auf der Südlichen Halbkugel), aber davon ist nicht viel zu spüren.

 

Seit 10 Tagen sind wir nun in Apia, der Hauptstadt von West Samoa. Wir liegen an einer Boje mitten im Hafen, zusammen mit etwa 20 anderen Segelbooten, direkt vor dem berühmten Aggie Grey’s Hotel.

Nach dem dreckigen Pago Pago ist das hier das Paradies! American Samoa hat zwar eine bezaubernde Landschaft und traumhaft schöne Küsten, aber der Hafen ist wirklich eklig. Dennoch hatten wir sehr schöne Erlebnisse dort, denn die Menschen sind sehr freundlich und herzlich. Angelika und ich wurden von einer jungen Frau, Katie, die wir im Bus kennen gelernt hatten, in ihr Dorf und ihr Haus eingeladen, das sie mit ihrer Mutter zusammen bewohnt. Die Mutter zeigte uns Fotos von ihrem Vater, der noch nach alter samoanischer Art gekleidet war – mit Federschmuck, Halsketten aus Knochen, Strohrock und einem geschnitzten Holzstock in der Hand.

 

Eine Oase war auch das Seafarer’s Center, eine Missionsstation, die von einer Frau namens Diane geleitet wird. Sie beheimatet die jungen Seeleute, die während des Aufenthalts in Pago Pago ihre Freizeit in der Mission verbringen, dort telefonieren, fernsehen, Tischtennis spielen, lesen und sich unterhalten können; Diane ist für die jungen Männer wie eine Mutter, sie betreut sie sehr herzlich und betet mit ihnen, es ist ja schliesslich eine Mission.

 

Wir kehrten dem schmutzigen Hafen von Pago Pago trotzdem sehr gerne den Rücken, nachdem wir uns auf dem Markt mit Frischem, im Supermarkt mit Vorräten und in den Stoffläden mit Meterware eingedeckt hatten. Bei 40 Knoten Wind segelten und motorten wir nach West Samoa, 60sm entfernt, wir erreichten gerade vor Dunkelheit noch die erste Bucht. Eigentlich hatten wir vor, dort an Land zu gehen und zu einem Wasserfall zu wandern, den man von der Bucht aus sehen konnte, aber dann passierte das Unglück und mir lief das heisse Wasser über die Hand. Wir mussten schleunigst aus der Bucht und die 14sm nach Apia fahren, denn dort gibt es ein Krankenhaus.

 

Ich hatte Glück, alles ging gut, das Krankenhaus ist sehr ordentlich, vielleicht nicht wie bei uns, aber alles war sauber und auch der Arzt war kein Medizinmann, sondern ein zwar schweigsamer, aber offensichtlich kompetenter Mann.  Inzwischen ist meine Hand schon wieder fast geheilt, Dank Claude, einer französischen Ärztin mit jahrelanger Afrika-Erfahrung, die mit ihrem Mann auch segelt und die meine Hand regelmässig behandelt hat. So verlief unsere erste Woche hier sehr ruhig, d.h. wir genossen einfach die Segnungen einer richtigen Stadt, Cafes, Läden, Internet, einen wundervollen Markt und viele nette Schiffsnachbarn.

 

Bisher wurde jeden Tag auf irgendeinem Schiff irgendetwas gefeiert. Eigentlich fingen wir damit an, als ein Segelboot, das vor uns lag, ins Rutschen geriet, die Mannschaft aber nicht an Bord war. Manfred und einige andere Männer kletterten schliesslich auf das Schiff, holten den Anker auf und schoben das Schiff mit ihren Dinghis an einen anderen Platz, wo sie es neu verankerten. Wir fuhren am Nachmittag kurz bei den Leuten vorbei, um ihnen zu sagen, dass wir ihr Schiff verlegt hatten, aber die beiden (Italiener!) hatten es noch nicht einmal bemerkt! Sie bedankten sich, und eine Stunde später tauchten sie an unserer Bordwand auf und schenkten uns zwei Packungen italienischen San Daniele Schinken und eine Flasche Weisswein. So ergab sich dann das erste Bordfest: Schinken, Wein und etliches andere wurden bei uns von allen an der Rettungsaktion Beteiligten verfeiert.

 

Gestern war Sonntag (in der Stadt „tote Hose“), dafür fuhr ein Schiffsnachbar, ein Kanadier, die gesamte Runde ab und lud alle zu sich aufs Schiff ein. Gegen Abend waren wir bestimmt 25 Leute auf seinem Boot und im ganzen Hafen gab es kein Bier mehr, alle Vorräte waren aufgebraucht. Ich war zwischendurch mal „zu Hause“, um Brot und Kuchen zu backen, und nun muss ich Backrezepte verteilen...

 

Wir sind hier eine richtige internationale Truppe: Kanadier, Amerikaner, Engländer, Australier, Neuseeländer, Franzosen, Spanier und Deutsche, sprachlich geht alles durcheinander und es wird viel gelacht und diskutiert, Boote besichtigt, Manöver kritisiert.

Auch mein misslungenes Bojenmanöver kam natürlich dran. Ich hatte letzte Woche ein Anlegemanöver an eine (sehr grosse und sehr rostige) Bojentonne im Hafen gefahren, Manfred stand am Bug und sollte die Bojenleine befestigen. Leider verlor ich den Blickkontakt zur Boje, stoppte nicht rechtzeitig auf und die Boje kratzte am ganzen Schiffsrumpf entlang und verursachte eine tiefe Schramme. Manfred war völlig aufgelöst und den Tränen nahe, zumal die Besitzer der anderen Yachten ihre Köpfe neugierig aus den Luken streckten und das Hafenkino beobachteten, aber mein Manfred sagte kein böses Wort!!! Nun muss ich sagen, dass wir gerade am Tag vorher eine lange Diskussion über eheliche Partnerschaft, insbesondere beim Segeln, hatten.

Nun kommt’s! Als wir gestern bei dem Umtrunk auf dem Nachbarschiff waren, sagte ein Amerikaner doch tatsächlich ganz treuherzig: we watched all that, but he must really love her – he didn’t say a word!

 

Mittwoch, 31. Juli 2002

 

Gestern früh haben wir eine kleine Besichtigung der „memorials“ von Apia gemacht. Da Apia von 1900 bis zum 1. Weltkrieg unter deutscher Flagge stand, gibt es ein German memorial und ein German flag memorial. Apia beheimatet auch heute noch sehr viele Deutsche, die hier Unternehmen und Hotels gegründet haben. Es gibt sogar eine deutsche Botschaft und die deutsche Gemeinde trifft sich regelmässig. An zahlreichen Gebäuden sind deutsche Namen zu lesen. Vielleicht ist es auch der germanische Einfluss, der der Stadt Apia die Sauberkeit beschert, die wir in Pago Pago so vermisst haben. Dennoch kann man die Stadt Apia eigentlich nicht als „schön“ bezeichnen; es ist eine Aneinanderreihung von mehr oder weniger hässlichen Holzhäusern und unendlich vielen Läden.

 

Für uns ist jeder Stadbummel eine Wonne hier. Die Menschen sehen appetitlich aus, sie haben hübsche Gesichter, sind etwas kräftiger gebaut, aber nicht fett. Die Frauen tragen lange, bunte Kleider aus Baumwollstoffen oder den „lava lava“, den traditionellen Wickelrock. Die Oberteile haben immer Ärmel, die die Oberarme bedecken. Enge Hosen, Shorts oder Miniröcke sind für Frauen tabu. Die Männer tragen meistens auch einen Wickelrock (dunkelblau, schwarz oder dunkelgrau, wie bei uns die guten langen Hosen) und dazu entweder ein buntes Hemd, oder – wenn es formell sein soll – ein weisses Hemd und Krawatte, an den Füssen .... Gummilatschen!

 

Jeder 2. Laden ist ein Stoffgeschäft. Burga und Sabine wären hier nicht mehr wegzukriegen. Die Auswahl ist umwerfend; man sucht sich einen Stoff aus und lässt sich gleich im Laden das gewünschte Modellkleid schneidern. An jeder Strassenecke gibt es Nähstuben; die Kleider kauft man hier nicht von der Stange, dafür geht das Nähen schnell, denn es gibt eigentlich nur einen Schnitt, und der wird dem Umfang angepasst: runder Halsausschnitt, eine Passe, Halbärmel mit Rüsche, dann das Rockteil leicht angekräuselt, ohne Taille, nach unten etwas weiter und am unteren Rand auch eine Rüsche. Das ganze ist knallbunt oder rot-weiss, grün-weiss bzw. blau-weiss geblumt – aber welche Vielfalt an Mustern! Das Schuhwerk ist ganz einfach, die Frauen tragen wie die Männer Gummilatschen.

 

Die Segelweiber nähen fast alle, und ich werde das auch in Angriff nehmen, denn die bunten Stoffe sind wirklich verführerisch und kosten fast nichts.

 

Herrlich ist auch der Markt. Es gibt alle Arten von Früchten, vieles ist uns unbekannt, und ich frage dann immer, wie man das zubereitet und lasse es mir erklären. Was hier angebaut wird, ist unglaublich preiswert. Ein Teil des Marktes besteht aus vielen kleinen Garküchen, wo man alles mögliche verspeisen kann. Einige Stände verkaufen Strohtaschen, Flechtarbeiten und Schmuck aus Muscheln oder Kokosnüssen. Der Fischmarkt ist an einem anderen Platz. Wir waren gestern dort und haben die niedrigen Preise bestaunt, ein riesiger Thunfisch von vielleicht 8kg kostet nur 20 Tala

 

2. August 2002

 

West Samoa besteht aus mehreren Inseln, z.Zt. befinden wir uns auf der Insel Upolu.  Upolu ist ca. 50 km lang und 20km breit und sehr gebirgig. Die Nordküste ist die ruhigere Leeküste, die Südküste ist die wildere, wo es auch (noch) mehr regnet, aber wo sich auch die schönsten Strände befinden, z.B. der „Return to Paradise Beach“, wo anno dunnemals der gleichnamige Kinofilm mit Cary Grant gedreht wurde.

 

Apia ist im Vergleich zum Rest der Insel wirklich eine Großstadt, und wenn man bedenkt, dass die ersten Yachten hier erst vor 6 Jahren ankerten und es bis dahin auch kaum Tourismus gab, dann wird verständlich, warum die Menschen so sehr scheu sind. Wir haben uns ein Auto gemietet und sind damit um die Insel gekurvt. Es war schon interessant zu sehen, wie die Menschen ausserhalb der Stadt Apia leben. Ihre Häuser, genannt fales, sind rundum vollkommen offen – sie bestehen nur aus einem tonnenförmigen Dach, das von zahlreichen Säulen getragen wird. Wände gibt es nicht, die Möbel kann man von aussen wie ein Puppenhaus betrachten. Die Küche befindet sich immer in einem separaten fale, wegen der Feuergefahr. Die offenen Häuser und die sehr konservative Haltung der Menschen erklären sicher auch ihre Scheu; es ist schwierig, mit ihnen in ein Gespräch zu kommen, ganz anders als in Tonga.

 

So beschränkten wir uns mehr auf die Sehenswürdigkeiten in der Natur, d.h. einige Wasserfälle und „natural pools“. Die schönste Sehenswürdigkeit hier ist sicherlich das ehemalige Wohnhaus des Schriftstellers Robert Louis Stevenson und seiner Familie; es liegt oberhalb von Apia mit Blick auf das Meer und wurde sehr liebevoll restauriert und mit nachgebauten Möbeln eingerichtet. Alle Erstausgaben seiner Bücher sind hier ausgestellt. Er hat u.a. „Die Schatzinsel“ geschrieben und „Dr. Jekyll und Mr.Hyde“. Stevenson’s Grab befindet sich hoch oben auf einem Berg, den ich hoffentlich noch mit Traudl besteigen darf!

 

Eine weitere Attraktion hier in Apia ist auch das Aggie Grey’s Hotel. Aggie Grey kam lange vor dem 2. Weltkrieg nach Apia und eröffnete ein Hotel, in dem die amerikanischen GI’s gerne wohnten. Aggie Grey war bekannt für Show und Entertainment in ihrem Hotel und tanzte jeden Abend für ihre Gäste selbst den einheimischen Tanz, den Siva. Aggie Grey verstarb 1998 und das Hotel wird heute von ihrer Enkelin geführt, die ebenfalls Aggie Grey heisst. Jeden Mittwoch Abend findet eine mitreissende Show statt, die von den Mitarbeitern des Hotels gestaltet wird und bei dem die junge Aggie Grey den Siva tanzt – ihr könnt glauben, dass der Saal kocht, wenn sie tanzt!

 

Indes feiern wir jeden Tag auf einem anderen Boot – einen solchen „Party-Hafen“ haben wir noch nie erlebt. Hier ist wirklich die Hölle los! Morgen reisen leider 4 oder 5 Boote ab, aber es kommen bestimmt wieder neue an. Zwischen den Segelbooten herrscht ein ständiges Kommen und Gehen, wo gefeiert wird, erkennt man daran, dass mehrere Dinghis am Segelboot festgemacht sind. La Rossa ist als besonders beliebtes Party-Boot bekannt.

 

Nun warten wir auf Traudl und Raimund, die am 13.8. nachts ankommen. Die Route haben wir schon geplant: nächstes Ziel ist die Insel Savai’i, Western Samoa; von dort segeln wir dann nach Wallis und Futuna, das sind 2 französische Inseln westlich von hier, dann nach Savusavu/Fidji. In Savusavu klarieren wir für Fidji ein und segeln an der Südküste von Viti Levu über das Beqa-Reef (sprich Bengga), wo die berühmten „fire dancers“ herkommen, nach Malolo Lei Lei, das ist eine kleine Insel westlich von Nadi (sprich Nandi).

 

Sonntag, 11. August 2002

 

Im Hafen ist wieder Ruhe eingekehrt; an einem Tag reisten mindestens 10 Yachten ab. Manfreds Geburtstag feierten wir also nur im „kleinen Kreis“. Morgens gab es einen Geburtstagstisch, auf dem alle emails lagen, die bis dahin eingegangen waren und nachmittags kamen dann zwei befreundete Seglerpaare zum Umtrunk. Gestern wurde das Schiff von aussen geputzt und nun glänzt sie wieder, die Rote.

 

Wir werden vermutlich nun eine Zeit lang keinen Reisebericht schreiben, denn wenn die Bayern an Bord sind, dann haben wir erfahrungsgemäss wenig Zeit dafür, ausserdem wird jetzt auch erst mal wieder gesegelt. Es kommen nun Inseln, wo vermutlich auch nicht an jeder Ecke ein Internet-Café ist.

 

Kurzbericht noch zu meiner verbrannten Pfote: sie ist wieder komplett mit neuer Haut bedeckt, allerdings ist die Stelle natürlich schneeweiss. Ich schmiere immer ordentlich Sunblocker drauf. Dafür habe ich mir den kleinen Zeh derart angestossen, dass er jetzt ganz dunkelrot-lila-blau ist; ein Glück, dass ich im Moment nicht jogge.

  

Für heute nun senden wir Euch herzliche Grüsse aus dem inzwischen sehr sonnigen Apia. Wir denken oft an Deutschland, mindestens jeden Morgen einmal, wenn wir im Deutschlandfunk die Börsennachrichten und den Wetterbericht hören – beides ist so jämmerlich, dass wir uns freuen, hier zu sein!

Trotzdem – dahaam is dahaam!

    

Reisebericht 25      

Wallis, Freitag, 23. August 2002

 

Wo ist denn um Himmels Willen Wallis? Es hat nichts mit dem Wallis in der Schweiz zu tun und auch nichts mit dem britischen Wales, sondern es liegt auf 13° Süd und 176° West. Es ist eine kleine Insel im Pazifik und gehört – zusammen mit der Schwesterinsel Futuna - als „Territoire d’Outre Mer“ (Überseeisches Gebiet) zu Frankreich. Hier weht also wie in Tahiti die Tricolore. Wallis ist ein windiges Plätzchen, weshalb auch nicht viele Segler den Weg hierher suchen, aber ich kannte es aus den Unterlagen zu meiner Diplomarbeit und wusste nie richtig, wo es eigentlich liegt, nun sind wir hier!

 

Aber zuerst noch einmal zurück:

Am 13. August in der Nacht kamen Traudl und Raimund in Apia an. Wir hatten ein Auto gemietet und holten die beiden am Flugplatz ab. So war es ganz praktisch und wir konnten, nachdem wir alle noch eine Mütze voll Schlaf genommen hatten, einen Inselausflug mit dem Klappermobil machen, damit die beiden einen Eindruck von Samoa bekommen. Die Samoanischen Dörfer mit den offenen fales muss man gesehen haben! Wir badeten noch in einem Naturbecken unter einem Wasserfall (Togitogiga Wasserfall) und kehrten auf der Insel-Höhenstrasse wieder nach Apia zurück. Am nächsten Tag machten wir dann ein getrenntes Programm für Männlein und Weiblein: wir Frauen – Traudl, Juana (Boomerang) und ich durchstöberten sämtliche Geschäfte von Apia und die Männer gingen ins Internet-Cafe, zum Cappucino und auf den Markt. Abends warfen wir uns dann in grosse Garderobe, denn Mittwochs ist im Aggie Grey’s Hotel die berühmte Show, die wir unbedingt noch einmal erleben wollten. Es war einfach gigantisch, vor allem die Feuertänzer waren super!

 

Was noch die ganze Zeit über anstand, war der Fussmarsch auf den Mt. Vaea zum Grab von Robert Louis Stevenson. Den machten wir ohne Manfred, er wollte lieber den Impeller am Generator austauschen. Der Anstieg war ordentlich steil und führte über einen glitschigen Dschungelpfad nach oben zu der Grabstätte: wenn R.L.S. noch leben würde, hätte er den schönsten Ausblick von Samoa!

Bevor wir Apia nach vier Wochen den Rücken zudrehten, mussten wir noch Proviant einkaufen, ausklarieren, Getränke an Bord schleppen, Diesel und Wasser bunkern, und das Schiff seeklar machen.

Dann ging’s los, zunächst in eine Bucht nach Savai’i, der Nachbarinsel von Upolu, ebenfalls Western Samoa, und am nächsten Tag weiter in die Bucht von Asau. Auf dem Weg dorthin machte George von der SY Cariad II noch sehr schöne Fotos von La Rossa unter Blister, eine seltene Gelegenheit, dass ein anderes Boot gerade in Fotografierweite nebenher segelt.

 

Raimund, Traudl und ich machten einen Spaziergang in glühender Hitze, fanden es aber toll, weil wir durch die Samoanischen Dörfer spazierten und mit der Bevölkerung in Kontakt kommen konnten. Die Leute sind, wie überall auf diesen Inselchen, sehr freundlich und wollen wissen, woher wir kommen und wohin wir gehen. Besonders beeindruckt hat uns eine Frau, die ein kleines Lädchen führt: sie ist 64 Jahre alt, ihr Grossvater war Deutscher, sie hat 14 Kinder und ungefähr 30 Enkel – genau weiss sie es selbst nicht. Sie beneidet uns um unsere Art zu reisen, sagt aber selbst, dass sie ihre Familie hier hat und niemals darauf verzichten möchte. Sie war früher Lehrerin auf Savai’i und hat zudem ihre grosse Familie versorgt, Feldarbeit gemacht und führt nun dieses kleine Geschäft. Trotz der vielen Arbeit in ihrem Leben ist sie so zufrieden.

 

Ein bisschen negativen Touch erlebten wir auch noch: zuerst hatten wir den Wind im Verdacht, Raimunds T-Shirt und eines unserer Handtücher von der Relingleine gerissen zu haben, aber als dann nach der 2. Nacht in dieser schönen Bucht Traudls neue kurze Hose fehlte und auch Manfred plötzlich seine neuen Sandalen nicht mehr finden konnte, hatten wir doch noch eine andere Vermutung ... also, Schwund ist halt überall, aber es war das erste mal, seit wir auf Reisen sind, dass uns auf diese Art Sachen weggekommen sind.

 

Am 20.8. zogen wir dann den Anker endgültig hoch und verliessen Samoa mit wenig Wind. Helmut von der SY LOP TO begleitete uns noch ein weites Stück und fotografierte nochmals, wir hatten nicht sehr viel Wind, mussten schliesslich sogar motoren. Allmählich kam dann Wind auf, der sich so langsam bis Sturmstärke steigerte.

 

Abends um 22 Uhr am 22.8. (inzwischen hatten wir die Datumsgrenze überschritten und einen Tag verloren!!) näherten wir uns der Insel Wallis. Mit elektronischen Seekarten, Radar, Funkbegleitung von Hans (SY Ophelia), die bereits in der Lagune von Wallis ankerten, Mondlicht und einem guten Satz starker Nerven wagten wir die Nachtansteuerung der Riffdurchfahrt. Wir waren alle vier aufs äußerste angespannt, aber alles ging gut und wir ankerten schliesslich neben Ophelia, bei 35 Knoten Wind, aber vor Seegang durch eine Insel und das Riff relativ gut geschützt. Nun wissen wir, warum hier nicht so viele Segler herkommen!

 

Der Landgang heute dafür war ein schönes Erlebnis: nicht nur wegen der Dinghifahrt bei hohen Wellen und Windstärke 7-8. Manfred war sicherheitshalber an Bord geblieben, aber zu dritt wagten wir die stürmische Überfahrt – eine einzelne Person wäre mit Sicherheit gekentert, weil der Wind dann das Dinghi einfach auf den Kopf gestellt hätte.

Wir trafen auf so viele nette und hilfsbereite Menschen, es ist unglaublich: ein Mann lud uns gleich in seinen Jeep und fuhr uns zur Bank, zur Gendarmerie und dem Supermarkt. Ein anderer telefonierte herum, um uns den Wetterbericht zu besorgen, notierte alle Telefonnummern und wichtigen Informationen. Eine Frau schenkte uns Papayas, die sie eigentlich – das muss man ja zugeben – an ihre Schweine verfüttern wollte. Die Gendarmen wollten alles genau wissen, nicht dienstlich, sondern sie interessierten sich für unsere Reise und freuten sich, dass ich mit ihnen französisch sprechen konnte.  Der Mann mit dem Jeep wollte uns am Ende sogar noch zu sich nach Hause einladen, aber das mussten wir ablehnen, weil Manfred ja noch auf dem Schiff war und wir über Nacht wieder zu unserem alten Ankerplatz zurückkehren wollten.

 

Nun werden wir sehen, wie es weitergeht. Der Wind hat heute noch mal zugelegt, im Moment bläst es mit bis zu 35 Knoten.

 

 

Futuna, Dienstag, 27. August 2002

 

Der Wind hat sich mittlerweile etwas beruhigt und wir verbringen in der Lagune von Wallis noch zwei sehr schöne Tage. Traudl, Raimund und ich wanderten einen ganzen Nachmittag lang an einem Strand entlang, sammelten Muscheln und gingen schwimmen. Manfred musste leider schon wieder an Bord bleiben und den Wassermacher reparieren, er kriegt ja alles wieder in Gang, so auch das, ich bin da immer ganz zuversichtlich. Am nächsten Tag ging es dafür mit zum schwimmen und schnorcheln, und am Abend hatten wir Eva, Hans und Lola von der Ophelia zum Essen eingeladen. Es gab ein 3 Sterne-Menu: Vorspeisenteller à la Traudl mit Gurkenscheiben, Tomaten, gebratene Aubergine, Thunfisch, Fetakäse, Oliven, Kapern, Zwiebelringe, alles angemacht mit einer Balsamico-Vinaigrette. Hauptgang à la Renate war Mahi-Mahi in einer leichten Curry-Sauce, mit Reis, und Dessert à la Eva: Kokospudding mit einer Schicht Mandarinencreme.

 

Am nächsten Tag dann machten wir La Rossa wieder seeklar und starteten bei achterlichem Wind in Richtung Futuna. Futuna ist die Schwesterinsel von Wallis und gehört ebenfalls den Franzosen. Es ist noch winziger und bescheidener als Wallis, und es gibt eigentlich nichts besonders einladendes, um länger dort zu bleiben, die Insel besitzt auch kein schützendes Barriere-Riff, sondern nur einen winzig kleinen Hafen, den die Segler räumen müssen, wenn ein Frachter kommt.

Leider riss kurz vor Futuna das Gross am Unterliek so weit ein, dass wir im Moment damit nicht mehr segeln können, denn es würde dann ganz reissen, so hoffen wir, dass wir es bei einem Segelmacher reparieren lassen können. Futuna war nur ein kurzer Aufenthalt von einer Nacht, und es ging gleich am nächsten Tag weiter, denn wir wollten noch vor Durchzug einer Wetterfront in der Nähe von Fiji sein, um die Winddrehung auf West zu meiden. Also, da das Gross ja nicht mehr zu gebrauchen war, wurde der Blister hochgezogen. Raimund stellt sich schon recht gut an bei den Segelmanövern, trotzdem konnte auch er nicht verhindern, dass bei 17 Knoten Wind die Achterholerleine riss und der Schäkel einen langen Riss in den schönen Blister schlug. Nun, noch ein Segel weniger! Schade! Wir mussten nun mit der (auch leicht lädierten) Genua und der Fock segeln, was natürlich nicht so gut geht, also heisst es jetzt „Maschine an!“. Wir schafften es bis in ein Atoll vor Fiji, das wir noch vor Einbruch der Dunkelheit anliefen. Wind und Wellen kamen schon kräftig von vorne und wir waren froh, dass wir uns in das Atoll flüchten konnten. Da ankerten wir nun bei 35 Knoten Wind ganz alleine in einem riesigen Riff und um uns herum pfiff und heulte es, die Wellen schlugen an die Bordwand, Regen nieselte aufs Deck, und wir vier sassen – nach 1 ½ Tagen Segelreise noch ungeduscht – im gemütlichen Schiff, lasen und spielten Scrabble: es war witzig, keiner verkroch sich, wir suchten alle die gegenseitige Nähe. Die Südsee-Idylle war perfekt, als es zum Essen dann auch noch Gulasch mit Klössen gab.

 

Für den nächsten Tag hatten unsere Wetterfrösche aus Neuseeland Wind aus Süd vorhergesagt, das bedeutete für uns, früh aufstehen und möglichst schnell bis Fiji weiterfahren. Höhepunkt des Tages war die Überquerung des 180. Längengrades, d.h. der Übergang von 179°59,99 West auf 179° 59,99° Ost. Auf den östlichen Längen erhielten wir einen perfekten Empfang durch einen Marlin, den wir offensichtlich erschreckt hatten und der uns mit seiner prächtigen Rückenflosse imponierte.

 

Nun sind wir in Fiji, in der Stadt Savusavu, wo wir einklariert und unser Segel-Permit beantragt haben, auf das wir nun seit einigen Tagen schon warten. Ohne dieses bürokratische Papier darf man in den Fiji-Gewässern zwar segeln, aber nirgends an Land gehen. Wir verbringen unsere Tage dennoch ohne die geringste Langeweile, aber im Grunde haben wir nichts besonderes zu tun: mal spazieren gehen, einkaufen und in den Läden herumstöbern, z.B. haben wir gestern ein Geschäft mit wunderschönen Saris entdeckt (46% der Fijianer sind Inder, Abkömmlinge ehemaliger Sklaven, die die Engländer von Indien hierher verbracht haben), ausserdem lockt uns immer wieder der Markt an, wo wir köstliche Ananas, Tomaten, Gurken und alles mögliche andere einkaufen. Was uns immer wieder fasziniert, sind die freundlichen Menschen; hier in Fiji begrüssen sie dich mit „bula“, d.h. „sei gegrüsst, willkommen“, wir antworten mit demselben Gruss.

 

Heute früh sind wir gejoggt, aber wir waren ganz schön groggy von der Hitze, dann haben wir Diesel getankt, Wasser gebunkert, Wäsche gewaschen und Behördenkram erledigt. Raimund und Manfred verschwinden gelegentlich im Restaurant der Marina, um „B.L.T.“ zu essen (Bacon, Lettuce, Tomato Sandwich mit Chips), danach tauchen sie ins Internet ein. Die Zeit vergeht wie im Flug, man glaubt es nicht! Aber morgen wollen wir weiter, mit oder ohne Segel-Permit. Raimund und Traudl fliegen leider nächste Woche schon wieder nach Hause, und wir wollen sie wenigstens irgendwo auf der Hauptinsel Viti Levu abliefern. Übrigens hatte Raimund am 31.8. Geburtstag; an diesem Tag waren wir „auf See“, aber er hat dennoch einen Geburtstagstisch bekommen und ein Abendessen in der Pizzeria – immerhin!

 

Samstag, 14. September 2002

 

In Savusavu mussten wir 4 Tage auf das Segel Permit warten, ohne dieses Papier darf man in Fiji nicht segeln, d.h. man darf sich nirgendwo länger aufhalten und auch nicht an Land gehen. Ob das wirklich so streng gehandhabt wird, wissen wir nicht, aber wir wollten es auch nicht darauf ankommen lassen. Wir ankerten vor einem schönen Tauchresort, und Manfred fuhr nach Savusavu mit dem Taxi, um das ersehnte Papier schliesslich in Empfang zu nehmen. Dann gings ab zur Insel Makogai. Ich hatte die Inseln in erster Linie danach ausgesucht, ob sie an der Strecke nach Lautoka lagen, aber auch in diversen Büchern nachgelesen, ob sie auch schön und sehenswert sind. Makogai hat uns sehr gut gefallen, wir gingen an Land und die Bewohner zeigten uns ihre Muschelfarm; sie züchten dort diverse Muscheln, u.a. riesige Mördermuscheln, die einmal dort heimisch waren, dann aber ausgerottet wurden. Die kleinen Exemplare leben in Wasserbecken, und die grösseren wurden ins Meer verbracht, wo wir sie schnorchelnd betrachten konnten. Traudl hatte dabei ihr Super-Schnorchel-Erlebnis, denn sie überquerte die Distanz zwischen Schiff und Schnorchelgrund ganz tapfer!

 

Wir hatten den Leuten 50 Liter Diesel für ihre Wasserpumpen und ein paar Liter Sprit für den Generator spendiert, da sie seit Wochen vergeblich auf das Versorgungsschiff warteten. Sie bekamen auch noch ein wenig Essbares und Trockenmilch, ausserdem ein T-Shirt mit deutscher Aufschrift, darauf war Tomasi ganz scharf; sie pflückten uns dafür 4 Kokosnüsse.

 

Von Makogai motorten wir dann in die Viti Levu Bay; auch dort hatten wir wieder herzliche Begegnungen mit den Einheimischen. Bereits abends, nachdem wir gerade geankert hatten, besuchten uns 4 junge Männer auf einem Floss zum Schwatz. Am nächsten Morgen früh um 7 Uhr gingen wir dann an Land, um einen Berg zu erklimmen, und wurden von zahlreichen Kindern und Erwachsenen in Empfang genommen, als wir plötzlich „Raimund“ hörten – Raimund war ganz überrascht, dass er in dem Dorf schon mit Namen bekannt war; es war einer der 4 Jungen, die am Abend vorher auf ihrem Floss eifrig unsere Namen geübt hatten. Er zeigte uns dann den Weg auf die Anhöhe und schlug mit seiner Machete einen Weg frei, so dass wir schliesslich den wunderbaren Ausblick auf die Bucht geniessen konten.

 

Die Einheimischen hatten uns für den nächsten Abend zum Sevusevu, der Kava Zeremonie eingeladen, aber wir mussten leider weiter, denn Traudls und Raimunds Abreisetag rückte näher. So folgten wir einer Route durch das Korallenriff, gelegentlich durch Bojen markiert, aber immer sorgfältig per „Augapfelnavigation“ – auf Grund der hoch stehenden Sonne und des schönen Wetters war das gut möglich. Eines Morgens aber – wir hatten die glorreiche Idee, schon um 7 Uhr Anker auf zu gehen – war es dann so weit: ich sass gerade auf der Toilette, Raimund stand am Bug, konnte aber nichts erkennen, und Traudl war die einzige, die in diesem Moment Manfreds Augen sehen konnte. Die waren plötzlich riesengross und kugelrund und sein Gesicht drückte aus, was er in diesem Augenblick empfand: das war’s jetzt! Das Schiff hoppelte mit 6 Knoten Fahrt über ein paar Korallenstöcke und blieb dann stehen. Ich purzelte von der Toilette und hörte im selben Moment den Bilgen-Alarm, d.h. Wasser im Schiff!

 

Hinterher kann man ja lachen, aber Manfred blieb nicht lange erstarrt, sondern – als wir erkannt hatten, dass gerade Hochwasser ist, wir also nicht auf die erlösende Flut warten konnten, manövrierte er La Rossa mit Vollgas zurück und von den Korallen. Wir waren wieder frei, und der Bilgenalarm war nur durch das vor und zurück schwappende Bilgenwasser ausgelöst worden und nicht durch einen Wassereinbruch in den Schiffsrumpf. Traudl meldete an, dass sie ja jetzt eigentlich gut hätte schnorcheln gehen können, und wir alle waren erleichtert, dass es so glimpflich abgegangen war.

 

Die Gewässer rund um Fiji sind sehr schwierig zu befahren, da das gesamte Gebiet von zahlreichen Riffen und Flachstellen gespickt ist. Die Seekarten stimmen schon seit Tonga nicht mehr genau, und ohne gute Sicht kann man hier nicht navigieren. Es wäre hier nicht das erste mal gewesen, dass eine Yacht mehrere Tage auf einem Korallenstock auf die nächste Springflut gewartet hätte.

 

Nach Überwindung dieses Schrecks konnten wir uns wieder unseren „Bordtätigkeiten“ zuwenden: Umgebund anschauen, lesen, dösen, sonnen. Wir stellen übrigens fest, dass sich die Landschaft allmählich verändert. Im Osten ist Fiji tropisch grün, und je weiter man nach Westen kommt, wird es trockener. Wir reisen an der beschaulicheren Nordküste von Viti Levu entlang, an der Südküste befinden sich die Hotels und Touristenzentren, die wir – wo immer es geht – meiden.

 

Trotz aller Aufregungen erreichten wir die Vuda Point Marina südlich von Lautoka und liegen hier nun in einem kleinen Hafenbecken. Traudl und Raimund mussten packen, leider, leider, aber vorher verbrachten wir noch einen schönen Abschlussabend im Sheraton Hotel, wo wir die Zeremonie des Feuergehens sehen konnten. Dieses Ritual stammt von Fiji, ein Hohepriester und mehrere Männer umrunden ein offenes Feuer und gehen dann mit blossen Füssen mehrmals über die heissen Steine. Es ist wissenschaftlich nicht zu erklären, wieso die Haut an den Fußsohlen keine Verbrennungen aufweist; wir haben versucht, die Steine mit der Hand zu berühren, haben sie aber schnell wieder weggezogen.

 

Zu viert machten wir am nächsten Tag, nachdem das Gepäck fertig war, noch einen Ausflug nach Lautoka, um den Markt zu besuchen und die Stadtluft zu schnuppern. Die Bevölkerung von Fiji besteht zu 50% aus Indern, und es sind auch die Inder, die hier die Geschäfte betreiben. Sie sind die Nachfahren derjenigen Inder, die im vorletzten Jahrhundert von den Engländern als Sklaven aus Indien hierher gebracht wurden, um sie als Arbeiter auf den Zuckerrohrplantagen einzusetzen. Die einheimischen Polynesier gelten allgemein als „arbeitsscheu“, aber wir empfinden das nicht so dramatisch, sie haben einfach eine andere Lebenseinstellung! Nicht zuletzt wegen des polynesischen Lebensstils sind wir ja auch hier und haben die Hetze und die Unruhe in Deutschland gern zurück gelassen.

 

Der indische Einfluss in den Geschäften ist dominierend, und für mich etwas ganz neues: meine Nase schlug Purzelbäume vor den Gewürzständen auf dem Markt, und meine Augen konnten sich nicht satt sehen an den farbenprächtigen Saris, die in allen Schaufenstern ausgestellt sind, unsere Mägen hüpften beim Genuss der indischen Speisen und unsere Männer schauten den zierlichen und hübschen Inderinnen hinterher.

 

Es folgte noch ein Besuch beim Segelmacher, dem wir unsere drei lädierten Segel übergaben. Er wird alle drei reparieren, aber Gross und Genua sind nach 25000 Seemeilen verbraucht. Das ist wie Reifen beim Auto – nach einer gewissen Zeit sind sie einfach nicht mehr zu gebrauchen. Manfred muss damit noch nach Neuseeland kommen, und wir hoffen, dass das noch geht und er nicht nach Neuseeland motoren muss.

 

Vorgestern Abend war es dann so weit: Bergers mussten Abschied nehmen. Manfred und ich blieben zurück, und wieder hatten wir dieses komische Gefühl, wenn Freunde nach Hause reisen und wir beide am anderen Ende der Welt alleine bleiben. Wir hatten eine sehr schöne Zeit miteinander, mit vielen Erlebnissen und kleinen Abenteuern!

 

Freitag, 20. September 2002

 

Manfred und ich blieben noch 2 Tage in der Vuda Point Marina, um das Schiff sauber zu machen und fuhren dann 20 sm weiter zur Insel Malolo Lai Lai, die ein wahres Segler-Paradies ist. Zwei Amerikaner haben die Insel Malolo vor 18 Jahren gekauft und dort zwei Resorts eingerichtet, das eine ist eher auf Familien-Tourismus eingestellt, das andere besteht aus kleinen Bures (=fijianische Häuser), die man im Time-Sharing nutzen kann, ausserdem gibt es hier im Musket Cove sehr viele und gute Einrichtungen für Segler. Wir liegen jetzt in der kleinen Marina am Steg, was natürlich sehr bequem ist, aber es gibt auch rund 30 Festmache-Bojen und genug Platz zum Ankern. Malolo hat einen herrlich weissen Sandstrand, wofür die Inseln im Westen von Fiji bekannt sind. Es gibt aber auch Schwimmbäder, Bars und Restaurants, eigentlich alles, was das Touristen-Herz erfreut. Einziger Nachteil: die herzliche Freundlichkeit, mit der wir in den Dörfern empfangen wurden, gibt es in solchen Zentren nicht – es ist also eigentlich nicht „Fiji“, wo wir uns hier befinden, sondern eine künstliche Urlaubswelt. Trotzdem sind wir gerne mal für ein paar Tage hier, denn es ist ein Treffpunkt der Segler vor dem Absprung nach Neuseeland, Australien oder Vanuatu. Viele, die wir schon seit Tahiti, Tonga oder Samoa kennen, treffen wir hier, und das ist natürlich auch sehr lustig und unterhaltsam.

 

Wir haben auch schon angefangen, La Rossa für den Sprung nach Neuseeland vorzubereiten; heute wird das Dinghi geputzt und die diversen Klebestellen für das Reklamationsschreiben an Zodiac fotografiert. Manfred hantiert mit einem Silikonhandschuh, denn gestern hat er sich beim Öffnen einer Kokosnuss den halben Finger abgeschnitten. Er ist schon ein verrücktes Huhn. Mit den Fotos vom Dinghi will er dann bei der „Boot“ in Düsseldorf vor dem Messestand von Zodiac so lange auf- und abgehen, bis sie ihm ein neues Dinghi geben, damit er endlich verschwindet.

 

Ich fliege am 25.9. von Nadi aus über Rarotonga, Papeete, Los Angeles und London nach Hause. So nähern sich also auch meine 6 ½ Monate „Südsee“ dem Ende und ich fange schon an, Bilanz zu ziehen und die „Highlights“ auszusortieren. Wir haben so viel erlebt, und die Zeit kommt mir dadurch auch lang vor. Abgesehen von diversen kleinen Verletzungen, über Bord gegangenen Handtüchern, geklauten Klamotten, zerrissenen Segeln und Löchern im Dinghi waren es die persönlichen Erlebnisse, die unsere Südsee-Reise geprägt haben. Lustige und jeweils ganz unterschiedliche Wochen mit Freunden, herrliche Segeltage, Sturm, Seegang und Regen, Schnorchelausflüge und Begegnungen mit den Insulanern, und natürlich auch nicht zu vergessen, Eheleben an Bord – gestern Abend sagte ein altgedientes Segler-Ehepaar: Ehejahre an Bord zählen doppelt! Dagegen zählen angeblich Lebensjahre, die auf dem Meer verbracht werden, überhaupt nicht, d.h. Seeluft hält jung! Irgendwann sind wir dann 80 Jahre alt, sehen aus wie 50 und sind 100 Jahre verheiratet??? Na, ich weiss nicht....

 

Manfred freut sich auf seine Einhandreise nach Neuseeland – jetzt kommt er erstmals alleine in stürmisches Seegebiet. Wir hoffen, dass die Segel das überleben, denn er ist ja auch kein zahmer Segler, sondern eher ein „Spätreffer“. Am 11.11. fliegt er dann auch nach Hause und La Rossa wird in Neuseeland eingemottet.

 

So, sofern sich jetzt nichts besonderes mehr ereignet, war das der Bericht über Fiji – von Fiji haben wir viel zu wenig gesehen und wir kommen vielleicht nächstes Jahr doch noch einmal zurück – who knows?

  

 

 

Reisebericht Nr. 26  


Einhand von Fidji - Neuseeland

 

Pos. 25°00 Süd, 175°00 Ost auf halben Weg nach Neuseeland.

 

Erst heute am Mittwoch, den 16. Oktober, komme ich dazu, einen ausführlichen Reisebericht zu schreiben. Zu viel ist passiert und ich hatte einfach nicht die Ruhe zum Schreiben, aber nun hat der Wind abgeflaut und ich segle mit 5 knt auf ruhiger See Neuseeland entgegen.

Nun die Ereignisse seit dem Abflug von Renate in Nadi/Fidji am 25. September.

 

Donnerstag, den 26. Sept. 2002-10-16

 

Renate ist gestern am späten Nachmittag von Nadi über Rarotonga/Cook Island, Papeete/Tahiti, Los Angelas/USA, London/GB nach Frankfurt gestartet. Abdul unser Taxifahrer hat uns gemeinsam zum Flughafen gebracht und dann hieß es abschied nehmen, was uns immer sehr schwer fällt, besonders wenn die gemeinsame Zeit an Bord erlebnisreich und schön war. Lange haben wir uns nach gewunken und die Augen werden halt immer noch naß.

 

Am nächsten Tag bin ich gleich von der Vudapoint Marina in Richtung Musketcove Marina in Malolo Lailai aufgebrochen. Die Strecke ist nicht lang, nur 15 sm, und ich habe bei der Ankunft auch gleich einen Platz in der Marina bekommen. Kurt und Winfried haben mir beim Anlegen geholfen und so lag ich bereits sicher um 12.00 Uhr am Steg. Kurt hat mich ja bereits vor dem Abflug von Renate am Freitag den 27. Sept. zur Geburtstagsparty auf seinem Schiff eingeladen.

 

Den Geburtstag haben wir mit viel Sangria, Wein und Bier, sowie einem hervorragenden Essen, das Kurt selbst zubereitet hat gefeiert. Natürlich hat Kurt fast den ganzen Abend von seinen Reisen erzählt und nebenbei auch noch seine selbstkomponierten Lieder und Texte auf der Gitarre und Quetschkommode zum besten gegeben.  Kurt ist ein Phänomen, als Jugendlicher mehrere Jahre mit seiner eigenen Band „The singing Sailers“ um das Mittelmeer gesegelt, später ein erfolgreicher Werbefachmann mit mehreren Firmen in aller Welt und 400 Mitarbeitern, hat diese Firmen mit 50 Jahren verkauft und segelt nun seit 12 Jahren mit dem Schiff Nicol-Spain um die Welt. Ein kluger und toller Kumpel, der alle mit seinem Witz und seiner Musikalität begeistern kann. Die Geburtstagsparty ging bis in tief in die Nacht und seine zauberhafte  35 jährige Begleiterin hat uns immer wieder mit de3r selbstgemachten Sangria und Köstlichkeiten versorgt.

 

Fast zwei Wochen bin ich auf Malolo Lailai geblieben und in dieser Zeit hatte ich auch meinen Unfall auf dem 75“ Catemeran BINGO.

Am Samstag, den 6. Oktober habe ich dem Harald von der SY. Bingo dabei geholfen seine Antriebswellen zu montieren. Er hatte sich diese zuvor beim Trockenfallen des Cat`s  krumm gebogen und musste sie gerade biegen und neu ausrichten lassen. Harald und ich sind getaucht und haben die Wellen unter Wasser in die dafür vorhandenen Lagerblöcke geschoben. Nach der ersten Welle sind wir wieder am Steg und ich will vom Steg auf den Cat springen, rutsche dabei aus und falle so unglücklich auf den Rücken, dass mir schwarz vor Augen wurde und mir für eine Minute die Luft wegblieb. Dabei habe ich mich auch noch am Schienbein so stark gestoßen, dass ein riesiger Bluterguss an der Wade zum Vorschein kam. Trotz allem haben wir noch die zweite Antriebswelle montiert und ich habe mir erst einmal ein paar Schmerztabletten zugeführt.

Die nächsten Tage konnte ich mich nur mit Mühe bewegen, Probleme hat mir vor allem das aufstehen bereitet, das heißt von der wagerechten in die senkrechte Position zu kommen.

 

Dienstag, den 08. Okt.

 

Trotz Verletzung wollte ich nach Neuseeland weiter und so bin ich am Dienstag, den 08. Okt. Um 10.30 Uhr in Masketcove Marina zum 1.100 sm langen Trip aufgebrochen. Bei 5-6 Windstärken ging es flott voran, aber nach der Mololo Passage wurde die See sehr rau. Die Wellen hatten zum Teil 3-4 m Höhe und kamen gefährlich von der Seite. Eine Welle hat mir so eine Backpfeife gegeben, dass ich glaubte, sie hat mir die Bullaugenfenster aus dem Rumpf geschlagen. Fünf Minuten später hat mir  noch so eine Welle, mein Hilfsruder vom Windpilot zerstört. Das ging so schnell, knack und es war ab und schwomm davon. Der Wind nahm in der Zwischenzeit auch immer mehr zu und der Windmesser zeigte ständig 40 knt. an.

Die Genua obwohl schon doppelt gerefft, musste ich ganz wegnehmen und habe die Sturmfock gesetzt. Nach einer ½ Std. segeln riss das obere Gurtband, an dem die Fock hochgezogen wird, und die Fock rutschte mir langsam aus der Nut vom Furler nach unten, sodaß ich sie komplett bergen musste. Dies war das Zeichen zur umkehr und ich nahm Kurs auf die Vudapoint Marina um die Schäden am nächsten Tag reparieren zu lasen. Es kam jedoch noch schlimmer! Da ich um jeden Preis noch am selben Abend in der Marina sein wollte, bin ich unter Segel und Motor zurückgesegelt, aber ich konnte mir ausrechnen, dass es bei Helligkeit nicht mehr reicht. Um 19.00 Uhr kam ich vor der Marina an, aber es war bereits stockdunkle Nacht. Ich kannte ja bereits die Einfahrt, die sehr schmal ist aber leider nicht beleuchtet. Die Marina war selbst gut beleuchtet und ich konnte die Schiffe bereits sehen. Mit 1- 2 knt. Fahrt tastete ich mich am Riff entlang um die Einfahrt mit den Fähnchen zu entdecken. Keine Markierung zu sehen. Den Tiefenmesser im Auge ca. 15 m Tiefe und nochmals durch das Fernglas geschaut, ich konnte die Einfahrt nicht entdecken. Blick auf den Tiefenmesser 5 m und zwei Sekunden später 0 m, da war es schon zu spät, ich rutschte zum zweiten mal aufs Riff. Diesmal hatte ich allerdings den Nachteil, dass der Wind mich mit 25 knt. aufs Riff drückte und außerdem noch Hightide war. Habe sofort die Marina über Kurzwelle (VHF) Kanal 16 angerufen und um Hilfe gebeten. Sie haben mir versprochen, sofort ein Motorboot zu senden. In der Zwischenzeit hat die arme La Rossa immer wieder mit dem Kiel auf das Riff aufgeschlagen. Es waren nicht allzu harte Schläge, aber es tat doch in der Seele weh. Mit dem Bugstrahlruder habe ich dann versucht, dass Schiff in den Wind zu drehen und gleichzeitig bin ich mit voller Maschinenkraft rückwärts gefahren. Immer wieder hat mich der Wind quer gestellt. Volles Bugstrahlruder und wieder volle Kraft zurück und auf einmal merkte ich, wie das Schiff vom Riff frei kam. Nochmals äußerste Kraft zurück und runter war ich vom Riff. Puh, nochmals Schwein gehabt! Gleichzeitig bemerkte ich, dass kleine Motorboot von der Marina. Ich frage mich noch heute, wie sie mit einem 30 PS Aussenborder ein 30 Tonnen Schiff frei schleppen wollten.  Der Einheimische mit seinem Boot, fuhr nun voraus und zeigte mir die Einfahrt von der Marina, dabei stellte sich heraus, dass ich höchstens 20 m neben der Einfahrt aufs Riff getrieben bin. Obwohl die Fähnchen, die die Einfahrt markieren nur ca. 30 m auseinander liegen, konnte man die nächste Markierung nicht erkennen. Es stellte sich jedoch hinterher heraus, dass die Einfahrt mit einem grünen Richtfeuer markiert ist, die beiden grünen Lichter braucht man nur in Deckung bringen und kommt dann ohne Probleme bei Dunkelheit in den Hafen. Das eine grüne Licht hatte ich zwar gesehen, dass zweite jedoch nicht. Ich Blödmann hätte ja nur die Marina anfunken brauchen und nach der Befeuerung fragen müssen. So hatte ich jedoch geglaubt die Einfahrt auch so zu finden, was tüchtig schief ging. Also um es kurz zu machen, es war kein guter Start nach Neuseeland und ich habe eines gelernt: In Zukunft werde ich kein Risiko mehr eingehen und lieber unbequem im Schwell ankern, als nochmals zu riskieren auf ein Riff zu laufen. Gott sei Dank, ist die La Rossa an der Kielsohle so stark gebaut, dass bei der Grunbderührungen kein Schaden entstand. 15 mm starkes Aluminium mit Blei ausgegossen ist halt doch wesentlich haltbarer als Kunststoff. Ein Kunststoffschiff hätte ich verloren.



Reisebericht 27 (Neuseeland Nordinsel)


Unsere Freunde Hannelore und Christian

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Kinder, wie die Zeit vergeht! Heute ist bereits Mittwoch, der 12. März 2003. Manfreds letzter Reisebericht endete irgendwo auf See zwischen Fiji und Neuseeland. Er hat den Zielhafen Opua in der Bay of Islands am 21.10.2002 gut und sicher erreicht – Mann und Schiff waren wohlbehalten und alles war in Ordnung. La Rossa wurde in der Marina von Opua vertäut und durfte sich erst mal ausruhen. Manfreds Heimflug nach Deutschland war für den 13.11. gebucht, so hatte er noch ausreichend Zeit, notwendige Bestellungen – z.B. neue Segel – aufzugeben und wichtige Arbeiten zu erledigen. Inzwischen waren auch diverse Segelfreunde in Opua angekommen, die alle den Südsommer in Neuseeland verbringen wollten, um den Zyklonen weiter nördlich zu entgehen.

 

Seit Mitte November waren wir nun beide wieder zusammen in Deutschland, um unsere Eltern zu sehen und Freunde zu treffen und natürlich auch, um unsere diversen anderen Dinge zu erledigen, die sich so angesammelt hatten. Weihnachten und Silvester verbrachten wir zu Hause und genossen das scheußliche Winterwetter in Deutschland, aber auch Lebkuchen und Gänsebraten. Manfred, der auf seinem Einhand-Trip 5 kg abgenommen hatte, legte genau das wieder zu. Inzwischen türmten sich in unseren Zimmern zu Hause schon wieder Ersatzteile, Bücher, Seekarten und alles mögliche andere, das auf La Rossa benötigt wurde. Die erste Lieferung reiste per Luftfracht voraus, als nächster startete Manfred am 13.2.2003 mit weiteren 26kg Reisegepäck, es folgte eine weitere Luftfrachtsendung einschließlich eines neuen Gummiboots von Zodiac, wieder 57kg, und schließlich folgten Hubert Chrometz und ich am 23.2.2003 wohl bepackt mit weiteren ausgebeulten Seesäcken.

 

Die Abreise fiel mir diesmal gar nicht so leicht, die politische Lage im Arabischen Raum mit ihren eventuellen Auswirkungen auf Europa geistert mir im Kopf herum. Zum ersten mal denke ich angesichts der Zeitungsartikel über befürchtete Terroranschläge mit Pockenviren mit einem kräftigen Schuss Wehmut an meine Schwester. Welch hohen Preis bezahlt sie da für eine vielleicht notwendige Vorsorgemaßnahme zur Volksgesundheit?

 

Auch Hubert nimmt Gedanken an zu Hause mit. Er hat kurz vor Weihnachten seine Rosi verloren und unternimmt diese Reise mit uns, um auf andere Ideen zu kommen und neue Eindrücke zu erhalten.

 

Nach vielen Stunden Flug mit Qantas waren wir echt dankbar, dass wir noch nicht zu Faltenröckchen verkommen waren: ein so enges Flugzeug habe ich noch nie erlebt. Die Passagiere erhielten sogar Lappen, um damit das aus der Klimaanlage triefende Wasser abzuputzen, es waren richtig alte Kisten. Nach Zwischenaufenthalten in Singapore und Sydney erreichen wir schließlich unseren Zielflughafen Auckland in Neuseeland, wo Manfred bereits seit ein paar Stunden auf unser verspätetes Flugzeug wartet. Es ist schon dunkel und es regnet als wir ankommen, und während der 4-stündigen Autofahrt über kurvige Landstrassen nach Opua bekomme ich absolut nichts mit, weil ich selig auf dem Rücksitz schlafe. Hinter und neben mir türmen sich Segelsäcke und Kartons, weil Manfred das vorausgeschickte Gepäck erst heute abholen konnte, aber es ist erstaunlich, was in einen japanischen Kleinwagen so alles hineinpasst.

Hubert und ich müssen erst mal 12 Std. Zeitunterschied verkraften, fühlen uns aber relativ schnell wohl und ausgeruht. Manfred hat für einige Tage das Auto gemietet, so machen wir am ersten Tag eine kleine Rundfahrt über Paihia nach Kerikeri zum einkaufen und bekommen einen ersten Eindruck von der wunderschönen Landschaft um die Bay of Islands. Es regnet zwar gelegentlich, ist aber recht warm. Der nördliche Teil der Neuseeländischen Nordinsel ist subtropisch, hier gedeihen Orangen und Zitronen, Weintrauben und die schönsten Gemüsesorten. In den Wäldern – sofern sie noch nicht abgeholzt sind – wachsen riesige Baumfarne und Palmen. Die Landschaft ist hügelig, überall weiden Schafe und Kühe, dazwischen stehen vereinzelt kleine Holzhäuser.

 

Solange wir das Auto noch haben, entschließen wir uns zu einer 2-Tagesreise zum Cap Reinga, zwar nicht der nördlichste Punkt der Insel, aber fast. Hier sieht es fast wie auf den Nordseeinseln aus: riesige Dünen, endlos lange Strände, karge Landschaft. Das Kap hüllt sich in Wolken als wir dort ankommen, die verschwinden aber langsam und wir genießen den Blick auf das Meer, wo die Tasman Sea und der Pazifik aufeinandertreffen und wilde Strudel bilden. Auf dem Rückweg übernachten wir in einem kleinen Ort, Ahipara, am Ende des „90 Miles Beach“, in einem Backpackers Hotel. Diese Art von Hotels findet man hier überall. Es sind einfache und preisgünstige Unterkünfte, meistens mit Dusche und WC auf der Etage, die Mahlzeiten bereitet man selbst zu. Unser Backpackers Hotel ist ein sehr schönes altes Haus mit hübschen Zimmern und einem Garten. Küche und Essräume benutzt man gemeinsam mit dem jungen Ehepaar, dem das Hotel gehört.

 

In Neuseeland sind auffällig viele junge Leute unterwegs, alle mit Rucksäcken beladen. Wir haben das Gefühl, dass es hier gar keine alten Leute gibt, auch nicht in den Städten. Wo die sich wohl verstecken? Die typischen Touristen-Busse gibt es hier kaum. Auch Luxus-Hotels oder schicke Restaurants findet man höchstens in den großen Städten, der amerikanische oder europäische Pauschaltourismus scheint hier nicht verbreitet.

 

Am 2. Tag unseres Ausflugs frühstücken wir morgens in einem Café am Wasser und setzen dann mit der Fähre ans gegenüberliegende Ufer über. Von dort fahren wir in einen Nationalpark, in dem noch einige Exemplare der 2000 Jahre alten Kauri-Bäume stehen. Die meisten wurden von den Siedlern abgeholzt und zum Hausbau und für Möbel verwendet. Erst viel zu spät hat man festgestellt, welcher Schaden hier angerichtet wurde; heute muss abgeholzter Wald wieder aufgeforstet werden, aber die Bodenerosion ist teilweise sehr stark fortgeschritten, auch unterstützt durch die intensive Beweidung durch Schafe und Kühe.

 

Über kurvige Sträßchen fahren wir zurück nach Opua. Wir haben ein paar Verabredungen mit Leuten, die wir inzwischen kennengelernt haben: Leo von der „Moonlight“, Ed und Julie von „Free Radical“, Heidrun und Klaus, ein deutsches Ehepaar, die seit 12 Jahren die Hälfte des Jahres hier leben und ein traumhaft schönes Haus in einem dschungelartigen Garten besitzen, sowie Christian, der Funker, mit seiner Frau Hannelore, die sich nach einem abenteuerlichen Leben in Südafrika und Brasilien hier in der Bay of Islands niedergelassen haben und spannende Geschichten aus ihrem Leben erzählen können. Wir besuchen auch Michael, der mit seiner „Innoy“ und seiner Katze Miss Panama in Whangarei liegt.

 

Wir haben schon fast Wurzeln in Opua geschlagen, aber wir wollen ja segeln und müssen allmählich los. Wegen des Wetters haben wir uns entschieden, erst nach Norden zu segeln, das Nordcap und Cap Reinga zu umrunden und erst dann an der Westküste nach Süden zu laufen. Die letzte Nacht in der Bay of Islands verbringen wir vor Anker vor dem Städtchen Russell, und am nächsten Morgen laufen wir dann aus mit Ziel Whangaroa, einem zauberhaften Naturhafen, dessen Einfahrt man nicht erkennt, wenn man nicht weiß, dass sich dahinter dieses Naturschauspiel verbirgt. Wir ankern vor dem kleinen Ort Whangaroa, und Hubert und ich machen uns auch gleich auf den Weg, den 220 m hohen Berg zu ersteigen und die Postkartenaussicht auf die Bucht zu genießen.

Dann empfiehlt uns Christian, der Wetterfrosch, über Funk, uns allmählich auf den Weg zu machen, um nicht in schlechtes Wetter zu geraten. Für mich ist die mehrtägige Segelei jedes Mal ein Horror, ich schlafe und lese. Hubert beobachtet das Meer und sinniert vor sich hin, und Manfred kämpft nach wie vor mit dem Autopilot, der trotz neuer Software nicht richtig funktioniert, außerdem ärgert er sich über die neuen Segel, die nicht richtig ziehen, sich nicht faltenfrei aufrollen, und La Rossa zu einer lahmen Ente degradieren. Trotz 20-25 Knoten Wind dümpeln wir mit 5 Knoten dahin. Mit zwei Ankerstopps erreichen wir nach 4 Tagen und Nächten schließlich New Plymouth (Port Taranaki) am Fuß des 2500 m hohen Bergs Mt. Egmont.

 

Hier treffen wir auf alte Bekannte: Klaus und Brigitte mit ihrer „Santa Maria II“ kennen wir schon aus Apia. Wir haben über Funk ihr Unglück mit dem Ruderbruch im September 2002 verfolgt, nun haben sie wieder eine Panne – der Mast ihres Segelboots ist bei 15 Knoten Wind wegen Korrosion abgebrochen. Sie konnten ihn nach vielen Stunden Arbeit bergen und hatten Glück, dass am Schiff nicht noch mehr beschädigt wurde. Unter Motor erreichten sie Port Taranaki und wollen für die Reparatur des Masts nun weiter nach Nelson auf der Südinsel. Wir haben vereinbart, dass wir sie sicherheitshalber begleiten, falls sie irgendeine Motorpanne haben sollten, wir könnten sie dann notfalls an den Haken nehmen. Eigentlich wollten wir heute früh los, aber was kein Wetterbericht vorhergesagt hat, ist eingetroffen: wir haben seit heute Nacht starken Wind (bis 40 Knoten in den Böen) und La Rossa zerrt kräftig an ihrer Boje. Der Himmel ist blitzblau und die Sonne strahlt, aber das Meer ist aufgewühlt und für eine kleine Yacht unter Motor nicht gut zu befahren. Also bleiben wir erst mal hier.

 

Wir nutzen unsere Zeit, New Plymouth und seine Bewohner kennen zu lernen und sind angenehm überrascht. Neuseeländer kannten wir ja bisher noch nicht, außer von den Rennen des America’s Cup in Auckland, das ja die Schweizerische „Alinghi“ gewonnen hat, was die „Kiwis“ im tiefsten Herzen traf. (Wir waren an jenem Abend in Opua und hatten den Schweizer Leo an Bord...)

 

So, nun zu den „Kiwis“, die wir in New Plymouth antrafen: erstaunlich, noch nie im Leben wurden wir derart beschenkt. In einer Bäckerei suchten wir nach festem dunklem Brot (gibt es hier eigentlich nicht – ist alles watteweich) und die Bäckersfrau schenkte uns ein dunkles Brot, das sie uns probieren lassen wollte. Wir glaubten gar nicht an solche Großzügigkeit.

Am Abend – wir sassen gerade mit Brigitte und Klaus gemütlich beim Bierchen – kamen Fischer längsseits und schenkten uns sechs riesige Langusten!!! Das war ein Festmahl! Tags drauf bekamen wir in einem Café eine grosse Tüte voll Backwaren geschenkt, und als Hubert und ich noch einen langen Marsch in die Stadt unternahmen, um O-Ringe zu kaufen, bekamen wir diese nicht nur geschenkt, sondern man wollte uns auch noch im Auto zur Marina zurückfahren.

 

Übrigens: Kino-Mädels, aufgepasst! In New Plymouth wird derzeit der Film „Der letzte Samurai“ mit Tom Cruise in der Hauptrolle gedreht. Leider durften wir die Kulissen nur von außen sehen und den Star, der hier eine Villa für die Drehzeit gemietet hat, bekamen wir natürlich auch nicht zu Gesicht, dafür sind die Zeitschriften voll davon, und ich freue mich jetzt schon darauf, wenn der Film zu uns in die Kinos kommt. Der gesamte Film wurde hier gedreht.

 

Das war New Plymouth. Nach 2 Tagen und einer Nacht (150 Meilen unter Motor) sind wir nun in Nelson angekommen. „Sunny Nelson“ liegt im Norden der Neuseeländischen Südinsel. Wir haben einen Platz in der Marina bekommen und heute gleich einen Spaziergang in die Stadt unternommen. (Gestern Abend waren bereits Hans, Eva und Lola bei uns an Bord). Nelson ist eine ganz junge, fröhliche Stadt, mit vielen Blumen, schönen Klamotten-Läden (ideal für meine „alte“ Freundin Christine!!), einem wunderschönen Markt, auf dem viele Künstler ihre Arbeiten ausstellen, und herrlich gelegen. Landschaft und Licht sind wie in Schweden, ganz klar und hell – wunderschön! Die Luft ist nachts kühl, aber tagsüber warm und trocken, nicht so feucht wie auf der Nordinsel.

 

Montag, 17. März 2003

 

Am gestrigen Sonntag unternahmen wir einen Ausflug zur Nordspitze der Südinsel, genannt Farewell Spit. Auf dem Weg dorthin kamen wir durch den Abel Tasman National Park – ein herrliches Wandergebiet, aber wohl erst beim nächsten mal, und dann mit Traudl den 84km langen „Heaphy Track“? – und an die Golden Bay. Soweit man in Neuseeland überhaupt von Tourismus sprechen kann, so dürfte diese Gegend dazugehören. Die Preise sind höher als normal, aber dennoch ist alles für junge Leute: Kneipen, Strände, Läden, die ganze Stimmung... Wir wanderten am Strand entlang, suchten Muscheln und beobachteten die schwarzen Schwäne, und auf dem Rückweg kehrten wir ein im „Mussels Inn“, wo wir riesige Schüsseln voll Muscheln und köstlichen Wein genossen.

Heute früh habe ich meine beiden Männer alleine gelassen und ging in die Stadt – ich war ganz im Taumel, so schön war es. Wunderschöne Geschäfte mit ganz ausgefallenen Sachen; ein Lebensmittel-Laden, wo man alles selbst abfüllt: mindestens 30 Mehlsorten und diverse Zutaten zum backen, Gewürze, Kaffee, Nudeln, Reis, diverse Waschmittel, Haarshampoos, Öl, Essig, alle Zutaten zum Bier-selbst-brauen, Müslis, usw.

Ich war in einem Internet-Laden mit mindestens 50 Computern und kaufte mir eine Hose mit Beinen zum hochraffen und ein Buch, in dem die Drehorte des Films „Herr der Ringe“ genau beschrieben sind – präzise zum Hinterher-Reisen. Ach, auch sonst noch einiges – armes Portemonnaie! Ich bin richtig froh, dass wir morgen noch nicht abreisen, dann kann ich diesen Ausflug noch mal wiederholen.

 

Zur Nachmittags-Jause fuhren wir nach Mapua und speisten in einem Lokal am Wasser Räucherfische; Hubert und ich planen jetzt ein Gourmet-Wochenende am Langenhainer Fischteich, wo wir Neuseeländische Räucherfisch-Spezialitäten anbieten wollen. Alles Spinnerei? Mal sehen... Ideen haben wir schon!

 

Ich beende nun erst mal diesen Bericht, sonst wird er zu lang.

Wir bleiben sicher noch einige Tage hier und werden dann weitersegeln in die Marlborough Sounds und nach Wellington. Von dort werde ich wahrscheinlich nach Hause fliegen und die Südinsel dann erst im nächsten Jahr richtig kennen lernen. Ja, ich würde gerne noch einmal hierher kommen!

 

Euch allen senden wir viele Grüsse aus dem wunderschönen Neuseeland! Bis bald!

Eure Renate, Hubert und Manfred, das Tasmanische Monster.


Reisebericht 28

(Neuseeland Südinsel)

Freitag, 21. März 2003

 

Im letzten Bericht hatte ich etwas ganz wichtiges vergessen: auf der Fahrt von der Bay of Islands hierher (nach Nelson) haben wir bzw. die Männer 5 Fische gefangen – 2 Thunis und 3 Barracudas. Hubert war im Anglerglück! Den ersten Thun haben wir gleich selbst verspeist und von den anderen Fischen hatten wir soviel, dass wir einen grossen Teil verschenken mussten, denn unser Tiefkühler hatte den Geist aufgegeben. Alles war aufgetaut, und die beiden Männer mussten tagelang Fleisch essen, damit es nicht über Bord gehen musste. Umso glücklicher war unser Hubert dann über den Fischsegen.

Zu Manfreds Leidwesen entdeckten wir auch noch ein tolles Räucherfisch-Lokal, so dass ihm bereits Flossen gewachsen sind, denn er mag eigentlich Fisch nicht so besonders.

 

Wie ihr seht, sind wir immer noch in Nelson. Neben einigen Reparaturarbeiten (Tiefkühler, Bilgepumpe, Watermaker) haben wir auch sonst immer irgendetwas zu erledigen bzw. zu unternehmen. Hubert und ich sind die Wandervögel an Bord, so haben wir eine lange Wanderung entlang dem Maitai-Fluss und auf einen Berg, genannt the „Center of New Zealand“, unternommen. Wir waren 5 Std. unterwegs in flottem Tempo. Heute wollen wir mal an den Strand, denn bisher war noch nichts mit schwimmen. Hubert war nur einmal unter Wasser, um La Rossas Bauch von Seepocken zu säubern, aber richtig tauchen war bisher noch nicht drin. So einladend warm wie weiter nördlich ist es hier sowieso nicht.

 

A propos Wetter: Nelson ist sehr sonnig, seit Weihnachten hat es hier nicht mehr geregnet und alles ist ausgetrocknet. Weiter im Norden, z.B. in der Bay of Islands, ist es wärmer und feuchter. Hier in Nelson ist die Luft sehr frisch und morgens und in der Nacht ist es kühl. Im Winter – so haben wir uns sagen lassen – ist es hier auch ziemlich kalt, und je weiter man nach Süden kommt, desto heftiger werden die winterlichen Temperaturen. Wir befinden uns  auf dem 40. Breitengrad Süd, und hier beginnen „die Roaring Fourties“, wovon wir allerdings im Moment nichts merken, es ist fast windstill.

 

 

Donnerstag, 27. März 2003

 

Unser Ankerplatz heute Abend liegt in einer kargen Bucht vor der Insel D’Urville, am nord-östlichen Ausgang der Tasman Bay. Nachdem wir am 23. März meinen Geburtstag ordentlich gefeiert hatten, starteten wir zu einer Rundfahrt um die Tasman Bay. Aber zunächst noch zum Geburtstag. Auf dem Weg zum Strand hatte ich ein sehr appetitliches Fisch-Geschäft entdeckt und ich bestellte für meinen Geburtstag kurzerhand 3 Langusten.

 

Meine beiden Männer bereiteten mir einen hübschen Frühstückstisch mit vielen Früchten, frischem Brot und natürlich Geschenken (sehr wichtig!). Alle Bärchen saßen rundum. Ich durfte unsere Schlafkammer erst verlassen, nachdem alles fertig war. Nach dem Frühstück gingen wir auf Tour. Es war ein Sonntag und an der Strandpromenade war irgendein Happening angesagt, also spazierten wir dorthin. Nachmittags hatten wir unsere Segelfreunde (Hans, Eva, Lola, Klaus, Brigitte, Burkhardt und Sabine mit Fabian) eingeladen und am Abend kochten wir unsere Langusten – einfach köstlich! – aber nur für uns drei!!

 

Am 24. März ging dann unser Ausflug los. Zuvor sauste ich allerdings schnell noch ins Internet, um meine Geburtstags-mails abzufragen, für die ich Euch ganz herzlich danke!! Es ist immer toll, wenn man Geburtstagsgrüsse am anderen Ende der Erde erhält!

 

Für unsere Tour um die Tasman Bay hatte uns Dieter Specht, ein Deutscher, der sich nach einem halben Leben in Buenos Aires mit seiner neuseeländischen Freundin Philippa in Nelson niedergelassen hat, gute Tipps gegeben, während wir auf seiner Terrasse mit Traumblick auf die Bucht Champagner schlürften. Zuerst motorten wir in Richtung Abel Tasman Nationalpark, den wir schon von unserem Auto-Ausflug nach Farewell Spit kannten. Buchten mit goldgelbem Sand! Tropische Wälder, zerklüftete Küstenabschnitte, Wanderwege an der Küste entlang, unglaublich schön! Mit einem Wassertaxi liessen wir uns an einem Strand absetzen und wanderten stundenlang auf wahrhaft märchenhaften Pfaden zu unserer „Hausbucht“ zurück. Das „Wandern“ sieht dann bei uns so aus: Hubert im Eilschritt wie ein wilder Stier vorne weg, dann ich, eifrig darauf bedacht, ihn nicht aus den Augen zu verlieren, und am Schluss folgt unser lieber Manfred, in Sandälchen und mit Panama-Hut, sein Täschchen mit der Filmkamera schlenkernd – sofern er überhaupt mal mit an Land geht........

 

Dies ist ein Paradies für Wanderer und Kanufahrer – wir kommen bestimmt wieder!

 

Hubert tauchte nach Muscheln, solange, bis wir einen grossen Eimer voll zur La Rossa zurück bringen konnten, am Abend gab’s „Muscheln satt“. Am nächsten Abend ankerte in unserer Nähe ein Fischerboot – wir nichts wie rein ins Dinghi, um Fisch zu kaufen. Kaufen? Nein! Wir bekamen zwei Petrusfische geschenkt ! So ist unser Speiseplan gefüllt mit delikaten Fischgerichten, aber heute mussten wir für Manfred endlich mal wieder Steak essen, sonst geht er uns an die Gurgel.

 

So üppig grün und märchenhaft der Abel Tasman Nationalpark ist, so karg und schroff ist die andere Seite der Tasman Bay, wo wir uns heute befinden. Schnell noch hinauf auf den nächstgelegenen Berg und den Blick auf die Bucht geniessen – ein Traum, eine Kitschpostkarte könnte nicht schöner sein, und dann noch ein Sonnenuntergang – ach wie herrlich ist das alles!


Reisebericht 29

Neuseeland Südinsel von

Nelson nach Stewart Island

 

Donnerstag, 03. April 2003

 

Renate hat gestern ihre Taschen gepackt und heute morgen mussten wir um 04.30 Uhr aufstehen, da das Taxi für 05.30 Uhr bestellt war und uns zum Flughafen in Nelson bringt.  Es war pünktlich da und hat uns für 15,-- NZ$ zum Flughafen gebracht. Die Rückfahrt hat 17.50 NZ$ gekostet und auf meine Frage, warum 2,50 $ unterschied, meinte der Taxifahrer er müsste beim Herausfahren die Parkgebühr hinzuziehen.

Nachts um 24.00 Uhr hat uns noch Dr. Rosenthal aus Ffm angerufen und uns daran erinnert, dass uns die Wirklichkeit wieder eingeholt hat. Das Portugisische Finanzamt will wissen, wann wir die restliche Mehrwertsteuer bezahlen um die wir prozessieren. Konnten beide nicht mehr richtig schlafen und haben darüber diskutiert, wie das wohl weitergeht.  Ja so ist das, wir hatten eine wunderschöne Zeit zusammen und dann dieser blöde Anruf vor der Abreise von Renate. 

Pünktlich um 07.00 Uhr ist Renate dann mit einem kleinen Flieger der Ocean Pacific Airline von Nelson nach Wellington geflogen und von dort nach Sydney, Singapur und Frankfurt.

 

Freitag, 04. April 2003

 

Donnerstag haben Hubert und ich, das Schiff reiseklar gemacht, die große Gummiwutz gereinigt und weggepackt. Die kleine aufgeblasen und vorne an Deck verzurrt und das wichtigste, den Windpilot (Selbststeueranlage) am Heck montiert. Danach noch einmal ausführlich duschen und dann haben wir uns von allen dort stationierten deutschen Seglern wie Klaus und Brigitte von der Santa Maria II, Eva, Lola und Hans von der Ophelia sowie Helmut und Mervill von der Fallado verabschiedet.

 

Um 14.00 Uhr hieß es in der Marina von Nelson Leinen los und ab geht die Reise um das Cap Ferwill Spit in Richtung Milford Sound. Insgesamt nach Routenplan 390 sm liegen vor uns . Wie immer bzw. oft, Wind auf die Nase und so sind wir bis zum Cap Ferwell Spit motort. Um 01.00 Uhr Nacht Samstag früh haben wir das Cap umrundet und nun hat der Wind kräftig zugelegt. Abends gegen 18.00 haben wir Windstärke 7-8 bf. aus NW und Wellen bis ca. 3,0 m Höhe. Segeln nur noch mit Sturmfock ohne Großsegel. Machen wenig Strecke gut und so habe ich mich am Samstag gegen Mitternacht dazu entschieden,  beizudrehen und den nächsten Morgen abzuwarten. Der Wind hatte nach Durchgang einer Front, schlagartig von NW auf SW gedreht und ich war auch hundemüde von dem ständigen aufkreuzen und den vielen Segelmanövern.16 Meilen sind wir in der Nacht zurückgetrieben worden.

Am Sonntag kreuzen wir so ständig gegen den NW-er an und machen leider auch nicht sehr viel Strecke. Haben in 24 Stunden nur um die 80 Meilen zum Ziel hin geschafft, sind aber auf der Kreuz fast insgesamt 130 sm gesegelt.

Auf dem UKW Marinefunk Kanal 71 kriegen wir dann mit, dass die Nacht davor eine Stahlyacht am Cap Ferwill Spitt gesunken ist und dort auf ca. 6-8 m Wassertiefe liegt.

 

Montag, den 07.April 2003

 

Der Wind hat in der Zwischenzeit auf SO gedreht und wir können jetzt wenigstens direkt unser Ziel anlaufen. Der Wind hat erheblich nachgelassen und nun haben wir wieder einmal die Angel wieder ausgebracht und hoffen mal was anderes als einen Barrakuda zu angeln. Die Dinger sind hier nämlich durch und durch mit Gräten durchzogen, die letzten 4 Stück haben wir alle wieder die Freiheit geschenkt.  Es dauerte keine 10 Minuten und die Angelschnur ist ausgerauscht und diesmal hatten wir Glück und haben einen ca. 7 kg Yellowfin Tunfisch an der Angel, das bedeutet Fisch satt. Wir wissen überhaupt nicht wohin mit dem vielen Fischfilet.

 

 

Dienstag, den 08. April 2003

 

Der Wind hat stark nachgelassen, nur noch ca. 10 kn. und so lassen wir den Motor mitlaufen, um schneller ans Ziel zu kommen. Der Tag beginnt mit einem wolkenlosen Himmel und wir haben noch ca. 30 sm bis zum Soundeingang  (Hier heißen diese Eingänge Sounds in Norwegen Fjorde). In der Ferne sieht man die schneegedeckten Berge, eine wahrhaft traumvolle Kulisse. Motoren um ca. 11.00 Uhr in den Milfordsound bei 30 kn Wind gegen an und sind begeistert über die hohen Schluchten ringsherum. Die ersten Touristen werden mit den kleinen Fliegern eingeflogen und sie fallen hier wie ein Bienenschwarm, im Minutentakt ein. Da der Milfordsound der einzige Sound ist, der von der Straße aus zugänglich ist, ist hier touristisch dementsprechend viel los. Auch kommen uns viele kleine Ausflugsdampfer entgegen, die vermutlich alle das big buisness machen. Gegen 14.00 Uhr machen wir an einer recht großen Tonne im „Deep Water Basin“ fest und hoffen, dass uns hier abends niemand die Tonne streitig macht.

Unsere Position ist S 44°40`9217 und E 167°55`5934.

 

Morgen wollen wir die La Rossa in den Harrison Cove verlegen und den Harrisonriver zu den Wairereata Fall (Wasserfälle) wandern.

 

Es stimmt die Nonos (Kleine beißwütige Biester) fressen einen fast auf. Man kann sich nur schützen, indem man sich gut anzieht und darauf achtet, dass die Biester an kein Stück Haut gelangen. Heute Abend hat`s Tunfisch satt mit Paprika, Kartoffeln und einer Weißweinsoße gegeben. Es sind aber immer noch 10 Portionen davon vorhanden.

 

Mittwoch, den 09. April 2003

 

Heute haben wir uns vom Deep Water Basin in den Herrison Cove verlegt und wollen den Harrison River hinauf zu dem Wairereata Wasserfall wandern. Also kleine Gummiwutz klar machen, Rucksack mit Verpflegung und Getränken gepackt und nicht vergessen die festen Wanderschuhe und los geht’s. Der ganze Weg soll ca. 3 h und 45 min dauern. Wir machen auf der vorgegebenen Flussseite fest und gehen den Strand entlang um den Weg zu finden. Wir gehen links und recht am Ufer entlang auch die verschiedenen kleinen Seitenarme marschieren wir ab. Nach einer ½ Std. geben wir auf, wir finden einfach den Track (Weg) zum Wasserfall nicht und kehren mit unserer Gummiwutz zum Schiff zurück. Auf dem Rückweg gehen wir noch kurz bei dem Unterwasser Observatorium vorbei und fragen den Ranger, wo den der Weg ist, der sagte uns es gibt keinen, wir müssten den Flusslauf hinauf laufen, was uns aber dann doch zu gefährlich war, weil die Steine zu glatt waren und Hubert fast zweimal ins Wasser gefallen wäre. Ein einfacher Strandspaziergang musste als Ersatz ausreichen.

 

Donnerstag, den 10.April 2003

 

Um 09.00 Uhr sind wir im Milford Sound Harrison Cove  aufgebrochen um die 65 sm in den Thompson Sound zu schaffen zu schaffen. Im Sound war es noch sehr ruhig, aber als wir aus dem Ausgang heraus waren, haben wir den Wind SW 3-4 wieder einmal auf die Nase und der Schwell war auch nicht unerheblich. Gegen Mittag frischte es immer mehr auf, der Schwell wurde immer höher (bis ca. 2-3 m)  und wir machten nur noch 3-4 kn Fahrt. Da wir die Strecke ohnehin nicht geschafft hätten, sind wir in den George Sound abgebogen und haben dort in der Anchorage Cove an einer Mooring festgemacht. Vorher sind wir aber noch bis ans Ende der Bucht motort (ca. 4 sm) und wollten an einem Wasserfall übernachten, aber dieser entpuppte sich als Wasserfällchen und die Bucht war uns auch zu klein. Wir hätten mindestens zwei Heckleinen ausbringen und ein kompliziertes Ankermanöver durchführen müssen um das Boot sicher fest zu machen und dies war uns diese eine Nacht nicht wert. So sind wir in Anchorage Cove zurück und haben nach Rückfrage bei einem dort stationierten Fischer, die dort befindliche Mooring aufgenommen. Im Fordland Guide wurde empfohlen, das man sich in einer kleinen Bay festmachen soll, aber der <Fischer dem die dortige Mooring gehört, meinte wir sollen lieber an der anderen Mooring festmachen, da wir ansonsten von den Sandflöhen und Mosquitos aufgefresen würden. Diesen Tip haben wir natürlich beherzigt, zumal er sich auch in die Bucht verzogen hat.

Ungefähr 1 Std. nach dem Anlegemanöver kam ein kleines Fischerboot auf uns zugefahren und fragten die üblichen Dinge, wo wir herkommen und wo wir hinwollten. Wir haben natürlich auch gefragt, von wo sie losgefahren sind und ob sie erfolgreich gefischt hätten. Sie meinten, dass sie ganz gut Grupa (Zackenbarsche) gefangen hätten und dies war für mich das Zeichen, zu fragen, ob sie uns einen verkaufen würden. Nach kurzen zögern meinten sie o.k. und reichten uns zwei Prachtexemplare, zusammen mindestens 5 kg, aufs Boot und wir bedankten uns mit sechs Dosen Steinlager Beer. Am Abend gab es dann Fisch satt, jeder von uns hat einen halben Grupa  mit Kartoffeln und viel Weißweinsoße verspeist. War wirklich lecker. Insgesamt waren drei junge Kerlchen auf dem Fischerboot, die alle nicht älter wie 20-25 Jahre alt waren. Waren wirklich nett die Jungs.

    

Freitag, den 11. Juni 2003

 

Aus dem Fjordlandführer habe ich dann entnommen, dass es ab Mittag immer auf frisch und so haben wir uns entschlossen, diesmal etwas früher los zu gehen  und haben die Moring um 07.30 Uhr losgeschmissen. Pünktlich um 12.00 Uhr hat es wieder auf gebriest, wieder 30 kn gegen an. Aber um 13.00 Uhr sind wir in den Thompson Sound hinein motort und waren um 17.00 Uhr im Deep Cove. Auch hier war uns der vorgeschlagene Ankerplatz zu kompliziert und so haben wir wieder an einer Boie im Wanganella Cove festgemacht. Vielleicht können wir hier bleiben und morgen den Helena Falls besuchen.

 

Mit dem Wetter haben wir wirklich Glück, seit 3 Tagen wunderschön, keine Wolke am Himmel und das Barometer steht konstant auf 1020 mbar. Auf der Fahrt zum Wanganella Cove haben uns drei große Delfine begleitet, sie hatten die stattliche Länge von mind. 3 m. Einer davon ist ständig aus dem Wasser gesprungen und hat uns seine Kunststücke vorgeführt.

 

Unsere Position: S 45°27`7241 und E 167°09`1570

 

Samstag, den 12 Juni 2003

 

Heute haben wir einen Fußmarsch zu den Helena Falls unternommen. Vom Ankerplatz sind wir die Bucht entlang zu einem Kavernenkraftwerk gelaufen, von dort ging eine kleine Brücke über den Lyvia Fluß  und danach ging es an einer Felswand entlang zur alten Landebahn für Versorgungsflugzeuge (nicht mehr vorhanden bzw. benutzt). Durch die Felswand haben uns zwei Piepmätze begleitet, die so zutraulich waren, dass sie einem fast aus der Hand gefressen haben. Es waren irgendwelche Finken und das Weibchen hat immer um den Hubert herum gebalzt, indem sie den Schwanz breit fächerte und sich richtig aufgeprustet hat. War richtig lustig die beiden Vögel zu beobachten. Nach ca. 1 Std. Sind wir am Helena Wasserfall angekommen und sind auch ein wenig hinauf geklettert, aber zum Schluß war uns das zu gefährlich, da die Steine doch sehr glitschig waren. Haben ein paar schöne Photos geschossen und sind dann wieder zurück gelaufen.

Damit wir näher am Ausgang vom Doubtfull Sound sind, haben wir die Rote in die Blanket Bay auf Secretary Island verlegt, (Pos. 45°17`9364 S und 166°55`7343 E). Neben uns hören wir den Wasserfall rauschen und die Nonos wehren wir mit dem großen Moskitonetz und der chemischen Keule ab.

Morgenfrüh geht’s los nach Stewart Island, die Strecke beträgt 160 sm.

 

Montag, den 14.April 2003

 

Bis zum West Cap der Südinsel mussten wir motoren, danach konnten wir bei halben Wind gut segeln und haben die 90 sm bis Stewart Island in 13 Std. geschafft. Am Abend hat sich der Himmel zugezogen und wir rechneten mit schlechtem Wetter und bereiteten uns auf einen Sturm vor. Wir hatten jedoch Glück und erreichten das Südwest Cap gerade bei Sonnenaufgang und das Wetter hat sich wieder gebessert. Um 09.00 Uhr hatten wir wieder herrlichen Sonnenschein und konnten fast bis Port Pegasus die Segel stehen lassen. Nur die letzten 14 sm mussten wir motoren und haben in der Waterlily Bay (Pos. Süd 47°10`40`37 Ost 167°40`2908, wunderschön und ruhig) den Anker auf 13 m fallen lassen und mit der dort vorhandenen Heckleine zum Land festgemacht. An der Heckleine war sogar eine Wasserleitung angebracht, vermutlich hat man über einen Trichter etwas höher gelegen eine Quelle angezapft. Das Wasser läuft ununterbrochen und schmeckt gar nicht so schlecht. Den Tank habe ich mir gleich vollgemacht und erst später festgestellt, dass es ziemlich eisenhaltig war. Das hatte ich aber erst festgestellt, als ich das Wasser in einen hellen Kunststoffeimer abgefüllt habe und dabei gemerkt habe, dass es ziemlich rostig aussah. Damit der Tank so schnell wie möglich leer wird, können wir nun jeden Tag zwei mal duschen. Vorsichtshalber habe ich noch eine Dosis Mikropoor beigegeben, das etwaige Keime abtötet.

Hubert hat einen 1-stündigen Schnorchelausflug gemacht und sich dabei die großen Kelbfelder Unterwasser angesehen und ca. 8 Abalonen mitgebracht. Handtellergroß sind die darin befindlichen Muscheln, die sich an Felsen festsaugen. Das Fleisch kann man essen, wenn man das Muschelfleisch in ein Küchenhandtuch wickelt und mit einer Flasche oder einem Stück Holz solange klopft, bis es weich ist. Dann kann man sie, wie ein Schnitzel braten und sie sollen wunderbar schmecken. Die Muschelschalen kann man aufpolieren, sodaß auch an der Außenseite das Perlmut zum Vorschein kommt. Auf dem Markt in Nelson wird so eine Muschelschale für 20,-- NZ$ (DM 20,--) verkauft.

 

Die südlichste Position am Süd Cap von Stewart Island betrug

S 47°18 und E 167°32.

 

Wir sind rundum zufrieden und haben den Tag auch gebührend mit einem kräftigen Schluck gefeiert und dass wir die ganze Zeit so ein herrliches Wetter haben, damit hat niemand von uns gerechnet. So, nun beginnt die Rückreise, das erste Cap ist geschafft.

 

Dienstag, den 15.April 2003

 

Wir motoren ca. 44 sm bis zur Halfmoon Bay in der liegt die einzige größere Ansiedlung von Stewart Island, das verschlafene Städtchen OBAN. Es gibt hier nur eine Kirche , ein kleines Postoffice, einen einzigen kleinen Supermarkt und mehrere kleine Geschenkartikellädchen. Mehr als 500 Einheimische leben hier nicht, der Rest besteht aus Besuchern aus aller Welt, die hier mit der Fähre von der Stadt Bluff, die am südlichsten Punkt von der Südinsel Neuseeland liegt.

Wir haben das Glück, dass wir uns an der kräftigen Mooring Boje von Peter Taid legen können, wo wir gegen alle Stürme gefeit sind. Unsere Position ist Süd 46°53`8596 und Ost 168°08`0282.

 

Mittwoch, den 16. April 2003

 

Heute machen wir einen kleinen Ausflug zur Vogelinsel UVLA Isl. Im Patterson Inlet gemacht und Ankern in einer stillen Bucht. Leider ist der Tag sehr verregnet und es bläßt ganz ordentlich. Hubert hat hier einen Tauchgang zu den Kelbwäldern gemacht und dabei noch einige ca. 15 Abalonen von Unterwasser mitgebracht. Hat später berichtet, dass es an dem Felsen wunderschön war und er viele Zackenbarsche von beachtlicher Größe gesehen hat. Diese Kelbfeldern sind anscheinend die Kinderstube vieler kleiner anderer Fische und Seesterne. Auch einen kleinen Hai hat er hier schlafend vorgefunden. Schade, dass ich keinen Tauchanzug habe, wäre auch gerne getaucht. Peter Taid mit dem Charterschiff TARISKER hat uns diesen Platz empfohlen und uns darauf hingewiesen, dass es am späten  Nachmittag   anfängt zu stürmen und wir uns in die Glory Bay verziehen sollen. Auf der Vogelinsel haben Hubert und Ich dann noch einen kleinen Spaziergang gemacht und uns die völlig zahmen Kiwiähnlichen Vögel angesehen. Sie haben einen etwas kürzeren Schnabel als der richtige KIWI, können aber wie dieser auch nicht fliegen. Laufen wie Hühner auf der Insel nur rum, scharren da und scharren dort und haben vom Menschen überhaupt keine Angst. Einen kleinen Ara (Papagei) haben wir auch beobachten können. Der Spaziergang wurde uns dann doch etwas zu naß und so sind wir umgekehrt um schnellstens zu einem neuen Ankerplatz zu gelangen.

Sind zuerst hinter Peter mit seinem Boot motort, er uns aber dann gesagt hat, dass wir lieber zur Glory Bay gehen sollen. Haben die bereits aufgenommene Mooring wieder losgeschmissen und sind in die 5 sm entfernte Bucht motort. Dort haben wir neben einer anderen Yacht im Glory Cove geankert und vorsichtshalber 50 m Kette gesteckt, zu mal wir annahmen, dass wir über Nacht noch einen Sturm zu erwarten hätten. Hinterher stellte sich heraus, dass die Front mit bis zu 40 kn Wind auf dem Weg in die Ankerbucht schon über uns hinweg gezogen ist. Die Nacht war sehr ruhig und ohne Probleme.

 

Donnertag, den 17. April 2003

 

Es ist 07.30 Uhr in der Früh und das Sattelitentelefon läutet, Hubert nimmt ab und Renate meldet sich von zu Hause. Hab immer ein ungutes Gefühl, wenn das Telefon klingelt. Ja und so war es dann auch, Renate übermittelt mir die traurige Nachricht, dass gestern Nachmittag meine liebe Mutter in den Armen von meinem Vater im Krankenhaus in Säckingen verstorben ist. Ich kann es noch nicht ganz fassen, aber es ist leider die Realität. Nachdem sie mit dem gebrochenen Lendenwirbel wieder ins Krankenhaus musste und die großen Schmerzen hatte, verließ sie offensichtlich der Lebensmut. Begreifen und richtig Verarbeiten werde ich dies vermutlich erst später. Das schlimme ist, dass man von hier nicht tun kann und es bis zur nächsten größeren Marina mindestens 6-7 Tage dauert. Von Christchurch wäre ein Heimflug möglich, aber dies wäre einfach zu spät, um rechtzeitig bei der Beerdigung von meinem Mütterchen dabei zu sein. 

Eine von den schönen Abalonen Muscheln werde ich für sie aufbereiten und Ihr später auf das Grab legen.

Wir verlegen uns wieder an die Mooring von Peter in der Halfmoon Bay in ONAN und sehen uns noch einmal das Städtchen an, gehen ins Internet und nehmen noch einen Capucino zu uns. Am späten Nachmittag gehe ich noch einmal alleine an Land und telefoniere sehr lange mit Vatern und danach mit Renate. Von Renate erfahre ich in der Nacht per Fax., dass die Urnenbeisetzung von meiner Mutter am 2. Mai stattfinden soll. Die Zeit ist einfach zu kurz um einen Heimflug und einen vernünftigen Liegeplatz für die La Rossa zu organisieren. Sobald es möglich ist werde ich mit Vater telefonieren.

 

Freitag, den 18. April 2003

 

Wir laufen aus dem Hafen Onan in Stewart Island um 09.00 Uhr aus, mit Ziel Daniden. Die ersten 5-6 Meilen segeln wir, merken aber bald, dass wir die Südostecke von Neuseeland nicht direkt anlaufen können und nehmen uns die Stadt BLUFF als Ausweichziel. Da wir nur noch 150 Liter Diesel haben, kommt uns das sehr gelegen. BLUFF Harbour erreichen um 13.00 Uhr, da Karfreitag ist, müssen wir jemanden finden, der uns Diesel verkauft. Eine freundliche Dame organisiert dies per UKW und 30 Minuten später ist jemand da und wir können 850 l Diesel bunkern. Preis ca. 0,64 NZ$ was in etwa 0,64 DM/Liter entspricht. Da wir auch kein gutes Wasser haben, lassen wir die Tanks leer laufen und füllen neues, gutes Wasser  nach.

Da Bluff eine reine Industriestadt ist und nicht weit von uns sich eine riesige Aluminiumfabrik befindet, beschließen Hubert und ich sofort wieder auszu laufen. Um 15.00 Uhr verlassen wir den Hafen von BLUFF und motoren in Richtung DUNIDEN.

 

 

Oster-Samstag, den 19. April 2003

 

Da wir nur 8-10 kn. Wind hatten, sind wir die ganzen 160 sm motort und waren um 13.00 Uhr im OTAGA Harbour in DANIDEN. Da wir bei Niedrigwasser angekommen sind, müssen wir 3-4 Std. warten bis wir im Yachtclub OTAGA einlaufen können.

Also machen wir an einem alten Baggerschiff fest und warten die Zeit ab. Von weitem haben wir aber schon gesehen, dass auch im Yachthafen bei Niedrigwasser nicht viel Tiefgang zu Verfügung steht. Einige Segelboote liegen bereits auf der Backe und stecken mit dem Kiel im Schlamm. Nun gut, wollen abwarten und uns die Sache in Ruhe betrachten.

Vier Stunden nach Niedrigwasser haben wir den ersten versuch gemacht, in den kleinen Hafen hineinzu kommen, hat aber nicht geklappt, sind im Schlamm stecken geblieben und mussten in die Fahrrinne zurück. Der Hafenmeister hat uns dann über Funk mitgeteilt, dass wir es eine halbe Stunde später noch einmal probieren sollen. Also noch ein paar Runden drehen und der zweite Versuch hat dann geklappt.  Wir haben dann in der Hafenmitte an einer Ketsch festmachen können und lagen nun sicher im Hafen. Strom und Wasser waren im Preis von 15,50 NZ$ / Tag enthalten. Liegegebühr  6,50 NZ$ und pro Person 4,50, da kann man wirklich nichts sagen. Die Leute hier sind alle unheimlich nett und helfen einem, wann immer es nötig ist. Ein älterer Mann hat uns noch am selben Tag mit seinem Auto in die Stadt mitgenommen und uns gesagt, wo wir am Ostersonntag noch Geld tauschen können. Dies ging nur im Casino und da hat es mir in den Fingern gejuckt, als ich am Black Jack Tisch zusah. Konnte mich aber bremsen und wir haben stattdessen einen Cafe getrunken. Um 17.00 Uhr habe ich dann noch mit Vatern und Renate telefoniert, bevor wir dann wieder nach Hause gelatscht sind. 

 

Oster-Sonntag, den 20. April 2003

 

Vom OTAGO Yacht Club in die Stadt DUNIDEN laufen wir ca. 15-20 min. und so haben wir uns morgens den schönen Bahnhof sowie einige andere schönen Gebäude in der Stadtmitte angeschaut und haben herausgefunden, dass eine historische Eisenbahn von Duniden  in das 57 km entfernte Örtchen PUKERANGI fährt. Die Fahrt kostet 57,--NZ$,  beginnt um 12.30 Uhr und endet um 17.30 Uhr. Den Entschluss haben wir nicht bereut. Die Fahrt führte mitten durch die Berge ins Landesinnere, durch wunderschöne Schluchten, über Viadukte (Flussüberführungen bis zu einer Brückenpfeilerhöhe von 57 m) und an Berghängen vorbei. Diese Eisenbahnlinie genannt der TAIERI GORGE RAILWAY  TRACK wurde Ende des 18. Jahrhunderts für die Goldgräber von OTAGO. In diese Gegend führt keine Straße, sodass die Natur hier völlig unberührt ist. Der Höhenunterschied  bis PUKERANGI betrug zwar nur 250 m aber man hatte immer den Eindruck, man befinde sich im Hochgebirge. Diese Fahrt kann ich nur jedem empfehlen, zumal man auch mit den fast 100 jährigen Eisenbahnwagons macht.

 

Oster-Montag, den 21. April 003    

 

Um 09.00 Uhr sind wir dann aus dem Hafen ausgelaufen mit dem Ziel Lyttelton 10 km vor Christchurch, Entfernung 160 sm. Wir motoren eine Stunde bis zum Ausgang und können dann die Segel setzen. Es ist unglaublich wie viel Vögel es hier gibt, all die verschiedenen Sorten, die wir alle gar nicht kennen. Bei der Einfahrt haben wir schon die schwarzen Schwäne gesehen und beim herausfahren Hunderte  von Seemöwen, Kormoranen und Reihern. Am Ausgang von dem Otagoriver gibt es die einzige Albatroskolonie die auf dem Festland von Neuseeland brütet. Diese Albatrosse begleiten uns auch immer wieder und wir sind immer wieder erstaunt, mit welcher Leichtigkeit diese großen Vögel ganz dicht über das Wasser fliegen bzw. man muß sagen segeln, da sie ganz selten einen Flügelschlag machen.

Nachdem wir bereits wieder auf dem Pacific sind begleiten uns auch immer wieder viele Delfine. Einige machen richtige Kunststücke und springen immer wieder ganz weit aus dem Wasser. Besonders die Jungdelfine sind so verspielt, verlieren aber nach einiger Zeit das Interesse an uns, weil wir mit 5 bis 6 kn. Fahrt viel zu langsam für die schnellen Schwimmer sind.

Dienstag, den 22. April 2003

 

Am Montagabend ist dann der Wind ganz eingeschlafen und wir mussten wieder einmal motoren und das bis zu unserer Ankunft am Dienstagabend gegen 20.30 Uhr in dem Industriehafen von LYTTELTON. Mit der elektronischen Seekarte und Radar sind wir recht gut in diesen Hafen gelangt und haben uns auch vorher kurz über Funk beim Hafenmeister gemeldet, der für uns einen Liegeplatz organisiert hat. Es gibt einen kleinen Hafenbereich in dem die Einheimischen ihre Segel- und Motorboote zwischen zwei Pfählen festmachen und wir dachte, dass uns auch hier ein Platz zugewiesen wird. Aber es kam anders und wir konnten die La Rossa an einem Arbeitsschiff (Dampframme) direkt bei der Hafenaufsicht festmachen. Na ja, der Platz ist nicht sehr berauschend, aber wir halten uns ja doch nicht den ganzen Tag an Bord auf, sondern wollen uns ja die Stadt CHRISTCHURCH ansehen.

Für ein paar wird es wohl gehen.

 

Mittwoch, den 23.April 2003

 

Heute geht’s mit dem Bus, für je 2,--NZ$, in das ca. 8-10 km entfernte CHRISTCHURCH. Wir wollen hier unsere Vorräte wieder auffüllen, das Rückflugticket nach Sydney für Hubert organisieren und mein Visum verlängern. Im Sonderangebot gab es für 380,-- NZ$ einen Hin- und Rückflug mit 2 Tagen Übernachtung in Sydney. Da Hubert aber bereits am 28.April in Sydney  sein muss, ging das nicht und so mussten wir Wohl oder Übel ein einfaches Ticket nach Sydney für 799,-- NZ$ buchen. Wir hätten auch eines über Auckland buchen können, das wäre dann 150,-- NZ$ billiger gewesen, aber er hätte dann eine Übernachtung in Sydney gehabt und das wäre dann auch so teuer geworden.

Mit dem Visum hat es auch gut geklappt, nach zwei Stunden und 65,-- NZ$ Gebühren sowie einem Passbild habe ich beim Immigration meine Visa Verlängerung um 2 Monate ohne Probleme erhalten. In Auckland benötigt man dazu 5-6 Wochen. Was uns aufgefallen ist, sind die vielen Asiaten und mir ist bekannt, dass man die hier gar nicht so gerne ins Land lässt. 4 Millionen Menschen Leben in Neuseeland und das Land hier ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland.

Den Einkauf haben wir auch schnell erledigt und das praktische ist, dass der Bus zurück zum Hafen von Lyttelton direkt vor dem Supermarkt hält.

 

Nun bleibe ich bis zum Abflug am 28. noch hier und mache mich dann alleine wieder auf in Richtung Auckland. Die Tage hier werden wir noch nutzen und uns einiges hier anschauen.

 

Sonntag, den 27.April 2003

 

Donnerstag und Freitag haben wir uns noch einige Sehenswürdigkeiten von Christchurch angesehen und Samstag hat Hubert mich zum Dinner in das Casino eingeladen. Hier haben wir der Reise einen würdigen Abschluß verpasst. Von 18.00 bis 20.00 Uhr haben wir gespeist bis zum abwinken. Hinterher mussten wir noch einen Schnaps an der Bar zur Verdauung haben. Ich konnte es natürlich nicht lassen und habe 50,-- NZ$ am Black Jack Tisch verzockt. Hatte aber dafür fast zwei Stunden Spaß. Um 23.00 Uhr haben wir uns dann auf den Heimweg gemacht und nahmen an Bord gegen 24.00 Uhr noch einen kleinen Absacker zu uns.

 

Heute haben wir dann noch einen Ausflug zum Bergrestaurant gemacht, von dem man einen herrlichen Rundumblick auf Christchurch und Lyttelton hat. Mit einem modernen Angermayerskilift bzw. geschlossene Gondel aus Österreich sind wir hochgefahren und dann über 1 1/12 Std. nach Lyttelton zurückgelaufen.

 

Ja, mehr gibt’s im Moment nicht zu berichten, heute Nacht um 3.00 wird Hubert mit dem Shuttelbus abgeholt und fliegt um 5.50 Uhr von Christchurch nach Sydney und von dort ein paar Stunden später über Singapoor nach Ffm. Gute Reise wünsch ich Dir und ab sofort muß ich mich selbst versorgen bzw. kochen. Hubert hat immer für ein gutes Menue gesorgt.

  

 

 

Reisebericht 30

Einhand von Neuseeland Bay of Island zurück nach Fidji

 

Mittwoch, den 14. Mai 2003

 

Alle Vorbereitungen für die rund 1.000 sm (1800 km) lange Überfahrt von Opua nach Fidji sind abgeschlossen und um 9.00 Uhr verlasse ich die Marina um nochmals den Dieseltank zu füllen. Rund 500 Liter Diesel gehen noch in die Tanks, der Liter kostet  ca. 0,63 DM bzw. 0,31 € und das ist relativ günstig gegenüber Fidji, wo der Liter über 1,-- DM liegt.  Einen Tag vorher habe ich noch bei Impex in Kerikeri 12 Packungen Rösti, eine Leberwurst und 4 Servula Würste gekauft.  Fünf Camenbert , einiges Gemüse und 72 Dosen Bier sowie einige Liter Orangensaft und Mineralwasser begleiten mich auf die Reise.

Insgesamt laufen mit der La Rossa noch 4 andere Boote aus. Lop Too mit Helmut  und Claudia, die nach Tonga wollen, die „Fridum“ ein Schweizer Boot mit Rudi und Daniela, die „Tipeti“ mit Carola und Heiner die nach Suva/Fidji wollen und Leo von der „Moonlight“ ein Schweizer Einhandsegler der   nach New Caledonien möchte.

Um 11.00 Uhr ist alles fertig und ich lege an der Tankstelle ab und verlasse nun endgültig Opua in der Bay of Island wo ich  im Oktober 2002 angekommen bin. Bei gut 15-20 kn Wind aus SüdOst geht es mit voller Genua und Großsegel gut voran und es sind ideale Segelbedingungen. Traumsegeln wie schon lange nicht mehr. Da ich auf dem Weg nach Fidji unbedingt in das Minerva Reef möchte, lege ich einen Kurs von Rund 30° an, zumal es sowieso wichtig ist, dass man am Anfang soviel Ost gut macht, wie man kann, da die Winde später aus Ost bis Nordost kommen.  

 

Donnerstag, den 15. Mai 2003

 

In der Nacht  frischt etwas mehr auf, der Wind hat auf Ost gedreht und erreicht jetzt ständig um die 25 kn, die Wellen  haben von ca. 2-2,5 m auf 3-3,5 m Höhe zugenommen. Trotz doppelt gereffter Genua und einfach gerefftem Groß schiebe ich immer noch ca. 20°-25° Lage und kochen und essen wird unkomfortabler. Kaffeekochen fällt aus, da es auf dem Backbordbug zu gefährlich ist, bei dem Wellengang die Kaffeemaschine anzumachen. Also gibt es eine Tasse Instantkaffee, aber die beiden Spiegeleier lasse ich mir nicht nehmen.

 

Freitag, den 16.Mai 2003

 

In der Nacht nimmt der Wind nochmals zu und erreicht jetzt eine Stärke von 30-35 kn. Gross und Genua sind jetzt doppelt gerefft und die See ist ziemlich ungemütlich geworden. Ständig kommen die hohen Wellen aus östlicher Richtung (querab) und knallen an die Steuerbordseite der La Rossa.  Das Vorschiff ist nun ständig unter Wasser bzw. von den Wellen überflutet und ab und zu steigt auch eine Welle in den Steuerstand ein. Damit ich den Kurs halten kann, läuft das Schiff nun mit beiden Autopiloten, zum Einen der elektrische Autopilot und zum Anderen den mechanische Windpilot.

 

Samstag, den 17.Mai 2003

 

In der Nacht hat der wind nochmals zugenommen und erreicht jetzt ständig 35-40 kn in den Spitzen sogar 45 kn. Die See wird immer höher und steiler und die seitlichen Brecher immer gewaltiger. Einmal hatte ich Angst, dass mir die Welle das Verdeck abreist, so gewaltig habe ich Wasser übergenommen. Das Schiff läuft auf einmal völlig aus dem Ruder und ich mache eine Patenthalse. Gott sei Dank, hat der Bullenstander gehalten, sonst hätte mir der Großbaum bestimmt einiges kaputt geschlagen. Die Ursache für die Patenthalse ist ein komplett abgebrochenes Hauptruder  vom  Windpilot. Über dem Flansch  ist  der Edelstahlschaft komplett abgebrochen und das Ruder ist auf 2000 m Tiefe gegangen.  Vermutlich hat eine der großen Wellen, das Ruder abgebrochen und der elektr. Autopilot hat den Kurs nicht korrigieren können. Leider  versagt auch der VDO Autopilot alle 10 min seinen Dienst und geht auf Störung. Es ist ziemlich lästig und ermüdend ständig am Ruder zu stehen und so habe ich mich entschlossen abends beizudrehen und das Boot mit Sturmfock und dreifachgerefftem Groß auf der Stelle zu halten. Die Sturmfock habe ich schon lange nicht mehr benutzt und habe auch hier probleme sie komplett auszufahren. Mit der Hydraulik lässt sie sich nicht mehr komplett ein bzw. ausfahren. Ich versuche es mit der Handkurbel aber auch da geht es nur mit purer Kraft.  Ich kann zwar sehen, dass im Top etwas nicht stimmt, kann aber bei dem Seegang nicht alleine in den Mast, um die Ursache zu finden.

Das Essen hat sich auf ein Minimum beschränkt, es gibt Morgens die üblichen zwei Spiegeleier und jeden Abend Rösti mit einem gebratenen Stück Fleisch.

 

Sonntag, den 18.Mai 2003

 

Wind hat nun etwas auf Ostsüdost gedreht, aber immer noch Sturmstärke mit 35-40 kn. Jeden Morgen lasse ich mir über Funk das Wetter von Christian (ZL1DIY) aus Opua geben. Er ist seit 30 Jahren ein erfahrenen Segler und begeisterter Freitaucher der ohne Sauerstofflasche bis zu 4 min auf 20-25 m Tiefe taucht und sich so mit Fisch und Lobster versorgt. Einen der seltenen Haiangriffe im Minervareef hat er mit viel Glück gut überstanden, ansonsten hätte er seinen Arm verloren. Andere Segler haben ihm geholfen so schnell wie nur möglich mit seinem Schiff der Donella II nach Fidji zu kommen, wo er im Krankenhaus gut versorgt wurde.. 

Christian macht uns Mut und sagt, dass der Wind in den nächsten 24 Stunden nachlassen wird. Tagsüber steuere ich wieder von Hand, da der Autopilot einfach nicht richtig zum laufen kommt. Aber nach stundenlangem stehen am Ruder drehe ich auch in dieser Nacht bei, damit ich zu etwas Schlaf komme. Mache mein schlechtestes Tagesetmal mit nur 67 sm in 24 Stunden.

 

Montag, den 19.Mai 2003

 

Nach nun 5 Tagen Sturm, flaut am späten Nachmittag endlich der Wind auf 30-35 kn. ab und die Wellen sind nicht mehr ganz so hoch wie die Tage zuvor. Das Minerva Reef kann ich nicht mehr anlaufen, da der Wind nun aus Ost kommt und ich nicht mehr in der Lage bin den Kurs von 30 ° in die Lagoone anzulegen. Drehe nun in Richtung Lautoka Fidji ab und laufe rein Nord. Schade ich wollte mir im Minerva Reef den Eisschrank mit Lobstern füllen, die es dort in Scharen gibt. Erfahre über Funk, dass die anderen Boote auch erhebliche Probleme hatten.  Die Fredum zieht erheblich Wasser durch den Ankerkasten und müssen zwei-dreimal am Tag die Bilge mit der Pütz leeren. Außerdem ist Ihnen zwei Mal die Reffleine von der Genua gerissen und die Genua ist bei Starkwind ausgerauscht. Das einhohlen der Genua auf dem Vorschiff bei dem Wellengang und bei dem Wind ist natürlich kein vergnügen. Bei der Lop Too ist ebenfalls das Vorstag angebrochen und sie können nur noch mit dem Kutterstag segeln. Bei der Tipete hat der Motor Wasser gezogen, vermutlich ist der Dieseleinfüllstutzen nicht dicht gewesen und sie haben so Seewasser in den Dieseltank bekommen. Dadurch haben sie nun Energieprobleme und müssen nachts ohne Licht und Radar segeln und können auch nicht mehr richtig funken. Leo von der Moonlight hat es noch schlimmer erwischt, da er auf dem Weg nach Neu Kaledonien den Wind ständig auf der Nase  hatte und tagelang beigedreht liegen musste und überhaupt nicht voran kam.

 

Dienstag, den 20. Mai 2003

 

Heute ist nach 6 Tagen der erste richtige schöne Segeltag. Den Autopilot habe ich soweit einstellen könne, dass er wenigstens einen Kurs von +/- 20° steuert.  Es sind noch 450 sm bis  Fidji und ich versuche mal wieder Ordnung ins Schiff zu bekommen. Schreibe auch in der Zwischenzeit jeden Tag eine E-Mail zu Renate und gebe die Position durch. In Opua habe ich noch mein Pactor Gerät installiert, was ich bereits seit einem Jahr mit herumschleppe. Über das Amateurfunkgerät und den Provider Sailmail kann ich nun für 200 US$ / Jahr an Bord E-Mails und Wetterfax empfangen und auch heraussenden. Meine E-Mail Adresse ist DQTP@sailmail.com der Nachteil ist, daß ich am Tag nur für 10 min. empfangsberechtigt bin. Na ja, besser als gar nichts, aber wesentlich billiger als über das Sattelitentelefon zu telefonieren.

 

Mittwoch, den 21. Mai 2003

 

Wieder eine neue Überraschung am Morgen! Als ich bei ca. 20 kn. Wind die Genua ganz ausfahre, stelle ich fest, dass die Reffstange bzw. das Alluprofil,  kurz über der Segeleinführung komplett abgerissen ist. Wie lange das Profil schon abgerissen ist kann ich nicht mehr feststellen, vermutlich ist es in den letzten Sturmtagen beim Reffen der Genua abgerissen, ohne das ich es gemerkt habe. Vermutlich habe ich die Genua beim Reffen nicht genügend gefiert und dadurch nicht genug Winddruck aus dem Segel genommen, nur so konnte das Profil abreißen. Das ist immer ein Kompromiss, fiert man zu stark, fängt das Segel stark an zu schlagen, fiert man zu wenig, ist zu viel Druck im Segel und das Profil wird stark beansprucht. Am selben Tag habe ich gleich eine E-Mail zu Reckmann in Rellingen geschickt und die entsprechenden Ersatzteile bestellt.

 

Bin sehr genervt, da mich der Autopilot immer mehr im Stich läst. Der Wind ist sehr unbeständig und ständig sind Schauerböen im Anmarsch, die der Autopilot nicht aussteuern kann und er so immer wieder aussteigt, was zur Folge hat, dass ich immer wieder ans Ruder flitzen muß, damit das Schiff nicht in die Sonne schießt. Fluche wie ein Rohrspatz und verfluche diesen Schei... Autopiloten, der mir von Anbeginn immer wieder Schwierigkeiten macht. Bei einem der Aussteiger des Autopiloten bin ich auf den Grätings am Steuerstand ausgerutscht und habe mir von einem der Zehen den Nagel halb abgerissen und zu allem Überfluss ist mir auch noch eine Luke auf den Nagel des Zeigefingers gefallen, der nun auch Veilchenblau ist, obwohl ich den Nagel gleich mit einem 1 mmBohrer angebohrt habe, um die Blutblase zu entlasten. Beides hat ganz schön weh getan!   Abends bin ich so müde von dem ständigen Ruder gehen, dass ich mich entschließe wieder eine Nacht beizudrehen und auszuschlafen.

 

Donnerstag, den 22. Mai 2003

 

Heute ist ein neuer wunderschöner Segeltag und der Wind hat auf 5-10 kn. nachgelassen. Die See ist glatt und es sind nur noch rund 140 sm bis Musket Coove Marina in Fidji. Am Autopiloten habe ich bei den Windverhältnissen eine Einstellung gefunden, um einigermaßen einen geraden Kurs zu segeln. Der Tag verläuft ruhig und die Fredum, die nur drei Meilen von mir entfernt ist, fängt einen 1 Meter langen Mahimahi. Ich versuche mich auch beim Angeln und habe auch Glück, nach ca. einer Stunde hat auch bei mir ein Mahimahi angebissen, leider hat er sich beim reinhohlen ca. 5 m hinter dem Boot vom Haken gerissen und ist verschwunden. Wir verlangsamen beide die Fahrt, da wir nicht Nachts ins Reef einlaufen wollen.

 

Freitag, den 23. Mai 03

 

Gegen 5.00 Uhr ist der Wind komplett eingeschlafen und wir motoren die letzten Seemeilen in Richtung Navula Passage der südlichen Fidji Insel Viti Levu und laufen morgens um 7.00 Uhr laufen wir in das Reef  ein. Nach 10 sm haben wir die Musket Coove Marina erreicht und legen uns an eine Mooring, da wir noch nicht einklariert haben. 1.104 sm oder ca. 2000 km liegen hinter mir und ich bin froh wieder in der Wärme zu sein und den Trip trotz aller Widrigkeiten gut überstanden habe. Abends kommen Rudi und Daniela von der  Fredum zu mir an Bord und wir verspeisen den am Vortag gefangenen Mahimahi.

 

Fazit:

 

Es war eine der anstrengensten Reisen die ich alleine unternommen habe. 5-6 Tage ununterbrochen Wind um die 30-40 kn. gibt einen Vorgeschmack auf Cap Horn! Es hat sich aber wieder einmal bewiesen, was für ein sicheres Schiff wir haben.

Man kann sich noch so gut mit dem Wetter beschäftigen, wenn man erst einmal unterwegs ist und die Wettersituation sich sehr schnell ändert, muß man mit dem Wetter leben, wie es kommt. Christian meinte damals es ist ein ideales Wetterfenster, Winfried von der Anna Maria meinte es ist nicht so günstig, wo er im Nachhinein recht hatte. Wenn ich gewartet hätte, hätte ich viel motoren müssen, um rechtzeitig am 06.Juni Renate vom Flughafen in Nadi ab zu holen.

Die Anna Maria  und einige andere Segler sind im Moment unterwegs von Neu Seeland nach Tonga bzw. Neu Kaledonien , haben keinen Wind und müssen viel motoren, was das andere Extrem ist.  10 Tage habe ich für die ganze Strecke benötigt und insgesamt nur 4 Motorstunden gehabt, also viel Diesel gespart, der hier in Fidji relativ teuer ist.


Reisebericht 32

Fidji-Yasawas

Malolo, 20. Juni 2003


Bin schon fast 2 Wochen in Fidji! Der Flug kam mir diesmal unendlich lang vor, vor allem die Strecke LA-Nadi – vielleicht war die Vorfreude diesmal grösser als sonst. Ankunft nachts um 3 Uhr, Manfred war schon da, begleitet von Abdul, unserem Taxifahrer, der uns schon im letzten Jahr kutschierte.

Fidji-Luft und Fidji-Geruch, kühler als in Deutschland, wo zur Zeit brütende Temperaturen herrschen, Begrüssung auf La Rossa (o home sweet home..) , Taschen auspacken, Briefe und Geschenke von unseren Freunden für Manfred – vielen Dank! Ich brauche 2 Tage, um die Zeitumstellung von +10 Stunden aufzuholen, dann bin ich fit. Manfred hat schon einiges gearbeitet in den 2 Wochen, seit er in Fidji angekommen ist: beide Vorsegel sind abgenommen, weil beide Furler im Sturm zerbrochen sind, die neuen Furler sind aber leider noch nicht angekommen. Auch das neue Ruder vom Windpilot fehlt noch.

Schließlich kommen die Furler an, anstelle des Ruders erhalten wir aber irgendein anderes Paket, das für einen anderen Empfänger bestimmt war. Wir schuften 3 Tage lang, bis alles montiert ist und die Segel wieder oben sind.

Die ganze Zeit über liegen wir in der Vudapoint Marina, die zwar nicht schön, aber zum arbeiten praktisch ist, weil man alles bekommt, was eventuell fehlt. Im First Landig Resort können wir den Pool benutzen und abends die Bar, das ist dann die Erholung des Tages. Wir treffen etliche alte und neue Bekannte und natürlich gibt es jedes Mal ein Riesen-Hallo. Auch Kurt mit seiner Seemanns-Gitarre und seine spanische Freundin Elena sind da, Ricardo spielt Flamencos und Tangos und alle schmelzen dahin...

 

Mit Christine und Martin (Odyssey of Canada) machen wir einen Tagesausflug nach Navala – eine aufregende Taxifahrt über Schotterpisten ins Landesinnere zu einem Fidjianischen Dorf, leider schon verdorben, denn sie nehmen nicht nur die üblichen Yagona-Wurzeln als Geschenk entgegen, sondern verlangen pro Person 15$ „Eintritt“ in ihr Dorf, dafür dürfen wir dann wenigstens fotografieren. Sie laden uns zum Sevu-Sevu ein, das ist die übliche Begrüssungszeremonie, bei der jeder in der Runde die Kokosnussschale mit Kava erhält und leertrinken muss – zum Dank klatscht man 3 mal in die hohlen Hände. Es schmeckt komisch, nach Wurzeln (kein Wunder, ist ja aus Yagona Wurzeln gemacht), aber auch irgendwie nach Spülwasser, aber man stirbt nicht daran und ist um eine Erfahrung reicher.

 

Schliesslich kommt auch unser Ruder an, und wir machen alles startklar für die kurze Fahrt nach Musket Cove. Musket Cove ist schon fast unsere 2. Heimat, wir lieben es, hier gibt es alles, was Segler wünschen: Riffe, Sandstrand, Palmen, und die 3$-Bar...

 

Auch Kurt und Elena sind wieder hier. Mit Elena mache ich eine Wanderung auf der Insel Malolo Levu, hinauf auf den höchsten Berg der Insel, man wandert zunächst entlang der Küste und dann geht es einen kurzen Dschungelpfad hinauf auf die Berge, durch Gras und Gestrüpp, die Aussicht wird immer schöner und schließlich sieht alles aus wie auf einer Kitschpostkarte.

 

Noch 2 Tage bleiben wir in Malolo – der Abschied wird einem hier schwer gemacht, weil immer neue Segler ankommen, die man irgendwo schon einmal getroffen hat, Malolo ist ein beliebter Segler-Treffpunkt, hier fühlen sich die Weltenbummler wohl, man geniesst ein wenig Zivilisation, auf der Insel befinden sich 2 Resorts, wir dürfen die Pools und Bars etc mit benutzen, vor allem freuen wir uns über die 3$-Bar, wo jeder Drink 3$ kostet und man abends auf den Barbecue-Grills seine Steaks selbst braten kann – Salat etc bringt man mit, so wird das Abendessen immer zu einem grossen Fest mit Freunden. Wir Segler sind ein „moving village“, eine Dorfgemeinschaft, die langsam um die Erde zieht. Irgendwann und irgendwo trifft man sich wieder.

 

Dennoch schaffen wir den Absprung, schliesslich sind wir ja hier, um etwas von Fidji zu sehen. Wir segeln durch die Riffe in Richtung Yasawas, das ist eine Inselgruppe im Nord-Westen von Fidji, und machen einen Ankerstopp in der Yalobi-Bay vor der Insel Waya, danach geht es weiter nach Norden in die Soso Bay. Es ist Sonntag Abend und aus der Kirche tönen mehrstimmige Gesänge zu uns herüber aufs Schiff. Da es in Fidji unüblich ist, einfach an Land und in ein Dorf hinein zu gehen, bleiben wir an Bord. Wir wollen am nächsten Sonntag noch einmal hierher kommen, Sevu Sevu machen  und hoffen, dann in die Kirche eingeladen zu werden. Das Sevu Sevu ist das übliche Begrüssungsritual: man überreicht ein Bündel Yagona-Wurzeln, die man zuvor auf en dem Markt gekauft hat. Die Wurzeln werden mit einem Band zusammengebunden und dann in ein Stück Zeitung, vorzusgweise die Fidji Times, gewickelt. Dieses Wurzelbündel überreicht man dem Dorf-Chef, indem man es vor ihn auf den Boden legt und dann in die hohlen Hände klatscht. Das Klatschen ist die höchste Form der Ehrerbietung.

 

Sofern man nicht gerade am Vormittag, wenn die Männer bei der Arbeit sind, zum Sevu Sevu kommt, wird man zu der Kava Zeremonie eingeladen, so wie wir sie schon in Navala erlebt haben. Danach kann man durch das Dorf spazieren, meist aber in Begleitung einer Person aus dem Dorf. Es ist in den meisten Dörfern schon etwas besonderes, wenn Fremde kommen.

Selbst hier in den Yasawas, die ein bekanntes Ferien-Revier sind, sind Yachten doch nicht so häufig wie wir dachten. Und normal reisende Touristen kommen hier selten her, es sei denn, sie machen eine 1-wöchige Kreuzfahrt mit der Blue Lagoon Cruise. Es gibt hier keine Luxus-Hotels, lediglich einige Backpackers-Hotels.

 

Seit 2 Tagen liegen wir in der Blue Lagoon vor Anker. Neben uns ankern noch 5 andere Schiffe, im Vergleich zum Horseshoe-Reef in der Karibik, wo wir 58 Boote gezählt haben, ist das hier einsam, obwohl es der bekannteste Ankerplatz hier ist. In den 70er-Jahren wurde hier der Film „Blue Lagoon“ mit Brooke Shields gedreht; wenn wir zu Hause sind, werde ich das Video mal suchen.  Unser Tagesablauf ist ausserordentlich gemütlich: Frühgymnastik, Schwimmen, danach Frühstück, dann Dinghifahrt an Land, Muscheln suchen, Strandspaziergang etc, später wieder schwimmen, lesen, mit Nachbarn reden, kochen, aufräumen ...

 

Morgen früh wollen wir weiter, sofern die Sonne sich blicken lässt. Wir brauchen in den Fidji-Gewässern unbedingt das richtige Licht, um die Riffe zu erkennen. Fidji ist von der Navigation her das schwierigste, was wir bisher erlebt haben, man muss ständig aufpassen, wohin man segelt, und die Seekarten sind teilweise sehr ungenau, also ist Ausguck angesagt. Nachts können wir hier überhaupt nicht segeln, spätestens um 16 Uhr, wenn die Sonne schon sehr schräg steht, muss der Anker gefallen sein. Um 18 Uhr ist es stockdunkel, und der Übergang vom Tag zur Nacht vollzieht sich in rasender Geschwindigkeit.

Übrigens ist es hier zur Zeit alles andere als heiss, es ist recht windig und die Temperaturen tagsüber betragen vielleicht 25 Grad C – in Deutschland ist es deutlich wärmer, dafür wird es hier selten kälter. Immerhin ist jetzt Winter in Fidji. 

 

30. Juni 2003, Lautoka

 

Jetzt sind wir wieder in Lautoka – wir hatten ein paar herrliche Tage in den Yasawas. Die Blue Lagoon war uns fast schon zu rummelig, also verzogen wir uns in die Sosomo Bay. Dort ankerten wir vor einem kleinen Dorf, machten das übliche „Sevu Sevu“, um uns vorzustellen, und dann wurden wir 2 Tage lang von den Kindern herum geführt. Ich hatte einen Beutel Lollies dabei und kam mir vor wie der Rattenfänger von Hameln. Am Sonntag wurden wir in die Kirche eingeladen, Manfred wollte am liebsten ganz hinten sitzen, damit er hätte gehen können, wenn ihm der Hintern wehgetan hätte, aber wir waren die Ehrengäste und sassen in der 1. Reihe, der Reverend (Methodisten) begrüsste uns persönlich. Wir waren ja eigentlich wegen der herrlichen Gesänge hier. Sie singen ohne Dirigenten 4-stimmig! Mir rieselte es richtig den Rücken herunter, war echt gut und hätte jedem Chor bei uns die Schau gestohlen. Alle waren piekfein gekleidet, sogar die kleinen Mädchen in weissen Kleidchen und die Jungs in Sulus und Hemd, die „Würdenträger“ erschienen im Sulu (=wadenlanger Wickelrock), Hemd, Krawatte, Jackett und barfuss oder ...... natürlich in Gummilatschen.

 

Nach der Kirche wurden wir noch von Bure zu Bure geschleppt, ich habe ein kleines Mädchen, das fürchterliche Narben und offene Wunden von Insektenstichen hatte, mit Tinkturen und Salben behandelt, wir mussten alle fotografieren, bezahlten noch unsere Schulden (2 Lobster für 20$ und 2 Muscheln für 3$), gaben unseren Obolus in die Dorfkasse und die Spende an die Kirche und wurden dann wieder zu unserem Dinghi begleitet.

Wir versuchten noch am Nachmittag, eine Ankerbucht weiter südlich zu erreichen, fanden aber nur Schwell vor und mussten noch um eine „haarige“ Ecke herum, im letzten Büchsenlicht schafften wir es noch in eine hübsche Bucht (Liku Liku Bay), wo wir ein schönes Resort mit Bar und Barbecue vorfanden.

Heute sind wir nun gleich weiter nach Lautoka, da wir morgen ausklarieren, einkaufen, Wasser und Diesel bunkern und übermorgen noch mal nach Liku Liku und dann weiter nach Vanuatu wollen. Nach Vanuatu sind es 500sm – ich hoffe, ich überlebe es! Heute Abend sind wir noch mal bei Kurt und Elena zum Essen, wir werden die beiden wohl in Vanuatu wieder treffen.

 

Hiermit endet nun dieser Reisebericht, der nächste kommt dann aus Vanuatu. Auch Fidji lassen wir nun erst mal hinter uns, wir haben es sehr genossen und werden die freundlichen Menschen hier bestimmt immer in Erinnerung behalten.

Ni sa moce und ganz viele liebe Gruesse von Renate und Manfred (bisher entgegen allen Gewohnheiten noch kein Schrecken der Meere!)

   

 

Reisebericht 33 Vanuatu

Freitag, 11. Juli 2003, Port Vila

Jetzt geht es mir schon wieder gut, aber vor 3 Tage dachte ich noch eher an mein Ende. Wie geplant verbrachten wir noch 2 schöne Tage in der Likuliku Bay an der Yasawa-Insel Waya. Nach Malolo waren wir nicht mehr gesegelt, denn der Rummel dort fing so langsam an, uns zu nerven. Irgendwie hat das ganze auf Dauer Ähnlichkeit mit Mallorcas Ballermann 6, in der Likuliku Bay hatten wir schon einige Bekanntschaften mit Nicht-Seglern gemacht und genossen die Umgebung, das Schwimmen und die Leute, die im Octopus Resort als Gäste waren. Das Wetter war sehr ruhig, wir hatten vor, bei einsetzendem Wind in Richtung Vanuatu aufzubrechen und die 500sm dorthin in 3-4 Tagen hinter uns zu bringen. Unsere Wetterfrösche berichteten von ruhigem Wetter, keine bösen Tiefs, keine Unwetter zu erwarten. Manfred und ich stiegen auf den Hügel, um die Lage auf der anderen Seite der Bucht zu checken, und so beschlossen wir am Samstag Mittag, Segel zu setzen und die Reise nach Vanuatu anzutreten.

 

Da alle Prognosen auf eine ruhige Überfahrt schliessen liessen, zogen wir unser Dinghi an den Davits hoch und ließen den schweren 15PS-Motor dran, wir waren auch zu faul, die Windsteueranlage zu montieren, denn das hätte bedeutet, dass Dinghi und Motor demontiert werden müssen. Wir baumten die Genoa an Steuerbord aus und das Groß stand an Backbord und so segelten wir bei 4 Knoten Wind mit einem Schleichtempo von 1 Knoten aus unserer schönen Bucht, saßen glücklich und zufrieden auf unseren 2 neu erworbenen Plastiksesseln auf dem Achterdeck und schlürften einen Drink. Das Meer um uns ruhig wie eine Teetasse und wir sagten Fidji bye bye, die Insel Waya mit ihren schroffen Felsen noch lange achteraus. Nach 12 sm verließen wir den Sockel der Fidji-Inselgruppe und kamen in tiefes Wasser, wenigstens mussten wir jetzt nicht mehr mit so viel Vorsicht navigieren. Es gab Abendessen und eine ruhige Nacht stand uns bevor.

 

So langsam steigerte sich der Wind, und wir entschlossen uns noch vor Einbruch der Dunkelheit, die hier sehr schnell kommt, fast ohne Dämmerung, den Spibaum einzuholen und beide Segel an Steuerbord zu setzen. Die Nacht war gemütlich, der Wind hatte aufgefrischt und wir kamen gut voran. Bei dem Tempo würden wir in 3 Tagen in Vanuatu sein. Am Sonntag wehte es schon heftiger, 30-35 Knoten Wind, und unser Autopilot, das alte Miststück, hatte schwer zu arbeiten, aber es ging immer noch gut voran. In der Nacht erreichte der Wind ständige 45 Knoten und die Wellen machten das Steuern mit dem Autopilot unmöglich. Die Wellen hatten inzwischen eine Höhe von 6 bis 8m erreicht, waren relativ kurz und steil und das Meer stampfte. Von Hand zu steuern hätte bedeutet, dass wir abwechselnd jeder 30 Minuten am Ruder gestanden hätten, und ich bekomme schon bei dem Gedanken daran Panikanfälle. Wir beschlossen, beizudrehen, für Nicht-Segler: Segel und Ruder so zu stellen, dass das Schiff keine Fahrt  macht, sondern nur noch vom Wind und der Strömung versetzt wird. Dabei treibt es wie ein Korken auf den Wellen, freilich heftig hin- und herschwankend, aber stabil. So verbrachten wir fast 2 Tage und dösten in der Koje vor uns hin. Das klingt gemütlich, ist es aber nicht.

 

Um uns ein Höllenlärm: dem Pfeifen und Kreischen des Windes entgehst du nicht, er ist in allen Ritzen und deine Ohren schlagen Alarm. Das Schiff torkelt mit dem Meer, mal 30 Grad nach rechts, mal 30 Grad nach links, schlufff ... alle Gegenstände in den Fächern und Schränken rutschen bei jeder Lageänderung auf eine Seite, schlufff ... wieder zurück ... kaum denkst du, das ganze hat einen Rhythmus gefunden, klatscht eine Riesenwelle wie mit einem Gummihammer an die Schiffswand und lässt alles erzittern, Gegenstände hüpfen aus den offenen Fächern, irgendetwas scheppert fürchterlich, wir stopfen Kissen, Handtücher, Kleenexrollen überall hinein, wo es klappert. Im Küchenschrank sind alle Essig- und Ölflaschen umgefallen und mein geliebtes Steirisches Kürbiskernöl verbreitet sich in intensivem dunkel-oliv einfach überall. Im Kühlschrank herrscht munteres Chaos.. In den Waschräumen haben sich die Toilettenpapierrollen abgewickelt, Handtücher, Shampooflaschen und Wattestäbchen sind überall verteilt, aus der Toilette wird das Wasser nach oben gedrückt ... na prost Mahlzeit...

 

Wir können beide nichts essen – sogar Manfred verweigert sein geliebtes Essen! – und lesen will auch niemand. Der Herd schwankt hin und her, aber keiner schaltet ihn ein, heute bleibt die Küche kalt. Mein Kopf und meine Augen hämmern.

Inzwischen haben sich Wind und Wellen über das Bimini und das Dinghi hergemacht. An der Dinghiaufhängung ist ein Ring gebrochen und ein Teil des Dinghis hängt im Wasser bzw. wird von den Wellen herumgezerrt. Unser schönes, neues Dinghi! Wir müssen etwas tun! Manfred hangelt sich, nach Diskussionen wenigstens gesichert durch den Lifebelt, außer Bords und wir können die Dirk als Hilfsaufhängung montieren. Mein armes Herz steht still – eine heftige Welle kann ihn wegreißen, aber es gelingt wenigstens, das Dinghi einigermaßen zu sichern. Kurz danach reißt eine Naht am Bimini und wir müssen das Bimini bergen – gar nicht so einfach bei 45 Knoten Wind, denn sobald einer der Reißverschlüsse gelöst wird, entwickelt sich das Bimini zu einer reißenden Furie, also muss einer die Reißverschlüsse aufziehen und der andere schmeißt sich auf das Bimini, um es so festzuhalten.

 

Am Dienstag Vormittag beschließen wir, wieder zu segeln. Da unser blöder Autopilot bei solchem Wind aussteigt, bedeutet das, dass immer einer von uns Ruderwache hat, zwar nicht am Steuerstand, aber man muss ständig das Instrument im Auge behalten und manuell eingreifen, sobald die Anzeige aus dem grünen Bereich kommt. Ich verzichte inzwischen auf meine Anti-Kotz-Pillen, da sie mich zu müde machen und ich dann während meiner Wache eingeschlafen wäre, so klebt nun das Bisschen Essen, das in mir war, auf dem Deck.

Einen Vorteil hat das ganze ja: es macht schlank! Mir kommt jetzt der Gedanke einer neuen Marketing-Idee: „Fit und schlank auf La Rossa“, „Abnehmen in Windeseile“ oder „Superschlank (wie) im Sturm“.

Noch eine Idee: Wie entkomme ich dem Waschzwang? Ganz einfach: segeln mit La Rossa im Sturm und du wäschst dich garantiert 6 Tage lang nicht, Wäsche wird auch gespart, alles bleibt am Mann bzw. der Frau. Auch Zahnpasta spart man gerne freiwillig, da schon der Gang in den Waschraum eine abenteuerliche Tortur darstellt, von der man völlig fertig zurückkehrt.

 

Wir versuchen, Fotos zu machen, um hinterher etwas vorweisen zu können, aber es zeigt sich, dass man dies nicht im Bild festhalten kann. Es ist auch nicht nur das Auge, das hier etwas sieht, alle Sinne sind beansprucht: die Ohren können das Kreischen des Windes nicht mehr ertragen, die Zunge schmeckt Salzwasser auf der Haut, das Meer riechst du überall und der Gleichgewichtssinn schlägt Purzelbäume.

 

Keiner von uns beiden hat Lust, irgendetwas anderes zu tun als zu dösen. Einzige Abwechslung sind die täglichen Funkrunden, auf denen inzwischen reger Anteil an unserem Schicksal genommen wird, aber keiner findet eine vernünftige Erklärung für das Wetter, das uns erwischt hat. Ein anderes Schiff hat Fidji einen Tag nach uns verlassen, sie stecken im selben Mist, der Skipper, Werner, ist beim Aufstehen von der Toilette so schlimm gestürzt und hat sich an einem Kleiderhaken das Auge schwer verletzt. Seine Frau muss nun alles alleine meistern, Mann versorgen, segeln, navigieren...

Nach 6 Tagen erreichen wir dann endlich Port Vila und werden schon von Kurt empfangen, der eine neue alte Gummiwutz für uns aufgetrieben und eine Boje reserviert hat.

La Rossa sieht aus als hätte eine Bombe eingeschlagen, wir stinken wie die Russen und alles klebt, aber wir sind da und – hurra – wir leben noch! Es war nicht gefährlich, unser Schiffchen ist sehr tapfer und stabil, aber für mich war es einfach widerlich, und nun sind wir beide froh, hier zu sein.

In der Nacht kam auch die „Freiheit“ mit dem verletzten Werner an, Kurt hatte alles perfekt organisiert und inzwischen ist Werner schon in Sydney in einer Spezial-Klinik für Augenverletzungen.

 

Samstag, 12. Juli 2003

 

Die Wunden sind geleckt, alles ist wieder instandgesetzt, sogar das Dinghi schwimmt, Bimini genäht, die Salzkrusten sind entfernt, Unrat weggeräumt, und wir haben den ersten Stadtbummel hinter uns. Der erste Eindruck ist wohltuend, Vanuatus britische und französische Vergangenheit haben Spuren hinterlassen – alles ist sauber, sauberer als in Fidji, obwohl mich der Dreck dort keine Minute lang gestört hat, aber hier ist es anders.

Der Markt, das Zentrum, quillt, wie überall im Südpazifik, über von Gerüchen, Düften, Farben und Palaver, daneben gibt es französische Cafés mit Croissants, Pralinés und Petits Fours, Geschäfte und Boutiquen mit bunten Stoffen, Bildern, Holzschnitzereien und handgefertigtem Schmuck. Die Menschen sind ganz dunkelhäutig, ihre Kleidung ist bunt und fröhlich, sie lachen und strahlen dich an .. wir sind glücklich, hier zu sein und anscheinend hat sich ganz Vanuatu auf uns gefreut!

 

Wie sagen sie in Pidgin English, der Landessprache?

Bis bald, ciao ciao! Lukim yu afta, tata!

 

Reisebericht 34

Port Vila


Dienstag, 15. Juli 2003 


Nun haben wir unsere Wunden geleckt, wir sind schon fast eine Woche hier in Port Vila, der Hauptstadt des Inselstaates Vanuatu. Bis vor wenigen Monaten wussten wir eigentlich nichts über Vanuatu, schon gar nicht, wo es liegt. Eine Zeit lang hiess es „Neue Hebriden“. Vanuatu ist erst seit 1980 ein eigenständiger Staat, nachdem sich zuerst die Engländer und Franzosen darum gezankt und dann im 2. Weltkrieg auch noch die Amerikaner mitgemischt hatten. Heute ist es ein Steuerparadies und diente zumindest bis Ende 2001 als Geldwäscheplatz für Politiker, Unternehmer und Gangster aller Nationen – bis dahin gab es 6 offizielle Banken, wo man mit seinem Bargeld und der Kreditkarte hinging, und rund 400 Banken, die hier nur auf dem Papier existierten, aber riesige Geldvermögen hin- und herbewegten. Seit in Folge des Attentats vom 11. September 2001 die Geldwäschegesetze weltweit drastisch verschärft wurden, gibt es hier nur noch etwa 10 solcher Briefkasten-Banken.

 

Das Städtchen Port Vila ist eher klein und von dem, was sich hinter den Kulissen abspielt, merkt man nichts. Der Einfluss der Franzosen macht sich zwar kulinarisch bemerkbar, so gibt es hier Patisserien, Croissants und Baguettes, Cafés und französische Restaurants vom feinsten. 40% der Bevölkerung sprechen französisch, die Engländer haben sich nur sprachlich (60%) durchgesetzt, ihr kulinarischer Beitrag erschöpft sich in einem American Cafe, das aber fast immer leer ist. Die Hauptsprache ist Bislama (Pidgin English), ein Gemisch aus Englisch und Französisch, das sich sehr lustig anhört und liest. Mit etwas Phantasie versteht man es recht gut.

„Morning morning“ heisst „guten Morgen“, „lukim yu afta“ heisst „bis später, tschüss“.

„Etwas schlagen“ heisst „killem ded“ und „totschlagen“ heißt „killem ded finis“.

„Pikinini“ heisst Kind und „namba 3 pikinini“ ist das 3. Kind. Ein Wort muss ich noch loswerden, es ist zu schön: „ruba blong fak fak“ – na, ratet mal, was das heisst...

 

Im Stadtzentrum befindet sich ein überdachter Markt, wo man alle tropischen Früchte und Gemüse kaufen kann, in Supermärkten gibt es erstklassigen Käse und Fleisch (von hier wird sehr viel Rindfleisch nach Japan exportiert). Die Menschen sind extrem freundlich, und man kommt schnell ins Gespräch oder wird mit einem strahlenden Lachen begrüsst. Alles ist bunt und fröhlich – derzeit leider mit Einschränkung, denn seit 3 Tagen regnet es, heute so stark, dass wir uns ins Schiff verkrochen haben. Kalt ist es zwar nicht, aber zum schwimmen haben wir auch keine Lust bei dem Wetter.

 

Samstag, 19. Juli 2003

 

Vorgestern haben wir mit einem der kleinen Busse, die hier herumkurven, eine Mini-Rundfahrt gemacht. Es sind Kleinbusse, die man am „B“ vor dem Nummernschild erkennt und die man praktisch überall anhalten kann. Sie fahren ohne Fahrplan, aber es gibt jede Menge davon, so klappt das Fahren reibungslos. Der Fahrpreis beträgt immer 100 Vatu pro Person, das sind 0,75€. Also, einsteigen, und los geht’s! Der Fahrer fragt dich, wohin du willst, du nennst ihm entweder dein Ziel, und er bringt dich dorthin, oder – wie wir – fährt man einfach mit und lässt sich überraschen. Auf unserer kleinen Reise kamen wir in mehrere Dörfer und erfuhren dabei von unserem freundlichen Busfahrer, dass in Mele Village am Freitag 8 Hochzeiten stattfinden und wir eingeladen seien.

Am Freitag früh also fuhren wir, bepackt mit Kameras, Stativ usw nach Mele und kamen gerade rechtzeitig zum Beginn der kirchlichen Trauung. Alle Hochzeitspaare – nicht 8, sondern 12 – saß en schon in der Kirche, ebenso die Hochzeitsgäste, alle Frauen hübsch gekleidet in ihren bunten Kleidchen, die Männer mit frisch gewaschenen Hemden. Wir wurden gleich in die Kirche gewunken, tatsächlich die einzigen Touristen weit und breit, dies war keine Show fürs Touristen-Business, sondern „life“!

 

Die Bräute waren allesamt in schneeweiß, unter ihren Schleiern nicht erkennbar, die jungen Männer blickten ernst, Brautjungfern saßen ebenso ernsthaft in der Nähe, um in den entscheidenden Augenblicken zu assistieren. Es folgte eine lange und geräuschvolle Ansprache des Pfarrers (keine Ahnung, welche Glaubensrichtung, vielleicht Presbiterianer??) Auf jeden Fall enthielt die Ansprache zwar die wichtigsten Gebote für die Ehe, aber es wurde auch laut über die Dorfpolitik gewettert – soviel Pidgin verstehen wir schon. 

Es folgte der zeremonielle Teil. Alle Paare mussten sich nebeneinander vor dem Altar aufstellen und wurden dann nacheinander mehrere Dinge abgefragt – viel anders als bei uns ist das hier auch nicht; schließlich wurden alle Brautschleier gelüftet und es folgte der Austausch der Ringe, bei einigen Männern passte der Ring nicht und die Braut musste feste drücken, aber schließlich waren sie alle unter der Haube. Einige der Bräute hatten sich inzwischen schon auf einen Stuhl niedergelassen, denn trotz der weiten weißen Kleidchen war bei einigen nicht zu verdecken, dass Freund Klapperstorch schon zugebissen hatte.

 

Zum Schluss sangen wir alle, es wurde geklatscht und geschunkelt – richtig fröhlich ging es zu! Nach dem Auszug aus der Kirche stellten sich alle Paare in einer langen Reihe auf und alle Kirchengäste defilierten an ihnen vorbei und gratulierten. Eine Band spielte fröhliche Musik und ein paar Frauen fingen an zu tanzen – ein  herrlich buntes Bild!

 

Die Brautpaare zogen im Gefolge ihrer Gäste ins Dorfzentrum, wo auf einem Platz bereits die Hochzeitsgeschenke ausgebreitet lagen, für jedes Brautpaar waren die Gaben vorbereitet und die Stelle mit einem Namensschild markiert. Da lagen sie nun: lebendige oder bereits geschlachtete Schweine, Bündel von Zuckerrohr, geflochtene Matten, Stapel von Yams-Wurzeln und andere Köstlichkeiten, die ein junges Ehepaar dringend benötigt. Wieder wurden Reden gehalten und applaudiert, inzwischen humpelten die jungen Bräute in ihren weissen Strümpfen und Schuhen bereits oder saßen ermattet auf Stühlen; dann kamen kräftige junge Männer und schleppten die teilweise laut quiekenden Gaben schleunigst nach Hause. In den Wellblechhütten und Höfen dampfte es bereits aus den Kesseln, fröhliche Musik und in einigen Höfen wurde getanzt und gefeiert, in anderen Höfen saßen die Frauen mit den Kindern und hatten bereits angefangen zu essen. Auch wir wurden mit Essen beschenkt und waren überall willkommen. Gäbe es das bei uns auch? Wohl kaum!

Mele ist kein armes Dorf, aber gemessen an unserem Überfluss ist es doch arm; es gibt hier sauberes, fließendes Wasser, genügend zu essen und einen bescheidenen Wohlstand; vor einigen Häusern steht ein Auto, die Menschen sind sauber und nach Vanuatu-Schick gekleidet, und sie haben Spaß am Feiern – und wieder einmal fällt uns auf wie verwöhnt wir sind und wie unfreundlich und abweisend wir dadurch geworden sind.

 

Kontrastprogramm am nächsten Tag!

Der Kiwani-Club – das ist der ortsansässige Club der Reichen (Weissen), ähnlich wie bei uns die Lions oder Rotarier (tue Gutes und sprich darüber!) – hat das jährlich stattfindende Pferderennen organisiert. Es ist ein Festtag für die Clubs der Reichen, aber auch für das Volk – so strömen alle zum Rennplatz, leider regnet es wieder einmal, und alles ist aufgeweicht, natürlich auch die Strassen, und schon die Busfahrt zum Renngelände ist spannend und glitschig. Alles ist perfekt vorbereitet: Buden sind aufgebaut, wo die verschiedenen Vereine Essbares anbieten, Getränkestände sind aufgestellt und ein Zelt für die Militärkapelle. Das Renngelände ist präpariert, leider feucht, und wir hoffen, dass es keine Unfälle gibt.

Man promeniert, die Damen der Society – ausschließlich Weiße – haben sich schick gemacht und Hüte aufgesetzt. Unser Freund Kurt trägt einen Helm aus Zeiten, als die Österreicher noch eine Seestreitmacht waren und ihre Kriegsschiffe in der Adria lagen. Er trägt dazu eine weiße Hose (bei dem Matsch!), weißes Hemd und ein schwarzes Sakko und wird prompt vorgeschlagen für die Wahl zum bestgekleideten Gentleman – leider verpassen wir die Ausscheidung und zu guter letzt lässt Kurt seinen schönen Helm auf der Heimfahrt auch noch im Bus liegen. Schade!

 

Die Pferderennen sind natürlich der Höhepunkt, auch wenn unsere Männer noch so schön sind. Auf dem 1200 m langen Parcours wird eifrig gekämpft und das eine oder andere Pferd trifft auch schon mal ohne seinen Reiter im Ziel ein. Zwischendurch findet auch ein Cross-Country-Rennen statt, sogar ein Motorrad-Cross-Rennen und ein Wettrennen, bei dem Männer Zementsäcke über die Ziellinie tragen müssen und um die Wette rennen. Alles ist äußerst lustig und die Zuschauer feuern die Heroen kräftig an.

Mit dick vom Matsch verklebten Schuhen steigen wir wieder in einen Bus und fahren nach Hause. Schon seit langem tragen wir als Schuhwerk nur noch die Südpazifische Landestracht: Gummilatschen. Alles andere wäre aus dem Leim gegangen, und die Gummilatschen steckt man nur in einen Eimer mit Wasser, und alles ist wieder sauber.

 

21.07.03

Wir haben hier Dauerregen – es ist schon ein wenig traurig. Zwar unternehmen wir dennoch einiges, was in Anbetracht der praktischen Klamotten auch kein Problem ist, trotzdem ist es nervig, denn wir würden gerne nordwärts zu den anderen Inseln segeln, aber bei Dauerregen  in einer einsamen Ankerbucht zu liegen ist auch nicht so lustig.

Heute ist Montag und wir waren in der Stadt. Wir sind jetzt stolze Besitzer eines Regenschirms! Außerdem waren wir im Museum und haben die geschnitzten Keulen und Masken und andere Kuriositäten angeschaut.

 

Zum Laufen habe ich keine Lust, eigentlich wäre ja gestern (Sonntag) Lauftag gewesen, aber man sieht hier keine Jogger. Alles was schneller ist als gemütliches Spazieren gehen, ist hier verpönt. Interessant ist, dass die Sprache der locals keine genaue Bezeichnungen für Zeitangaben und Entfernungen kennt, auch Richtungsangaben sind vage und unbestimmt. Fragt man einen Einheimischen, wie lange z.B. der Weg zum Wasserfall ist, dann kann die Antwort genauso gut 15 Minuten wie auch 6 Stunden lauten. Es ist egal, wie lange der Weg ist, denn die Zeitangabe ändert nichts an der Entfernung, es dauert einfach so lange wie es dauert. Für uns, die wir gewöhnt sind, alles genau festzulegen, Zeiten und Entfernungen zu messen, Waren nach ihrem Preis zu beurteilen, alles genau zu wiegen und abzumessen, ist diese Art des Denkens nur schwer zu verstehen. Hier ist das anders und die Menschen gehen mit ihrem Kontingent an Zeit und dem, was sie besitzen, zufriedener um. Hier wird nicht gerannt, nicht abgezählt und nichts gewogen.

 

So, damit ihr nicht so viel lesen muesst, hoere ich jetzt auf, nicht ohne ein fröhliches „lukim yu afta“ bzw. „Gudnait“ – herzliche Grüsse senden Renate und Manfred, der Käse-Baguette-Killer

   

 

 

 

Reisebericht 35

Vanuatu - Lamen Bay Epi

30.07.2003

Letztendlich bin ich in Port Vila nun doch noch gejoggt, sehr zum Vergnügen und zur Verwunderung der Bevölkerung. Meine Route war ganz interessant: ich kam bis in die Wohngebiete der reichen Schwarzen. Ja, auch hier ist alles fein säuberlich getrennt. Nachdem wir nun von Port Vila wirklich genug hatten, alle Läden ausnahmslos durchstöbert, Vorräte wieder aufgefüllt und alle Nachbarn ausreichend kennengelernt hatten, trennten wir uns von unserer Boje und machten uns, gefolgt von „Nicole“, auf den Weg zu den nördlich gelegenen Inseln. Wir wollten nur bis Epi und dann wieder zurück, um Somati abzuholen, Kurt und Elena fahren von hier weiter.

Wir hatten gehört und gelesen, dass die Menschen auf den außenliegenden Inseln ganz anders leben als auf Efate, dass sie vor allen Dingen ihrem Naturglauben noch anhängen und ihre Traditionen wirklich pflegen, nicht, um Touristen zu unterhalten. Das wollten wir natürlich kennenlernen.

 

Nun sind wir also seit einigen Tagen in Epi und eigentlich schon wieder auf dem Absprung nach Port Vila. Es waren sehr schöne, eindrucksvolle Tage, wenn auch die Lamen Bay ein beliebter Ankerplatz ist und hier doch etliche Yachten liegen. Der Grund dafür ist ein urweltliches Unterwassertier, das hier lebt und sich von nichts und niemandem stören lässt. Es ist ein Dugong – eine Seekuh mit einem Walschwanz, verwandt mit dem Florida Manatee. Wir begegneten ihm gleich beim Ankern, es tauchte direkt vor dem Schiff auf und gleich wieder unter. Dabei waren wir ganz aufgeregt und befürchteten schon, dass wir es nun vielleicht erschreckt hätten und nie mehr wiedersehen würden, aber es ist richtig zahm und wir sollten ihm noch häufiger begegnen. Es lässt sich ganz friedlich beim Fressen beobachten und beim Auftauchen kann man es sogar streicheln, was es offensichtlich sehr genießt. Es ist ein eigenartiges Tier: ungefähr 2 bis 2,5m lang, dick wie ein kleiner Wal, der Kopf sieht tatsächlich ähnlich aus wie ein Kuhkopf, aber über dem Maul hat es eine Art Rüssel, mit dem es im Sand herumschlabbert und Seegras frisst. Es hat zwei Flossen und hinten einen Walschwanz. Wäre es nicht eigentlich hässlich, so könnte man es als Kuh-Seejungfrau bezeichnen. Es wird immer von zahlreichen kleinen Fischen begleitet, die sich von den Resten der Mahlzeiten ernähren.

Es gibt in Vanuatu und in Neu-Guinea noch mehrere Dugongs, aber dieses ist das einzige, das so zutraulich ist. Die hier lebenden Unterwasserschildkröten geraten schon fast in den Hintergrund, weil jeder das Dugong sehen will, aber diese riesigen friedlichen Tiere sind genauso sehenswert – sie lassen sich nur nicht anfassen und hauen ab, sobald man ihnen zu nahe kommt.

 

Die Einheimischen haben übrigens Angst vor dem Dugong. Die Ni-Vanuatu sind sehr abergläubisch und denken, dass das Dugong Haie aus der Bucht fernhält. Sie gehen in der Bucht grundsätzlich nicht baden, allenfalls einige Kinder, die am Ufer herumplanschen. Sie paddeln aber mit ihren offenen, kleinen Holzbooten über die Bucht ca. 1sm nach Lamen Island, wo viele wohnen, die hier auf der grösseren Insel ihre Gärten haben. Einige benutzen ihre Boote auch als Segelboot, indem sie einen grossen Palmenwedel als Segel benutzen. Es sieht lustig aus, wenn sich 15 „Segelboote“ am späten Nachmittag auf den Weg nach Lamen Island begeben.

 

In der Lamen Bay befindet sich ein Dorf, in dem wir in den letzten Tagen des öfteren zu Gast waren. Wie überall sind die Leute sehr freundlich und aufgeschlossen. Elena und ich machten einen langen Spaziergang zum Inselkrankenhaus, da ein anderer Segler krank geworden war und wir wissen wollten, ob der einzige Arzt auch wirklich anwesend war. Wir begaben uns also auf die „Landstrasse“ in das Bergland, ein breiter, ausgefahrener Weg durch den Dschungel, auf dem uns einige Leute aus einem anderen Dorf begegneten, alle auf dem Weg zur Lamen Bay. So erfuhren wir, dass dort eine Beerdigung stattfand und sie daran teilnehmen wollten. Wir fragten, wie alt der Verstorbene war, und erhielten die für Vanuatu typischen Antworten auf unsere für Deutsche typische Frage: die Angaben schwankten zwischen 50 und 74? Ist das so wichtig?

Zurück im Dorf sahen wir die gesamte Bevölkerung bei der Trauerfeier und hörten das Weinen der Klageweiber. Ein spanischer Segelfreund wurde in Tanna gefragt, wer um ihn weinen würde, wenn er mal tot ist, und er antwortete, dass dies sicher seine Frau und seine Kinder seien. Die Frau, die ihn gefragt hatte, war ganz erstaunt, weil das nur 3 Personen sind, und sie bot ihm an: „when you will be dying, you come here, we will cry for you. We have the best cryers in whole Vanuatu.”

Ja, so ist das, bei uns wird man “in aller Stille” beerdigt, und hier nimmt das gesamte Dorf und sogar die umliegenden Dörfer Anteil.

 

Unser Spaziergang führte uns am Strand entlang zur Nordseite der Insel, von wo wir einen Blick auf den Vulkan werfen konnten, der – selbst eine Insel – vor einer Woche ausgebrochen war und immer noch Rauchwolken um sich hatte. Mit dem blossen Auge waren die schwarzen Lavabahnen zu erkennen.  Elena und ich kamen nach 6 Stunden Fussweg wieder zurück, Blasen an den Füssen und schwer beladen mit Muscheln und Korallenstückchen.

 

In der Bucht befindet sich neben dem Dorf auch eine High School. Wir lernten 2 junge Engländerinnen kennen, die, beide erst 19 Jahre alt, hier ein halbes Jahr lang Englisch unterrichten, bevor sie in England ihr Studium beginnen. Englisch ist ja in Vanuatu, neben Pidgin und Französisch, Landessprache. Allerdings gibt es außerdem noch ungefähr 200 einheimische Sprachen (keine Dialekte, sondern eigenständige Sprachen!). Vanuatu ist das Land mit der größten Zahl von Sprachen, gemessen an der Zahl seiner Einwohner. Vielleicht sind die vielen verschiedenen Sprachen auch der Grund dafür, dass sich die katholische Kirche hier nicht breit gemacht hat wie auf vielen anderen Pazifik-Inseln. Es gibt hier einige freie Kirchen, aber die einheimische Bevölkerung befolgt seit Jahrhunderten die eigenen Regeln. So mancher unliebsame Missionar oder von den Missionen beauftragte Lehrer wanderte in den Kochtopf, wenn er den Einheimischen zu unbequem wurde und deren Tabus in Frage stellte. Die letzten Fälle von Kannibalismus sind aus den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts bekannt.

 

Die Ni-Vanuatu sind freundlich und hilfsbereit, verstehen aber keinen Spass, wenn man sich ungebeten in ihre Plantagen oder ihre Gärten und Häuser begibt; auch gelten für bestimmte Riffe oder andere Gebiete zu Zeiten Tabus; die Lavaflächen der großen Vulkane auf der Insel Ambrym beispielsweise dürfen zwischen November und Januar nicht betreten werden, da dann die Geister dort aktiv sind, die für eine gute Ernte im nächsten Jahr sorgen.

Die Segler sind auch gut beraten, sich erst mal in einem Dorf zu melden und zu fragen, ob man überhaupt willkommen ist, schnorcheln und schwimmen darf. Es wäre schrecklich, die Tabus der Einheimischen zu verletzen. Ist man aber willkommen, so überschütten sie einen mit ihrer Gastfreundschaft, bringen Obst und Gemüse, das sie in ihren Gärten anbauen, oder kommen zu einem Plausch vorbei.

 

Nun trennen wir uns für einige Tage von Epi, um mit Somati Anfang August zurück zu kommen. Es ist eine Nachtfahrt nach Port Vila, knapp 80sm.


Reisebericht 36

Vanuatu (Vila-Epi-Ambrym)

 

North Ambrym, 09.08.03

 

Gestern haben wir Manfreds Geburtstag gefeiert, und da wir heute noch einmal feiern, muss ich alles zu Papier bringen, damit nichts in Vergessenheit  gerät.

Am 4.8. kam Somati in Port Vila an, wir hatten sie seit 2 ½ Jahren nicht gesehen, aber sie hat sich nicht verändert, sie ist hübscher und erwachsener geworden, aber natürlich hat ihr Daddy sie gleich wieder erkannt, und er war ganz gerührt, seine Tochter nach so langer Zeit wieder zu sehen. Somati ist zum ersten mal auf La Rossa, denn als das Schiff fertig war, ging sie gerade nach Australien, und so hatte sie keine Gelegenheit mehr, mit uns zu segeln.

 

Unsere (jüngeren) Einhand-Segelfreunde standen schon seit Tagen Schlange und schawenzelten um unser Schiff herum, um ja nichts zu verpassen. Allerdings blieben wir nicht mehr lange in Port Vila, denn wir hatten vereinbart, spätestens am 7.8. in North Ambrym zu sein. Also wurde am 5.8. kräftig eingekauft, vor allem genügend Saufereien für den grossen Festtag, und ich bereitete 3 kg Gulasch vor, das dann eingefroren wurde. Am 5.8. verließen wir dann gegen Abend in Begleitung der SY Samba (Gunnar und Christine) Port Vila für eine Nachtfahrt nach Epi in die Lamen Bay. Somati sollte natürlich auch das Dugong sehen, denn ein Dugong, das sich anfassen lässt, ist schon einzigartig. Es ließ zwar diesmal etwas auf sich warten, aber schließlich tauchte es dann doch auf. Schon am nächsten Morgen ging’s dann weiter nach Ambrym. Wir hatten super Segelwind und für Somati war es ein traumhafter erster richtiger Segeltag. Sie hat es total genossen, saß lange an Deck in der Sonne, und als der Wind auf 30 Knoten zunahm, stand sie total begeistert mit wehenden Haaren draußen und konnte nicht genug bekommen.

 

Am Ankerplatz standen schon rund 20 Yachten. Wir hatten in einem Aushang in Port Vila gelesen, dass die Einheimischen hier auf der Insel vom 6. bis. 8.8. ein „Mini-Art-Festival“ veranstalten, und wir wollten wenigstens den letzten Tag noch mitbekommen.

 

Zuerst aber war Manfreds Geburtstags-Frühstück mit der üblichen „Bescherung“ und dem Bären-Besuch. Die Geburtstagsfeier, die eigentlich für den Abend geplant war, hatten wir kurzerhand auf den nächsten Tag verschoben, denn wir wollten den ganzen Tag mit den Einheimischen verbringen. Für die Gehfaulen stand ein Pickup-Truck bereit, wir anderen mussten eine Stunde zu Fuß in den Dschungel wandern, wo das Festival stattfand. Unsere Freunde waren von den beiden ersten Tagen schon total begeistert, so dass wir neugierig waren, was uns erwartete.

Mitten im Wald war ein Platz vorbereitet: an der Rückseite standen die „Tamtams“, geschnitzte Säulen mit Köpfen, davor ein gestampfter Platz und drum herum Sitzgelegenheiten für die Zuschauer, eigentlich nur dünne Baumstämme, auf denen man sich niederlassen konnte. Ein Stand war vorbereitet, wo einige Frauen Pampelmusen, Bananen, grüne Kokosnüsse und Schmalzkringel verkauften, sogar eine Toilette hatten sie im Busch aufgebaut, eine ausgehobene Grube, die mit Baumstämmen abgedeckt war und als Schutz darum eine Wand aus Palmenblättern.

An Tischen konnte man Schnitzereien und andere Dinge kaufen, die die Einheimischen selbst herstellen.


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Ja, und dann gingen die Vorführungen los; Männer führten ihre mystischen Tänze auf. Bis auf einen breiten schwarzen Gürtel, an dem ein Namba (Penis-Wrap) befestigt war, trugen sie keine Kleidung, hinten im Gürtel steckten Blätter oder ein Grünbüschel. Sie stampfen in einem gleichförmigen Takt und die einzige akustische Begleitung ist ein rhythmisches Trommeln. Sie tanzen sich richtig in Ekstase. Jeder Tanz hat eine andere Aussage bzw. stellt ein anderes Ritual dar. Ein kleines Schweinchen wird als Opfergabe an die Götter in einem Tanz getötet, für unsere Tierschutz-Gehirne unfassbar, aber für diese Geister- und Götter-gläubigen Menschen von großer Bedeutung. Wir waren fasziniert von den Vorführungen und Tänzen, die bis heute von der Bevölkerung in dieser Art aufgeführt werden. Dass Touristen zugelassen sind, ist erstaunlich, es wurde erstmals im letzten Jahr ausprobiert; sie hatten 2002 15 weiße Besucher und in diesem Jahr waren es ungefähr 40, alle anderen Teilnehmer und Zuschauer kamen aus den umliegenden Dörfer. Natürlich waren wir „Touristen“ die einzigen zahlenden Gäste, aber wir zahlten den Eintritt gerne, denn sie hatten es wirklich fantastisch vorbereitet.

 

Die Tänze nahmen uns gefangen, obwohl wir äußerst unbequem saßen, aber das war unwichtig. Frauen tanzten ebenfalls, in Strohröcken, die offensichtlich neu waren. Unter den jungen Männern fand ein symbolischer Schönheitswettbewerb statt, und die Schönsten tanzten ein Solo. Die dominierenden Tänzer sind immer die Männer, sie sind auch diejenigen, die die meisten Tänze aufführen und man spürt, dass es bedeutungsvolle Tänze mit Symbolik sind; Alte und Junge tanzen und stampfen, die Alten, hagere Typen, Blumen in den Haaren, mit Wildschweinzähnen geschmückt, je grösser die Hauer, desto bedeutender der Besitzer, gestützt auf ihren Stock. Die Jungen, prachtvolle, glänzende Körper, die Haare geölt und wie ein Igel frisiert, die Gesichter bemalt – es ist wie im Märchen, nur ist das Wirklichkeit und gelebtes Brauchtum! Die Gesichter sind unbeschreiblich, auch die der tanzenden Frauen, einige mit wild abstehenden Haaren, keine jungen, die Brüste ausgelaugt von 10 bis 12 Säuglingen, wilde Gesichter mit so viel Ausdruck.

 

Wir wissen nicht, wie das hier in 5 oder 10 Jahren sein wird, vielleicht sitzen dann 500 Touristen hier, die von Kreuzfahrtschiffen hergekarrt werden? Wir sind dankbar, dass wir hier sein und dies inmitten der einheimischen Kinder und Erwachsenen erleben dürfen. Hier sind wir die Exoten und wir werden beobachtet, nicht umgekehrt. Es gibt Bereiche, die wir nicht betreten dürfen, die für uns „TABU“ sind, und wir wissen nicht, wie das sein wird, wenn hier eines Tages 500 neugierige Weisse herumlaufen. Wir bringen Unglück ins Dorf, wenn wir ihre TABUS verletzen. Hoffen wir, dass es ihnen gelingt, ihre Geheimnisse zu bewahren.

 

Für den Abend sind wir in das Dorf des „Chief“ eingeladen. Dort haben die Frauen des Dorfs ein Essen für uns vorbereitet, die Männer machen Musik und unsere spanischen Freunde haben ihre Gitarren und Mandolinen mitgebracht. Wir lernen dort auch eine interessante Familie kennen: der Vater ist ein Deutscher, seine Frau stammt aus Taiwan, eine ganz lebhafte, lustige Frau. Sie segeln mit ihren 3 Söhnen und einer Cousine der Frau. Die Söhne sind ausgezeichnete Kampfsportler und führen während des Festivals einige Übungen vor, die die Einheimischen zum Staunen bringen. Sie haben auch am Abend Musikinstrumente dabei: Trommeln und andere Rhythmus-Instrumente.

 

Was nun abgeht, kann man gar nicht richtig beschreiben. Der Abend beginnt vorsichtig, es wird musiziert, jeder beobachtet, man unterhält sich, trinkt ein wenig Kava; die Spanier fangen an zu musizieren, die Amerikaner verkrümeln sich, als Elena, Riccardo und Manfred ein Zigarettchen rauchen; wir speisen vom Buffet, jeder erhält 2 Blätter als Teller und vielleicht eine Gabel oder einen Löffel, ansonsten nimmt man die Finger; es ist delikat und ich tausche mit einer der Frauen Rezepte für den Fischsalat aus. Sie haben sogar ein Ferkelchen gebraten! Jemand fängt an zu tanzen, wer will, greift sich eines der Rhythmusinstrumente und musiziert mit, richtig oder falsch? Egal! Wir tanzen und singen, Kinder hocken in den Bäumen, es wird gelacht, Jeans tanzt mit Bastrock,  Kinder tanzen um mich herum, Gerüche mischen sich, der Mond beleuchtet alles mit seinem Licht, unter uns der Blick auf die Bucht und das Riff im Dunkel, wir hören das Meer, es ist wunderschön und keiner will gehen. Manfred bekommt spanische Geburtstagslieder und ein Lied der Einheimischen, schließlich fangen die Locals an, „Jingle Bells“ zu spielen, das wird fast schon zur Hymne des Abends, bis der „Organisator“ daran erinnert, dass unser Truck für die Heimfahrt bereit steht. Wir singen, tanzen und spielen alle noch das Vanuatu-Lied und wir Gäste müssen dann leider nach Hause. Es hätte noch ewig weitergehen können.

 

Total verdreckt kommen wir auf La Rossa an, wollen nur noch unter die Dusche, da tuckert ein Dinghi und Freunde kommen noch, um sich zu verabschieden und einen Schluck auf Manfred mit uns zu trinken.

 

Am nächsten Morgen holen wir endlich die Schatzsuche nach. Elena hatte für Manfred zum Geburtstag eine Karte von Ambrym gezeichnet und mysteriöse Zeichen für den Fundort eines Schatzes eingetragen. Der Schatz befand sich an einer geografischen Position. Wir fuhren mit dem Dinghi an Land, gingen zum „magischen Platz“, wo Manfred 10 mal im Kreis gedreht wurde, dann musste er mit dem GPS die Position suchen. Er fand den Schatz auf der La Rossa, musste sich aber schon Mühe geben, die Position zu finden – so einfach ist das nicht!

 

Am Nachmittag kamen Riccardo, Isabel und Ricci mit ihrer „Cypsela“ an und stellten uns als Geburtstagsgeschenk einen großen Eimer mit 6 lebenden Hummern an Deck, die sie am Abend zuvor bei den Fischern bestellt hatten. Riccardo kündigte an, dass er 2 Stunden vor Beginn der Party kommen und kochen würde. Ich hatte zwar 3kg Gulasch vorbereitet und aufgetaut, aber angesichts von 6 Hummern blieb der Topf erst mal stehen.

Riccardo kam gegen 17 Uhr, bestens ausgerüstet mit einem großen flachen Topf und diversen Gewürzen. Ich bot mich als Kochlehrling an und schreibe nun dieses 200 Jahre alte katalanische Rezept auf:

 

Staudensellerie würfeln und in reichlich Öl andünsten (pro Person etwa 1 Stange Sellerie)

Karotten würfeln und dazu geben (pro Person ½ bis 1 Karotte)

4 Zwiebeln hacken und dazu geben

4 Knoblauchzehen

Das alles muss etwa 1 ½ Std lang einkochen und dabei braun werden, nicht zu schnell braten!

Inzwischen die ganzen Hummer halbieren, auslaufende Flüssigkeit auffangen,

die Hummer zu dem Sud geben und mitgaren,

etwa 150ml Cognac zugiessen, evtl. flambieren,

3 Esslöffel Kakaopulver über die Hummer verteilen

In einem Mörser 4 Knoblauchzehen und 3 Esslöffel Erdnüsse zu einer Paste zerkleinern, die aus den Hummern ausgelaufene Flüssigkeit dazurühren und alles zu der Soße geben.

Dazu Reis servieren.

 

Ich muss sagen, es hat einfach göttlich geschmeckt! Alle (Elena und Kurt, Franz von Triton, Kathi und Werner von Freiheit, sowie Riccardo mit seiner Familie) waren restlos begeistert.

 

Als Vorspeise hatte ich ein libanesisches Tabouleh vorbereitet, das (der?) Gulasch blieb in seinem Topf und wurde am nächsten Morgen an die Gäste des Abends verteilt.

Nach dem Essen holten die Spanier ihre Gitarren hervor und wir sangen und feierten bis tief in die Nacht. Das Deckshaus der La Rossa war bis auf den letzten Platz gefüllt und die Stimmung war bombig! Es war eine richtige spanische Fiesta! Die Rossa hat gebebt!

 

Am nächsten Morgen zogen wir dann unseren Anker wieder herauf und sagten Ambrym vorerst ade. Ich wäre gerne noch auf den Vulkan gewandert, man hatte uns jedoch abgeraten, da der Vulkan gerade aktiv ist und man vor lauter Qualm nicht atmen kann und auch nichts sieht. Also segelten wir weiter zur Insel Malakula, um dort zu schnorcheln und zu schwimmen. Zahlreiche Inselbewohner kommen hier mit ihren Kanus an die Segelschiffe, um Muscheln und Kokosnüsse anzubieten. Die Menschen, die hier leben, sind ganz arm. Ihre Inseln sind von breiten Riffen umgeben, so kommen Gäste von den Yachten nicht dorthin. Wir sprechen mit einem Segler, der mit seinem Schiff einen Arzt und eine Krankenschwester zu einer neu eingerichteten Krankenstation transportiert; die Menschen hier waren 3 Jahre lang ohne jegliche medizinische Versorgung, und nun wurde auf einer Insel ein kleines Krankenhaus eingerichtet.

 

Samstag, 16. August 2003

 

Seit 5 Tagen segeln wir an der Küste von Malakula entlang, von einem Ankerplatz zum anderen, und immer gibt es über und unter Wasser neues zu entdecken. Wir segeln zusammen mit der SY Samba, Gunnar und Christine, die mit 4 belgischen Chartergästen unterwegs sind. Die Männer sind ganz wild aufs Tauchen und Fischen, und ihnen ist auch mehr Anglerglück beschert als uns, obwohl wir meistens sogar 2 Angeln nachschleppen. Sie fangen 2 prächtige Mahi Mahi, die im selben Augenblick an ihren beiden Angeln anbeißen, vermutlich ein Pärchen, das zusammen unterwegs war und nun auch gemeinsam das Leben verlor und in der Pfanne landete. Ein Teil schlummert noch bei uns in der Tiefkühlbox und wartet darauf, ebenfalls verspeist zu werden.

 

Einen Zwischenstop machen wir noch bei der kleinen Insel Wala. Dort machen wir mit den Einheimischen einen Inselrundgang. Das Inselchen ist wirklich nicht groß und in ein bis zwei Stunden kann man es locker umrunden. Was uns besonders gefällt sind die tropischen Bäume und Sträucher; die ganze Insel ist ein riesiger Garten. Allerdings dürfen wir die Inselmitte nicht betreten, denn dort befinden sich alte Kultstätten, die für uns TABOO sind. Aber auch die Geister lassen sich umstimmen, wenn sie das Knistern von Geldscheinen hören, und einer der Chiefs erklärt sich bereit, uns zu einer der Kultstätten zu bringen, wo zuletzt 1969 noch kannibalische Zeremonien abgehalten wurden. Die Stelle liegt wirklich mitten im Dschungel und man würde sie nie finden. Unter Steingräbern liegen noch die Knochen und Totenschädel der Unglücklichen; ja, wir dürfen den Chief sogar fotografieren!

Zum Abschluss werden wir mit Pampelmusen, Kokosnüssen und anderen tropischen Früchten bewirtet. Die Kinder erhalten ihre Lollies, wegen derer ich regelmäßig verfolgt werde, und ich schenke einer der Frauen meinen seidenen Taschenspiegel aus Bangkok; sie haben hier keine Spiegel und finden mein Geschenk einfach hinreißend.

 

Somatis Urlaub nähert sich so langsam seinem Ende, sie fliegt am 20.8. wieder nach Adelaide zurück. Die Zeit mit ihr ist sehr schön; wir haben sie ja sehr lange nicht gesehen und als sie vor 2 ½ Jahren aus Deutschland wegging, war das Verhältnis zu ihr nicht das beste, aber wir können nun doch sehr viel besprechen und vergangenes aufarbeiten. So genießen wir die gemeinsame Zeit mit ihr sehr. Morgen segeln wir weiter zur Insel Espiritu Santo; dort ist ein Resort, vor dem man an Mooringbojen liegen kann, und die Yachties können den Luxus eines Resorts genießen. Nach so viel Ruhe auf dem Schiff in abgelegenen Buchten ist es dann auch mal wieder schön, Bars und Musik zu erleben.

  

Reisebericht 37

Santo – Banks Islands 

Heute ist der 1. September 2003, wir liegen an einem ausgesprochen windigen Plätzchen vor der Insel Vanua Lava alleine vor Anker, es ist nicht zu glauben, seit Wochen feiern wir jeden Tag irgendetwas auf irgendeinem Schiff. Heute ist Faultag mit lesen und schreiben usw. 

Nach Somatis Abreise blieben wir noch einige Tage im Aore Resort vor Luganville, Grund unseres Aufenthalts war der defekte Generator aus der Schule in der Banam Bay, dessen Reparatur Manfred leichtsinnigerweise versprochen hatte. Die Schule hatte den Generator vor 15 Jahren bei Asco Motors in Luganville gekauft, nun hatte er den Geist aufgegeben. Logisch, dass Asco den auch repariert! Wir Germanen sind uns da ganz sicher, aber wir befinden uns in Vanuatu. Alleine schon der Transport von Manfred mit dem blauen Ungeheuer von Generator auf dem Schoss in einem winzigen Einbaum! Wackelnd und schwankend und mit einer grossen Portion Optimismus wurden die beiden zur La Rossa gerudert und dann kam der Generator in ein sicheres Fach, wo er nicht herumpurzeln konnte.

Seit unserer Ankunft in Luganville sind wir bzw. Manfred nun jeden Tag damit beschäftigt, uns bei Asco nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Nachdem Manfred den 3 hoffnungsvollen Mechanikern erst mal auf deutsche Art gezeigt hat, wie man einen Generator öffnet, die passenden Werkzeuge sucht und auch findet, macht man uns Hoffnung auf baldige Hilfe und Erledigung der Arbeiten: die Ersatzteile bekäme man am Flughafen und sie wären morgen früh da und alles ist dann um 11 Uhr am Dienstag fertig. Wie gut! Pünktlich um 11 am Dienstag stehen wir wieder da, der Generator ist unangetastet, der Chef ist nicht da. Bitte kommen Sie um 15 Uhr wieder, da ist er bestimmt fertig. Nachmittags rufen wir sicherheitshalber erst mal an, denn die Fahrt über den Segond Channel mit der kleinen Fähre ist lästig, weil die Abfahrtszeiten so weit auseinander liegen. Der Generator ist noch nicht fertig, aber morgen früh um 9 Uhr bestimmt! Da wir sowieso zum Markt wollen, stehen wir also wieder um Punkt 9 bei Asco, alles beim alten, diesmal aber kriegen wir die Chefin zu fassen, und Manfred, der Techniker und Perfektionist erklärt ihr in seinem brillantesten Englisch, was er zu erhalten wünscht. Selbstverständlich – sie kümmert sich um alles, heute Nachmittag wird der Generator fertig sein... 

Na ja, muss ich noch mehr erzählen? Inzwischen hat Manfred denjenigen ausfindig gemacht, der den Generator anscheinend reparieren sollte, aber der war die ganze Woche auf einer Schulung ... immerhin können wir das Ding am Samstag früh bei ihm abholen ... sagt er. Luganville liegt in Vanuatu ... am Samstagfrüh ist natürlich nichts fertig, aber immerhin läuft der Motor wieder, der Stromerzeuger macht immer noch keinen Mucks. Wir entschliessen uns, dem klugen Monteur ein Preislimit zu setzen – immerhin 30.000 Vatu (ca. 250 EURO) – und teilen ihm mit, dass wir jetzt erst mal in die Banks Islands fahren und in ca. 10 Tagen wieder da sind. Wir sind immer noch Optimisten und hoffen, dass das Kerlchen dann wieder brummt und wir es in die Banam Bay bringen können.  

Unsere Transportkarre steht immer noch bei Asco, und die lieben Freunde, die wir gebeten hatten, sie für uns abzuholen und im Resort unterzustellen, haben das natürlich nicht getan, wieso auch, wir sind ja in Vanuatu... 

Ein Gutes hatte Luganville doch für uns: Manfred machte einen Tauchgang zur „President Coolidge“! Das ist ein ehemaliges großes Passagierschiff, das im 2. Weltkrieg zum Truppentransporter umfunktioniert wurde und vor Luganville auf Grund eines Navigationsfehlers auf eine eigene Mine gelaufen und explodiert ist. Die „President Coolidge“ liegt auf einer Tiefe zwischen 20 und 70m und kann von Tauchern besucht werden. Alles ist noch recht gut erhalten. Manfred tauchte hinunter bis zum Promenadendeck und in den großen Salon, sogar die Mannschafts-Toiletten konnten die Taucher besichtigen.  

Erst hier in Luganville wird uns bewusst, dass auch der Pazifik im 2. Weltkrieg ein riesiges militärisches Aufmarschgebiet war. Die Amerikaner haben nach dem Abzug ihrer Truppen die Gerätschaften einfach vor der Küste ins Wasser geworfen, wo man sie heute noch sehen kann, „Million Dollar Point“ heißt diese Gerümpel-Ecke. In der Stadt Luganville sind überall noch die tonneförmigen Wellblech-Hütten übrig geblieben, die einmal von den Kriegsherren aufgestellt worden sind. Heute sind darin Werkstätten und andere Geschäfte untergebracht. Auf der Insel Aore sind immer noch die Munitionsbunker erhalten, heute nisten Hunderte von Vögeln darin, Millionen von Moskitos, und die Einheimischen verstecken sich in den Bunkern, wenn ein Zyklon über das Gebiet zieht.  

Nun gut, Manfred und ich segelten also in einem Tag und einer Nacht rund 130 Seemeilen nach Norden, zur nördlichsten Insel der Banks-Gruppe, Ureparapara. Ich hatte gelesen, dass kurz vor der Einfahrt in die atemberaubende Dives Bay gute Fischgründe liegen, und ich teile meinem Skipper mit, dass wir dort einen dicken Fisch fangen. Natürlich glaubt er es nicht, aber er macht dann doch große Augen, als genau dort ein dicker Thunfisch an der Angel zappelt. Wir nehmen ihn mit, um ihn als Gastgeschenk im Village abzugeben – eine dicke Scheibe schneiden wir aber noch für mich ab! Manfred mag keinen Thuni, aber ich mache für mich leckeres Sushi. 

Die Dives Bay ist ein Vulkankrater, der an einer Stelle offen ist, durch die man in die riesige Bucht hineinfahren kann. Ringsherum ragen die Kraterwände auf, alles ganz grün bewachsen; der Vulkan ist schon lange tot, sonst wäre das hier auch nicht so gemütlich. Kaum sind wir am Ankerplatz, wimmelt es auch schon von einheimischen Holzkanus um uns herum, wir werden freundlich begrüßt, man fragt nach unserem Namen und wir nach ihren Namen. Schnell ist geklärt, wer die „Jifs“ sind. Es gibt einen Paramon Jif und mindestens 5 andere mit niedrigeren Rängen. Wir werden ins Dorf eingeladen, aber nach der Nachtfahrt brauchen wir erst mal eine kleine Pause und ein kräftiges Frühstück. Der Fisch wechselt den Besitzer. „Jif“ Nicholson hat ihn an einen Kumpel abgetreten. Nicholson ist hier der Insel-Boss. 

Am Nachmittag machen wir unseren „Antrittsbesuch“ im Dorf beim „Jif“ und lernen seine Frau Melody und die vielen Kinder in durchlöcherten Kleidchen kennen. Das Dorf ist nicht arm, aber alles andere als reich. Sie haben frisches Wasser, kleine Häuschen, Hühner und Schweine, und wenn der letzte Zyklon, der vor erst 2 Monaten über die Insel gezogen ist, nicht die gesamte Pampelmusen- , Bananen- und Papaya-Ernte zerstört hätte, dann hätten sie auch Früchte, so aber gibt es Yams-Wurzeln und Süßkartoffeln und Kokosnüsse. Ansonsten haben sie nichts. Kaufen kann man nichts, es gibt keinen Laden, keinen Strom, und das Versorgungsschiff aus Port Vila kommt einmal im Jahr! Die Lehrerein erhält ihr Gehalt in Kopra und kann es – sofern das Kopra-Schiff ankommt – an das Schiff verkaufen. Alles andere, was sie so brauchen, tauschen sie gegen Muscheln oder Kokosnüsse mit den Yachties, die sich bis hierher wagen. Die Banks Islands liegen abseits des „Coconut Milk Run“.  

Wer genügend Batterien dabei hat, kann Batterien hergeben, mit denen dann die einzige Unterwassertaschenlampe bestückt wird, und man geht abends mit den Einheimischen auf Langustenfang. Die Yachten, die hier sind, kennen die Situation, und jeder packt zusammen, was er entbehren kann: T-Shirts, Gummilatschen, die nicht mehr getragen werden, Leinen, altes Werkzeug, Zucker, Salz, Reis, Konserven, Taschenmesser, Zahnbürsten, meinen geliebten alten Schlumpelrock hat jetzt die Frau von Jif Nicholson, sie wird ihn zur Hochzeit von Nicholsons Onkel tragen. Ein kleiner Junge, der uns barfuss über abenteuerliche Pfade zum Kraterrand und wieder zurück geführt hatte und Manfred während der gesamten Wanderung unermüdlich die Bäume und Pflanzen erklärte, wird komplett neu eingekleidet. Da er erst 8 Jahre alt ist, passen ihm Manfreds Sachen natürlich nicht, aber er bekommt eine Unterhose von mir, meine (einzige!) schwarze Laufhose, ein T-Shirt mit Delfinen drauf, ein Käppi und meine alten Gummilatschen. Außerdem füttern wir ihn mit Knäckebrot und Nutella und Manfred nimmt ihn zu einer rasenden Dinghifahrt mit. Der kleine Ramen ist so voll Stolz! Er lebt mit seiner Mutter und 5 weiteren Geschwistern, der Vater ist gestorben und die Familie ist – wie alle hier – arm.  

Es ist schwer, die Dinge, die man verschenken möchte, an die richtigen Personen zu bringen, aber wir versuchen unser bestes. Manfred repariert das einzige Telefon des Dorfes, und der „Jif“, der sich am Tag unserer Ankunft an der Leber eines Fisches fast vergiftet hat, entschuldigt sich und sagt, wenn er nicht krank gewesen wäre, dann hätte er für Manfred ein Fest ausgerichtet. So wird man hier schnell zur Berühmtheit! Manfred schleift auf dem Schiff mit der Schleifmaschine noch einige Äxte und Buschmesser, er geht mit den Einheimischen früh morgens um 6 Uhr auf Fischfang, ich werde zu medizinischen Problemen befragt und tippe auf dem Computer stundenlang Einladungen und Listen für die bevorstehende Hochzeit. Schade, dass uns das entgeht! 

Mit uns in der Dives Bay ankern die Spanier Riccardo, Isabel und Ricky sowie Kurt und Elena. Abends wird meistens auf einem Schiff gespeist und jeder bringt etwas mit. Leider ist Kurt derzeit erkältet, so gibt es keine Musik, aber es ist trotzdem lustig. Zusammen mit den Spaniern machen wir einen Ausflug mit La Rossa zu einem 11 Seemeilen entfernten Atoll. Manfred und Ricky gehen tauchen, Riccardo und Isabel schnorcheln und Elena und ich machen danach einen Ausflug zu den kleinen Reef Islands und gehen wieder mal Muscheln sammeln, und diesmal auch den wunderbaren mehlfeinen weißen Sand. 

Am nächsten Morgen dann reisen wir ab, wir wollen langsam wieder südwärts, denn in Luganville wartet ja noch unser lieber Generator auf uns, und wir wollen auch noch zu einigen anderen Inseln. Wir ankern in der Waterfall Bay, benannt nach einem herrlichen doppelten Wasserfall, an dessen Fuß die Frauen Wäsche waschen. In der Waterfall Bay wird ein Festival vorbereitet, das vom 15. bis 17. September stattfinden soll. Man hofft auf viele Besucher, aber die einzigen, die kommen können, sind Yachten. Es gibt keinen anderen Weg in diese wunderschöne Bucht. Aber immerhin haben sich 20 Yachten angesagt und wir machen auf der Funke auch noch ein bisschen Reklame für das Fest. Die Vorbereitungen sind im vollen Gang, wir bestaunen Buden und Bühnen für die Vorführungen. Vor dem Fest findet noch eine wichtige Zeremonie statt, und zwar wird Kerely, der Organisator des Fests und natürlich auch jetzt schon irgendein Jif, zum nächsthöheren Jif-Rang befördert. Dafür muss Kerely in einer Zeremonie ein Schwein schlachten. Je höher der angestrebte Rang, desto größer die Zahl der Schweine, die geschlachtet werden müssen, d.h. der reichste im Dorf (der mit den meisten Schweinen..) wird der höchste Jif. Das scheint auf der ganzen Welt gleich zu sein, nach diesem Prinzip werden die USA regiert und wahrscheinlich 90% der anderen Staaten. 

An diesem Zeremoniell ändert auch der Abgeordnete der Regierung nichts, der sich hier einmal im Jahr blicken lässt und bei dieser Gelegenheit die neuesten Gesetze aus der Hauptstadt mitbringt. Das hat für die Inselbewohner keine Bedeutung – wozu auch? Sie sind auf ihren Inseln allein gelassen, der Regierungsvertreter lässt sich herumführen und verschwindet dann wieder in den Annehmlichkeiten der Hauptstadt. Die Insulaner müssen sehen, wie sie alleine zurechtkommen, und dazu helfen ihnen die Gesetze nichts. Heute wie vor 100 Jahren gelten die Hierarchien, Regeln und Strafen, die die Jifs nach alten Gesetzmäßigkeiten verhängen. Aufgegessen wird zwar heute niemand mehr und die Strafen haben sich gemildert, aber für bestimmte Verbrechen gibt es festgelegte Strafen, die jeder akzeptiert.  

Bis vor wenigen Jahren wurde hier noch mit Muschelgeld bezahlt, inzwischen gibt es andere Währungen, z.B. Kopra , das ist getrocknete Kokosnuss, die für die Herstellung von Fettglasuren verwendet wird, z.B. köstlicher Schokoüberzug über Magnum-Eis! Denkt beim nächsten Biss ins Eis bitte an Vanuatu, denn gerade wurde ein Vertrag geschlossen mit der deutschen Firma Walter Rau, die sich verpflichtet hat, in den nächsten Jahren die gesamte Kopra-Produktion von Vanuatu zu Weltmarktpreisen aufzukaufen. Das ist für Vanuatus Wirtschaft ein Riesen-Deal!

Und natürlich gibt es auch die Landeswährung Vatu, aber was nützt der beste Vatu, wenn man nichts dafür kaufen kann, weil es keine Läden gibt.

So gibt es hier auf den Inseln andere Gesetze und Gepflogenheiten und natürlich regen Tauschhandel. 

In ganz Vanuatu, vielleicht von der Hauptinsel Efate abgesehen, herrscht trotz des Einflusses der christlichen Kirchen und Gemeinden immer noch ein intensiver Glaube an Naturgottheiten. Auf allen Inseln gibt es Taboos, manchmal bestehen sie auch nur zu bestimmten Jahreszeiten, z.B. dann, wenn die Geister für eine gute Ernte aktiv sind. 

Heute ankern wir in einer weiten Bucht vor Vanua Lava, wo nur ganz wenige Yachten ankern, weil die Bucht nur wenig Schutz bietet. Wir haben von der Waterfall Bay zwei Männer mit hierher gebracht, die Manfred mit dem Dinghi an Land gesetzt hat und die im Dorf gleich die frohe Kunde von den angekommenen Seglern verbreitet haben. Sogleich kam dann auch der hiesige „Jif“ angepaddelt und überbrachte uns außer seinem reparaturbedürftigen Radio – die frohe Kunde von dem reparierten Telefon in Ureparapara war uns bis hierher vorausgeeilt - einen Prospekt über seine Bucht. Es gibt hier einen großen Lavastein, den niemand berühren darf; der Stein wird nur „besprochen“. In dem Stein lebt ein Hai, der die Bucht vor Haien beschützt – hoffentlich macht er seine Sache gut. Vorsichtshalber bin ich hier nicht schwimmen gegangen. 

Die Leute bemühen sich auf rührende Weise um Touristen. Sie haben Hütten für Gäste gebaut, aber bis jetzt gibt es hierher keine Verkehrsverbindung, allenfalls das kleine Buschflugzeug, das man in Vila chartern kann. Die Yachties bringen ihr Haus bereits mit, und andere Touristen haben wir bisher hier nicht gesehen. Aber das wird sich bestimmt irgendwann einmal ändern.  

Wir laufen auf unserem Weg nach Süden einige Buchten an, die in den gängigen Segelführern nicht so dick markiert sind, und erleben wunderschöne Sachen. Auf der Insel Gaua ankern wir vor einer kleinen Siedlung; nur selten kommen Yachten hierher, obwohl der Ankerplatz sehr schön ist. Die Mädchen führen uns ihre Wassermusik vor. Es gibt dort einen kleinen Bach, der sich zu einem Tümpel verbreitert, die Mädchen springen ins Wasser und klatschen rhythmisch ein Trommelstakkato – dazu benutzen sie ihre Röcke und klatschen mit den Händen in und auf das Wasser. Richtige Melodien kommen dabei zustande! Als wir Kurt davon auf der Funke berichten, will er wissen, ob die Mädchen nackt ins Wasser steigen – natürlich nicht ! Ei, ei, Kurt...... 


3. September 2003


Nun sind wir wieder in Luganville und lassen uns morgen von unserem Generator überraschen! Aber das erfahrt ihr erst beim nächsten mal! Soviel für heute! Macht’s gut, lasst es euch gut gehen und vergesst uns nicht!


Reisebericht 38

Luganville-Port Vila


5. September 2003

Bevor wir Luganville verlassen, will ich noch ein paar Erinnerungen an dieses Städtchen festhalten. Zunächst mal: der Generator war fertig als wir zu der Werkstatt kamen, und unser Trolley war auch ordnungsgemäß am Resort abgegeben worden – also hatten sich unsere Segelfreunde doch um alles gekümmert. Wir blätterten die vereinbarten 30.000 Vatu (250 Euro) auf den Tisch, Spende an die Schule in der Banam Bay. Aber auch wir lernen immer wieder dazu.

 

Luganville wäre keinen Besuch wert, wenn hier nicht Taucher aus aller Welt herkämen, um wenigstens einmal die „President Coolidge“ gesehen zu haben. Sonst bietet das Städtchen nicht viel, natürlich ist es der Nabel der mittleren Vanuatu Inseln. Es gibt 2 Banken, eine Post, ein Internet-Shop, 2 Cafes, einen Markt und etliche Läden, die sich gesichtslos an der schnurgeraden und einzigen Strasse aufreihen. Diese Läden sind ein Kuriosum. Sie werden allesamt von Chinesen geführt, sind in ihrem Inneren dunkel und fast unergründlich und man bekommt dort alles, was das Herz begehrt, wobei jeder Laden geringfügig anders sortiert ist: diverse Lebensmittel, Frischfleisch, Brot, Muscheln, Geschirr, Schuhe, Porzellanfiguren, Angelsachen, Bücher, Batterien, Filme, T-Shirts, Regenschirme, Flossen, Holzschnitzereien und vieles andere, das mir jetzt bestimmt nicht einfällt, aber das ich morgen ganz sicher brauche.

 

Von Luganville segelten wir weiter zur Insel Ambae, wo unsere Segelfreunde Katti und Werner seit 3 Wochen mit nicht einsetzbarem Motor bewegungslos in einem Kratersee verharren, aus dem sie alleine nicht mehr heraus kommen. Wir hatten versprochen, sie heraus zu schleppen. Die beiden sind in dem kleinen Dorf schon fast eingemeindet, und wir wurden nun auch herumgeführt und überall bekannt gemacht. Nachdem wir noch einen jungen Amerikaner eingeladen haben, der hier mit seiner Frau für das Peace Corps arbeitet und irgendwelche landwirtschaftlichen Projekte betreut, vertäuen wir die „Freiheit“ an unserer Steuerbordseite und machen uns um 6.30 Uhr in der Frühe bei einigermaßen hohem Wasserstand auf den Weg über den Kraterrand. Es klappt alles bestens, obwohl es schon spannend ist, und als wir weit genug draußen sind und die Leinen an den Klampen zerren, lassen wir die „Freiheit“ los und segeln nebeneinander nach Asanvari (Maewo). Asanvari ist angeblich das schönste Dorf in Vanuatu und das wollen wir gerne noch ansehen.

 

Asanvari ist wirklich anders als die anderen Dörfer und insofern nicht typisch für Vanuatu. Es ist ausgesprochen gepflegt, mit kleinen Wegen, die links und rechts von Korallenbrocken und Blumen gesäumt sind. Die Gärten stehen voll Blumen, alles ist sauber gerecht und bildschön. Die kleine Kirche hat in ihrem Innern einen Sandboden und Mini-Bänkchen, überall stehen Blumensträusse, es sieht fast aus wie ein Kinderhaus, gar nicht wie eine Kirche. Gleich beim Dorf gibt es einen Wasserfall, wo die Frauen aus dem Dorf und die Segler ihre Wäsche waschen. Aus dem oberen Teil des Wasserfalls wird Wasser abgeleitet und zur Bewässerung von Terrassengärten verwendet. Solche Gärten haben wir in Vanuatu bisher nicht gesehen, die Leute hier sind also schon irgendwie erfinderischer und vielleicht auch fleissiger als andere.

Die Einheimischen führen am Abend ihre Tänze auf, wir trinken mit ihnen Kava und sie haben ein Essen vorbereitet – es ist schon fast zu perfekt, aber der „Jif“ ist clever und geschäftstüchtig genug.

 

Unsere „Kreuzfahrt“ durch Vanuatu geht weiter. Nachdem wir die „Freiheit“ zumindest vorläufig gerettet haben, müssen wir wieder in die Banam Bay, um den Generator abzugeben. Wir werden schon sehnlichst erwartet und unsere Ankunft wurde schon über diverse Funknetze angekündigt. Wir bringen den Generator zur Schule und werden von den Kindern freudig begrüßt. Was wir vorher nicht wussten: der Generator wird auf dieser relativ wohlhabenden Insel in erster Linie fürs Fernsehen verwendet. Nachdem wir in den Banks Islands waren und gesehen haben, wie einfach die Menschen dort leben, haben wir vielleicht einen Fehler gemacht – das Geld bzw. der Gegenwert davon wäre auf den Banks wahrscheinlich dringender gebraucht worden. Nun gut – wir werden üppigst beschenkt mit mehreren Langusten, Pampelmusen und Papaya; sie lassen sich nicht lumpen!

 

Und auf geht’s, noch mal hin und her, Hans, Eva und Lola („Ophelia“) sind in der Lamen Bay und wir wollen die 3 noch gerne sehen. Also geht’s zur Lamen Bay, wir essen dort zusammen zu Abend, und dann heben wir unseren Anker und düsen über Nacht nach Port Vila.

Am Montag klarieren wir hier aus, dann dürfen wir zollfrei einkaufen und am Dienstag geht’s dann weiter, mit einem kurzen Stopp auf der Insel Tanna, nach Neukaledonien.

Fazit von Vanuatu: eines der schönsten Länder, das wir bisher gesehen haben! Hier könnten wir noch ein Jahr bleiben und hätten keine Langeweile!

Soviel für heute – herzliche Grüsse, wir hoffen, es geht euch allen gut!

Viele, viele Grüsse aus Port Vila von Renate und Manfred, dem Hummerkocher


Reisebericht 39

Port Vila – Nouvelle Caledonie Ile des Pins,

24. September 2003

 

Ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich mich an den PC setze und feststelle, dass Wochen vergangen sind, seitdem ich das letzte mal etwas notiert habe, und trotzdem ist alles noch ganz frisch.

Wir haben uns schweren Herzens von Vanuatu verabschiedet, dies war bzw. ist eines der Highlights unserer Reise bisher. Port Vila selbst ist nicht so toll, aber es hat zumindest den Vorteil, dass man hier alles einkaufen kann, was man so braucht. Da wir hier für Neukaledonien ausklarieren, ist das insbesondere für Alkoholika, Zigaretten und Diesel wichtig, da wir das alles zollfrei erhalten. Mit den erforderlichen Papieren machen wir uns auch gleich auf den Weg und klappern alle einschlägigen Läden ab. Schließlich sind alle Schapps wieder gefüllt, fehlt noch Diesel. Manfred hat die Idee, selbst bei Shell anzurufen und sich nach dem Preis zu erkundigen, und siehe da, anstatt 89 Vatu/Liter in der Marina bezahlen wir nur 69 Vatu/Liter, bei 1 Tonne ist das ganz ordentlich, dafür gehen wir abends noch mal aus.


Ein Segler hat hier sein Boot verloren.

 

 

 

 

 



Trotz Winfrieds Warnung vor zu wenig Wind starten wir in Richtung Tanna, 120sm süd-östlich. Prompt müssen wir einen Tag und eine Nacht lang motoren, kommen aber dafür bei Helligkeit in Port Resolution an. Port Resolution ist die einzige, einigermaßen geschützte Ankerbucht von Tanna, mit einer schwierigen Einfahrt, da sich einige Felsen unter Wasser vor der Einfahrt befinden, die man nicht sehen kann. Wir haben die Einfahrtkoordinaten zuvor von einem Amerikaner erhalten und fahren stur nach diesen Wegpunkten – Diskussionen gibt es hier nicht, eher vorsichtige Augen, denn vom Riff leuchtet uns die neue amerikanische Yacht entgegen, die hier vor einigen Wochen auf die Felsen gelaufen ist.

 

Wir treffen hier auf 2 Amerikaner, die wir im letzten Jahr in Manihi getroffen haben. Sie haben gerade von den Einheimischen einige Hummer erhalten und wollen sie in der Thermalquelle kochen – wir springen gleich ins Dinghi und fahren hinüber zu den Felsen. Dort befindet sich tatsächlich ein kochender Felsenpool, in dem schon das Netz mit den Hummern hängt. Das heiße Wasser läuft aus dem Pool herunter und mischt sich dort mit kühlem Meerwasser. Dies ist ein echter Felsenpool – im Gegensatz zu den künstlichen, die man gelegentlich in schicken Hotels findet. Dort hocken wir nun, zwischen den Felsen, ab und zu erwischt uns eine Welle und wirbelt uns durch den Pool oder wir verbrennen uns die Finger an winzigen heißen Quellen unter Wasser, aber wir sitzen mindestens eine Stunde, bis wir total aufgeweicht und die Finger ganz schrumpelig sind. Das ist unsere erste Begegnung mit dem vulkanischen Tanna. Tanna besitzt den einzigen Vulkan auf der Erde, auf dessen Kraterrand man hinaufgehen kann – er heißt Mount Yasur.

 

Wir sind 13 Personen, die sich für den Ausflug zum Yasur angemeldet haben. Ist auch schon recht teuer hier – in Tanna haben sie die Einkunftsquelle aus dem Tourismus bereits voll begriffen, wir zahlen 3500 Vatu pro Person (ca. 28 Euro). Auf einem Allrad-Pickup werden wir über staubige Dschungelstrassen unter enormen Banyan-Bäumen und Baumfarnen zu den Aschefeldern unterhalb des Vulkans gefahren. Es ist später Nachmittag, so dass wir zum Sonnenuntergang auf dem Kraterrand stehen und danach dem Schauspiel von Yasur zuschauen können. Wie soll ich das beschreiben? Touristen dürfen nur dann auf den Kraterrand, wenn der Vulkan in „Stufe 1“ spuckt, ab Stufe 2 ist es zu gefährlich, denn dann fliegen die glühenden Brocken bis auf den Kraterrand.

 

Heute ist „Stufe 1“ – sonst wären wir nicht hier, aber auch das ist schon sehr heftig. Der Vulkan spuckt ständig Lava aus und etwa alle 20 bis 40 Minuten gibt es eine heftigere Eruption, die von lautem Getöse, etwa wie überlautes Klappern von Blechdosen, begleitet ist. Dabei fliegen die Brocken durchaus bis zum Kraterrand.

Bei uns in Deutschland hätten der TÜV oder das Gewerbeaufsichtsamt die Vulkan-Besuche sicher schon längst verboten, aber nach deren Willen wären wir bestimmt schon in dem Pickup keinen Kilometer weit gefahren.

 

Auf einem Felsbrocken am Kraterrand sitzt ein junger Mann aus einem Dorf und erzählt uns die einheimischen Sagen über Yasur – Yasur heisst „Gott“, ist „Gott“. Gott ist manchmal gut, manchmal erzürnt, dann geht man besser nicht hinauf. Nach der Legende ist Yasur der große Krater, die kleineren Nebenkrater sind seine Frauen und seine Kinder.

Wir haben ihm von den Sagen der Einheimischen der Insel Ambrym erzählt, wo auch zwei Vulkane aktiv sind, aber darüber konnte der junge Mann von Tanna nur ungläubig den Kopf schütteln. Ambrym gehört zwar auch zu Vanuatu, aber das ist so weit weg und gehört in eine andere Welt....

 

Natürlich machen wir auch noch einen Spaziergang zum Strand und den Felsen, wo die zerbrochenen Reste der „Coco Lady“ liegen. Sie war erst ein Jahr alt! Die Yacht lag in der Bucht von Port Resolution, das Wetter war schlecht, und irgendwie bekam der Skipper wohl die Panik, auf jeden Fall sind sie bei Dunkelheit ausgelaufen und haben die Kurve zu früh genommen. Die Mannschaft einschließlich der Eignerin kletterte irgendwie an Land, klärte die Versicherungslage und reiste ab – die Bergung des Schiffes, d.h. der Innereien, übernahmen andere Yachties und die Leute aus dem Dorf, ein echter Knochenjob, denn sie schafften immerhin auch den schweren 6-Zylinder-Dieselmotor und den Generator heraus. Manfred liebäugelt nun mit dem 60kg-Edelstahl-CQR-Anker, der zusammen mit anderen Teilen in einer Hütte beim Chief eingeschlossen ist. Wir unterbreiteten ein Angebot, über das nun ein Komitee berät, aber wie wir die Ni-Vanuatu kennen gelernt haben, dauert das Tage, also entschlossen wir uns zur Abreise. Kurt und Helena kommen in ca. 3 Wochen und ggfs. bringen sie uns den Anker dann mit. Eine Hand wäscht die andere...

 

Wir segeln weiter in Richtung Neu Kaledonien. An der Küste von Tanna grüßen uns noch zwei große Wale, die sich hier vergnügen.

Nach zwei Tagen und fast zwei Nächten (220sm) erreichen wir die Riff-Durchfahrt von Neu Kaledonien, die Havanna Passage. Wir haben Glück, die Tide stimmt, das Wetter ist ruhig und wir rauschen nachts um 2 Uhr mit 8,5 Knoten durch die Riffpassage. Von dort aus ist alles perfekt befeuert, die Seekarten stimmen haargenau – wir sind wieder in Frankreich - und das Radar tut seinen Dienst, so ist die Nachtfahrt durch die Lagune für uns kein Problem. Inzwischen sind wir recht routiniert in solchen Sachen. Um 8.30 Uhr früh sind wir in der Marina in Noumea. Überall an den Stegen liegen Segler, die wir von irgendwoher kennen: hier trifft man sich wieder. Noumea ist für fast alle ein technischer Stopp, nur wenige bleiben hier, die meisten ziehen weiter nach Neuseeland oder nach Australien, um dort die Zyklonsaison zu verbringen, denn Neu Kaledonien liegt noch mitten in der Zyklonzone.

 

Wir bleiben nur zwei Tage, um einzuklarieren und unsere Vorräte an Frischem aufzufüllen. Leider hat uns der Quarantäne-Mann alle Früchte weggenommen, glücklicherweise hat er das Gemüse und den Salat in der Kühlbox nicht entdeckt. Ach, wie trauern wir Vanuatu nach! Alles ist sauteuer, es gibt keine Papayas, keine Pampelmusen, keine Zitronen, keine Bananen, dafür guten Käse und französischen Wein, beides auch billiger als in Vanuatu – aber das dürfte der einzige Vorteil sein. Im übrigen sind die Leute ausgesprochen unfreundlich, und die Stadt ist hässlich.

 

Gestern früh sind wir dann auch wieder aus dem stinkigen Hafen ausgelaufen. Uns ist schon in Tahiti aufgefallen, wie wenig Gedanken sich die Franzosen um die Wasserverschmutzung machen, das ist hier keinen Deut besser. Es landet einfach alles im Hafenbecken. Igitt!

 

Vor unserer Abreise mussten wir noch klären, ob wir hier Unterwasserfarbe zollfrei kaufen können, dabei entdecken wir einen Fachhändler für Marine-Instrumente. Unser blöder Autopilot hat jetzt endgültig ausgespielt. Es ist einfach unerträglich und zu gefährlich, denn bei bestimmten Wind- und Seeverhältnissen steigt er einfach aus, und das seit Anfang an. Nun denken wir daran, einen neuen einbauen zulassen, bevor Manfred sich auf den Weg nach Australien macht.

 

Das erledigt, machen wir uns auf den Weg in Richtung Ile des Pins, wo wir noch einige Tage bleiben wollen. Wind und Wellen von vorne, Manfred flucht, hat er doch gerade das ganze Schiff so schön geputzt. Wir ankern in einer Bucht an der Insel Ouen, nur weg von Noumea!

Es ist ganz ruhig hier, ein betörender Duft strömt uns entgegen, hier wachsen Sandelholzbäume! Die Berge, die die Bucht umgeben, sind aufgefurcht und leuchten rot in der Abendsonne. Das Gestein ist sehr mineralhaltig und die eifrigen Kolonialherren haben entdeckt, dass es in Neukaledonien riesige Nickelvorkommen gibt und dies in großem Stil abgebaut. Überall sieht man die aufgerissene Erde, es sieht aus wie riesige blutige Wunden.

 

Eine Nacht vor Anker und dann am nächsten Tag noch 40sm durch die Riffe der Südlagune, dann erreichen wir die Baie de Kuto an der Ile des Pins, wo Christian und Hannelore aus Neuseeland schon auf uns warten.


Ein verdientes Mittagsschläfchen (:-))

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Heute haben wir den einzigen und höchsten „Berg“ der Insel bestiegen, den Pa N’ga, der 262m hoch ist, na wenn das nix ist! Jedenfalls war die Aussicht von oben bezaubernd und Manfred hatte am Ende sogar Blasen an den Füssen. Von oben hat man einen herrlichen Rundblick über die gesamte Insel mit ihren zahlreichen Buchten und Riffen. Die Insel selbst ist von dichtem Gestrüpp bewachsen. Im 19. Jahrhundert kamen Engländer und Australier hier an und holzten innerhalb von 2 Jahren den gesamten Bestand an Sandelholzbäumen ab; danach machten sie sich über die Bestände auf den Loyalty Islands und der Ostküste der Grande Terre her. Als das erledigt war, pflanzten die Franzosen hier ihre Flagge auf und rissen die rote Erde Neukaledoniens auf, um die Nickelvorkommen abzubauen. Die Ureinwohner, die Kanaken, wurden zu alldem nicht gefragt, ihr Land wurde annektiert und sie waren allenfalls als Sklaven und Arbeiter in den Minen gefragt.

 

Am letzten Wochen wurde hier auf der Ile des Pins der 150. Jahrestag der „Prise de Posession“ gefeiert. Dazu stellten einige Einheimische den Einzug der ersten Missionare, die „Bekehrung“ und danach den Kampf der Franzosen gegen die Engländer symbolisch in Tänzen dar. Die damalige Königin Hortense setzte sich für eine friedliche Übernahme ein und vermittelte zwischen Franzosen und Engländern. Neukaledonien hat heute wie Französisch Polynesien den Status eines „Département d’Outre-Mer“, d.h. Neukaledonien ist in der Französischen Nationalversammlung mit Sitz und Stimme vertreten und erhält auch kräftige finanzielle Unterstützung von Frankreich und der EU. Trotzdem gibt es eine starke Unabhängigkeitsbewegung der Kanakés, die einen eigenen Staat (Kanaky) anstreben.

 

Die Ablehnung der Weissen, vor allem der Franzosen, durch die dunkelhäutigen Kanaken ist ganz offensichtlich: in Noumea fiel uns das schon auf, und auch hier auf der Insel ist die spontane Herzlichkeit, die wir in Vanuatu kennen gelernt haben, nicht vorhanden. Ein Schweizer Segelfreund, Leo, regte sich so darüber auf, dass er sich schon ein Schild umhängen wollte: Je ne suis pas Francais – als ich sagte, er solle doch lieber draufschreiben: je suis Suisse, meinte er, dass das ja doch niemand kennen würde. Aber ich denke, da unterschätzt er die Kanaken.

 

Auf dem kleinen Markt in Vao hatten wir unseren Spass. Man muss sehr früh da sein, um die besten Sachen zu ergattern, es ist ein sehr kleiner Markt, also heisst es: schnell sein! Man sucht die Dinge aus, die man möchte und bringt es zu einer Dame, die Gewicht, Preis und Gemüseart in ein Heft einträgt und den Preis ermittelt. Dort wird dann auch bezahlt. Wir waren zusammen mit Hannelore, Christian, Ilya und David gekommen und alle waren eifrig dabei, Zeug zusammenzutragen, ich hatte den Job an der Kasse, es war ein bisschen chaotisch, so dass mich ein Franzose fragte, ob ich Hilfe brauche – désirez-vous de l’aide? Um mich herum ein ziemlicher Lärm, so verstand ich „salade“ anstatt „l’aide“, der Franzose wiederum „non, non, de l’aide, A...I...D...E, du ju niid elp?“

Da wir an dem Tag auch unseren 8. Hochzeitstag feierten, schenkte mir Manfred einen grünen Hut aus frischen Bananenblättern, geschmückt mit lila Bougainvilleen.

 

Nun, wir genießen zur Zeit die schöne Lagune hier um die Ile des Pins, machen Spaziergänge an den endlosen, puderfeinen Sandstränden auf der Suche nach leeren Gehäusen der Nautilus-Schnecke. Heute waren wir allerdings nicht alleine am Strand: hier ringeln sich zahlreiche schwarz-weiß oder braun-schwarz gestreifte Schlangen, nicht in friedlicher Absicht! Ohne Schlangen-Besuch haben wir mit Hannelore und Christian (Donella) sowie mit Ilya und David (Sinabada) ein Strand-Picknick veranstaltet. Christian war fischen und hat gute Beute mitgebracht. Die Fische wurden am Strand geräuchert und jeder brachte eine Schüssel Salat und Getränke mit, so bleibt heute die Schiffsküche kalt. Ich genieße im Moment noch meine letzten paar Tage in der Sonne, denn am Samstag, den 4.10. mache ich mich auf den Heimweg. In Deutschland ist es dann noch Freitag Abend; ich fliege über Nadi/Fidji, Los Angeles und London nach Frankfurt und komme dort am Sonntag Nachmittag an. Was sind 2 Tage Reisezeit gegen 5 Jahre, die wir gebraucht haben, um hierher zu kommen? Manfred wird sich dann irgendwann auf den Weg nach Australien begeben, das Ziel ist noch nicht ganz fest, aber er wird wohl in Bundaberg einklarieren, dort soll es nicht ganz so bürokratisch zugehen. Wir werden berichten.

A bientôt, herzliche Grüße von Renate und Manfred



 

 

Reisebericht 40

 

Scarborough - Australien


Freitag, 30. Januar 2004

Ihr Lieben alle zu Hause,

gestern Abend erhielt ich einen Anruf von meinem lieben Mütterchen, die sich Sorgen um uns macht, weil sie angeblich schon seit über einem Monat nichts von mir gehört hat. Also, die Zeit vergeht hier zwar schnell, aber so schnell nun auch wieder nicht. Ich bin jetzt erst 3 Wochen hier!

 

„Hier“ ist Scarborough, 30km nördlich von Brisbane, an der Ostküste von Australien. Scarborough ist einer der Anlaufhäfen für die Fahrtensegler, weil man alles hier in der Nähe bekommt, was man als Segler so braucht, Brisbane mit seinem internationalen Flughafen ist nicht weit, und vor allem liegt es außerdem der Zyklon-Zone. In den tropischen Breiten gibt es nicht „Sommer“ und „Winter“, sondern Regenzeit und Trockenzeit. Jetzt ist der „Tropical Summer“, d.h. Regen, Wärme, Stürme und Zyklone nördlich von hier. Weiter südlich ist es sommerlich warm. Der Winter hat sich auf die nördliche Erdhalbkugel verzogen.

Hier in Scarborough herrschen tagsüber zwischen 30 und 35°C, die Luft ist feucht-warm und am Abend gibt es meist krachende Gewitter. Geschwitzt wird ordentlich!

 

La Rossa lag hier seit Manfreds Abreise Ende Oktober in der Marina, und als er am 1.1.2004 wieder hier ankam, war sie soweit in Ordnung...

Erst mal wurde sie aus dem Wasser gehoben und das Unterwasserschiff gereinigt, dann brachte Manfred höchstpersönlich das neue Antifouling auf – eine grauenhafte Arbeit und eine ungesunde Kleckserei. Da am Rumpf etliche Schrammen und Kratzer waren, hatte Manfred eine Firma beauftragt, die diese Stellen ausbessern und neu spritzen sollte. Eigentlich sollte bis zu meiner Ankunft am 8.1. alles fertig sein, aber es war natürlich nicht so, denn für diese Arbeit muss einfach alles stimmen: man kann nicht spitzen, wenn es regnet, es darf auch nicht windig sein, da sonst alles in der Umgebung auch rot wird, zu warm darf es nicht sein, außerdem arbeiten sie nicht vor 8 Uhr und nicht nach 17 Uhr, d.h. die Arbeitszeit liegt genau in der größten Hitze, und natürlich auch nicht am Wochenende ... mit anderen Worten: es dauerte nochmals 2 volle Wochen, bis der Anstrich endlich so war, dass wir ihn akzeptieren konnten. Die sogenannten Fachleute ernennen sich hier anscheinend auch selbst zu solchen, wir haben in der Zwischenzeit nun mehrfach erfahren, dass einer, der sich „Fachmann für XYZ“ nennt, dies nicht unbedingt ist, sondern dass er vielleicht unter den Blinden nur der Einäugige ist.

 

In der Zwischenzeit hatte sich herausgestellt, dass eines der heftigen Gewitter unsere Antenne (VHF, Amateurfunk und Fernsehen) sowie den Smart Tuner vom Funkgerät zerstört hatte. Ohne Funk kein Wetter, keine Nachrichten, kein email, und VHF ist im Küstenbereich vorgeschrieben.

Um erreichbar zu sein, hatte Manfred einen provisorischen Internetanschluss über die Marina gemietet, so erhaltet ihr derzeit unsere emails ganz normal über das Internet, ab morgen (31.1.) dann allerdings wieder über Funk, also ab jetzt bitte keine emails mehr an La-Rossa@t-online.de, denn das können wir dann nur noch aus Internet-Cafes abfragen.

Praktisch war, dass wir die ganze Zeit einen richtigen Internet-Anschluss hatten und einiges, was jetzt wichtig war, aus dem Internet heraussuchen konnten. Alles hat seine Vorteile! Nachteil war, dass wir 3 Wochen über eine Leiter aufs Schiff klettern mussten und La Rossa total verdreckt war.

Seit längerem schon beobachten wir, dass sich die schwarze Vergussmasse auf dem Teakdeck stellenweise verflüssigt. Es beginnt damit, dass es an den Füssen klebt und geht dann so weiter, dass die schwarze Schmiere überall herumgetreten wird. Es hilft also nichts, die schlechten Stellen müssen umgehend ausgebessert werden. Da wir jeden Tag etwa 10 neue Schadstellen entdeckten, hatten wir tagelang zu tun und haben in den Zwischenzeit fast ¼ des ganzen Decks ausgebessert. Das ganze natürlich in glühender Hitze.

 

Seit einigen Tagen sind wir nun wieder schwimmende Gäste. Nun kamen auch die diversen Pakete mit den Ersatzteilen an: das bedeutet jedes Mal eine Fahrt nach Brisbane zum Flughafen, Spedition und Zoll aufsuchen, jedes Mal Papiere ausfüllen und den lahmen Beamten bei der Arbeit zusehen. Aber auch der Inhalt der Pakete ist immer eine Überraschung.

Gestern beispielsweise kam die neue Antenne an, die Lieferfirma hatte, um das Paket besser verpacken zu können, alles demontiert, aber leider vergessen, die Schrauben dazu zu legen. Wir mussten also heute wieder nach Brisbane zu einer Spezialfirma, um die passenden Schrauben zu kaufen.

Der neue Smart Tuner kam an, aber das neue Modell hat nur noch entfernte Ähnlichkeit mit dem vorherigen. Kein Wort der Erläuterung dazu. Also mussten wir gemeinsam mühsam verrenkt Lötstellen anbringen, aber es funktioniert wenigstens.

 

Das schärfste ereignete sich vorgestern. Wir hatten neue Batterien bestellt, 5 grosse neue Dienstbatterien und 2 Starterbatterien. Der gute Mann rief an um uns zu informieren, dass die Batterien da seien, aber nach guter australischer Sitte ist ja immer alles easy und bestens, so hatte er nicht den Mut zu sagen, dass er die 2 Starterbatterien offensichtlich vergessen hatte zu bestellen. Das erfuhren wir erst als er neben dem Schiff stand und 1001 Ausreden parat hatte, weshalb die Starterbatterien nicht da waren. Das wäre im Prinzip kein grosses Problem, nur: eine Batterie wiegt 77kg und die Starterbatterien können später erst eingebaut werden, wenn man die 5 mal 77kg mal schnell wieder herauslupft.

Der gute Mann kam auch noch alleine, nach dem Motto, lieber Kunde, du bist ja gross und kräftig...  Während Manfred (!!!) schliesslich die Batterien anschloss, wollte der wundersame Lieferant – auch so ein eigenartiger „Fachmann“ - von mir dann auch schon die Kreditkarten-Nr. ...

 

So, nun höre ich auf mit dem Gejammere. Ich schreibe das alles nur, damit ihr wisst, warum wir noch nicht auf dem Wasser sind. Wir sind einfach noch nicht fertig.

Zwischendurch gehen wir einkaufen im klimatisierten Shopping Center und erholen uns von der Hitze. Abends sind wir meistens total groggy, allerdings waren wir gestern im RSL Club, das ist die „Redcliffe Senior League“, dort kann man montags und mittwochs zu zweit für nur 13 AUD essen. Das Essen war mässig und das Publikum zum piepen; die „Seniors“ fingen irgendwann an zu tanzen, die Daumen in den Hosentaschen, tanzen sie so etwas wie „Reigen“, oder heisst es „Square Dance“? Ich glaub, ich muss da auch für 13$ nicht mehr hin, lieber hungere ich.

 

A propos hungern: ich gehe fast jeden Morgen laufen, es gibt hier ein paar verrückte Weiber, die schon um 6 Uhr auf die Piste gehen, da ist es noch nicht so heiß und es sind schon richtig viele Leute unterwegs, viele mit Hunden und etliche Walker und Jogger. Wir laufen 8km, das reicht bei dem Wetter! Montags und mittwochs gehe ich mit einer Amerikanerin zum Yoga, das habe ich vorher noch nie gemacht, ist aber richtig gut.

Letzte Woche war der Beginn des Chinesischen Neujahrs (Jahr des Affen); dazu fuhren wir nach Brisbane in die Chinatown und speisten zu Abend, 7 köstliche Gänge, und dazu kamen die roten Drachen und tanzten um uns herum und machten einen Höllenlärm. Um 9 Uhr war der ganze Neujahrszauber schon vorbei und wir gingen in die Parallelstrasse, wo einige Pubs sind. Viel junges Volk, und endlich auch einmal ein paar schicke Mädels, aber die Männer sind zum Abhaken, sie sehen alle gleich aus. Wir wollten in einem Pub Bier holen, ging aber nicht, denn die Männer hatten zwar Polohemden an, aber Sandalen an den Füssen, da wird kein Bier serviert! Gnadenlos! Die youngsters mit den ärmellosen Shirts und kurzen Hosen, aber Boots an den Füssen, bekamen ihr Bierchen. Ungerecht ist die Welt. Frauen werden übrigens auch bedient, wenn sie Sandalen tragen!

 

Gestern holten wir in Brisbane noch unser Cruising Permit, mit dem wir uns in Australien per Boot bewegen dürfen. Dazu mussten wir zum Zoll in der Innenstadt, gleich in der Nähe der Einkaufsstrasse. Wir schauten uns ein wenig um und beäugten die Business People, die zum lunch unterwegs waren.

 

Nun haben wir noch alle Schapps voll Proviant geladen und wollen eigentlich in Kürze aufbrechen, sofern wir mit den wichtigsten Arbeiten fertig sind. Im Grunde kann man sich in einer Marina richtig festsetzen. Man lebt ähnlich wie zu Hause, arbeitet und pusselt den ganzen Tag am Schiff vor sich hin, kennt etliche Leute, mit denen man sich trifft oder ein Schwätzchen hält, fährt in die Stadt, um irgendetwas einzukaufen, abends wird in die Flimmerkiste geguckt, aber dafür sind wir nicht hier!! Wir wollen nun endlich los und wieder mal segeln und von diesem Marina-Leben weg.

 

Denkt daran: ab sofort nur noch an DQTP@sailmail.com, aber bitte ohne Anhaenge , Bilder u.ä. und nicht zu lang!

 

Für heute ganz viele herzliche Gruesse von Renate und Manfred, dem Marina-Geist

  

 

Reisebericht 41

Sydney - Australien

Dienstag, 17. Februar 2004

 

Wie ihr seht, hatte die ganze Schufterei in Scarborough einmal ein Ende. Wir haben uns schon überlegt, ob wir eine Liste aller durchgeführten Arbeiten und Reparaturen (mit Preisen) als Download-Datei ins Internet stellen sollen – für die schiffstechnisch interessierten Freaks; bisher existiert nur eine handgeschriebene volle Seite im Logbuch (ohne Preise!). Bis auf den neuen roten Aussenanstrich hat Manfred alle Arbeiten selbst durchgeführt, mir blieben die lästigen Nebentätigkeiten wie z.B. putzen und Schraubenschlüssel anreichen u.a.

Unsere Nerven waren zum Zerreissen gespannt. Am Abend vor der geplanten Abreise hatte Manfred noch einmal das halbe Schiff zerlegt, um den neuen Autopiloten zu installieren, alle Decken waren offen und überall hingen Kabelstränge heraus, der Inhalt etlicher Schränke war herausgeräumt – ich war den Tränen nahe, und eine Abreise am nächsten Morgen war nicht in Sicht. Manfred arbeitete bis tief in die Nacht, und am nächsten Morgen lief alles wie von Zauberhand. Ich machte mit Tina, die mit ihrem Mann Dennis unser Auto nach Sydney bringen sollte, noch eine kleine Rundfahrt: ein neuer Autoreifen und ein Ersatzschlüssel fehlten noch, voll tanken usw. Als ich zum Schiff zurückkam, war alles picobello und startbereit. Meine Nerven hatten sich wieder beruhigt, der Wetterbericht von der Coast Guard war günstig und so legten wir um die Mittagszeit ab.

Start laut Logbuch: 7.2.2004, 12.30 Uhr

 

Da der Wind meistens günstig aus NE bzw. E wehte, entschlossen wir uns, nirgends anzuhalten, sondern bis Sydney zu segeln. Der neue Autopilot machte seine Sache hervorragend, obwohl wir ihn noch nicht einmal vollständig kalibrieren konnten. Er stieg kein einziges mal aus! Wer schon mit uns mitgesegelt ist, kann ein Lied davon singen! Der „Neue“ arbeitet sogar bei achterlichem Wind perfekt!

 

Am 10.2. erreichten wir spät nachmittags die Hafeneinfahrt von Sydney. Der grosse Naturhafen nennt sich Port Jackson. Auf dem Wasser herrschte ein Betrieb wie zur Rush Hour in New York, überall Fähren (die haben immer Vorfahrt), Segler, Motorboote, Taxiboote und zu guter letzt noch ein Regattafeld aus kleineren Segelbooten. Dazu gibt es Bojen und Schifffahrtsstrassen zu beachten. Wir legten in einer Marina an verbotener Stelle an und warteten erst mal den nächsten Morgen ab. In der Nachbar-Marina bekamen wir schliesslich einen Liegeplatz angeboten, vorerst ohne zu wissen, wo wir da waren. Der Marina-Verwalter ist Deutscher, deshalb hat er uns vielleicht nicht wieder weggeschickt. Auf jeden Fall liegen wir hier im elitären Cruising Yacht Club of Australia (CYCA), dessen Mitglieder vornehmer sind als Queen E. persönlich, zumindest tragen sie ihre Nasen höher. „Good morning“ oder „hello“ is hier nich, man guckt durch einen durch oder lässt gucken.

Es ist nicht erlaubt, die Schiffstoiletten zu benutzen, will man aber zum Pipi machen in den Club, dann wird man beäugt und befragt, woher und wohin und warum überhaupt...

 

Der CYCY wurde während des Kriegs gegründet, als alle anderen Yachtclubs ihre Aktivitäten eingestellt hatten. Sie veranstalteten 1945 das erste „Sydney to Hobart Race“ und sind bis heute die Ausrichter dieses berühmten Rennens. Neben, hinter und vor uns liegen ausschliesslich Rennyachten, d.h. leere Carbonschalen mit riesig hohen Masten, einem Steuerrad, das fast so gross ist wie das Schiff breit und an Stelle von normalen Winschen befinden sich „grinder“. Mehrmals in der Woche finden Rennen statt.

 

Wir wollen ja hier auch nichts weiter, lediglich mal Sydney anschauen. Tina und Dennis waren inzwischen auch mit unserem Auto angekommen, es hatte die Fahrt gut überstanden. Da es schwierig ist, einen Parkplatz zu finden, kauften wir uns für 40$ pro Person ein Wochenticket, mit dem man alle Busse, Bahnen und Fähren unbegrenzt benutzen kann.

 

An unserem ersten Tag fuhren wir natürlich erst mal in die Innenstadt zum Circular Quay. Dort spielt sich alles ab, was Touristen sehen müssen. Da Sydney eine Stadt am Wasser ist, ist das hier natürlich auch die Hauptattraktion: der Hafen mit der berühmten Harbour Bridge und auf der rechten Seite das Opera House, dessen Anblick bestimmt jeder von Bildern her kennt, spätestens seit der Olympiade 2000. „The Rocks“ ist der älteste Stadtteil von Sydney und wurde in den letzten Jahren recht puppenhaft restauriert und mit Bars, Cafes und Restaurants ausgestattet. Ich hätte gerne den „Harbour Bridge Climb“ mitgemacht, aber es kostet pro Person 150$, dafür steigt man in Gruppen von 10 Personen hintereinander angeleint auf die Brücke, bestimmt toll, aber nicht für 150$.

 

Am Circular Quay legen auch die grossen Passagierdampfer an, die wegen ihrer Höhe nicht unter der Harbour Bridge durchfahren können. Der eigentliche Hafen liegt nämlich dahinter, Darling Harbour. In Darling Harbour wurde zur Olympiade alles umgebaut: riesige Einkaufszentren, Hotels, Dutzende Restaurants, ein Chinesischer Garten, Museen usw. Es ist wie ein riesiges Disneyland. Home of the Whopper.

Aber Sydney hat auch schöne Stellen, so durchwanderte ich an einem Samstag Nachmittag, als Manfred irgendetwas elektronisches reparieren wollte, den Botanischen Garten. Er ist wirklich sehenswert. Einige ältere Gebäude stehen in dem Park, u.a. eine grosse Kirche, St. Mary’s Cathedral, ein riesiges neugotisches Monster, das mich irgendwie ans „Gotische Haus“ in Bad Homburg erinnerte, nur viel, viel grösser... In der für Betende und Ruhe suchende abgetrennten Abteilung knutschte ein Pärchen, von wilden Seufzern begleitet, und weiter hinten fand gerade eine Mafia-Hochzeit statt.

 

Da unser Wochenticket auch Fahrten mit den Fähren beinhaltet, machten wir eine Flussfahrt auf dem Parramatta River und konnten sehen, wo die reichen Leute hier wohnen; ihre Villen stehen am Flussufer, die Schiffe liegen oft direkt davor, oder an Bojen bzw. in einer Marina. Wassersport wird hier ganz gross geschrieben.

Am Sonntag hatten wir einen Besuch im Opera House gebucht. Da wir anstelle einer Führung lieber ein Konzert hören wollten, hatten wir Karten für ein Percussions Konzert mit den Peking Red Poppy Ladies gekauft. Wir wollten schon Ohrschützer und Fernglas mitnehmen, hatten aber beides glücklicherweise vergessen; die Ohrschützer erwiesen sich – leider – als unnötig. Wir hatten eigentlich etwas fetziges, lautes erwartet, aber nur zwei Stücke gefielen uns wirklich gut, insgesamt war es wohl eher für die überwiegend chinesischen Ohren der Zuhörerschaft zugeschnitten. Die Musikerinnen bedankten sich artig nach chinesischer Sitte mit kleinen Abschlussreden, bei denen sie albern kicherten und wurden dann zum Schlussfoto auf der Bühne zwischen Blumengestecken arrangiert.

Wir waren trotzdem froh, dass wir die wunderschöne Konzerthalle von innen sehen konnten, das  war natürlich schon ein Erlebnis!

 

An einem Abend luden wir Tina und Dennis zum Abendessen auf den Sydney Tower ins Drehrestaurant ein. Der Blick ist traumhaft, das Essen grauenhaft, aber es war auch nicht so wichtig.

 

Heute konnte ich Manfred doch noch zu einem Bummel durch Sydney’s Kaufhäuser bewegen. Lockvogel war die Queen Elisabeth II, das neue Kreuzfahrtschiff, das für drei Tage hier am Quay liegt. Von innen soll es ja wirklich herrlich sein, aber von außen sieht es bereits reichlich rostig und verbeult aus. Wir begutachteten natürlich die Passagiere und lästerten wie üblich eine Runde. Dann ging’s zum Einkaufsbummel. Ich war bereits gestern hier unterwegs und wusste schon, was man wo findet. Natürlich interessierte mich auch die hiesige Mode, aber immer, wenn ich etwas schickes in der Hand hielt, stand „made in Italy“ auf dem Etikett. Das musste ja nun nicht sein. Die australischen Klamotten für Jugendliche sind sehr hübsch und vor allem ganz bunt, aber die Sachen für die Erwachsenen erinnern doch sehr stark an Tortendeckchen. Es gibt unendlich viele Geschäfte für Abendbekleidung, Schmuck, Hüte und Firlefanz, aber alles reichlich verziert. Nun gut, schont die Reisekasse.

 

Eigentlich habe ich noch niemanden gesehen, der diese Sachen trägt. Die Berufstätigen, die zum Lunch in der Stadt unterwegs sind, sind ganz konventionell und eher bieder gekleidet, und am Wochenende rennen alle mit legeren Sommersachen herum, auch im Konzert war niemand gestylt. Allerdings gibt es hier längst nicht so viele Dicke wie in Scarborough, allein das ist schon ein erfreulicher Anblick.

 

Ich gehe morgens regelmässig früh zum joggen bzw. walken. Das haben wir in Scarborough angefangen und ich behalte es hier bei. Dabei renne ich mit mindestens 200 anderen Joggern/Walkern/Hunden 2 mal ums Karree, das reicht, um nass geschwitzt zu sein. Da ich hier alleine renne, habe ich genug Zeit, mich mit den anderen zu beschäftigen und zu gucken, was sie so machen. Am Wochenende ist es extrem: da wird der kleine Park hier zum Fitness-Studio; an allen Ecken und Enden wird trainiert, geboxt, Seil gehüpft, gedehnt, hoch gesprungen, Kricket und Tennis gespielt usw. Sogar die Hunde müssen hinter Bällen und Frisbee-Scheiben herrennen, damit sie nicht zu fett werden. Bei meinen Jogging-Runden fiel mir auf, dass immer ich diejenige war, die von dem schmalen Betonweg in den nächsten Strauch springen und den entgegen kommenden ausweichen musste. Was heisst: musste? Ich beobachtete, woran es lag, dass ich tatsächlich auswich, und stellte fest, dass die Leute hier durch einen durchgucken. Sie sehen dich nicht. Ich hatte ja am Anfang gedacht, dass das nur in unserem edlen Yachtclub so ist – aber das ist keineswegs so: seit ich die anderen auch nicht mehr „sehe“, habe ich Platz und weiche nicht mehr aus. Ich sage auch niemandem mehr „guten Morgen“ und lächle auch niemanden mehr an – war sowieso für die Katz’ – und laufe jetzt völlig frei und unbeschwert vor mich hin, wenn auch sehr erstaunt über die arrogante Unfreundlichkeit, das stellt ja noch die muffligen Deutschen in den Schatten.

 

Morgen ist unser vorerst letzter Tag in Sydney. Wir wollen mit unserem alten Schlitten (Ford Falcon Station Wagen) durchs Land fahren und Somati besuchen. Sie wohnt und arbeitet in Adelaide. Das Schiff werden wir hier in der Marina lassen, es ist zwar zu teuer, aber das Schiff wird beobachtet und es liegt hier gut und sicher. Wir können das schwere Schiff nicht einfach an irgendeine Mooring binden und hoffen, dass es nach zwei Wochen noch da ist. Wenn wir zurückkommen, wollen wir schnell von hier weg und in irgendeine Bucht nach Norden.

Manfred wollte ja eigentlich noch nach Tasmanien segeln, aber das werden wir nun nicht schaffen (ist mir auch recht), denn mit Wind und Wetter in diesen Breiten ist das so eine Sache, und es gibt von hier aus an der Küste nach Süden keine vernünftigen Schutzhäfen mehr, wo man sich bei schlechtem Wetter mal verstecken könnte.

 

Nach unserer kleinen Süd-Australien-Rundreise werden wir wieder berichten. Wer uns ein email schicken möchte, kann uns über beide email-Adressen erreichen, wir können beide abfragen, auch wenn wir an Land sind.

Aber bitte daran denken: DQTP@sailmail.com ist nur für Texte, keine Anhänge und ähnliche Spielereien.

Soviel für heute! Wir grüssen alle Daheimgebliebenen aus Down Under und hoffen, dass euch die Füsse noch nicht abgefroren sind!

Alles Liebe an euch alle von

Renate und Manfred, dem Worcaholic von der Tasman Sea



Reisebericht 42

Sydney - Australien


3. März 2004

 

Hallo ihr Lieben allesamt daheim!

 

Sydney und vor allem unsere liebe La Rossa haben uns wieder! Wir haben eine 12tägige Autorundreise durch den Süd-Osten Australiens hinter uns und darüber wollen wir nun berichten.

 

Es ist nicht einfach, sich einem so riesigen Land wie Australien zu nähern. Von Deutschland aus weiss man nur ungefähr, wo es liegt, ansonsten ist die Vorstellung von Australien eher vage und exotisch, weil es so weit weg ist. Känguruhs und Koalas kennt man von Bildern und vielleicht noch Krokodile...

 

Wir sind Anfang Februar von Brisbane hierher nach Sydney gesegelt. Nehmt einen Atlas zur Hand und ihr seht, dass es 1000km sind. Unser altes Auto haben Segelfreunde von Brisbane nach Sydney gefahren. So weit, so gut. Die geplante Rundreise sollte mit dem Auto stattfinden, denn es ist uns zeitlich und auch wettermässig nicht möglich, die Strecke nach Adelaide mit dem Schiff zu „erfahren“.

 

Wir liessen also unser Schiff in einer Marina in Sydney und liessen damit auch unser Stück Unabhängigkeit und die Erfahrung von schönem Inselleben, stillen Buchten und einsamen Stränden zurück und tauschten es gegen ein Leben auf der Landstrasse und in Hotels. Vielleicht hätte die Reise noch einen Hauch von Abenteuer gehabt, wenn wir sie in einem Camper zurückgelegt hätten, so hatten wir uns aber für die PKW-Alternative entschieden. Wir packten ein paar Klamotten in eine Reisetasche, kauften eine Styropor-Box und einen Beutel Eiswürfel zum Kühlen von Getränken sowie diverses Werkzeug für eventuelle Reparaturen am Auto, und los ging’s.

 

Zuerst fuhren wir nach Westen, Ziel Blue Mountains. Vergnügt sangen wir „von den blauen Bergen kommen wir...“, und merkten gar nicht richtig, dass wir durch die berühmten Blue Mountains schon fast hindurch waren. Sie sind mit rund 1000m kaum höher als unser guter Taunus, womit uns zum ersten mal klar wurde, dass dieser Kontinent flach ist wie eine Kuchenplatte. Diese Erfahrung der Höhendimension von Australien war für uns neu und eindrücklich. Dies ist in Deutschland – spricht man von Australien – sicher auch nur wenigen bekannt. Die Erfahrung aber, dass das Land flach ist, bedeutet, dass das Auge nichts hat, woran es sich festhält. 

 

Wir sparten uns also die Blue Mountains und fuhren weiter. Das bis dahin einigermassen grüne Land wird allmählich immer trockener und trostloser und geht dann langsam ins Outback, das trockene Landesinnere, über. Links und rechts sieht man gelegentlich Schafe sowie ein paar Emus, Känguruhs und Koalas sahen wir nur auf den gelben Warnschildern oder totgefahren am Strassenrand. Ich spare mir die Schilderung der 3tägigen Reise durch die Ödnis, die nur durch die Übernachtungen in kleinen Städtchen namens West Wyaling, Renmark oder Gundagai unterbrochen wurde. Wer einmal die Tristesse eines Motels kennen gelernt hat, kennt alle Motels dieser Welt. Das abendliche Essen spielte sich in Fast Food „Restaurants“ ab, etwas anderes gibt es auf dem Land nicht. Dafür verkauft man in diesen Lokalitäten keinen Alkohol, was mitunter auch sein Gutes hat, denn Manfred wurde 2 mal einem Alkoholtest unterzogen und war glücklicherweise stocknüchtern.

 

Unsere Reiseerlebnisse spielten sich also auf der Strasse ab: wir hatten unsere Kämpfe mit der australischen Polizei und erhielten ausser einem Ticket für zu schnelles Fahren eine Androhung, ins Gefängnis bzw. vor das Gericht gebracht zu werden, weil ein Überholmanöver etwas riskant war. Sie achten hier penibelst auf die Einhaltung der Vorschriften, sogar die Hunde müssen sich daran halten und dürfen zu bestimmten Tageszeiten nicht frei herumlaufen und in gewissen Jahreszeiten nicht auf bestimmte Wiesen oder Strände.

 

Unser Auto hielt ganz tapfer durch – trotz 40° Hitze – wir hatten mit schlimmerem gerechnet.

Wir erreichten also nach 3 Tagen Adelaide, unser erstes Reiseziel. Das ist die 2. Dimension dieses Landes, die Entfernung. 1400km Landstrasse ohne besondere landschaftliche Ereignisse. Und dabei haben wir nur eine winzige Ecke dieses riesigen Landes erkundet. Australien ist 22 mal grösser als Deutschland!

Somati lebt seit Ende 1999 in Adelaide und wir wollten sie natürlich besuchen und sehen, wo sie wohnt und arbeitet. Sie hat eine kleine Wohnung zusammen mit ihrem italienischen Freund Mario. Somati selbst besitzt direkt neben Marios Wohnung ein eigenes Appartement, das sie aber nicht bewohnt, sondern mehr als Sicherheit für einen eventuellen Rückzug behält. Ganz schön schlau!

Natürlich gab es unheimlich viel zu erzählen und zu besprechen.

Somati arbeitet in Adelaide im Spielcasino als Roulette-, Black Jack- oder Baccarat-Dealer, je nach dem, wo sie eingesetzt wird. Sie arbeitet im Schichtdienst in wechselnden Schichten. Ihr Freund Mario arbeitet beim staatlichen Wetterdienst und betreut dort die Computer an unterschiedlichen Standorten. Er hat gerade eine umfangreiche Ausbildung abgeschlossen.

 

Soweit es Somatis Zeitplan zuliess, zeigte sie uns die Stadt bzw. die Umgebung. Adelaide ist – sofern man Großstädte als „schön“ bezeichnen kann – eine schöne Stadt. Deutsche Siedler benannten die Stadt nach der sächsischen Prinzessin Adelheid. Die Stadt wurde auf dem Reissbrett  geplant und die meisten Gebäude stammen aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es gibt sehr viele Parks und Grünanlagen. Auf der westlichen Seite grenzt Adelaide ans Meer, im Norden und Osten schliesst sich Hügelland an, wo riesige Weinanbaugebiete liegen, die die kleinen, steilen Weinberge im Rheingau als Zwergenland erscheinen lassen. Hier in Adelaide sind es keine Weinberge, sondern regelrechte Weinfabriken. Wir machten einen Ausflug ins McLaren Vale, ein hier bekanntes Weinanbaugebiet, wo man überall „Vineries“ besuchen und Weinproben machen kann. Es werden auch Oliven und Mandeln angebaut.

Unser Ausflug führte uns auch in einen „Wildlife Park“, wo wir endlich Koalas und Känguruhs sehen und sogar füttern konnten. Sogar Dingos und Tasmanische Teufel gibt es dort, sie sind aber nicht so zutraulich wie die Koalas, obwohl es für die auch totaler Stress ist, wenn sie pro Tag von 200 verschiedenen Leuten auf den Arm genommen werden. Die Koalas sind keine Bären, sondern Beuteltiere, d.h. sie bringen winzig kleine Junge zur Welt, die sie – wie ein Känguruh – in einem Beutel am Bauch mit sich herumtragen. Erst später sitzen die Babies auf dem Rücken der Mutter und schauen in die Welt. Koalas schlafen 20 Std pro Tag und 4 Std lang fressen sie Eukalyptus-Blätter – Manfred findet diesen Ablauf so gut, dass er sich nun auch wünscht, ein Koala-Leben zu führen: 20 Std schlafen, aufwachen und dann 4 Std (fr)essen.

 

Den Abschiedsabend in Adelaide verbrachten wir mit Somati und Mario in einem wunderschönen Restaurant hoch über Adelaide und konnten auf die vielen Lichter der Stadt hinunterschauen. Es war Somatis Feier zum 25. Geburtstag, zu der wir die beiden eingeladen hatten. Essen und Stimmung waren super!

Am nächsten Tag kam Somati noch mal zum Frühstück zu uns ins Hotel, dann begleiteten wir sie ins Casino und schauten ihr noch ein wenig bei der Arbeit zu, aber wir wollten sie auch nicht nervös machen und stören, so machten wir uns irgendwann wieder auf den Weg zu unserem Auto.

 

Diesmal fuhren wir in Richtung Süd-Osten zum Meer. Wir wollten zur Great Ocean Road und die berühmten Kalksteinfelsen – die 12 Apostel – sehen. Auch dorthin wieder endlose Entfernungen und Übernachtung. Als wir endlich dort angekommen waren, befanden wir uns zusammen mit mindestens 1000 anderen Touristen, meist Asiaten, auf schmalen Holzstegen hoch über dem Meer und konnten einen Blick auf die Felsen im Wasser werfen. Es ist schön, aber nicht sooooo toll....

Von den 12 Aposteln aus fuhren wir auf der Küstenstrasse nach Melbourne weiter.

 

Melbourne: auch hier wieder Stadtbesichtigung, Einkaufsbummel usw. Am 7. März findet in Melbourne das erste Rennen der neuen Formel 1-Saison statt und die ganze Stadt ist im Formel1-Fieber. Melbourne besitzt zahlreiche prachtvolle Gebäude aus dem 19. Jahrhundert und wetteifert eifersüchtig mit Sydney um die Rangfolge der „First City“ – der Regierungssitz befindet sich aber etwas abseits in Canberra.

 

Wenn ich ein Fazit ziehen soll über die vier australischen Großstädte, die wir besucht haben (Brisbane, Sydney, Adelaide, Melbourne), so hat uns Adelaide sowohl von der Stadt als auch von der Umgebung her am besten gefallen. Es ist zwar eine Großstadt mit schönen Geschäften und einer lebendigen Kultur, hat aber dennoch einen etwas ländlichen Charakter. Sydney liegt zwar sehr schön und spektakulär an dem grossen Hafen, aber die Stadt hat etwas Unruhiges, Nervöses. Melbourne und Brisbane haben uns am wenigsten beeindruckt, vielleicht muss man auch länger hier leben, um die Städte besser kennen zu lernen, aber es gibt zu vieles hier, was uns nicht gefällt, so werden wir bestimmt nicht in diesen Genuss kommen. Leben möchten wir hier nicht.

 

Was uns gut gefallen hat? Die vielen vielen vielen Cafes! Wir haben noch nie in unserem Leben so viele Cafes und Gaststätten gesehen wie hier! Die meisten Cafes sind ganz modern eingerichtet und servieren den köstlichsten Cappucino, die Gaststätten kann man im allgemeinen abhaken, kein Wunder gibt es hier so viele fette Leute, aber es gibt zum Teil sehr gute Restaurants, die dann allerdings schwindelerregende Preise verlangen.

 

Nun kehre ich zum Anfang zurück: wie nähert man sich einem solchen Kontinent? Wir sind ja bis jetzt nicht allzu viel hier gesegelt, von Brisbane bis nach Sydney – Fahrtensegler kommen im allgemeinen nicht hierher und nun verstehen wir auch, warum. Die Entfernungen an Land sind gigantisch, ohne dass man besondere Sehenswürdigkeiten dabei erreicht – für ein Segelboot sind die Entfernungen noch uneinnehmbarer, zumal man ja auch außen herum fahren muss. Die Einrichtungen für Fahrtensegler sind südlich der Gold Coast in Queensland beschränkt, d.h. es gibt wenige Marinas und kein wirklich aufregendes Segelrevier. Viele Häfen kann man wegen gefährlicher Barren mit einem Segelboot nicht anlaufen, oder man läuft Gefahr, sein Schiff zu beschädigen, wie es Bekannten von uns passiert ist.

Nördlich von Brisbane soll es schöner sein: dort ist das Barrier Reef und hoffentlich auch schöne Anker- und Badeplätze. Man kann aber erst ab April/Mai nach Norden, da dort jetzt noch die Gefahr von Zyklonen besteht, die im Sommer auftreten. Wir verfolgen dies regelmässig im Wetterbericht. Von vielen Seglern wissen wir, dass sie Australien gar nicht anlaufen und statt dessen gleich in die Louisiaden oder nach Indonesien und Thailand weiterziehen. Ja, schade, aber der Pazifik ist hier leider zu Ende.

 

Wir hoffen nun, dass Tasmanien noch zu einem schönen Erlebnis wird. Wenn Wetter und Wind mitspielen, dann werden wir in der nächsten Woche (ab 8.3.) auf dem Weg nach „Tassie“ sein, ansonsten lassen wir diesen Abstecher sein, riskieren wollen wir nichts. Wir werden wieder berichten.

 

Übrigens haben wir gestern noch unser Auto verkauft. Wir hatten den Tipp bekommen, in die Gegend um Kings Cross zu fahren, wo die Backpacker Hotels sind und dort überall entsprechende Aushänge anzubringen. Unser Auto parkte an einer Ecke und war gespickt mit Zetteln. Schon nach einer Stunde – wir hatten noch gar nicht alle Zettel verteilt – standen 3 junge Engländer vor unserem Falcon und wir wurden schnell handelseinig. Der Preis war zwar nicht super, aber wir waren froh, denn wir hätten während unser Tasmanien-Tour das Auto hier irgendwo in Sydney unterstellen und dann womöglich noch zurück nach Queensland bringen müssen. So hat sich das nun auch erledigt.

 

Nebenbei verfolgen wir hier australische, amerikanische, spanische, russische und deutsche Nachrichten (und „Kommissar Rex“ in deutsch!) im Fernsehen. Fernsehen kann man ansonsten vergessen, nichts als Werbung und albernes Gerede, sodass wir uns mittlerweile ernsthaft fragen, ob Disneyland inzwischen auch ein Mitglied der Vereinten Nationen ist.

 

Bis zum nächsten mal lasst es euch gut gehen! Ihr könnt sicher sein, dass es uns gut geht! Manfred hat zugenommen (kein Wunder im Land der Pommes und fettiger Speisen) und ich renne mir die Lunge aus dem Leib, um die Figur zu halten. Alles hat seine Zeiten!

 

Hoffentlich hält bei euch das Frühjahr bald seinen Einzug – wir lesen immer eure Schnee-Berichte. Als wir in Scarborough mit dem Schiff solange auf dem Trockenen sassen, schrieben unsere Freunde Christa und Heiner zum Trost: „besser als ein Kälteschock ist ein Platz im Trockendock“ – womit sie bestimmt Recht haben.

 

Bis demnaechst! Alles Liebe und viele Gruesse von euren Kopf stehenden Freunden

Renate und Manfred

 

 

       

Reisebericht 43

Sydney-Hobart/Tasmanien

Eine Reise nach Tasmanien.....

 

Montag, 8.3.04, 10.00 Uhr

Alles ist bereit für die Abreise nach Süden, Ziel Hobart. Schiff ist gerüstet, die wichtigsten Dinge funktionieren, Essen ist vorgekocht, alles an Bord, die letzten emails und der Wetterbericht wurden noch am Sonntag aus dem Internet geholt, Schumi hat die Folmel1 in Melbourne gewonnen, also kann’s am Montag früh losgehen!

 

Am Sonntag besucht uns noch Claudius (der Sohn eines alten Freundes von Manfred) mit einer Tante, die in Sydney lebt. Claudius und seine Freundin wollen Ende März für 2 Wochen zu uns auf La Rossa, und nun wollen wir noch mal die Reiseroute besprechen.

 

Also, Montag 10 Uhr: Manfreds Traum (einer von vielen) geht in Erfüllung. Wir fahren nicht gleich aufs Meer hinaus, sondern zuerst unter der Harbour Bridge hindurch und an der Oper vorbei. Viele Fotos und etliche Minuten Film! Manfred strahlt und ich auch!

Nach einer Stunde geht’s dann richtig los, Sydney ade! Wir segeln, zuerst wunderschön vor dem Wind, links und rechts ausgebaumte Segel, der neue Autopilot verhält sich mustergültig. Nach 90sm dreht der Wind und kommt uns entgegen, zuerst schwach, dann sehen wir eine Kaltfront aus Süden heranziehen und die letzten 2 Stunden vor der Einfahrt nach Port Eden blasen uns bis zu 40 Knoten auf die Nase. Der winzige Hafen liegt in einer Ecke, in die der Wind direkt hineinpustet, und wir drehen wieder ab, um nicht auf Legerwall zu geraten. Auf der anderen Seite der Bucht ist ein geschützter Ankerplatz; wir erreichen ihn im letzten Büchsenlicht und lassen den Anker dort fallen.

Wir sind ganz froh, dass uns eine weitere Nachtfahrt im Moment erspart bleibt, denn die Nachtfahrten sind hier wegen der vielen Schiffe richtig anstrengend.

 

Mittwoch, 10.03.04: wir wagen einen neuen Versuch, in den Hafen von Eden hineinzufahren, um das Städtchen zu besuchen, drehen aber wieder um, weniger wegen der Wellen, sondern eher wegen des Gedankens, bei dem Seegang im Dinghi ohne Motor vom Schiff an Land zu rudern und gegen den Wind wieder zurück. Den grossen Motor wollen wir für diese kleine Fahrt nicht herauswuchten und der kleine geht zur Zeit nicht. Nun hat Manfred Zeit und versucht, den kleinen Motor wieder gängig zu machen. Und ich schreibe Briefe und diesen Reisebericht! Morgen soll’s weitergehen!

 

Donnerstag, 11.3.04: wir stehen früh auf, verstauen alles seefest und verabschieden uns über Funk von der netten Stimme von Eden Coast Control.

 

Unsere Route führt zuerst noch an der Küste des australischen Festlands entlang, dann kommen wir allmählich in die Bass Strait, die Meeresstrasse zwischen dem australischen Kontinent und Tasmanien: sie liegt auf 40° Süd, die Hauptwindrichtung ist West bzw. Süd-West, d.h. hierher kommen kalte Winde direkt aus der Antarktis angefegt und werden zwischen dem Kontinent und der Insel Tasmanien wie in einer Düse zusammengedrückt. Das verstärkt den Wind noch zusätzlich, d.h. hier unten pfeift es mitunter ganz ordentlich. Traurige Berühmtheit erlangte die Bass Strait, als im Dezember 1999 die Teilnehmer der Segelregatta „Sydney to Hobart“ in extrem schlechtes Wetter gerieten, zahlreiche Boote kenterten und 15 Männer ihr Leben verloren.

 

Der März gilt als stabiler und ruhiger Wettermonat und die Prognosen für diese Woche sind gut. So haben wir auch eher zu wenig als zuviel Wind und wir müssen oft den Motor anwerfen. Kurz vor Maria Island hören wir über VHF, dass eine Kaltfront mit Starkwind aus Süden herannaht, dasselbe bestätigt uns auch Christian über Radio. Es sieht eigentlich nicht danach aus – blauer Himmel, ein paar weisse Wölkchen. Wir überlegen, was wir tun sollen.

 

Ein Australier, der 25 Jahre lang in Tasmanien gelebt hat und den wir in Sydney kennen gelernt hatten, hatte uns empfohlen, den kurzen Weg durch die Marion Narrows und den Denison Canal zu nehmen. Laut elektronischer Seekarte ist es dort extrem flach, aber angeblich tief genug. Manfred stimmt für den „shortcut“, seine vernünftige Ehefrau ist dafür, sich in Hobart zunächst genauere Seekarten und aktuelle Informationen zu besorgen und den Kanal erst auf dem Rückweg zu  nehmen; wir beschliessen die „vernünftige Lösung“, also aussen herum.

 

Da macht uns aber die antarktische Kaltfront einen Strich durch die Rechnung. Innerhalb von Minuten wird es eiskalt und innerhalb einer Stunde ist der Seegang so stark geworden, dass La Rossa nur noch 2.5 Knoten macht, d.h. bis zum Wegpunkt würden wir noch viele Stunden brauchen und müssten alles gegenan motoren. Das tun wir uns nicht an, also wenden wir und nehmen Kurs auf die Marion Narrows. Bei Hochwasser durchfahren wir die Flachstellen, immer noch mit der berühmten Handbreit unter dem Kiel; da unser Tiefenmesser das Zeitliche gesegnet hat, benutzen wir den „fish finder“, wissen aber nicht genau, wie zuverlässig der ist. Na gut, es funktioniert, und wir ankern in der Nacht in Sichtweite der Einfahrt zum Denison Canal.

 

Am nächsten Morgen ist Niedrigwasser, sehr sogar, aber wir sind ja unerschrockene Seeleute und melden uns tapfer beim Brückenwärter an, damit die Klappbrücke für uns geöffnet wird. Erst fahren wir ein langes Stück durch den wirklich sehr flachen Kanal, dann reisst uns eine ordentliche Strömung durch die Brückendurchfahrt, starke Verwirbelungen, aber es geht alles gut, bis ....

La Rossa bohrt sich urplötzlich in den Sand und hebt vor Schreck das Heck, sie bleibt stecken! Ich greife nach der Filmkamera, werde aber vom Captain zurückgepfiffen, das wird nicht gefilmt! Nun geht nichts mehr, und das in dem engen Kanal. Wir stehen quer. Mit viel Bugstrahlruder und Motor gelingt es schliesslich, La Rossa wieder frei zu bekommen, aber wir befinden uns ja immer noch in dem Kanal, aus dem wir nicht herausfahren können. Erst mal Anker raus! Der hält in der starken Strömung nicht, eine Zeit lang steht das Schiff trotzdem still und wir hoffen schon heimlich, dass wir vielleicht die Flut abwarten können, aber das wäre natürlich zu einfach gewesen! La Rossa beginnt, sich langsam auf der Stelle im Kreis zu drehen.

Ich wundere mich, wie gelassen Manfred am Ruder steht. Inzwischen haben wir etliche Zuschauer; Autos haben an der Uferstrasse angehalten und die Leute stehen neben ihren Fahrzeugen und schauen uns zu – das ist schon ein Ereignis! Eine deutsche Segelyacht befährt diesen Kanal und bleibt natürlich stecken! Low water! Und überhaupt!

 

Schliesslich rufe ich den Brueckenwärter über VHF und bitte ihn, die Brücke noch mal für uns zu öffnen, damit wir wenigstens zurückfahren können, denn hier können wir unmöglich bleiben. Ein Stück weiter soll es angeblich noch flacher werden als hier, wo wir jetzt stehen, und da haben wir auch bei Hochwasser keine Chance.

 

Also: Kommando zurück! Die Brücke geht auf, wir fahren in die Durchfahrt, und da wird mein lieber Captain dann doch blass: wir müssen gegen 8 Knoten Strömung an und machen nur 0.2 Knoten Fahrt! Die Anspannung zeigt sich in jedem Muskel in seinem Gesicht, centimeterweise schiebt sich das Schiff vorwärts und wird von den Wasserwirbeln hin- und hergeschoben, und das in der engen Durchfahrt! Aber schliesslich sind wir durch; nur mit Vollgas war das möglich.

 

Nun müssen wir die ganze Strecke wieder zurück und aussen um Tasman Island herum nach Hobart. In den Marion Narrows bleiben wir noch mindestens 6 oder 8 mal im Sand stecken, weil der Wasserstand immer noch sehr niedrig ist. Wir kommen aber jedes Mal schnell wieder frei, hier ist es auch nicht so eng wie im Kanal. Fischer zeigen uns schliesslich den Weg, und wir befinden uns wieder im tiefen Wasser! Glück gehabt!

 

Die Dünung ist noch vom Vortag ganz ordentlich, aber wir haben wenigstens keinen Wind mehr auf die Nase. Tasmanien begrüsst uns mit einer atemberaubenden Steilküste, über der dichte Wolken und Nebel hängen, ein gespenstig schönes Bild. Wegen des Umwegs kommen wir erst bei Dunkelheit nach Hobart. Volle Beleuchtung, Radar, 2 Computer mit Kartenprogrammen, alles brummt, bei stockdunkler Nacht suchen wir einen Ankerplatz in einer grossen, freien Bucht und bleiben dort bis zum nächsten Morgen.

Die Sonne scheint, als wir in der Stadt Hobart ankommen und im Royal Yacht Club festmachen.

 

Es gefällt uns bisher ausgezeichnet. Die Leute sind unverkrampft und freundlich, wir haben an einem einzigen Tag mit mehr „locals“ gesprochen als in den vielen Wochen zuvor, sie sind ausgesprochen hilfsbereit und reissen sich ein Bein für uns aus. So haben wir die Neuseeländer in Erinnerung.

 

Heute, am 16. März 2004, haben wir einen ersten Stadtrundgang gemacht: durch den historischen Stadtteil Battery Point mit seinen winzigen Victorianischen Holz-Häuschen und dicken Rosenbüschen in den Vorgärten und zum alten Hafen hinunter. Dort wollten wir sehen, ob andere Fahrtensegler da waren, die wir eventuell kennen. Eine deutsche Flagge sahen wir, etwas verdeckt durch ein anderes Schiff. Ich gehe ein Stück weiter, sehe die Buchstaben „PPT“ und blaue Farbe, und dann den Namen „Ophelia“. Es sind unsere alten Freunde Eva, Hans und Lola! Grosses Hallo, unser letztes Wiedersehen war im September in Vanuatu. Wir erfahren gleich die neueste Neuigkeit, Eva ist endlich wieder schwanger, und sie wollen im April wieder nach Neuseeland, um das neue Baby dort in „Empfang zu nehmen“. Lola wird Ende des Monats 4, und sie freut sich auf die neue Gesellschaft an Bord.

 

Wir haben heute noch einen Camper reserviert und wollen übermorgen damit zu einer Inselrundfahrt aufbrechen, Wanderstiefel, Heizöfchen und warme Jacken im Gepäck. Außerdem haben wir endlich ein neues Verdeck für unser Deckshaus bestellt, das seit Galapagos von einem inzwischen sehr scheusslichen Plastikhimmel als Wasserschutz verunstaltet wird; auch die Reissverschlüsse gehen jetzt kaputt, es wird also höchste Zeit für ein neues Dach. Eine Firma aus Scarborough hatte uns ein Angebot vorgelegt, sie wollten 2500 AUD, hier bekommen wir es nun für die Hälfte.

 

Das war der erste Bericht aus Hobart, mehr gibt’s nach unserer Rückkehr von der Inselrundfahrt. Bis dahin senden wir euch allen viele Grüsse aus den „Roaring Forties“ und niedrigen Temperaturen, eure

Renate und Captain Manfred Bligh


Reisebericht 44

Rundreise Tasmanien, Hobart

25. März 2004

 

Gestern Abend sind wir wieder zurück gekommen, heute ist „Bord-Alltag“: der Mann, der unser neues Verdeck anfertigt, war zum Ausmessen hier, und er hatte gerade noch Glück, denn er war genau in dem Moment fertig als eine Sturmfront mit über 50 Knoten Wind über uns hinweg fegte. Jetzt lugt die Sonne wieder durch Wolken, aber La Rossa zerrt in den Böen immer noch an ihren Leinen und legt sich quer.

 

Unsere Tasmanien-Rundfahrt begann mit der Anmietung eines Campers. Immer noch mit den grauslichen Erinnerungen und Gerüchen in den Motels in Kopf und Nase, wollten wir dem ein Schnippchen schlagen und uns auf Abenteuerreise begeben. Der Camper verfügte im Prinzip über alles, was der reisende Mensch so braucht, d.h. Bett, Schrank, Herd, Kochtöpfe, Teller und Tassen, es roch aber in ihm genauso schauerlich wie in einem Motel-Zimmer.

 

Wir fuhren an die Ost-Küste von Tasmanien, nach Port Arthur. Auf dem Weg dorthin überquerten wir die Brücke über den Denison-Kanal, genau an der Stelle, wo wir vor einigen Tagen mit La Rossa steckengeblieben waren. Bei den Fischern, die uns damals bei unserem Manöver zugesehen haben, kauften wir frischen Fisch und Eier, bei einem Bauer ein Stück weiter frische Erdbeeren, Brombeeren und Himbeeren. Manfred hatte sich am Tag zuvor einen Backenzahn ziehen lassen, und wir wollten nur „Weiches“ essen, aber auch so hätten wir uns frischen Fisch und Beeren nicht entgehen lassen.

 

Der Campingplatz in Port Arthur war recht nett. Wir kochten in der Gemeinschaftsküche – neue bzw. uralte, aber vergessene Erfahrungen. Unsere Hoffnung, nachts Wombats oder andere Tierchen beobachten zu können, wurde leider nicht erfüllt, obwohl ich immer wieder durch das Fenster in die Dunkelheit spähte. Dafür war es ordentlich kalt.

Am nächsten Morgen fuhren wir zu den „Historical Sites“ von Port Arthur.

 

Jetzt muss ich ein bisschen in die Geschichte von Tasmanien zurückwandern. Die Holländer haben Tasmanien entdeckt und die Insel „Van Diemen’s Land“ genannt. Später wurde sie nach ihrem Erforscher, Abel Tasman, ebenfalls Holländer, in „Tasmania“ umbenannt. Nachdem die Engländer den australischen Kontinent und Tasmanien als ihre eigenen Kolonien annektiert hatten, begannen sie mit der Besiedlung und brachten Strafgefangene hierher. Auf dem Kontinent und in Tasmanien wurden Gefängnisse gebaut, und Port Arthur galt als das Mustergefängnis in Tasmanien. Hier wurde die neuesten Grausamkeiten, die die Engländer in ihrem eigenen Land erfunden hatten, angewendet: Isolationshaft, Zwangsarbeit, Folter. In einem separaten Gefängnis auf Point Puer waren Jungen im Alter zwischen 8 und 16 Jahren inhaftiert und wurden zu ordentlichen Menschen „erzogen“. Port Arthur war „die Hölle von Tasmanien“.

 

Die Gefängnisgebäude verfielen über die Jahrzehnte, ein Teil fiel einem Brand zum Opfer oder wurde von Vandalen zerstört, aber seit die Australier vor etwa 30 Jahren damit begannen, sich mit dem unrühmlicheren Teil ihrer Vergangenheit auseinander zu setzen, wurden die noch vorhandenen Gebäude restauriert bzw. ausgegraben, und man versucht heute, sich ein Bild über das Leben der Gefangenen zu verschaffen und diesen Teil der Geschichte der Bevölkerung zugänglich zu machen.

 

Der andere Teil der australischen Vergangenheit betrifft die Aborigines. In den alten Siedlungsverträgen wird Australien als unbesiedeltes Land bezeichnet, d.h. die Ureinwohner, die Aborigines, wurden einfach ignoriert und durften wie Wild gejagt und getötet werden – „black hunt“ nannte man das. Auf dem Kontinent leben heute noch viele Aborigines, viele allerdings unter katastrophalen Umständen in den Städten, aber viele besinnen sich heute auf ihre alten Rechte und verhandeln zum Teil sehr erfolgreich mit der Regierung über die Rückgabe ihrer Stammesgebiete.

In Tasmanien gibt es heute überhaupt keine Aborigines mehr, sie wurden alle ausgerottet. Der letzte noch lebende Stammesangehörige in Tasmanien starb im Alter von 83 Jahren in Hobart.

 

Heute weiss man, dass Australien bereits vor 50000 bis 70000 Jahren besiedelt war, d.h. die ältesten nachweisbaren Spuren menschlichen Lebens finden sich hier.

 

Zurück nach Tasmanien und ins Gefängnis von Port Arthur, wo wir einen Sonntag hinter Mauern verbrachten. Es war ganz interessant, aber doch etwas makaber. Auf die abendliche „Ghost Tour“ im Fackelschein verzichteten wir.

 

Wir fuhren mit unserem Campmobil weiter nach Launceston, im Norden der Insel. Manfred wurde inzwischen von einem heftigen Schnupfen geplagt, und die zweite Nacht im Camper wurde für uns beide eine schlaflose. Es war auch hier wieder beinkalt und der Gedanke an die noch kälteren Nächte im Gebirge war nicht gerade lustig. Launceston war unser Ausgangspunkt für die Fahrt zum Cradle Mountain, dem bekanntesten Naturpark in Tasmanien. Etwa ¼ der Fläche von Tasmanien ist Naturpark und gehört zum Weltnaturerbe, seit sich Umweltschützer in einer weltweit beachteten Kampagne gegen den Bau eines grossen Staudammprojekts am Franklin River stark gemacht und diesen Damm verhindert haben. Dennoch liegen grosse Stauseen und Wasserkraftwerke in den Naturschutzgebieten, aber sie waren einfach schon vorher da, bevor die UNESCO alles unter ihre Fittiche nahm.

 

Die Fahrt zum Cradle Mountain führt durch Hügelland, auf kurvigen Strässlein, rauf und runter. Die Landschaft ähnelt etwas dem Voralpenland. Ab und zu weist ein Schild auf einen „Scenic Lookout“ hin, wir steigen aus und denken, ja, jetzt muss man das Gebirge sehen, aber weithin nur Hügel, keine hohen Berge. Je mehr wir uns dem Cradle Mountain Natural Park nähern, desto mehr verändert sich das Bild. Die Berge bleiben zwar „Hügel“, aber das Land ist übersät von abgestorbenen, kahlen, grauen Baumresten. Wir können uns das nicht erklären, werden aber später erfahren, dass die Erdschicht, in der die Wurzeln sich ausbreiten können, nur sehr dünn ist. Darunter liegt eine harte Felsschicht, aus der die Wurzeln keine Nahrung und kein Wasser ziehen können. In trockenen Sommern verdursten sie und sterben  einfach ab. Die trockenen Baumreste bleiben stehen, fallen irgendwann um und verrotten. Irgendwann in der Zukunft gibt es hier keine Bäume mehr.

 

Bei klarem blauem Himmel erreichen wir den Cradle Mountain, einer von 32 Tagen im Jahr, an denen man den Cradle Mountain ohne Wolken sehen kann. Da wir beide von der letzten Nacht noch lädiert sind, und weil außerdem morgen mein Geburtstag ist, ziehen wir in ein Hotel, sauteuer, dafür aber auch nur äußerst mässig beheizt, wenigstens das Zimmer ist schön und warm und aus der Dusche kommt viel warmes Wasser.

 

Manfreds Geburtstagsgeschenk für mich ist eine Wanderung! Bestens ausgerüstet mit Rucksack, Wanderstiefeln, mehreren Schichten vorschriftsmässiger Bekleidung machen wir uns auf den Weg zum Information Center. Dort werden wir eingedeckt mit Broschüren, Karten und diversen Informationen. Kollektiver Wanderspass ist das hier. Mit einem Shuttle-Bus fahren wir in den Park und können uns anhand der Karte aussuchen, wo wir aussteigen wollen, um ja nicht zu lange oder zu kurz wandern zu müssen. Alles ist hier genau vermessen und beschrieben.

 

Wir entscheiden uns für eine Kombination von 2 Strecken, einmal 3km und danach noch einmal 6km Rundweg um den Dove Lake, von wo man den besten Blick auf den berühmten Berg hat. Die Wanderung entpuppt sich also als Spaziergang, sowohl von der Dauer als auch von der Art der Wege. Man geht auf präparierten Holzstegen, um die empfindlichen Wurzeln der Pflanzen nicht zu beschädigen oder gar im Sumpf zu landen, denn auch das gibt es hier: Hochmoore. Wir bestaunen die uns fremden Bäume und Sträucher. Der Cradle Mountain kommt immer näher bzw. wir ihm, ihm zu Füssen liegt der Dove Lake. Ein schönes Bild.

 

Cradle Mountain ist der höchste Berggipfel von Tasmanien, nicht wirklich „hoch“, 1660m, er besteht aus zwei Felsmassiven, zwischen denen ein Sattel liegt, nach dem der Berg benannt ist, „cradle“ heisst Baby-Wiege. Es ist bestimmt der meist fotografierte Berg von ganz Australien! Wir hatten Glück mit dem Wetter, der zweite der 32 wolkenlosen Tage hier oben!

Das gesamte Gebiet ist von Wanderwegen durchzogen, aber es ist streng verboten, diese Wege zu verlassen; wer mehr als eine Tageswanderung unternimmt, muss sich bei den Rangerstationen an- und abmelden. Es gibt einen „Overland-Track“, der 60km lang ist – er hätte mich gereizt, aber so lange wollen wir nicht hier bleiben, man rechnet insgesamt, je nach Wetter, etwa eine Woche dafür. Da das Wetter hier sehr schnell wechselt, kann es sein, dass man für einige Tage in einer Hütte fest hängt.

 

Ich freue mich über Manfreds Geburtstags-Wanderung mit mir, aber nach den 9km wirft er die Wanderstiefel weit von sich. Wenn wir gewusst hätten, wie gesittet das hier zugeht, hätten wir uns auch nicht so wandermässig gestylt. Auf dem Rundweg begegnen uns Heerscharen von Spaziergängern in Sandalen und auch solche in Wanderstiefeln.

Die Gegend um den Cradle Mountain hat uns gut gefallen, und wir hätten es bereut, wenn wir nicht hierher gekommen wären, das Aha-Erlebnis war es nicht. Vielleicht sind wir Europäer in Bezug auf Landschaften auch einfach zu verwöhnt. Vielleicht haben wir auch das falsche erwartet.

 

Unsere Reise geht weiter, zunächst in westlicher Richtung. Wir kommen durch weite Gegenden, wo Zinn und Kupfer im Tagebau gewonnen werden und die Landschaft wie ein grau-buntes Mondgebirge aussieht. Hier befinden sich die grössten Zinnvorkommen der Erde. Wieder geht es bergauf und wir kommen in den „Gordon and Franklin Wild Rivers Natural Park“. Auch dieses Gebiet gehört zum Weltnaturerbe, ist aber mit dem Auto so gut wie nicht zugänglich. Es gibt eine Strasse, die zu den Staudämmen führt, und die man auch als Tourist befahren darf, ansonsten gelangt man nur mit Wildwasserkajaks in den Naturpark, oder – von See her – mit dem Segelboot.

Wir wollen noch einen Tag am Lake St. Clare verbringen, das ist der Punkt, wo der Overland Track endet. Es soll zu den schönsten Stellen Tasmaniens gehören. Auch hier gibt es wieder zahlreiche Wanderwege, aber nicht ganz so perfekt organisiert wie am Cradle Mountain. Auf unserem Spaziergang durch den Wald treffen wir drei junge Männer, die gerade vom Overland Track kommen und die sich freuen wie die Schneekönige, dass sie das geschafft haben. Es sind zwei Holländer und ein Deutscher; alle drei wandern sonst nie, aber sie haben hier das Erlebnis in ihrer Dreier-Gruppe genossen und sind ganz übermütig.

 

Endlich sehen wir auch ein kleines Känguruh im Wald; es sitzt ganz friedlich neben dem Weg und lässt sich von uns fotografieren. Ein Platypus (Schnabeltier) sehen wir leider nicht; die meisten der heimischen Tiere hier sind nacht-aktiv, und wir müssten uns nachts oder in der Morgendämmerung bei der Kälte draussen im Wald herumtreiben, aber weder Manfred noch mich zieht es nachts oder früh morgens hinaus in die Kälte. Die anderen Tierchen wie Wombats und Tasmanische Teufel sehen wir leider nicht bzw. nur tot am Strassenrand. Dafür haben wir abends im Hotel (ja ja, wieder kein Campingplatz!) eine besondere Vorführung: Opossums und Squalls sitzen einträchtig nebeneinander, fressen die Gemüseabfälle aus der Hotelküche und lassen sich durch das Fenster des Restaurants beobachten.

 

So allmählich fahren wir dann wieder in Richtung Hobart, zurück zu La Rossa. Wir kommen wieder durch endlose Wälder, immer wieder diese abgestorbenen Bäume, dazwischen Eukalyptus-Wälder mit ihren immergrünen Blättern. Sie werfen im Herbst nicht ihre Blätter ab, sondern die Rinde, d.h. die Stämme sind jetzt ganz hell, und im Frühjahr bilden sie wieder neue Rinde. Erst weiter unten, im Tal des Derwent River, sehen wir vereinzelt herbstlich gelbe Büsche und einige Nadelbäume.

In Hobart ist es im Vergleich zum Hochland richtig warm, aber wir sehen schon, dass das Barometer im Schiff kräftig fällt, d.h. wir hatten Glück mit unserem Reisewetter.

 

Heute, am 25. März, zieht eine Kaltfront über uns weg, inzwischen ist der Himmel zwar wieder blau, aber es fegen Sturmböen bis über 50 Knoten über uns hinweg und La Rossa ächzt immer noch an ihren Leinen.

 

Bis zum nächsten mal!

Tasmanische Grüsse aus den Roaring Forties

Eure Renate und Trucker-Manni, der beste Wohnmobil-Fahrer aller Zeiten


 

Reisebericht 45

Tasmanien-Broken Bay, Pittwater, Dienstag, 13. April 2004  


Schon empfinde ich alles wieder so endlos weit und lang vorbei. Die Zeit scheint zu rasen! Nach unserer Rückkehr von der Tasmanien-Rundfahrt im Camper verbrachten wir noch eine Woche in der Marina in Hobart.  

Einige wichtige Arbeiten standen noch an: zuerst orderten wir ein neues Verdeck! Das Angebot hatten wir uns schon vor unserer Abreise geben lassen, der Preis war günstig, und nun sollte es endlich soweit sein. Alle, die unseren Plastik-Unterbau unter dem alten, undichten Verdeck noch kennen, seien hier ganz besondere Grüsse übermittelt. Die „Plastik-Gardine“ hatten wir im November 2001 in Galapagos montiert, und inzwischen sah sie einfach grauenhaft aus, aber immerhin war sie noch dicht. Wir hatten stets wichtigere Ausgaben, sodass sie einfach solange warten musste, bis ein passendes Angebot vorlag.

Ausserdem musste der kleine Aussenborder repariert werden, denn er hatte einen Kolbenfresser. In Hobart bekamen wir alle Ersatzteile, und jetzt brummt er wieder.  

Wir verbrachten noch ein paar gemütliche Tage mit Eva, Hans und Lola; ich hatte endlich wieder Zeit und Gelegenheit zum joggen am Strand und durch die Villenbezirke von Hobart; und wir entdeckten einen vorzüglichen deutschen Bäcker, der erstklassige Laugenbrezeln und bestes Vollkornbrot backt.

Nach einer weiteren Woche in der Marina waren wir dann eigentlich reif für die Abreise, aber inzwischen fegten so heftige Windböen über Hobart hinweg, dass wir aus unserem Liegeplatz nicht hätten herausfahren können, ohne mindestens 5 andere Boote zu beschädigen. Wir mussten also noch ein wenig warten. 

Schliesslich war es soweit. Die beiden Service-Männer von der Marina, unsere Stegnachbarn Sandy und Bill sowie ein Deutscher, Gerd, der seit 1950 hier lebt und der uns sehr lieb mit Seekarten und vielen Tipps versorgt hat, verabschiedeten uns mit Küsschen und Winken. Der Abschied von Hobart fiel uns fast ein wenig schwer; es hatte uns hier sehr gut gefallen und, wenn jetzt nicht schon Herbst wäre, wären wir gerne noch länger geblieben, aber wir wollten für die Überquerung der Bass Strait kein Risiko eingehen. Wir fuhren noch in einige Buchten im d’Entrecasteaux Channel, das ist das Gewässer zwischen der Insel Bruny und Tasmanien, und es war uns wärmstens empfohlen worden. Warm war es allerdings nicht: seit Tagen waren wir schon in lange Hosen, Fleecepullover und Schaffell-Boots verpackt und das Heizöfchen hatte Dauerschicht.

Gerne wären wir noch nach Port Davey gefahren, aber dazu hätten wir um die Südspitze von Tasmanien herumfahren müssen und dort unten war es jetzt schon recht windig. Wir waren jetzt auch innerlich auf „Kurs Nord“ eingestellt; das Wetter sah günstig aus und wir wollten noch in einige Buchten an der Ostküste. In der Wineglass Bay verbrachten wir eine sehr unruhige Nacht, d.h. für mich war es furchtbar, aber der gute Manfred schlief wie ein Murmeltier. Wir ankerten vor einer Felswand auf Legerwall im Schwell, der Anker hatte sich offensichtlich an einem Felsen festgehakt und die Kette zerrte die ganze Nacht mit Brachialgewalt am Buggeschirr. Ich hatte fürchterliche Angst und zitterte so, dass meine Arme und Beine wie die einer Stoffpuppe herumschlenkerten; natürlich tat ich die ganze Nacht kein Auge zu. 

Am nächsten Tag änderte sich dann im Laufe des Nachmittags die Windrichtung und die ganze Szenerie sah  verändert aus. Die Wineglass Bay wurde zu einer friedlichen, wunderschönen Bucht mit einem zauberhaften Sandstrand, und in Gesellschaft mehrerer anderer Schiffe verbrachten wir die zweite Nacht an einem anderen Platz in der Bucht in Ruhe und Frieden.  

Nach dem Wetterbericht von Christian ging’s dann aber auf die Reise nach Norden. Wind war vorhergesagt aus S/SO 15-20 Knoten, gerade richtig zum segeln, aber was dann kam, war nur ein schwaches Lüftchen, und wir überquerten die Bass Strait unter Motor, keine Wellen, nur dieser endlos lange Schwell und eiskalte Luft aus der Antarktis. Der kalte Wind wurde aber von Tag zu Tag wärmer, und inzwischen laufen wir schon wieder im T-Shirt herum. Einen „technical Stop“ machten wir in Port Eden; wir benötigten dringend Diesel und wollten auch unsere Wassertanks wieder auffüllen sowie ein paar frische Lebensmittel einkaufen. Die Fischer versorgten uns mit frischem Fisch (wir hatten wieder mal einen Barracuda gefangen und ihn nach längeren Sezierversuchen resigniert im Meer versenkt) und was noch fehlte, kaufte ich im Fischgeschäft, nämlich leckere geräucherte Muscheln und 1 kg gekochte Shrimps. 

Dann fuhren wir weiter nach Norden, wir konnten sogar ein weites Stück segeln, mussten aber in der Nacht aufpassen „wie die Heftlesmacher“, denn wir passierten die Botany Bay und Port Jackson (Sydney), und dort ist auch in der Nach einiges los: dicke Pötte vor, hinter und neben uns und dazwischen Fischerboote.

Wir wollten in die 20sm nördlich von Sydney gelegene Broken Bay, die uns als „das schönste Segelrevier der Welt“ angepriesen worden war. Allerdings sind wir mit den hiesigen Superlativen etwas vorsichtig, nachdem wir schon die Wineglass Bay als einen der „10 schönsten Strände der Welt“ und Australien selbst als „einen der flachsten Kontinente der Erde“ genannt bekommen hatten.  

Die Broken Bay ist eine grosse Bucht, die durch den Zufluss mehrerer kleinerer Flüsse entstanden ist. Die Ufer sind steil und bestehen aus gelb-rotem Sandstein, der zahlreiche Höhlen gebildet hat. Es ist leicht hügeliges Gelände, mit Eucalyptus-Bäumen bewachsen. Alles ist grün. Man kann in die verschiedenen „Creeks“ sehr weit hineinfahren, es ist ein riesiges System von Wasserstrassen, mit zahlreichen Buchten, in denen man sehr schön ankern könnte, wenn nicht Tausende von Schiffen hier herumjagen würden. Wir hatten das Pech, dass wir ausgerechnet am Ostersamstag ankamen und buchstäblich der Teufel los war. Ganz Sydney schien hier zu sein, und jeder tobt sich aus. Geschwindigkeitsbegrenzungen interessieren niemanden, und so rasen Motorboote, Wassermopeds, Wasserskiläufer und Fischerbötchen wild durcheinander. Dazwischen dümpeln Segelboote und beanspruchen ihren Manövrierraum. Gelegentlich landet oder startet sogar ein Wasserflugzeug, das die Gäste eines Edelrestaurants einfliegt bzw. abholt. 

Wir tuckerten mit unserer Roten 22sm über die diversen Flüsse, soweit sie für uns erreichbar waren. Ein Teil der Gewässer können wir mit unserem Schiff nicht befahren, da uns eine Eisenbahnbrücke den Weg versperrt.

Heute sind wir in „Pittwater“, natürlich und ohne Frage „die schönste Bucht der Welt“, an den Ufern entlang ist alles zugestellt mit Schiffen, und wo keine Schiffe sind, sind wenigstens Häuser. Es ist das bevorzugte Ferien- und Wochenendgebiet der wohlhabenderen Leute aus Sydney. Die Preise der Häuser und anderer Dinge sind entsprechend hoch.

Wenn das Wetter passt, dann werden wir uns morgen auf den weiteren Weg nach Norden machen. Wir wollen noch ein paar Stops einlegen. Leider sind etliche Häfen für uns nicht zugänglich, da vor den Einfahrten niedrige Flussbarren liegen, d.h. Sandbarren, die von den Flüssen an der Mündung aufgeschüttet werden. Die Hafenzufahrten werden zwar für die Fischerboote regelmässig ausgebaggert, aber nicht so tief, dass es für uns reicht, ausserdem verändern sich die Barren durch Ebbe und Flut ständig – so ist uns die Einfahrt in solche Häfen zu gefährlich, wir müssen uns also die aussuchen, wo man gefahrlos hineinfahren kann.  

Die schwierig zu erreichenden Häfen und der unzuverlässige Wind in dieser Gegend sind auch der Grund, warum die südliche Hälfte der australischen Ostküste kein schönes Segelrevier ist. Fahrtensegler verirren sich selten hierher. Erst ab Brisbane nordwärts im Barrier Reef findet man wieder die Langstrecken-Segler.

Die Australier in dieser Gegend benutzen entweder Motorboote mit einem hohen Ausguck und fahren damit zum fischen, oder sie segeln mit kleineren Schiffen in geschützten Gewässern wie z.B. hier in der Broken Bay, oder – ganz extrem – sie fahren moderne Rennyachten, wie wir sie in Sydney in unserem Cruising Yacht Club gesehen haben. Australische Fahrtenyachten bilden auch in Neu Kaledonien, Fidji oder Vanuatu, also vor der australischen Haustür, eher die Ausnahme.  

Freitag, 16. April 2004 

In der Broken Bay haben wir tatsächlich noch 2 Tage ohne drangvolle Enge erlebt. In Tasmanien hatten wir ein Ehepaar aus Brisbane kennen gelernt, die uns mit ihrem Motor-Katamaran auf den Fersen waren. Sie luden uns für einen Tag auf „Foreign Affair“ ein und wir fuhren gemeinsam ein wenig spazieren. Highlight des Tages war eine kleine Klettertour, die uns über die Felsen eines Wasserfalls nach oben führte. Der Wasserfall hat zu dieser Jahreszeit ganz wenig Wasser, sonst wären wir bestimmt nicht hinaufgeklettert. Das Wasser hat in dem weichen Sandstein wunderschöne Formationen hinterlassen: kreisrunde Löcher, die mit klarem Wasser und Kieselsteinen gefüllt sind, dazwischen herrliche Pflanzen; ein Landschaftsgärtner könnte sich hier Anregungen noch und noch holen, aber was die Natur macht, ist vermutlich um vieles schöner als es der beste Gärtner ausrichten kann. 

Am nächsten Morgen zogen wir im dichten Morgennebel unseren Anker herauf und fuhren in den Sonnenaufgang mit Ziel Port Stephens. Wir hatten schon im Wetterbericht gehört, dass der Wind am Nachmittag mit 15-20 Knoten aus NE blasen würde, er lieferte dann sogar 35 Knoten und die Wellen klatschten von vorne gegen das arme Schiffchen und Manfreds Seele litt um einiges mehr, denn er liebt es gar nicht, wenn La Rossa bis unter die Salings voll Salzwasser ist. Port Stephens erreichten wir wieder mal bei Dunkelheit, aber wir sind das inzwischen gewöhnt. Es klappt ganz gut und jeder hat seine speziellen Aufgaben.  

Heute früh verlegten wir uns in die Marina, es kostet 80 AUD (die haben hier ’ne Meise!), aber wir sind ab und zu ganz froh über Strom und Wasser, zumal unser Batterie-Ladegerät den Geist aufgegeben hat. Ausserdem waren die Vorräte ziemlich leergegessen und –getrunken, so erledigten wir auch gleich einige Einkäufe, aber morgen Vormittag hauen wir wieder ab und gehen an den Anker. 

Fernsehen gibt es auch in dieser Edel-Marina! Heute ist also Fernsehabend! Kommissar Rex gibt es jede Woche, ansonsten jeden 2. Abend Sendungen über die bösen Deutschen im 2. Weltkrieg (z.Zt. ist Rommel dran), und jede Menge Werbung.

Wir warten nun auf südlichen Wind, denn wir wollen noch ein bisschen segeln. Unsere bisherige Reise fand überwiegend unter Motor statt, aber wir mögen das beide nicht gerne, außerdem ist es sauteuer. Wir zahlen hier für den Liter Diesel etwas 0.95$, pro Motorstunde brauchen wir knapp 10 Liter, nun müssen wir die Batterien auch noch mit der Hauptmaschine laden, d.h. es kostet richtig Geld. Genug gejammert, nun geht’s an die Glotze!! 

Dienstag, 20. April 2004 

Es wird Zeit, dass wir uns mal für die zahlreichen Emails bedanken, die wir zu Ostern bekommen haben. Viele kamen auf unsere t-online-Adresse, die wir nicht so oft abfragen können, wenn wir am segeln sind, denn dazu müssen wir in ein Internet-Cafe, und die sind natürlich nur an Land. Allen, die uns geschrieben haben, herzlichen Dank auf diesem Weg! 

Einige haben sich nach unseren jungen Gästen erkundigt, die eigentlich mit uns ein Stück segeln wollten. Das hat leider nicht geklappt, denn die beiden hatten von den australischen Entfernungen und der Geschwindigkeit eines Segelboots eine andere  Vorstellung. In der Grösse eines Kontinents hat sich schon mal ein deutscher Politiker gewaltig getäuscht und seine Soldaten und die gesamte Welt in eine Katastrophe geführt – nun, so dramatisch war es in diesem Fall nicht, aber es klappte einfach nicht. 

Jetzt sind wir übrigens in Coffs Harbour, wo wir wieder mal bei dunkelster Nacht einliefen. Es ist eine schwierige Hafeneinfahrt, die aber beleuchtet ist wie ein Weihnachtsbaum, sodass wir es Dank der Befeuerung, Radar, elektronischer Seekarte und einem guten Fernglas ohne Probleme schafften. Hier sind schon etliche Yachten einfach geradeaus gefahren und auf dem Strand oder den Wellenbrechern gelandet.  

Die Reise von Port Stephens hierher war für mich schrecklich. Wir hatten erst den Wind von vorne, dann erreichte uns eine Kaltfront und danach drehte der Wind auf Süd, was für die Segelei ja gut ist, aber nicht für meine Nerven. Ich hasse Vorwind-Kurse, weil man ständig nur von einer Seite auf die andere geschleudert wird. Die Knochen purzeln in der Haut herum wie in einem Sack und genauso fühlt man sich! Das Schiff sieht nach einer solchen Reise immer aus wie ein Schrotthaufen, weil alles, was nicht ganz fest verstaut ist, durch die Gegend fliegt oder zumindest jämmerlich klappert. Ich bin zwar nicht mehr so seekrank, aber total unfähig, irgendetwas gegen das Geklappere zu unternehmen; wahrscheinlich steckt in mir immer noch eine latente Seekrankheit, die mich in irgendwelchen Aktivitäten einfach lähmt.  

Morgen wollen wir weiter nach Yamba, ca. 50sm nördlich, und dann sehen wir weiter, was das Wetter veranstaltet. Es zieht sich ganz schön bis Brisbane... der Weg nach Süden kam mir kürzer vor. 

Nun will ich diesen Reisebericht beenden, sonst wird er so endlos. Wir grüssen euch alle ganz herzlich!!

Eure Renate und Manfred, der inzwischen den Beinamen „Tasmanischer Teufelsbraten“ trägt  

 

   

Reisebericht 46

Yamba - zurück nach Scarborough

Dienstag, 27. April 2004 


 Seit gestern Abend 21.30 Uhr sind wir wieder in der Marina in Scarborough, Anfangspunkt unserer Tour nach Tasmanien und Anfangspunkt des nächsten Törns, dann mit Heiner, nach Norden. Hinter uns liegen 2437 Seemeilen (= 4435km), davon 951sm unter Segeln, 1461sm mit Motor und 25sm, die La Rossa nicht aus eigener Kraft, sondern im Schlepp hinter einem Coast Guard Schiff zurückgelegt hat – dies waren zweifellos die aufregendsten.  

Die Reise nach Süden, d.h. von Scarborough nach Tasmanien, verlief relativ flott und kurzweilig, mit nur 2 Stops, nämlich in Sydney und in Eden. Der Rückweg war endlos und nervig. Wir hatten so gut wie nie segelbaren Wind, und die gesamte Küste ist todsterbenslangweilig. Da wir beide von den anstrengenden Nachtfahrten die Nase voll hatten, suchten wir uns einige Häfen aus, wo wir mit unserer Rossa relativ gefahrlos einlaufen konnten. Das ist an dieser Küste gar nicht so einfach, da viele Häfen in Flüssen liegen und sich beim Zusammentreffen des Flusses und des Meeres mit seinem starken Tidenhub unberechenbare Barren bilden. Wir suchten uns also solche Häfen aus, bei denen die Barren für unser Schiff passierbar waren, und dennoch sind diese Einfahrten ein Abenteuer für sich. Die Flussmündungen sind auf beiden Seiten von langen Steinmauern eingefasst, die zum Meer hin zu massiven Wellenbrechern ausgebaut sind. In diesen Einfahrten entsteht durch die Strömung des Flusses und der Tide meistens eine sehr starke Brandung, und wenn man Pech hat, dann bringt es einen ganz schön in Nöte. Ich bewundere Manfred in solchen Situationen für seine guten Nerven: er steht seelenruhig am Ruder als ob es eine ruhige, gemütliche Hafeneinfahrt wäre, und hinter uns rollen 3-4m hohe Brecher heran, die La Rossas Hintern in die Höhe heben und uns über die Barre und durch die Einfahrt schieben. 

Nach dem Halt in Coffs Harbour verbrachten wir jeweils einen Ruhetag in Yamba und in Ballina. Diese Städtchen sind kleine Ferienorte, mit Cafes, „Eateries“ und ein paar Läden. Die Urlauber kommen zum Fischen hierher, eine Lieblingsbeschäftigung in Australien. Die jungen Leute gehen surfen. Ganz normal schwimmen tut hier niemand, allenfalls einige ältere Herrschaften, die schon morgens um 7 Uhr ein Badetuch über der Schulter tragen und sich in Richtung Strand bewegen. Ich kann mich an Details dieser Städte im Nachhinein gar nicht mehr erinnern, sie sind irgendwie alle gleich, aber ein Erlebnis in Ballina werden wir wahrscheinlich ewig in Erinnerung behalten.  

Ich muss dazu etwas weiter ausholen:

Schon mehrfach war uns ein Wort aufgefallen, dessen Bedeutung uns am Anfang nicht klar war, wir hielten es zunächst für irgendein Wort, und dann, als wir es öfters lasen, für den Namen irgendeines wichtigen Menschen: ANZAC. Pikanterweise heisst Sydneys modernste Brücke, die aussieht wie Madonnas neueste BH-Kreation, „Anzac-Bridge“, und es gibt unzählige „Anzac-Buildings“, „Anzac-Roads“ usw... 

Das nächste und damit zusammenhängende Missverständnis, das uns unterlief, war die Bedeutung des RSL. Als wir zum ersten mal in Redcliffe in den Genuss  des günstigen Mittwochs-Buffets (wir nennen es die Muppets-Show) kamen, dachten wir noch, dass RSL „Redcliffe Seniors Leage“ heisst, irgendwann erfuhren wir dann, dass dies der Kriegsveteranen-Verein ist, the „Returned and Serviced League“. Wie „RSL“ und „ANZAC“ zusammenhängen wurde uns am Abend des 24. April klar, dem Vorabend des Nationalfeiertags „Anzac-Day“. Wir wollten in Ballina, einem unserer namenlosen Ankerstopps auf unserem Weg nach Norden, zum Abendessen, und Manfred wollte in den RSL-Club, da dies im allgemeinen, auch in den kleinsten Städten im Land, der Ort ist, wo man ein normales Essen auf Tellern, also kein Fast Food, und zum bezahlbaren Preis bekommt.

Der RSL besitzt übrigens in vielen Orten, durch die wir kamen, das grösste Gebäude am Platz, so wie in Polynesien die Kirche oder in Frankreich das „Chateau“ immer das grösste Bauwerk im Ort sind.

Wir waren gerade dabei, die erste Auster auf die Gabel zu spiessen, als urplötzlich das Licht ausging. Manfred war entsetzt, weil er befürchtete, sein Essen im Dunkeln verspeisen zu müssen, und ich schaute an die Decke und sah eine Art Notbeleuchtung, als Trost sozusagen. Da schubst mich Manfred an und sagt: alle stehen auf und falten die Hände, ich glaube, wir sollten auch aufstehen. Was wir dann auch taten. Alle Anwesenden blickten an eine Wand, an der hoch oben eine rote Glaslampe in Form einer Flamme hing, und sprachen einen Dankspruch, der mit „Lest we forget“ endete; es klang fast wie ein Gebet. 

Nun wissen wir auch, was ANZAC bedeutet. Es heisst „Australia and New Zealand Army Corps“ und erinnert an die verlorene Schlacht von Gallipoli im 1. Weltkrieg. Auf Deutschland übertragen könnte das etwa heissen „Deutsch-Österreichische Wehrmachts Vereinigung“, aber ich denke, dass man bei uns im Nachkriegs-gebeutelten Deutschland, sollte jemand auf die Idee kommen, einen solchen Verein zu gründen und auch noch den Nationalfeiertag danach zu benennen,  politisch sofort an die Wand gestellt würde oder gar in die Psychiatrie käme. Ich erinnere mich an die endlosen Diskussionen in der gesamten deutschen Politik, als vor ein paar Jahren die Wehrmachts-Ausstellung gezeigt wurde.  

Am nächsten Morgen verliessen wir unseren Ankerplatz inmitten des Richmond River und verabschiedeten uns per VHF von der Coast Guard. Sie gaben uns noch ein paar gute Wünsche mit auf den Weg, die wir später auch gebrauchen konnten, denn 6 Stunden später setzte unser Motor aus. Alle Versuche, ihn wieder in Gang zu bringen, Filterwechsel, gutes Zureden, entlüften usw. blieben ohne Erfolg.

Nun ist ein Motorausfall bei einem Segelboot nicht unbedingt eine Katastrophe, denn wir haben ja noch unsere Segel, aber wir hatten seit Tasmanien den Wind aus Norden, und dort wollten wir hin. Wir segelten also, so gut es ging, am Wind, kamen aber trotzdem immer mehr in das Fahrwasser der grossen Frachtschiffe. Von einer gemütlichen Nachtwache konnte also nicht die Rede sein, aber das war nur ein Problem.

Schon vor längerem war unser Batterieladegerät für die 24 Volt-Batterien ausgefallen, aber auch das war eigentlich nicht so schlimm, denn man kann die Batterien auch mit der Hauptmaschine laden, und da wir ohnehin ständig motoren mussten, war auch das kein grosses Problem. Aber nun ging das ja nicht mehr. 24 Volt benötigen wir für alle Lampen, für die Kühlschränke und – vor allem – für die gesamte Hydraulik, die Winschen, die Segel und die Ankerwinsch sowie – ganz besonders wichtig – für den Autopilot. Es wurde also alles abgeschaltet, was nicht sein musste, Bier wurde ab sofort nur noch lauwarm serviert. Emails und Funk waren schon längst eingestellt.

Die Navigationsinstrumente werden über 12 Volt-Batterien gespeist, die wiederum durch den Generator geladen werden; der Generator liefert ausserdem die 220 Volt, die wir zum kochen und für den PC usw. brauchen. Der Generator gab aber leider auch seinen Geist auf. Da wir ja kein Licht mehr hatten bzw. Licht sparen mussten, passierte in der Nacht gar nichts, am nächsten morgen ging Manfred dann an die Arbeit. Er fand heraus, dass wir Dreck im Dieseltank hatten und dass alle Filter verstopft waren. Vermutlich hatten wir uns das beim letzten Tankstopp in Yamba eingefangen. 

Manfred bekam den Generator wieder flott, so hatten wir wenigstens keine Sorgen mehr wegen der Navigationsinstrumente – im Ernstfall hätte das bedeutet, dass GPS, Tiefenmesser, Windanzeiger etc. ausgefallen wären. Und warmes Essen sowie heissen Kaffee gab’s jetzt auch wieder.

Schlechter sah es mit dem Motor aus. Alle Filterwechsel halfen nichts. Es konnte eigentlich, wie vor einigen Jahren in Aruba, nur wieder mal die Einspritzpumpe sein. Wir hatten damals die alte Pumpe für fast 4000 DM wieder reparieren lassen, eher in der Annahme, dass wir sie wahrscheinlich nie mehr brauchen, aber nun hatten wir sie an Bord, konnten aber das Spezialwerkzeug, das man für den Ausbau benötigt, nicht finden.  

Über das Mobiltelefon – das hatte noch genügend Batteriekraft – riefen wir die Coastguard Redcliffe an und informierten sie über unsere Lage. Ich hatte der Coast Guard in Redcliffe vor unserem Start in Scarborough Anfang Februar noch einen Besuch abgestattet, den neuesten Wetterbericht geholt und ein Schwätzchen gehalten, nun brauchten wir sie als Retter in der Not. Wir hatten bis Cape Moreton noch über 30sm zu segeln, und dort wollten sie uns dann abholen, denn wir wären unter Segeln nicht mehr in die tückische Moreton Bay mit ihren vielen Sandbänken hineingekommen.

Ein Treffpunkt wurde verabredet, den wir segelnd noch gut erreichen konnten, und es klappte alles hervorragend: zum verabredeten Zeitpunkt sahen wir die Scheinwerfer des Coast Guard Schiffs „Redcliffe Leagues II“ auf uns zukommen. Manfred stand am Ruder, ich übernahm den Funkverkehr und verfolgte das ganze auf der Seekarte. Gott sei Dank hatten wir uns inzwischen schon ausreichend an den australischen Sing-Sang gewöhnt, denn sonst wäre es uns wohl ergangen wie einem Australier, der zum ersten mal auf die Schwäbische Alb oder nach Oberbayern kommt und nur „Bahnhof“ versteht. 

Das Rettungsboot mit dem Zungenbrecher-Namen „Redcliffe Leagues II“ lotste uns bei Dunkelheit und Niedrigwasser (wie immer bei uns!) durch die Untiefen und .... hoppla .... La Rossa sass kräftig auf der Sandbank! Das hätte natürlich nicht passieren dürfen, denn wir waren, im Vertrauen auf unsere Lotsen, im flotten Tempo immer noch gesegelt. Ich hatte bereits die ganze Zeit gejammert, dass es dort viel zu flach ist, aber was sollten wir machen? „Redcliffe Leagues II“ schleppte uns schnell wieder frei, aber wir haben doch einige Bedenken, dass das Manöver dem Ruder nicht so gut getan hat. Ab diesem Zeitpunkt hatten sie uns dann „am Haken“ und wir fuhren 3 Stunden lang im Schlepp. Wir standen abwechselnd am Ruder, aber ich schlief in meiner warmen Segeljacke im Stehen ein. Wir hatten jetzt zwei anstrengende Tage und eine Nacht hinter uns und waren todmüde. Vor allem Manfred war völlig übernächtigt und stank nach Diesel wie ein alter Traktor. Essen konnten wir beide vor Aufregung schon seit Ewigkeiten nichts mehr. 

Schliesslich erreichten wir die Marina, unsere Segelfreunde hatten wir vorher über Telefon benachrichtigt und Kerstin und Bernd („Me Ne Vado“) sowie Tina und Dennis („Alii Kai“) standen nun am Ponton und nahmen unsere Leinen entgegen. Welche Freude nach allem! Aber wir konnten ihnen nicht mal ein kaltes Bier anbieten! 

Mittlerweile sind La Rossas Wunden geheilt. Das Ladegerät hatte nur einen Wackelkontakt – eine Schraube war locker - und konnte ganz schnell repariert werden. Die Sache mit dem Motor dauerte länger. Das Werkzeug fand sich ganz schnell, wir hatten in unserem famosen Stauplan unter dem falschen Suchkriterium geschaut: es lag genau an dem Platz, wo es liegen sollte. Die langwierige Reparatur ist nun auch erledigt.

Leider ist tatsächlich die Einspritzpumpe wieder kaputt, d.h. es gibt wieder eine teure Reparatur. Andererseits hatten wir Glück und hatten die alte Ersatzpumpe und alle Werkzeuge und Dichtungen dabei, sonst wäre es noch teurer geworden und alles hätte viel länger gedauert. Nun bekommt La Rossa noch eine Grundreinigung, denn sie sah bzw. sieht innen und aussen aus wie nach einem Bombenangriff. Alles war „upside down“ und voll Öl und Diesel.  

Morgen ist mein Putztag und Manfred wird auf die Juchhee geschickt. Am Samstag gehen wir „Mädels“ nach Brisbane bummeln und am Sonntag ist Halbmarathon in Brisbane, zu dem Tina mich angemeldet hat. Ich laufe im „Gelb“ des Lauftreff Stierstadt. Schnell sind wir nicht, aber bestimmt lustig! 

Am nächsten Mittwoch dann entschwinde ich in die Lüfte und werde vom lieben Onri abgelöst, der schon in den Startlöchern steht. Manfred und Heiner starten dann zum „Rotwein-Törn“, aber das ist eine neue Geschichte...... 

Alles Liebe an euch alle aus Scarborough!

Eure Renate und Manfred, das Diesel-Männchen


Reisebericht 47

Makay - Darwin
  

Townsville, Sonntag, 11. Juli 2004  

In einer lückenlosen Folge von Reiseberichten fehlt ein Stück: die Strecke von Scarborough nach Mackay hat Manfred mit seinem Freund Heiner zurückgelegt, und weiss der Geier, was sich da alles zugetragen hat – es ist mir bisher nicht gelungen, einen umfassenden mündlichen Bericht oder gar etwas schriftliches zu erhalten. Dabei habe ich mich redlich bemüht, den beiden einen schönen Törn vorzubereiten: alles geputzt, Bett bezogen, Essen vorgekocht, Route ausgearbeitet, die Highlights waren bestimmt Fraser Island und das Atoll Lady Musgrave, vielleicht noch Keppel Island, aber wirklich erfahren habe ich eigentlich nichts. So muss der Leser nun alle Phantasie der Welt walten lassen und sich vorstellen, wie 2 allein reisende Herren gesetzten Alters (?) mit Wind und Wellen fertig werden... 

Immerhin durfte ich ein Video sehen, mit dem Titel „Heiner in Australien“. 

Heiner und Manfred reisten zusammen bis Mackay. Achtung, man spricht das echt „Queensländisch“ aus: „Maaackaaaai“, keinesfalls Mäckei wie man vielleicht denken könnte. Mackay ist zwar nicht der Nabel der Welt, aber es besitzt einen Flugplatz, von dem aus Heiner eine etwas komplizierte Heimreise antreten konnte. Manfred blieb mit 2 tränenden Augen zurück, denn er hatte jetzt nicht nur den Heiner nicht mehr um sich, sondern die undankbare Arbeit vor sich, die Dieseltanks zu reinigen. Dies bedeutete, dass er erst mal alle Möbel im Salon und in der Backbord-Gästekabine ausbauen, dann die Bodenbretter herausnehmen und die Tankdeckel öffnen musste. Dazu hatte er vorher in mühsamer Arbeit drei 200Liter-Fässer herbeigeschafft und in den Salon bugsiert, um die verbliebenen 600Liter Diesel hineinzupumpen. Ich habe keine Ahnung wie das ganze vonstatten ging, es gibt auch keine authentischen Fotos von Manfred aus dieser Zeit, ich weiss nur, dass er kurz vor dem Verzweifeln war, es aber schliesslich schaffte.  

Was ihm das Leben zusätzlich schwer machte, war die Tatsache, dass er kein Auto zur Verfügung hatte. Für Manfred ist das schlicht die Katastrophe, aber Mietautos sind in Mackay einfach unbezahlbar. Wenn er irgendeine Kleinigkeit brauchte, dann hieß das: aufstehen und rechtzeitig an der Haltestelle sein, wenn der einzige Bus des Tages um 9.30 Uhr in die Stadt fährt – wohlgemerkt, nur an Wochentagen! Dort trabte Manfred auf der selbst ausgetüftelten „Tour de Mackay“ zu sämtlichen einschlägigen Geschäften, um die fehlenden Dinge zu besorgen, am Ende schaffte er noch die Runde durch den „Wooli“, kaufte sich etwas Essbares und erreichte dann gerade so den Bus pünktlich um 13.00 Uhr für die einzige Rückfahrt des Tages.

Am Wochenende fährt überhaupt kein Bus, und in Mackay ist dann ohnehin „tote Hose“. Kein Wunder suchte der arme Manfred das Schiff nach Anti-Depri-Pillen ab. 

Er überstand die 4 Wochen bis zu meiner Rückkehr aber dann doch. Ich kam am 24.6. nach endloser Reiserei an, viel Gepäck und eine schwere Bronchitis dabei. Wir blieben noch ein paar Tage in der Marina um ruhigeres Wetter abzuwarten, denn wir mögen es beide nicht so sehr, wenn uns Wind und Wellen gleich am Anfang so zusetzen.  

Wir wollten über die Whitsunday Islands nach Norden und hatten Tagesetappen ausgesucht. So erreichten wir jeweils am Nachmittag unser Ankerplätzchen im Windschutz einer Insel und hatten immer noch genügend Zeit, einen Ausflug und einen Spaziergang an Land zu machen. Die südlichen Inseln der Whitsundays haben sandige Ufer, d.h. je nach Tidenstand mussten wir durch mehr oder weniger tiefen Uferschlamm waten. Die berühmten Riffe und Koralleninseln liegen eher im Norden bzw. am äußeren Rand des Great Barrier Reef. Wir umsegelten einige Inseln, die zum Teil erstaunlich bergig sind. In den Buchten, wo Korallen wachsen, sind Bojen ausgelegt, an denen man das Schiff festmachen kann. Das ist sehr praktisch, schont nicht nur die Unterwasserwelt, sondern erspart einem auch problematische Ankermanöver zwischen Felsen und Korallen. 

Endlich konnten wir auch schnorcheln! Leider ist das Wasser hier für unseren Geschmack um diese Jahreszeit recht kühl, vielleicht 22 Grad, zum gemütlichen schnorcheln eindeutig zu kalt. Ich mummelte mich in 3 Lagen Tauchanzüge und fror dann trotzdem relativ schnell, aber das lag vielleicht auch an meiner noch nicht überstandenen Bronchitis. Dennoch konnten wir wundervolle, ganz grosse Korallen bestaunen und zahlreiche bunte Fische. Die schönsten Plätze fanden wir im Norden von Hook Island und vor Hayman Island. 

Schliesslich fuhren wir weiter, denn wir wollten nach Townsville, um unser Paket mit der neuen Einspritzpumpe abzuholen – hoffentlich! In 3 oder 4 Tagesetappen ging es weiter an der barbarisch langweiligen Küste von Queensland entlang. Abends suchten wir einen Ankerplatz irgendwo im Windschutz hinter einem Kap, aber die Buchten sind hier so flach wie das dahinter liegende Land, und man kann gar nicht richtig an das Ufer heranfahren, wir ankerten also meistens fast mitten im Meer, so kam es uns wenigstens vor. Aber wir hatten wenigstens ruhiges Wetter, so war das kein Problem. 

Inzwischen sind wir in Townsville in einer Marina, unser Paket, das ich am 21.6. auf dem Postamt als Luftpost-Paket abgegeben habe (dauert angeblich 7-9 Tage), ist natürlich noch nicht da, und keiner weiss, wo es steckt. Wahrscheinlich sitzt der Zoll drauf. Wir haben jetzt die Zeit genutzt und La Rossa von innen und außen gründlich geputzt, Wäsche gewaschen usw. Da ich mich wegen meiner Bronchitis zu Hause auch nicht mehr richtig in die Stadt getraut habe, war ich inzwischen auch schon fast süchtig nach einem Stadtbummel, Manfred ging es nach 4 Wochen Mackay nicht anders, so warfen wir uns gleich in feine Klamotten, eigentlich nichts besonderes, und schlenderten in die Fussgängerzone ... ach du lieber Himmel! Nicht nur, dass ich mir mit meinem roten Röckchen vorkam wie auf dem Kostümball, es gibt hier keine schönen Läden, jedes 2. Geschäft steht leer und in den anderen kann man den unterschiedlichsten Ramsch kaufen. Die Darsteller sind heruntergekommene Aborigines, die in den Strassen herumlungern, weil sie keine Arbeit finden können, und eigenartige Touristen, die sich in ihrem Urlaub hierher verirrt haben. 

Townsville ist kein Urlaubsziel, es ist eine Hafenstadt, wo Kohle, Zuckerrohr und Melasse auf Schiffe verladen wird. Die Geräusche vom Hafen hören wir jede Nacht. Das schönste in Townsville ist die 3km lange Strandpromenade, die vor kurzem für 30 Millionen AUD herausgeputzt und mit Spiel- und Sportgeräten für Kinder und Erwachsene, Springbrunnen, Barbecue-Plätzen, Cafés, Seewasser-Schwimmbädern, Duschen, Umkleidekabinen und vielem anderen ausgestattet wurde. Ich benutze den Weg morgens als Laufstrecke und komme dabei jedes mal durch den unvermeidlichen ANZAC-Park, wo schon morgens um 6.30 Uhr eine Tonband-Stimme über die gefallenen Kriegshelden berichtet.

Heute habe ich mir einen Ausflug auf den Aussichtsberg „Castle Rock“ gegönnt und mir den 360°-Rundblick über Townsville angesehen. Es war eine schöne Tour, für die ich mir dann selbst die „Wandernadel von T.“ verliehen habe.  

Lizard Island, Donnerstag, 5. August 2004 

Lang, lang ist’s her...

Der Anfang dieses Reiseberichts stammt vom 11. Juli. Die Reise ging von Townsville weiter nach Cairns, La Rossa mit Manfred an Bord, in Begleitung von „Cobra“ mit Ingrid und Lutz. Ich hatte in dieser Zeit zu Hause eine Mission zu erfüllen.

Manfreds Strecke führte durch den Hinchinbrook Channel, wo angeblich Krokodile leben, aber obwohl Manfred eine ausgedehnte Dinghi-Rundfahrt unternahm, um den Wahrheitsgehalt dieser Geschichten zu testen, sah er keine roten Augen aus dem Wasser lugen. Die 3 wackeren Segler erkundeten noch Dunk Island und erreichten nach einer schwelligen Nacht vor Anker die Marlin Marina in Cairns. 

Cairns ist eine richtige Touristen-Stadt, besonders beliebt bei Japanern und viel junges Volk. Von hier starten jeden Morgen riesige Katamarane mit vielleicht 200 Personen an Bord und fahren ans Aussenriff, wo die Gäste tauchen, schnorcheln oder im Sand in der Sonne liegen können.

Wir selbst buchen einen Ausflug in den Regenwald. Ein Bus holt uns morgens ab und bringt uns an die Talstation einer Seilbahn, die uns über eine Länge von 7km durch die Baumwipfel des Regenwalds nach Kuranda schaukelt. Der Regenwald ist eine etwas trockene Angelegenheit, und Kuranda ist ein Touristen-Nepp mit ca. 50000 Didjeridoos und 80000 T-Shirts, aber die Rückreise in der alten Eisenbahn durch enge Täler und über schmale Brücken gefällt uns gut. 

Wir bleiben nur noch 3 Tage in Cairns, das Leben in den Marinas gefällt uns nun wirklich nicht mehr, wir vermissen das schöne Insel-Gefühl, und wir müssen endlich auch weiter. Im Grunde genommen sind wir ohnehin bereits reichlich spät dran, denn bis nach Indonesien haben wir noch einen weiten Weg vor uns.

Unser Paket mit der Einspritzpumpe ist immer noch nicht in Sicht, wir hoffen, dass wir die teure Pumpe (1750 Euro) und noch einiges andere, das in dem Paket war, nicht in den Wind schreiben müssen. Unsere Nachbarn Kym und Falko aus der Marina in Townsville kümmern sich um die Nachforschung nach dem Paket. Auch aus Deutschland läuft ein Suchauftrag, aber die Antwort kann bis zu 2 Monate dauern... 

25sm hinter Cairns hängen wir uns bei Michaelmas Cay an eine Boje und schaben erst mal in mühseliger Kleinarbeit das Unterwasserschiff sauber. Den Unterwasseranstrich hat Manfred zwar erst im Januar in Scarborough neu aufgebracht, aber er nutzt so gut wie nichts, denn der gesamte Schiffsbauch ist dick mit Korallen zugewachsen. Der vorherige Anstrich aus Tahiti war nach 2 Jahren noch besser als dieses Mistzeug aus Scarborough.  

Die kleine Sandinsel Michaelmas Cay wird von Tausenden von Seevögeln bewohnt, die hier nisten und brüten und einen Höllenlärm veranstalten. Sogar während der Nacht geht das Geschrei der Vögel weiter, aber es ist wie in einem Schwimmbad: der Lärm ist so gleichmässig, dass er uns einschläfert.

Am nächsten Morgen starten wir zur Fahrt nach Lizard Island, um mal ein Stück weiter zu kommen. Wir wählen die Route am Aussenriff entlang, denn wir haben die Hoffnung, dort eher Wale zu sehen als innerhalb des Riffs. Kaum sind wir im tiefen Wasser, höre ich auch schon Manfreds Stimme: „Wale!!“ Neben uns schwimmen zwei Buckelwale, springen aus dem Wasser und schlagen mit ihren Fluken aufs Wasser. Es ist ein wunderbares Schauspiel; wir stoppen den Motor und beobachten sie eine ganze Zeit lang, wenn sie auftauchen und mit einer eleganten Bewegung ihrer Schwanzflosse wieder im Wasser verschwinden. 

Bei der Ankunft in Lizard Island werden wir von mehreren Segelfreunden schon über VHF begrüsst. Wir wussten nicht, dass so viele noch hier sind, und es gibt ein freudiges Wiedersehen. Am nächsten Tag machen wir zusammen mit einem amerikanischen Segler-Paar einen Ausflug zum Aussenriff, wo die beiden Männer zu einem Tauchgang aufbrechen. Sie kommen auch total begeistert zurück, haben nicht nur einen beeindruckenden Hai gesehen, sondern etliche 1,50m lange Zackenbarsche und wunderschöne Korallen. Julie und ich haben auf den Schnorchelgang verzichtet, das ganze war uns bei 25 Knoten Wind „too rough“ – wir haben statt dessen ein Schwätzchen gehalten. 

Wir können beide in der Nacht nicht gut schlafen, so stehen wir kurzerhand wieder auf und lichten den Anker; es ist Mitternacht. Wir erleben den schönsten Segeltag, seit wir in Australien sind: da wir innerhalb des Great Barrier Reef segeln, haben wir keinen Schwell und herrlichen Wind aus der richtigen Richtung. Zwei andere Schiffe ankern bereits in Lee von Morris Island und lotsen uns in der Dunkelheit mit ihren Taschenlampen an den Ankerplatz. So schlafen wir gemütlich in Manfreds Geburtstag hinein und laden die beiden anderen Paare zum Frühstück zu uns ein. Danach geht die Reise weiter, mit zwei Geburtstagsgeschenken für Manni: als erstes erfahren wir über email durch Kym und Falko in Townsville, dass unser vermisstes Paket mit der Einspritzpumpe aufgetaucht ist. Der australische Zoll hatte es, denn ich hatte nicht nur die Pumpe hineingepackt, sondern u.a. 3 Jonglierbälle, die ich einem kleinen Mädchen schenken wollte. Die Aussies sind ja schon etwas paranoid und dachten, ich hätte Rauschgift darin verpackt. Um festzustellen, dass kein Rauschgift darin ist, haben sie fast 2 Monate gebraucht und die Bälle aufgeschlitzt, die Dödels. 

Das zweite Geburtstagsgeschenk für Manni war ein ganzer Tag Blister-Segeln. Wir hatten leichten Wind aus SE und herrlich ruhiges Wasser, so sassen wir in unserer La Rossa wie in einem Omnibus. Wir segeln jetzt zu dritt, d.h. Martina und René mit „Windpocke“ sowie Teresina und Herbert mit „Te-Herb“. Beides sind Katamarane. Herbert ist jetzt 70 und hat sein Schiff in 7jähriger Arbeit selbst gebaut. 

Allmählich nähern wir uns Cape York; es ist ja schon eine mühselige, weite Reise hier herauf, aber es führt kein anderer Weg nach Indonesien. Da wir das Cape bei Tag umrunden wollen, fahren wir nochmals bei stockdunkler Nacht an einen Ankerplatz in einer Flussmündung. Da es hier oben kaum noch gute Ankerplätze gibt, muss man nehmen, was kommt. Es ist eine schwierige Einfahrt und wir tasten uns in der Nacht Meter um Meter voran. In der Nähe soll eine Perlenfarm sein, in die wir natürlich nicht hineinfahren wollen, aber unser Segelhandbuch weist in der Nähe einen Ankerplatz aus. Wir verständigen uns mit den beiden anderen Booten durch Lichtzeichen und über VHF und schliesslich liegen wir alle vor Anker. In wenigen Stunden klingelt der Wecker, und als wir die Köpfe aus dem Schiff strecken, sehen wir mit einigem Erstaunen, dass wir alle 3 mitten in der Perlfarm und zudem in gesperrtem Gebiet ankern. Wie durch ein Wunder hat keiner von uns irgendwelche Leinen und Bojen gekappt. Ein Boot von der Perlfarm kommt bei uns vorbei, um uns zu sagen, dass wir da nicht ankern dürfen, aber wir entschuldigen uns höflich und sind bereits auf dem Weg aufs Meer hinaus. 

Nun nehmen wir die letzten Meilen vor dem Cape in Angriff. Genua und Gross links und rechts ausgebaumt (Passatbesegelung), steuern wir auf die Albany Passage zu. Das ist eine schmale Durchfahrt zwischen der Halbinsel York und Albany Island, die man in Richtung Norden bei Flut durchfahren kann. Schon die Einfahrt in die Passage ist spannend. Links und rechts von uns scheint das Wasser zu kochen, aber kaum sind wir in der Passage, wird es ganz ruhig und eine starke Strömung zieht uns mit 9,5 Knoten durch den Kanal. Die Landschaft ist bezaubernd, leider geht alles viel zu schnell. Wir kommen uns vor wie in einem Naturfilm, der im Zeitraffer an uns vorbeizieht. Gleich hinter der Passage beginnt Cape York, dem zwei kleine Inseln, York Island und Eborac mit einem markanten Leuchtfeuer, vorgelagert sind. Auf der Landspitze des Cape stehen etliche Personen, die mit Autos zu diesem nördlichsten Punkt des australischen Kontinents gekommen sind. 

Es ist ein ergreifender Augenblick, als wir um das Cape herumsegeln. Nicht nur Traumsegeln seit Tagen, sondern eine ganz bedeutende Landmarke für uns, denn hier verlassen wir nun den Pazifik und fahren in die Torres Strasse und damit in den Indischen Ozean hinein. 

Von hier gab es vor 20000 Jahren eine Landverbindung nach Neu Guinea hinüber, die sich irgendwann absenkte und nun eine flache Wasserstrasse mit Hunderten kleiner Inselchen und zahllosen Riffen bildet. Viele sind gar nicht in den Seekarten verzeichnet und man kann nur auf bestimmten Wasserstrassen durch die Torres Strasse fahren. Dramatisch wird das ganze durch sehr starke Gezeitenströme und einen Höhenunterschied zwischen dem Pazifik und dem Indischen Ozean, der sich über die Torres Strasse ausgleicht. Wir rauschen mit einer Geschwindigkeit zwischen 9 und 10 Knoten zwischen den Inseln durch, es ist einfach fantastisch! 

Wir hatten ja eigentlich vor, zuerst die Route nach Papua Neu Guinea zu wählen und die Louisiades Islands zu besuchen, aber wir sind zu spät in unserem Zeitplan und schaffen das nicht mehr, also wird aus unserem Besuch in Taka Tuka Land, wo einst Pippi Langstrumpfs Vater Efraim als König ausgeholfen hat, leider nichts mehr... vielleicht bei der nächsten Weltumsegelung... 

Jetzt steuern wir erst mal Darwin an, wo wir ausklarieren und unsere Einspritzpumpe abholen wollen. Auf unserer Reise nach Westen hat sich noch ein blinder Passagier bei uns eingenistet: eine grosse Möwe (??) sitzt auf der Gangway und hält sich dort tapfer 2 Tage und eine Nacht, aber sie scheint seekrank zu sein und steigt ins Dinghi um, dort sitzt sie ganz unglücklich und will nicht einmal von meinem Thunfisch fressen. In Gove, wo wir Zwischenstation machen, setzt Manfred sie auf den Rand des Dinghi und laut schreiend flüchtet sie ins Wasser – einige Startversuche mit heftigem Flügelschlagen und los fliegt sie – hoch über unsere Köpfe und winkt uns noch mal zu. 

Vor der Einfahrt nach Gove werden wir von einer Herde Schweinswale begrüsst, die freudig um La Rossa herumschwimmen und springen, so ein toller Empfang!

Morgen wollen wir weiter nach Darwin, es sind noch mal rund 400sm, also 3-4 Tage, dort werden wir dann endlich diesen Reisebericht abschicken, der ja schon „uralt“ ist.  

Montag, 16. August 2004 

In Gove haben wir ein wenig eingekauft, aber hier in der Diaspora ist alles noch teurer als in den Städten. Gove liegt in Arnhem Land und ist Aboriginal Land, d.h. man benötigt normalerweise eine Genehmigung, aber Gove bildet eine Ausnahme, da es ein australischer Zollhafen ist, wo man ein- und ausklarieren kann. Es ist eine Industriegegend. Hier wird Bauxit abgebaut, zu einem Vorprodukt für Aluminium verarbeitet und exportiert. Früher waren die Weissen die Betreiber der Fabrik, aber seit einigen Jahren ist sie Eigentum der Aborigines, die sich in spektakulären Aktionen Land und gewisse Rechte zurück erkämpft haben. Die weissen Siedler haben die schwarzen Ureinwohner wirklich aufs übelste misshandelt, ihren Lebensraum annektiert, ihre Sozialstrukturen und ihre Kultur zerstört, und es ist verständlich, dass die Aborigines sich von den Weissen fernhalten. Wir spüren auch, dass wir hier zwar geduldet, aber nicht beliebt sind. Noch heute ist die erzkonservative Regierung von Mr. Howard den Aborigines gegenüber nicht freundlich eingestellt. 

Von Gove aus sind es noch mal 420sm bis Darwin.

Wir müssen durch die Inselgruppe der Wessel Islands fahren, d.h. man kann entweder einen Umweg um die Nordspitze machen, oder aber das berüchtigte „Hole in the Wall“ wagen. Natürlich steuern wir das an! Das „Hole in the Wall“ ist eine ganz schmale Passage durch eine Insel, sie ist schnurgerade, 1sm lang, an der schmalsten Stelle ca. 40m breit, tief und ohne Hindernisse, aber das besondere daran sind die extrem starken Strömungen, die sich mit der Tide umkehren. Je nach Tidenhub kann der Strom bis zu 12 Knoten betragen; hat man das gegen sich, dann kann man das ganze vergessen. Wir versuchen, bei Niedrigwasser dort zu sein, schaffen es aber nicht rechtzeitig, und befinden uns in einer „kleinen Flut“.  

Damit ihr nun nicht denkt, wir sind doof, muss ich sagen, dass wir eine falsche Information hatten. Mit der Flut fliesst der Strom von NW nach SE; uns hatte man das Gegenteil erzählt. Für andere Segler ist es wichtig zu wissen, dass man von Süden mit ablaufendem Wasser bzw. am besten bei Hochwasser durchfährt. Wer es ein bisschen spannender haben will, der fährt mit uns! 

Mit geziemendem Abstand fahren alle 3 Boote in die Passage hinein, am Anfang geht es auch noch recht gemütlich zu, aber die Strömung wird immer stärker. In der Mitte der Strecke bauen sich richtige Brecher auf (overfalls), wir fahren wie in einem reissenden Fluss. La Rossa fährt als erste, wir machen noch 1kn Fahrt über Grund bei einem Gegenstrom von 7kn! Meine Knie schlottern ganz schön. Manfred guckt wie immer total „cool“. Windpocke und Te-Herb haben mehr zu kämpfen: sie machen auf dem schwierigsten Stück bei Vollgas nur noch 0,1kn Fahrt! Es war knapp und sah stellenweise so aus als ob Herbert rückwärts fährt und umdrehen muss. Schliesslich sind wir aber alle 3 durch und haben allen Grund zum jubeln! 

Von den Wessel Islands geht’s gemütlich weiter: wir haben wenig Wind, keinen Seegang, die Sonne brennt, und wir segeln fast ständig mit dem Blister, auch nachts. Unsere Blister-Manöver klappen nach so viel Übung jetzt perfekt.

Tagsüber gucken wir ins Wasser, sehen fette, hoch giftige Seeschlangen, die sich über das Meer schlängeln, springende Fische, riesige Algenteppiche, wir lesen, schreiben ein paar emails oder sitzen an Deck im Schatten des Blister, nehmen einen Campari Orange zu uns und schwätzen. Gelegentlich werden Funksprüche mit den beiden anderen Schiffen ausgetauscht. Bis Herberts Meldung kommt: eine Maschine ist ausgefallen, alles voll Öl und Qualm! Der Impeller für die Kühlwasserpumpe hat sich aufgelöst und dadurch hat sich die Maschine überhitzt. 

Wir sichern ihm zu, dass wir auf jeden Fall alle drei zusammen bleiben. Am nächsten Morgen teilt er uns mit, dass die Zylinderkopfdichtung des einen Motors defekt ist und er ist ganz geknickt, aber schliesslich hat ein Katamaran ja noch einen 2. Motor und Segel, ausserdem ist er nicht alleine an Bord! Also, wir werden das zu dritt schon schaffen, James Cook hatte auch keinen Motor! Und es sind nur noch 170sm bis Darwin! 

Mittwoch, 18. August 2004 

Gestern abend sind wir in Darwin angekommen! Endlich! Es war zuletzt sehr langweilig, da wir keinen Wind mehr hatten hier oben im Norden, so musste der Motor brummen. Das Wasser war flach wie ein Ententeich, nur gelegentlich spürten wir ganz heftig die Tiden, die hier oben gewaltig sind, in Darwin bis zu 6m. Durchfahrten muss man genau planen, sonst stampft man gegen starke Strömung an. Abwechslung bieten die diversen Flugzeuge, die hier staendig unterwegs sind. Mindestens einmal pro Tag wurden wir über VHF Kanal 16 angerufen, entweder vom Zoll oder von der Küstenwache. Sie haben panische Angst, dass wir ungebetene Eindringlinge sein könnten. Vor Darwin begegneten uns mehrere Kriegsschiffe, auch diese begleitet von einem Flugzeug, das uns auch gleich anfunkte, um genau zu hören, dass wir auch ja keine Bomben an Bord haben. 

Wen ’s interessiert: 1315sm seit Cairns, wir waren 2 Wochen unterwegs, davon je 1 Tag in Lizard Island und in Gove und 3 kurze Nachtstopps an irgendwelchen Ankerplätzen. Etwas mehr als die Hälfte sind wir gesegelt, am meisten vor und hinter Cape York. Heute abend können wir, wenn Hochwasser ist, in eine Marina, danach werden die Schleusentore wieder geschlossen, sonst würden alle Schiffe in der Marina bei Niedrigwasser im Schlamm sitzen. Morgen bringen wir dann diesen Reisebericht auf den Weg und gehen auf die Suche nach unserem Paket mit der verlorenen Einspritzpumpe, außerdem kümmern wir uns um unsere Visa für Indonesien und um die Ausklarierungsformalitäten. 

So, nun bin ich erst mal fertig. Bis bald mal wieder!

Ganz viele liebe Grüsse aus Darwin von Renate und Manfred


Reisebericht 48 

Darwin-Kupang/Westtimor -

Luban Bajo

Samstag, 4. September 2004 

In Darwin verbrachten wir noch eine knappe Woche – es war ein Versorgungsstopp, d.h. wir mussten von hier ausklarieren, unser Visum und das CAIT (Segel-Erlaubnis) für Indonesien besorgen, diverse Ersatzteile suchen, einkaufen, waschen usw. Auch unser Paket mit der Einspritzpumpe konnten wir endlich in Empfang nehmen. Wir lagen in einer Marina, leider fernab vom Schuss und waren auf die Launenhaftigkeit der Taxifahrer angewiesen, aber letztendlich war alles parat und es konnte losgehen. Strengstens überwacht und mehrfach über Funk befragt von der Coastal Watch machten wir uns auf den Weg nach Kupang, der Hauptstadt von West-Timor.  

3 Tage und 3 Nächte auf See, und wir hatten die Landspitze vor Kupang erreicht, wenig gesegelt und viel motort in diesen Breiten nahe des Äquator. Einmal, in der Nacht, als wir gerade mit 2 Knoten unter Segel langsam vor uns hindümpelten, hatten wir offensichtlich einen Wal geweckt, der auch gerade geschlafen hatte; er beschwerte sich, indem er seinen Rücken aus dem Wasser hob und mit seiner Schwanzflosse kräftig aufs Wasser schlug. Das war’s dann schon. 

Vor Kupang kamen uns die ersten Fischerboote entgegen, laut tuckernde Holzkähne mit hohem Bug und – endlich wieder lachenden und winkenden Menschen!!! Wie hatten wir das vermisst! 

Dass das Ankern und an-Land-gehen in Indonesien eine Kunst für sich ist, lernten wir in Kupang gleich am ersten Tag. Die Wellen waren so hoch, dass an einen Landgang gar nicht zu denken war, also hiess es warten...

Am nächsten Tag konnten wir dann mit dem Dinghi übersetzen, aber wir waren froh über ein paar helfende, braune Hände, die sich uns gleich entgegen streckten. Wir waren bereits avisiert bei Napa, dem Einklarierungs-Agenten mit besten Beziehungen zur Immigration und zum Zoll. Er lotste uns durch die Stadt zu seinem Haus, wo wir Einreisekarten ausfüllten und ihm unsere Papiere aushändigten. Am nächsten Tag sollte schon alles fertig sein. 

Nach 3 Tagen auf dem Schiff waren wir froh über einen Landspaziergang und liessen „Kupang am Sonntag“ auf uns wirken. Zwar waren die meisten Geschäfte geschlossen, dennoch ist die Stadt sehr lebendig. Alle sind irgendwie unterwegs, meist in laut hupenden „Bemos“ (Mini-Busse). Wir gingen zu Fuss, auf der Suche nach dem Markt oder zumindest einem Stand, wo man Früchte kaufen konnten. Das Gehen ist in Kupang ein Hindernislaufen: die Randsteine sind ½ m hoch, in dem Gehsteigen sind tiefe Löcher, die mit Müll angefüllt sind, überhaupt liegt überall Müll: am Strand, in den Bächen und Kanälen, im Wasser – alles ist voll zerbrochenem Glas, Plastikabfällen, Papier und Essensresten. Es staubt überall. Und es ist laut. 

Die Menschen aber lachen und sind sehr freundlich, sie winken und fragen, ob sie uns helfen können, denn wir sind hier wahrscheinlich die einzigen Touristen.

Timor ist arm. Ost-Timor war bis vor wenigen Jahren portugiesisch, jetzt ist es unabhängig, nachdem sich jahrelang Indonesier und Portugiesen heftige Kämpfe geliefert haben. West-Timor ist indonesisch, d.h. früher war es eine holländische Kolonie und wurde wie alle Kolonien ausgebeutet, heute wird es von der korrupten indonesischen Regierung vergessen. Es gibt eine Zementfabrik in der Nähe von Kupang, die ihren Dreck in die Luft bläst, ansonsten ist Timor „Selbstversorger“, was hier schwierig genug ist, denn Timor ist die regenärmste aller Inseln in Süd-Ost-Asien, und es wächst wenig hier. 

Am Montag gingen wir noch mal an Land, tauschten unsere Euro in Indonesische Rupies und staunten über die niedrigen Preise. Eine Fahrt im Bemo, dem Minibus, der mich an den kleinen roten Omnibus im Kinderkarussell von früher erinnert, kostet eine Fahrt pro Person 1000 Rp, das sind 10 Cent. Der Mann, der auf unser Dinghi aufpasst, bekommt dafür auch 1000 Rp – das scheint hier ein Einheitspreis zu sein.

Wir bekamen von Napa unsere Papiere und Pässe ausgehändigt, alles ordentlich abgestempelt, und verliessen am Abend den Ankerplatz, um weiter nach Norden, zu der Insel Lembata zu fahren. 

Ich hatte im „Lonely Planet“, unserem Reiseführer, über ein Walfängerdorf gelesen, wo noch nach traditioneller Art Wale mit offenen Holzbooten gejagt werden. Dort wollten wir hin, hatten aber keine genauen Angaben über die genaue Lage, geschweige denn Koordinaten.  

Und hier fängt nun unser indonesisches Segelabenteuer an.

Es beginnt damit, dass es keine genauen Seekarten gibt, keine richtigen Segelhandbücher und dass die Ortsnamen in den einheimischen Sprachen anders lauten als in indonesischer Sprache. Ich brauche Stunden, um herauszufinden, dass Lembata identisch ist mit Lomblen. Und so suchen wir auch das Walfängerdorf Lamalera, das angeblich in der Labala Bucht liegen soll. Alles, was ich finde, ist eine 8mm hohe Skizze im Lonely Planet, dort ist das Dörfchen eingezeichnet. Wir fahren in die Labala-Bucht und suchen Dorf und Ankerplatz. Schliesslich ankern wir vor einem schwarzen Lavasand-Strand im Schwell in der Nähe eines Dorfes. Dort wollen wir hin, müssen aber erst mal an Land, was wegen des Schwell eine nasse Angelegenheit wird. 

Wir lassen das Dinghi am Strand und spazieren zum Dorf. Gleich kommt uns ein Mann entgegen, der uns begleitet. In der Nähe arbeiten einige Frauen und mauern ein neues Haus; sie winken uns heran, lachen und begrüssen uns, und sofort stehen auch mindestens 100 Kinder da. Mit ein paar Brocken indonesisch, englisch sowie Händen und Füssen unterhalten wir uns. Die Begrüssung ist laut und fröhlich. Zu den Kindern gesellen sich die Lehrer und noch ca. 100 oder 200 weitere Kinder und führen uns in ihre Schule und durchs Dorf. Es ist zwar nicht das gesuchte Walfänger-Dorf, aber es ist dennoch für uns ein schönes Erlebnis, denn alles ist für uns neu und fremd. Die gesamte Bevölkerung nimmt Anteil an unserem Einzug; die Älteren stehen oder sitzen in den Hauseingängen und beobachten ganz ernst, strahlen aber übers ganze Gesicht, wenn wir sie auf indonesisch begrüssen. Vor allem die Frauen sind sehr zurückhaltend, aber wenn wir fragen, dann dürfen wir sie auch fotografieren bzw. filmen. Sie stehen dann stocksteif da, denn sie wollen das Bild nicht verwackeln.  

Wir fragen nach einer Papaya, und nachdem der Besitzer des Baumes herausgefunden und um Erlaubnis gefragt worden ist, klettert ein Junge auf den Baum und erntet eine reife Frucht für uns. Nun geht es wieder zurück, der Schwarm Kinder zerstreut sich langsam, denn die Lehrer mahnen wieder zum Unterricht, zumindest diejenigen, die Schulkleidung tragen, denn bei weitem nicht alle indonesischen Eltern können das Schulgeld für ihren Nachwuchs aufbringen. Die Nicht-Schulkinder begleiten uns bis zum Dinghi, das am Strand auf uns wartet, und das inzwischen 20 andere Kinder zum Spielplatz erkoren haben. Es ist voll mit schwarzem Sand und unsere neuen Radaufhängungen sind total verbogen, ein Reifen ist völlig kaputt, wahrscheinlich haben alle 20 gleichzeitig darin gesessen und „Sturm auf hoher See“ gespielt. Die kurze Rückfahrt zu La Rossa durch die etwa 1-2 Meter hohe Dünung wird nass. Mindestens 2 Brecher weichen uns komplett ein, aber wenigstens kentert unser Bötchen nicht. Wir bleiben über Nacht an diesem seltsamen Ankerplatz, aber der hohe Schwell raubt uns jede Nachtruhe; zumindest ist der Anker fest, was ja die Hauptsache ist, und wir können um diese Tageszeit keinen anderen Ankerplatz mehr suchen, denn die Tiefenangaben in den Karten stimmen nicht und viele Felsen und Korallenköpfe sind überhaupt nicht verzeichnet. 

Am nächsten Morgen suchen wir weiter nach dem Walfängerdorf. Der Schullehrer hatte uns eine Landkarte auf die Tafel gezeichnet (Süden ist oben!) und erklärt wo Lamalera liegt, d.h. weiter an der Küste der Labala-Bucht entlang. Dort finden wir zwar ein weiteres Dorf, aber es besitzt keine richtige Anlandemöglichkeit und es ankern nur 2 oder 3 Fischerboote vor dem Dorf. Also weiter. 

Als wir schon die grosse Labala-Bucht verlassen haben und um die Ecke biegen, sehen wir es plötzlich vor uns! Am südlichsten Zipfel von Lembata, nur von zwei Felsnasen links und rechts etwas vor dem Meer geschützt, liegt es vor uns wie ein altes Gemälde. In einem weiten Halbkreis stehen etwa 20 bis 30 Holzhütten nebeneinander, jede mit einem flachen Satteldach, unter jeder Hütte ein hölzernes Boot. Die Bootshütten gruppieren sich um einen grossen Platz, der zum Meer hin abfällt, in einen dunklen Sandstrand übergeht und eine breite Rampe zum Wasser bildet. Einige Männer arbeiten an einem Boot, das auf dem Platz steht. Links und rechts sowie hinter den Bootshütten am Berg befinden sich die Wohnhäuser. Ausser den Männern, die mit dem Boot beschäftigt sind, bewegt sich nichts, nur das Meer rollt beständig gegen den schwarzen Sandstrand. 

Ein Bild aus alter Zeit. Diese Männer jagen die Wale noch aus ihren offenen Holzbooten heraus, indem sie sich mit einer Harpune auf das riesige Tier stürzen. Bei jeder Jagd riskieren sie ihr Leben, aber es ist ihre Tradition und ein alter Beruf.  

Aus diesem Grund unterliegt diese Art des Walfangs auch keinen Fangbeschränkungen, es gibt in diesem Gewässern ohnehin immer weniger Grosswale, denn die modernen Fangflotten aus Japan haben die Meere ziemlich leergeräumt.  

Wir fahren weiter an der Küste entlang und lassen die Landschaft auf uns wirken. Die indonesische Inselkette gehört zu den aktivsten Vulkan-Gegenden der Erde, und die Inseln tragen alle kegelförmige Vulkanberge, viele sind aktiv. Mit mir geht die Phantasie durch. Wir hatten als Kinder ein Buch, in dem ein Bericht über den Ausbruch des Krakatau im Jahr 1883 war, ich habe diesen Bericht als Kind immer und immer wieder gelesen, es hat mich so fasziniert, und nun sind wir in dieser abenteuerlichen Gegend! Wir fahren durch schmale Passagen zwischen den Vulkanen hindurch, Ebbe und Flut verursachen hier enorme Strömungen und Strudel. Was passiert, wenn unter uns plötzlich ein neuer Vulkan entsteht? Oder eine grosse Methangas-Blase aus dem Wasser aufsteigt und mit einem lauten Blubb der Auftrieb, der unser Schiff schwimmen lässt, auf einmal nicht mehr da ist und uns mit Mann und Maus untergehen lässt? 

Eigenartige Fischerkähne begegnen uns und Fischereibojen, mit Palmwedeln, Bambusstäben, Fähnchen und allerlei buntem Kram geschmückt, sehen aus wie kleine Flösse, die auf dem Wasser dahintreiben, dabei hängen sie nur in der Strömung. 

Wieder suchen wir uns einen Ankerplatz für die Nacht, es ist jedes Mal ein aufregendes Unterfangen, einen Ankerplatz zu finden, ohne urplötzlich auf dem Riff zu sitzen. Die Wassertiefen sind enorm, und erst kurz vor dem Ufer findet man, wenn man Glück hat, eine Stelle zum ankern. Dabei sind auch die Tidenunterschiede von rund 2m nicht zu vergessen.

Wir ankern vor einem kleinen Dorf und fahren noch mal kurz an Land. Ein paar junge Männer mit rot glänzenden Mopeds hängen herum. Am nächsten Morgen soll hier Markttag sein, jetzt sehen wir nur die leeren Bambusdächer und Gestelle entlang dem geteerten Hauptsträßchen. Und wirklich – am frühen Morgen, nachdem die Hähne uns geweckt haben, bevölkert sich das Dorf. Auch wir fahren an Land, parken unser Dinghi zwischen den bunten Holzkähnen der anderen Marktbesucher und gehen auf den Markt. 

Welch ein Anblick! Da hocken kleine braune Frauen, in Tücher gehüllt oder in einen Sarong, in ihren Marktständen und bieten Waren an: kleine Tomaten, Knoblauch, kleine Pepperoni, Bananen, Kräuter, Kokosnüsse, getrocknete Bohnen, Maiskörner, Sojabohnen, Reis. Dazwischen laufen Kinder umher und kleine Hühner. Manche Frauen tragen die traditionelle Kopfbedeckung der Moslems. Wir begrüssen sie mit „selamat pagi“, d.h. „guten Morgen“ und ernten dafür ein strahlendes Lachen aus  feuerroten, fast zahnlosen Mündern – du glaubst, du blickst in den Höllenschlund! Sie kauen Betelnüsse mit ungelöschtem Kalk, der so aggressiv ist, dass er die Zähne zerstört; die Nuss färbt alles feuerrot. Sie erklären uns das lachend und zeigen uns dabei ihren Mund.  

Die jungen Männer auf ihren Mopeds sind auch hier „cool“. Sie lächeln allenfalls schüchtern, kauen aber keine Betelnüsse, ihre Zähne sind weiss: sie rauchen dafür wie die Schlote, alle Männer hier rauchen ohne Ende. Wir fragen uns, was die Jungen für eine Zukunft haben und was sie vom Leben erwarten. Junge, hübsche Mädchen lächeln uns an.  

Am Strand sitzen die Frauen und Männer, die getrockneten Fisch verkaufen. Es gibt auch Stände mit Bekleidung, Unterwäsche, Schuhe, Seife, Waschpulver und allem möglichen Hausrat. Die Preise sind niedrig, für uns unbegreiflich, aber das ist das Preisniveau. Sie sind für unsere Verhältnisse arm, aber es ist eine andere Armut als wir sie in Vanuatu gesehen haben. Hier haben die Menschen schon an der modernen Technik geleckt, und die Armut hat hier für uns auf den ersten Eindruck etwas Bedrohendes, Bedrückendes. Es ist der Zündstoff für soziale Unzufriedenheit und Unruhe. 

In einem anderen Städtchen, einem schmuddeligen Hafenstädtchen, wo wir einen Tag später ankern, sprechen wir mit einigen jungen Männern, die auf einem der grossen Holzschiffe mitfahren, die nicht nur Fracht transportieren, sondern auch Passagiere. Sie kommen von den grossen Inseln Banda, Kalimantan (Borneo) und Sulawesi (Celebes) und sind auf dem Weg nach Surabaya, der berüchtigten Hafenstadt auf Java. Alle wollen dorthin, in die Großstädte, Hafenstädte, auf der Suche nach Arbeit und Glück. Wenn sie wohlhabende Eltern haben, dann konnten sie vielleicht die vier Schuljahre absolvieren, wenn nicht, dann haben sie nichts gelernt und finden keinen Job. Surabaya und Jakarta sind Millionenstädte mit enorm hoher Kriminalität. Es sind nette junge Männer, mit offenen Gesichtern und einem freundlichen Lachen – hoffentlich haben sie Glück! 

Gestern kamen wir hier in Luban Bajo an. Es liegt im Westen der Insel Flores, in einer wunderschönen Landschaft voller Inseln und Inselchen, wie Maulwurfshügel schauen sie aus dem Wasser, lauter kleine Vulkankegel. Das Meer ist hier voller Riffe, unzuverlässige Seekarten, d.h. hier kommt man nur bei Tag her, nachts oder bei tief stehender Sonne ist es unmöglich, hier herein zu fahren. Schon bei Tag ist man nass geschwitzt vor Aufregung. Luban Bajo ist Ausgangspunkt für Ausflüge nach Rinca oder Komodo, wo die „Komodo-Drachen“ leben. Es ist ein kleines Städtchen mit ein paar Hotels und Gasthäusern, Rucksacktouristen kommen hierher, aber nur wenige.  

Wie alle Städtchen, die wir bisher gesehen haben, fliesst bzw. landet auch hier alles im Wasser: Ölreste, Plastikabfälle, jeglicher Müll. Schade. Die Regierung lässt die Menschen mit dem Müll allein, man kann hier zwar vieles kaufen, die Preise sind niedrig, aber die Hinterlassenschaften verrotten nicht. Dennoch sind die Leute freundlich, hilfsbereit, sie wollen zwar ihre kleinen Geschäfte mit dir abschliessen, bieten geschnitzte Komodo-Drachen aus Holz und allerlei Kitsch an, aber sie sind nicht aufdringlich und akzeptieren auch das „tidak“ (nein). 

Früh um 4.45 Uhr schickt der Muezzin seinen Ruf über das Städtchen und zu uns übers Wasser; danach krähen Hähne und Hunde bellen. Gegen 6 Uhr beginnt  mehrstimmiger Gesang in der christlichen Kirche – 90% der Bewohner von Flores sind Christen – dann kommt allmählich das Geräusch hupender Autos und knatternder Mopeds dazu. Die kleine Stadt erwacht. Wir waren mit dem „bemo“ auf dem Markt, haben Mangos, Papaya und Ananas gekauft und für einen Segelfreund sogar einen Laden gefunden, wo man nicht nur Babykleidung, Eier, Shampoo und Plastikschläuche, sondern sogar Kugellager kaufen kann. Im Prinzip gibt es hier alles, aber man sucht vergeblich nach Brot oder einem Metzger. Hühner werden lebend gekauft. Wenigstens haben sie dann keine Plastikverpackung. 

Für die Rückfahrt vom Markt bieten sich Mopedfahrer als „Taxi“ an. Da ich einen Rock anhabe und den „Damensitz“ auf dem Motorrad nicht beherrsche, klettern wir statt dessen wieder in ein bemo. Zwischenzeitlich sind die beiden anderen Yachten, „Harlekin“ und „Me Ne Vado“ eingetroffen; auf der Harlekin ist die Motoraufhängung defekt und sie müssen einen Reparaturtag einlegen – sehr zum Vergnügen der Männer; wir Frauen gehen statt dessen bummeln. Bernds Geburtstag muss noch gefeiert werden, und danach trennen sich unsere Wege vorerst wieder.  

Wir wollen nach Rinja, knapp 20sm entfernt, und die letzten Drachen der Erde besuchen, die nur noch dort und auf der Insel Komodo leben. Beide Inseln wurden zu Naturparks ernannt und können in Begleitung eines Führers besucht werden. Für ein Eintrittsgeld von 74000 Rp incl. Führer (7,50 €) werden wir 3 Stunden lang über die Insel geführt – es ist eine karge Landschaft, Kakteen, Pandanusbäume, Palmen. Die Insel ist hügelig und mit zahlreichen Steinen und Felsbrocken übersät, in deren Schatten sich die Drachen – bis zu 4m lange Warane – tagsüber ausruhen. Leider haben sie ausgerechnet heute Ausgang; aber wir sehen Wasserbüffel, Affen, Wild, wilde Hühner, sogar eines der Wildpferde, das zu einer kleinen Herde gehört, die noch auf Rinja lebt. Es steht oben auf einem Berg, mit wehendem Schweif und wilder Mähne und beobachtet uns. Sein Wiehern dringt bis zu uns herüber, ich stelle mir Winnetou auf seinem Rücken vor ... dann trabt es weg, auf der Flucht vor unseren neugierigen Blicken...

Einige Drachen liegen unter den Hütten des Rangerdorfs, als wir dorthin zurückkehren, aber sie sind müde und wurden heute früh vermutlich schon gefüttert. Zumindest wissen wir jetzt, wie sie aussehen. Einige Drachen sind aggressiv, weshalb die Ranger einen langen Ast mit sich tragen, um die Kerlchen im Notfall auf Distanz zu halten. 

Unser Ranger erzählt uns, dass diese Drachen zur Familie der Schlangen gehören und aus Eiern schlüpfen, die aber von dem Weibchen nur abgelegt, nicht ausgebrütet werden. Nach dem Ausschlüpfen leben die kleinen Drachen einige Jahre auf Bäumen und ernähren sich von Insekten und Geckos. Ihre Eltern sind Kannibalen, daher können die Kleinen nicht auf der Erde bleiben. Gerüche nehmen sie über ihre schwarze Zunge auf, und sie haben einen enorm feinen Geruchssinn. Wenn ein anderes Rudel Drachen jagt, dann riechen sie das Blut über eine Entfernung von 5km. Sie jagen Hühner und Ziegen, sogar Wasserbüffel werden ihre Opfer, indem sie das grosse Tier zunächst nur beissen. Der Büffel bekommt von dem Biss eine Infektion und wird immer schwächer, bis die Drachen, die das kranke Tier verfolgen, ihm endgültig den Garaus machen und es mit Haut, Haar und Knochen auffressen.  

Von Rinca aus wollen wir noch zu der anderen Dracheninsel, Komodo, dort soll auch ein schöner Tauchplatz sein. Ehrlich gesagt: die Drachen schauen wir uns zwar auch auf Komodo noch mal an, aber ich finde sie hässlich und faul, und ich kann nichts faszinierendes daran erkennen. Interessant war es trotzdem. Dafür entschädigt uns der Tauchplatz mit einem wunderschönen, vollkommen intakten Riff, mit Tausenden von Fischen, die in ganzen Wänden vor dir stehen, sogar schwarze Nemos sehen wir – wir sind überwältigt. Manfred, der ja wirklich schon sehr viele Tauchgänge absolviert hat, sagte, dass er nur ganz, ganz selten ein so schönes Riff gesehen hat.  

Ich hör jetzt mal auf mit diesem Bericht, um die Datei nicht so endlos werden zu lassen. Fortsetzung folgt in Kürze!! 

Viele herzliche Grüsse von Renate und Manfred


Reisebericht 49

Komodo – Lombok   

Pralles Leben Indonesien!

Indonesien haut uns um! Wir kommen von morgens bis abends aus dem Staunen nicht mehr heraus! Alle 5 Sinne sind hier ständig aktiv! 

Nach unserem anfänglichen Schreck vor Staub, Lärm und Müll haben wir uns ganz rasch assimiliert – Berührungsängste darfst du hier nicht haben. Aber unsere Erlebnisse aus Fidji und Vanuatu kommen ganz schnell wieder in unsere Erinnerung und in unser Lebensgefühl zurück, nur ist das hier noch ein ganzes Stück exotischer und heftiger. Wo es in Vanuatu beschaulich und still war, da prasselt es hier auf uns ein – in jeder Hinsicht! 

Wo fange ich an? Gestern hatten wir einen Ankerplatz in einer Bucht, die bei Tauchern sehr beliebt ist; wir hatten gehört, es gäbe dort einen „Sea Mountain“, wo man unbedingt schnorcheln muss. Wir lagen dort zusammen mit zwei grossen Tauchschiffen, einige Fischerboote kamen in die Bucht, überall junge Männer drauf, neugierige Blicke, einer davon mit einer Gesichtsmaske, mit Löchern über Mund, Nase und Augen, Handschuhe an den Händen. Natürlich haben auch wir von Piratenüberfällen gehört und wieder mal meldet sich meine blühende Phantasie. Piraten? Wir sind froh, dass die beiden Tauchschiffe da sind und fühlen uns so sicherer. In der Dämmerung verlassen die beiden aber die Bucht und wir sind mit den „Piraten“ alleine, fühlen uns seltsam. Als sie dann auch noch anfangen, quer durch die Bucht und direkt vor unserem Bug ein langes Fischernetz auszulegen, müssen wir uns doch zu Wort melden, denn wir kämen ja nicht mehr weg. Die Piratenmaske ist inzwischen verschwunden und 4 lachende junge Männer legen ihre schönen weissen Zähne frei, winken und verlegen selbstverständlich ihr Netz. Wir bedanken uns mit Zigaretten. 

Am nächsten Morgen stehen wir mit der Sonne auf, denn wir haben fast 60sm vor uns. Ich habe noch am Abend einen Beutel gepackt mit 4 T-Shirts, Keksen, einer Bratpfanne und einen 10-Liter-Kanister Trinkwasser abgefüllt. Die jungen Männer haben schon das Netz eingeholt und kommen zu uns ans Schiff, wo wir ihren Fang bestaunen können – wenig genug. Sie freuen sich über die Sachen, wir verabschieden uns, und wir winken uns noch lange zu.

Die „Piratenmaske“ war ein Sonnenschutz.  

Unsere Reise geht an vielen kleinen Inseln vorbei, an Riffen, die in keiner Seekarte verzeichnet sind, und an kreisrunden Inseln, die nur aus einem Vulkan bestehen. Vor 2 Tagen ist der Vulkan Egon auf Flores ausgebrochen, und die beiden Schiffe von Segelfreunden, die zu der Zeit dort ankerten, waren total bedeckt von feiner, grauer Asche. 3000 Menschen wurden evakuiert, da man in den nächsten Tagen mit einem richtigen Ausbruch von Egon rechnet. Ich muss immer wieder an den Krakatau denken, der mich nicht loslässt. 

Der Schiffsverkehr nahe der Inseln ist gigantisch. Die Indonesier sind „boat people“. Wir begegnen den eigenartigsten Wasserfahrzeugen: lange Holzboote mit einer

Überdachung über dem rückwärtigen Teil und einem laut knatternden und schwarz prustenden Motor; Segelschiffe mit einem niedrigen Mast und dreieckigen, blauen Segeln; grosse Holzschiffe – vielleicht 40-50m lang – mit hoch aufragendem Bug und

einem grösseren Überbau über dem Heck, wahrscheinlich ein Passagierraum; Holzkähne mit 2 breiten Auslegern, die wie Flugzeuge aussehen. In geschützteren Gewässern kommen uns kleine Kanus entgegen, aus einem Baumstamm geschnitzt – meist sitzen Kinder darin und paddeln mit allem, was sie finden können: Gummilatschen, Holzbrettchen, Hände...  Sie lachen und winken und rufen „Hello Mistärrr!“ 

Heute ankern wir vor einem Mini-Dorf. Es ist ein Fischerdorf und wir ankern wahrscheinlich mitten auf ihrem „Hof“. Gestern Abend – nach dem letzten Ruf des Muezzin – ging’s schon los. Alle Fischerboote verliessen unter lautem Geknatter die

Bucht, indem sie immer ganz knapp an unseren 3 Segelbooten vorbeidüsten. Sogar solche mit den riesigen Auslegern links und rechts bretterten an uns vorbei. Einige blieben allerdings in der Bucht liegen, und nun konnten wir auch sehen, wie die Fischer ihre Netze zwischen den Auslegern befestigen und sie dann absenken. Wer nun denkt, dass fischen eine ruhige Angelegenheit ist, der war noch nie in Indonesien. Ganze Familien-Clans leben auf den Booten, reden, streiten und lassen den Generator für die Bordbeleuchtung in der Nacht fröhlich tuckern. Noch bevor  sich „Mata Hari“ – das Auge des Tages – über den Horizont erhoben hat, kommen die Fischerboote mit lautem Getöse wieder zurück, und nun übernehmen die Frauen des Dorfes die kostbare Ladung, packen alles um in lange Lastkähne und verlassen ebenso knatternd, wie ihre Ehegatten zuvor in die Bucht hereingekommen sind, den Ort in Richtung Bima, das ist die 5km entfernte Hafenstadt, wo um 7 Uhr der Markt öffnet. 

Wir wollten natürlich auch nach Bima, und Manfred übernahm die Verhandlungen mit 3 Jungs, die auf einem solchen „Knatterkahn“ sassen. Der ausgehandelte Preis betrug 20000 Rp für 7 Personen (sie wollten nur 2000, aber das erschien uns unfair, 2000 Rp sind 20 Cent und auch für hiesige Verhältnisse für eine solche Strecke zu wenig). Sie freuten sich über das gute Geschäft und wir (Kerstin, Bernd und Luca, Ingrid und Norbert sowie wir beide) machten uns reisefertig. Die Jungs holten uns ab und wir stiegen in den schwankenden Kahn; mit lautem Getöse, wilden schwarzen Qualmwolken und heftigem Gestank kurbelte einer der Jungs den Motor an, der – ohne Getriebe – sofort losfuhr. Die Geschwindigkeitsregelung erfolgt über eine lange Schnur und das Lenken funktioniert, indem sich einer, der oben auf dem Dach über einem Fass kauert, dieses Fass samt Kahn leicht nach links oder rechts kippt und damit den Schwerpunkt verändert. In der Bilge schwappt ein Eimer zur gefälligen Benutzung durch die Passagiere: jeder darf mal schöpfen. 

Ich denke an unsere Freunde zu Hause. Wer würde eine solche Fahrt wohl mitmachen? Angela bestimmt, bei Peter bin ich mir schon nicht ganz so sicher. Auch Raimund würde einsteigen, aber seine Skepsis hinter einem verhaltenen Lächeln verbergen, und Traudl würde natürlich mitfahren, sie hätte aber im Gepäck vermutlich heimlich einen Schwimmring verstaut, um – falls der Kahn kentert – schnell an Land zu schwimmen. Mit Henriette war ich noch nie segeln, aber sie würde sofort in den Klapperkahn klettern, auch Heiner wäre dabei, Christa aber ganz bestimmt nicht, auch Vreni und Reinhard würden vermutlich einsteigen. Ich lehne mich genüsslich, auf dem dreckigen Holzboden sitzend, zurück, überlasse meine Ohren dem Höllenlärm des Motors und betrachte die Landschaft. 

Im Dorf Bima angekommen, schnappen wir ein Bemo (Minibus) und fahren ins Städtchen zum Markt. Auch hier wie überall Trubel, Lärm, Farben, Gerüche. Der Markt verteilt sich in mehreren, verwinkelten Gassen. Attacke auf die Nase! Knoblauch, Trockenfisch. Wummm! Dann wieder der feine Duft von grünen, frischen Kräutern. Was ist das? Wie wird es verarbeitet? Hände und Augen reden, ein paar Brocken indonesisch, ein wenig englisch, so klappt’s. Mangos, Papaya, Tomaten, Pepperoni, frische Eier von Hühnern, Enten. Lebende Hühner, kleine Ziegen. Wir kaufen ein, verhandeln, feilschen um die Preise, das ist hier ganz normal. Die Marktfrauen sind geschäftstüchtig, aber wir ernten nach abgeschlossenem Kauf immer ein strahlendes Lächeln. Auch wir sind selig und verstauen unsere Schätze in Rucksäcken und Taschen. 

Wir fahren mit 3 Cidomo – das sind kleine Karren, die von einem mageren Pferdchen gezogen werden – einige Strassen weiter. Manfred ist ganz wild auf den Supermarkt, er gibt in keinem Land dieser Erde die Hoffnung auf seinen geliebten Camembert auf. Die Pferdchen sind so winzig: Manfred und Norbert haben beim Einsteigen in den kleinen, einachsigen Karren das Gewicht nicht rechtzeitig nach vorne verlagert, und das Tierchen – in der Luft hängend – strampelt wild mit seinen Beinchen.

Camembert gibt’s hier natürlich nicht, und die Preise sind auch, verglichen mit den Preisen auf dem Markt, ganz schön happig, aber die Fahrt mit der Pferdekutsche war es wert. Für die Rückfahrt zum Hafen entscheiden wir uns für ein bemo und am Hafen warten unsere 3 Jungs mit dem Tucker-Kahn schon auf uns.  

Am Nachmittag statten wir unserem „Gastdorf“ Bonto noch einen Besuch ab. Das ganze Dorf steht Kopf. Ich glaube, hier kommt nie ein Tourist her, die Ankerposition haben wir auch in keinem Buch gefunden, sondern wir hatten sie von Bobby Schenk bekommen, der 3 Wochen vorher hier war. Die meisten ankern – wenn überhaupt – in Bima. Unser Bonto ist ein Bilderbuchdorf. Wir werden von mindestens 200 Kindern begleitet, überall stehen die Menschen in ihren blitzsauberen Gärten oder schauen aus ihren Stelzen-Häuschen. Wer sind denn hier die Exoten? Sie oder wir? Wir kommen uns vor wie der Rattenfänger von Hameln, es werden immer mehr: Männer, Frauen, Kinder, Babys werden uns vorgeführt, wir sollen alle fotografieren. Kühe stehen in den Gärtchen, kleine Katzen liegen auf einer Treppe, Kinder eilen – einen Wassereimer auf dem kleinen Kopf – nach Hause und die Leiter hinauf ins Haus. 

Die kleine, blonde Luca, 6jährige Tochter von Bernd und Kerstin, ist die Attraktion. Jeder will sie anfassen, aber sie mag das natürlich nicht so gerne.  

Männer zeigen uns zwei Holzboote, die sie gerade bauen. Ein Boot kostet 15 Millionen Rupies, mit Motor 20 Millionen (ca. 2000 Euro), das ist eine Investition fürs Leben, nicht viele können sich das leisten.

Die Schule ist in Bima, Bonto hat nur einen Kindergarten oder vielleicht ein Grundschuljahr. Die Kinder fahren mit dem Bus, einige auf dem Dach des Busses, jeden Tag nach Bima, sofern die Eltern Geld für die Schule aufbringen können. Der Lehrer wird uns vorgestellt. Unsere kleinen Wörterbücher finden Anklang, und ich muss versprechen, meines nach der Abreise aus Indonesien nach Bonto zu schicken. Mit grossem Hallo schieben 50 kleine Hände das Dinghi wieder ins Wasser und wir fahren zurück. 

Am nächsten Tag ankern wir nochmals vor einem ähnlichen Dorf, vielleicht liegt es sogar noch mehr abseits als Bonto. Der Dorfvorsteher berichtet, dass hier etwa einmal pro Jahr eine Yacht ankert, und das auch erst seit 2 Jahren – wir bilden also heute mit unseren 3 Schiffen den 3-Jahres-Durchschnitt. Manfred wird von einem der jungen Männer auf dessen Moped durchs Dorf gefahren. Diese Mopeds kosten umgerechnet 1000 Euro und es sind hier Statussymbole. Es ist uns nicht ganz klar, wie die jungen Männer soviel Geld verdienen, aber vielleicht stottern sie es über Jahre ab. Ben Hur, das Dorfpferdchen mit seiner Karre, wird uns vorgestellt, es schaut völlig verwirrt aus bei diesem Höllenlärm um uns herum, rollt mit den Augen und ist wahrscheinlich heilfroh, dass wir von ihm keinen Gebrauch machen wollen. 

Beim Abschied werden wir von mindestens 300 Kindern lautstark verabschiedet; sie haben vielleicht noch nie „Touristen“ gesehen, möglicherweise davon gehört, aber ihr könnt sicher sein: hier gibt es nichts, was auch nur im entferntesten mit „Tourismus“ zu tun hätte.   

Müllentsorgung auf indonesisch?

Wir werfen alle Bio-Abfälle ins Meer, ebenso Papier, wenn wir draussen auf See sind. Plastik, Dosen und Glas wird gesammelt und – wenn die Möglichkeit besteht – an Land abgegeben. In Indonesien stürzt sich, sobald wir ausser Sichtweite sind, ein Grüppchen Kinder oder auch Erwachsene auf den Müllsack und kramt alles heraus, was ihnen irgendwie noch verwertbar erscheint. Der Rest wandert – ins Meer! Oder es wird am Strand gleichmässig verteilt und von der nächsten grossen Welle abgeholt. Je nach Strömungsverhältnissen treffen wir dann Plastikbeutel und allerlei anderes Gerümpel im Wasser, das ist natürlich eklig und für die Fische ist es tödlich, wenn sie einen Müllbeutel verschlucken in der Annahme, dass es sich um etwas Fressbares handelt. Aber so ist das hier.

Müllverwertung, Tierschutz, nur für reiche Länder! 

Auf dem Weg nach Lombok passieren wir so viele Fischerboote, unglaublich, es sind die phantasievollsten Kreationen. Alles, was schwimmt, ist hier draussen. Es wundert uns nicht, dass wir beim schnorcheln so wenig Fische sehen und wir haben auch bisher mit unserer Schleppangel noch nichts gefangen, auch unsere Freunde nicht. Es sind Hunderte von Booten hier draussen unterwegs und man muss höllisch aufpassen.

An einem friedlichen Morgen haben wir herrlichen Wind, Manfred steht selbst am Ruder (das tut er nur beim schönsten Wind) und ich lese. Dabei höre ich jemanden rufen, sage zu Manfred: „Du, da ruft einer, hörst du? Grüss zurück!“ Das Rufen wird immer lauter und verzweifelter, ich schaue unter der Genua durch nach vorne und sehe den weissen Rumpf eines Fischerbootes direkt vor uns! Ich schreie: „Manfred, da ist ein Fischer direkt vor uns! Siehst du ihn?“ Und Manfred, der sonst immer herumdiskutiert, wenn ich so etwas sage, reagiert diesmal sofort – wahrscheinlich hat er an meiner Stimme gehört, dass es 1 Sekunde vor 12 war – und macht ein perfektes „Manöver des letzten Augenblicks“, unter vollen Segeln eine Halse! Klasse! Und der Fischer, der immer noch mit den Armen fuchtelt, atmet wahrscheinlich genauso auf wie wir.

Manöverkritik? Manfred hatte das kleine Schiff nicht gesehen, obwohl er am Ruder stand. Es war hinter der Genua einfach verdeckt.

Unseren Freunden von der MeNeVado ist das gleiche passiert, nur hat dieser Fischer nicht um sein Leben gebrüllt wie „unserer“, sondern stand stoisch auf seinem Kahn und wurde von der MeNeVado samt seinem Netz ein ganzes Stück mitgeschleppt, was letzten Endes einige Schrammen am Schiff hinterliess. 

Segeln in Indonesien? Das heisst, jede Minute wachsam sein, überall liegen Bojen und die kleinen, zerbrechlichen Kanus sieht man oft erst wenige Meter vorher.  

Das ist die traditionelle Fischerei hier, aber es gibt auch andere Methoden. Wir wundern uns, warum so viele Riffe total zerstört sind und warum es relativ wenig Fische gibt. Auch an guten Tauchplätzen sieht man keine grossen Fische und viele zerstörte Korallen. Hier wird  mit Dynamit gefischt. Das „fish bombing“ ist zwar offiziell verboten, aber wer kontrolliert das? Es ist eine einfache und schnelle Art, Fische zu töten, man muss sie nur noch einsammeln, aber beim „bombing“ wird einfach alles zerstört, auch kleinste Fische und Korallen. Dabei wird die Lebensgrundlage der ehrlichen Fischer zerstört. Viele Menschen leben hier als Seenomaden auf ihren Booten, d.h. sie haben kein stationäres Zuhause, sondern leben, arbeiten, essen und schlafen auf zum Teil fragilsten Konstruktionen. Sie sammeln Seegurken von den Riffen, kochen und trocknen sie in mühvoller Arbeit und verkaufen sie über Zwischenhändler nach China, wo man die Seegurken in Feinschmeckerlokalen für horrende Preise in dünne Scheibchen geschnitten im Restaurant bestellen kann. Die Seenomaden bekommen nur wenige Rupies dafür. 

Wir sind jetzt auf dem Weg nach Bali, die Berge von Bali kann man im Dunst schon ahnen.  Man spürt schon die Nähe des Tourismus, die Kinder kommen nicht mehr zu uns ans Schiff und niemand ruft „Mistärr, Mistärr“ oder „Missiiis, Missiiis!“ Wir ankern heute vor einem Nobel-Hotel, das gerade von einem Team der ARD für eine Serie gefilmt wird, die in etwa ½ Jahr im deutschen Fernsehen gezeigt wird: die schönsten Hotels der Welt. Seltsam. 

Unser Ankerplatz ist in Lombok, der Nachbarinsel von Bali. Der Tourismus ist in Indonesien seit dem Bombenattentat in Bali vor 3 Jahren um 90% zurück gegangen, es wird hier viele die Existenz kosten. Bali war das Mallorca der Australier, aber sie sind hier nicht mehr beliebt, da sie im Iraq-Krieg verstrickt sind. Vor 2 Wochen erst wurde ein Attentat auf die Australische Botschaft in Jakarta verübt, viele Verletzte. Auch Amerikaner will man hier nicht sehen. Wenn wir gefragt werden, woher wir kommen und wir antworten mit „Jermany“ bzw. „Eropa“, dann zeigt der Daumen nach oben. Indonesien ist politisch ein Pulverfass. 

Nun kommt ein neuer Teil unserer Reise – deshalb beende ich diesen Bericht hier. Wir haben einen Teil der Erde erlebt, der uns in seiner Vielfalt und Heftigkeit tief bewegt hat.

Mit einem herzlichen „selamat siang“ grüssen wir euch alle ganz herzlich! 

Eure Renate und Manfred


Reisebericht 50

Lombok

Samstag, 25. September 2004  

Lombok hatte alles für uns parat. Unser erster Ankerplatz auf dieser Insel lag in einer hübschen Bucht, Palmen und heller Sandstrand, am Ufer ein Urlaubsresort erster Klasse. Wir statteten ihm abends und am nächsten Morgen einen Besuch ab und bewunderten die herrlichen Dekorationen; es ist wirklich ein Traumhotel. Zur Zeit weilt sogar ein Filmteam aus München hier und dreht für eine Serie über die schönsten Hotels der Welt, die in ca. 6 Monaten bei uns im Fernsehen (ARD) gezeigt wird. Einige Schauspieler aus „Traumschiff“ & Co sehen wir herumwandern, ich erkenne Ruth Maria Kubitschek (das „Spatzl“ – schau wia i schau) und noch ein paar andere. Das Filmteam macht sogar Aufnahmen von den geankerten Yachten, mal sehen, ob wir unser Traumschiff dann im Fernsehen wieder erkennen. 

Wir setzen uns hier in Lombok von den anderen ab und suchen uns einen anderen Ausgangspunkt für eine geplante Rundreise über die Insel. Ich möchte unbedingt die kleine Bergstrasse um den 3700m hohen Vulkan Mount Rinjani erleben und die anderen planen einen Ausflug ins flachere Land, wo sich die diversen Weberdörfer und andere Einkaufsmöglichkeiten für Handwerkskunst befinden. 

Während wir nach Süden fahren, sehen wir in der Ferne Hunderte bunter Segel, es sieht aus wie das Feld einer Windsurfing-Regatta. Beim Näherkommen zeigt sich, dass es Fischerboote sind, die sich auf dem Heimweg befinden. Sie sehen mit ihrem schmalen Rumpf und den beiden Auslegern aus wie riesenhafte Spinnen, jedes Boot hat ein andersfarbiges Segel, und sie sind mit rasender Geschwindigkeit unterwegs, ein Ausleger meistens in der Luft. Wir müssen unseren Weg zwischen den Booten sorgfältig beobachten, manchmal ist es so knapp, dass man sie fast anfassen kann. 

Unseren Ankerplatz finden wir vor Kap Senggigi, dort befinden sich die meisten Hotels von Lombok, der Platz hat aber den Nachteil, dass er nicht sehr geschützt liegt und unsere La Rossa meistens heftig schwankt. Ausserdem sind die Anlandungen mit dem Dinghi und besonders die Abfahrt vom Strand wieder zurück reichlich nass, mindestens zweimal liege ich im Wasser und Manfred steht bis zu den Ohren in der Brandung. Am Strand werden wir schon von den „beachboys“ erwartet, es sind junge Männer, die alles mögliche verkaufen: Perlenketten, Silberschmuck, Uhren aus Hong Kong, Sarongs, T-Shirts, Ananas, Holzschnitzereien und vieles andere. Sie sind alle sehr freundlich, aber aufdringlich wie die Schmeissfliegen. Die Waren erhalten sie in Kommission von Händlern, und wir vermuten, dass sie einen Einstandspreis haben, darüber hinaus aber über den Verkaufspreis frei verhandeln können. Es sind schon arme Kerle, und der Rückgang des Tourismus setzt ihnen heftig zu. 

Eine Frau steht bei unserem ersten Landgang auch am Strand, Manfred kommt mit ihr ins Gespräch, während ich von den diversen Händlern bestürmt werde. Es stellt sich heraus, dass die Frau unsere deutsche Flagge gesehen hatte und nachsehen wollte, was für ein Schiff da angekommen ist. Sie hat einige Freunde in Deutschland, die vor über 20 Jahren schon als Backpacker nach Lombok gekommen sind und mit denen sie seither befreundet ist. Ihr Name ist Martina.  

Martinas Familie betreibt ein kleines Hotel ausserhalb von Senggigi, ein „homestay“, und ein Restaurant am Strand, gleich neben dem „Hotel und Restaurant Lina“.

Ihr Grossvater kam Anfang des 20. Jahrhunderts aus Peking nach Lombok und heiratete hier eine Indonesierin. Martina wurde 1957 geboren und ging als kleines Mädchen hier in die chinesische Schule. Als Mao Ze Dongs rote Fahnen in Peking flatterten und dort die Kulturrevolution eingeläutet wurde, wurden alle in Indonesien lebenden Chinesen verdächtigt, kommunistische Spione zu sein. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurden alle chinesischen Schulen geschlossen, chinesische Bücher und Schriften verbrannt und die Chinesen mussten entweder das Land verlassen oder Indonesische Namen annehmen sowie die Indonesische Staatsbürgerschaft für viel Geld kaufen. Viele Jahre lang wurden sie bespitzelt und diskriminiert; die Regierung versuchte, die Chinesen zum Übertritt in den Islam zu bewegen.

Inzwischen hat sich das Leben wieder normalisiert, aus der kleinen Chang Min Lan war Martina Lanna Prasetio geworden, aber die Familie hatte nun kein Geld mehr, um den beiden Töchtern eine Ausbildung zukommen zu lassen. Martinas Schwester betreibt ein kleines Geschäft in Ampenan, und Martina hilft im Hotel, das inzwischen dem Bruder gehört und arbeitete früher als Fremdenführerin. 

Wir fragen sie, ob sie Zeit und Lust hat, mit uns eine Inselrundfahrt zu machen, und sie ist begeistert. Wir mieten einen Landrover mit einem kräftigen Motor, guten Bremsen und Klimaanlage, und Martina holt uns am nächsten Morgen ab, Kekse, Bananen, Erdnüsse und Wasser in einer Tasche. Auf einer Landkarte zeigen wir ihr, was wir gerne sehen möchten. 

Erste Station ist der „monkey forest“. Ganze Affenfamilien sitzen am Strassenrand und warten schon auf uns. An dieser Stelle stoppen alle Touristen-Busse und die Affen sind schon an ihr Futter gewöhnt. Wir werfen ihnen Bananenstücke zu, die sie geschickt auffangen und sorgfältig schälen. Der Dickste ist der Boss, er greift sich die meisten Stücke und der Rest der Grossfamilie muss sehen, wie er zurecht kommt. Die Kerle sind so frech und grabschen uns die Bananen aus der Hand, wenn wir nicht aufpassen.

Unsere Fahrt geht weiter an der Nordküste Lomboks, durch Dörfer und dichten Verkehr. Alles wuselt hier durcheinander: cidomos (die Pferdekarren), Fahrräder, bemos, Motorräder, Fussgänger, Kinder in ihren Schuluniformen, Hunde, Ziegen, Hühner. Martina schlängelt unser Fahrzeug souverän durch das Gewühl.  

Wir biegen in eine Seitenstrasse ein, die zu einem traditionellen Bauerndorf führt. Es ist in keiner Karte verzeichnet und deshalb bei den Touristen nicht bekannt. Es liegt etwas abseits in trockenem Land, und wir werden von einigen Bewohnern freundlich begrüsst. Wir dürfen in dem Dorf herumgehen und sogar einen Blick in ihre Hütten werfen, die hier fein säuberlich in ordentlich gefegten Gassen aufgereiht stehen. Die Hütten sind aus Bambus und Palmblättern gebaut. Im Innern befindet sich eine Kochstelle, und auf einer grossen tischartigen Arbeitsfläche stehen Kochgeschirr und diverse Utensilien. In der Mitte des Raumes befindet sich ein kleines Lagerhaus für Vorräte und den „Familienschatz“; damit keine Ratten hineinkommen, steht das Lagerhaus auf hohen Stelzen. Neben dem Tisch befindet sich ein Bett, das nur aus einer geflochtenen Matte besteht. Vor dem Haus im Freien gibt es einen überdachten Sitzplatz, ebenfalls eine geflochtene Matte in etwa 50cm Höhe über dem Boden – hier hält sich die Familie am Abend auf, und man schläft auch meistens hier; die jungen Mädchen allerdings müssen im Haus schlafen – man hütet sie wie Augäpfel. Babys liegen in einem Tuch, das neben der Sitzfläche baumelt und wie eine Hängematte aussieht. 

Die Dorfbewohner arbeiten als Handwerker bzw. Bauern. Martina kauft einen Sack Tarowurzeln für ihr Hotel und bezahlt für den ganzen Sack 5000 Rp (ca. 50 Cent). In einer Werkstatt werden Holzteile hergestellt. Wir dürfen uns alles anschauen und filmen, aber niemand verfolgt uns wie in den anderen Dörfern. 

Bei unserer Rundreise über die Insel lernen wir, dass hier alles von Hand hergestellt wird und die Indonesier dabei ausgesprochen phantasievoll sind. Sie besitzen  Fertigkeiten, die bei uns schon lange in Vergessenheit geraten sind, weil sie bei uns von Maschinen erledigt werden. Wir sehen Frauen, die in einer Bimssteinverarbeitung tätig sind. Bimsstein wird bei einem Vulkanausbruch aus dem Krater geschleudert. Hier wird das Material gereinigt und sortiert, alles manuell. Bimsstein wird in der Kosmetikindustrie für Schleifpasten und ähnliches verwendet; es eignet sich hervorragend zum Abrubbeln von Hornhaut an den Fußsohlen und wird in Hautlotionen verarbeitet, die die dunkle Haut der Indonesier heller machen. Die Indonesier exportieren den Bimsstein nach China.  

Überall arbeiten Leute auf den Feldern. Sie tragen die für Süd-Ost-Asien typischen konischen Strohhüte zum Schutz gegen die Sonne. Geduldig bearbeiten sie die Felder, hacken Unkraut, pflanzen Setzlinge oder führen altertümliche Ochsengespanne durch lehmige Erde. Vieles wächst hier, der vulkanische Boden ist sehr fruchtbar, Wärme und Regen tun das Übrige. Reis wird angebaut, Cashewnüsse, Erdnüsse, Baumwolle, Tabak, Bananen, Mangos, Ananas, Melonen, Chili. 

Allmählich windet sich die Strasse den Berg hinauf; die Kurven werden immer enger und steiler und die Vegetation ändert sich. Wir fahren am Fuss des Mount Rinjani entlang; ich träume davon, dort hinauf zu wandern. Es gibt mehrere Trekking-Touren zum Kraterrand. Am ersten Tag wandert man bis kurz vor den Kraterrand, am zweiten Tag geht es früh um 4 Uhr los, um zum Sonnenaufgang am Krater zu stehen. Im Krater befindet sich ein See und ein kleiner Vulkankegel, der von unten nicht zu sehen ist. An dem See verbringt man die 2. Nacht und am dritten Tag steigt man wieder hinunter. Wasser, Verpflegung usw. muss man selbst mitnehmen. Ich nehme mir die Vulkanbesteigung für mein nächstes Leben vor.  

Wir kommen in das Bergdorf Sembalun. Hier wird Knoblauch angebaut, und überall hängen Trauben von Knoblauch zum trocknen. Das Dorf war schon vor Jahren sehr wohlhabend; der Knoblauch wurde auf die anderen Inseln verkauft; er gilt als der beste Knoblauch Indonesiens und das will etwas heissen. In der Indonesischen Küche gibt es kein Gericht, in dem nicht diese duftenden Knollen verarbeitet werden. Das Dorf war so reich, dass vor 20 Jahren alle 500 Bewohner beschlossen, gemeinsam nach Mekka zu reisen; die Inselregierung gab allerdings keine Reisegenehmigung für alle 500, sondern sie mussten ihre Pilgerfahrt in 2 Gruppen zu je 250 Personen antreten. Vermutlich hatte die Regierung Angst, im Falle eines Unfalles seine 500 potenten Steuerzahler zu verlieren. Martina kauft für uns einige Bündel Knoblauch und der Duft breitet sich augenblicklich im Auto aus. 

Martina entdeckt plötzlich, dass das Benzin zur Neige geht und die Tankanzeige schon auf „LEER“ steht. Nun lernen wir auch eine Indonesische Tankstelle kennen. Ich hatte mich schon die ganze Zeit gewundert, was da am Strassenrand überall verkauft wird; mehrere Glasflaschen mit einer gelblichen Flüssigkeit stehen in einem Holzgestell; ich hielt es immer für einen Saft oder ein anderes Getränk, aber nun lerne ich dazu: es ist Benzin! Die Frau von der Tankstelle zapft für uns Benzin aus einem Fass, indem sie einen Schlauch in das Fass steckt, mit dem Mund das Benzin kurz ansaugt und dann in einen 5 Liter-Behälter abfüllt, der dann auf dieselbe Weise wieder in unseren Tank gelangt. Na Mahlzeit! 

Nun windet sich das Strässchen noch weiter den Berg hinauf, bis zur Passhöhe in ca. 2500m Höhe. Von dort geht es dann wieder hinunter nach Süden, durch dichten Regenwald, und allmählich wird es auch wieder wärmer. Wir kommen wieder durch Felder, Obstanbaugebiete und kleine Dörfer. In dieser Gegend werden auch Ziegelsteine hergestellt, in mühsamer Arbeit von Hand geformt und in zischenden Öfen gebrannt. Die Ziegelsteine werden danach am Strassenrand aufgeschichtet und so zum Verkauf angeboten. 

Jede Gegend der Insel hat ihre Spezialitäten. In bestimmten Gebieten werden Melonen angebaut, andernorts Ananas oder Tabak. Die Tabakblätter werden von Frauen sortiert und gebündelt, danach in einem Trockenofen getrocknet. Die Firma BAT (British American Tobacco Co.) besitzt auf Lombok eine grosse Sammelstelle und Tabakverarbeitung. Wir fahren an langen LKW-Kolonnen vorbei, die vor dem Fabriktor anstehen und Tabakblätter anliefern. 

Martina bringt uns in ein kleines Dorf, wo Korbwaren und Flechtarbeiten hergestellt werden. In staubigen Lädchen kann man Körbe und allerlei Sachen kaufen, die später in der Stadt oder in den „Handicraft Centers“ für den doppelten Preis gehandelt werden.  

Zum Abschluss unserer Rundreise besichtigen wir noch den „Water Palace“ eines der Könige von Lombok, die früher hier regierten. Es ist eine grosse, terrassenartige Anlage mit einem Balinesischen Tempel, mehreren Teichen und Schwimmbädern, breiten Treppen und Grünanlagen, alles einem leichten Verfall hingegeben.  

Müde von den vielen Eindrücken und ziemlich staubig kommen wir wieder nach Senggigi, wo La Rossa auf uns wartet. Wir laden Martina noch zum Essen ein und verabreden uns für den nächsten Tag zu einer weiteren Etappe mit ihr.

Diesmal wollen wir etwas im Flachland herumfahren und noch einige traditionelle Dörfer besuchen, wo z.B. Möbel oder Holzschnitzereien hergestellt werden. Die handwerkliche Herstellung von Waren interessiert uns sehr, auch wenn wir dabei erfahren, dass vieles heute auch hier nicht mehr so gefragt ist.  

In einer Weberei, wo Frauen in Holzgestelle regelrecht eingespannt sind und in mühseliger Arbeit Ikat-Webereien herstellen, erzählt uns der Besitzer, dass die gewebten Stoffe noch vor einigen Jahren zu guten Preisen an die Touristen verkauft werden konnten, dass das Geschäft aber erheblich zurückgegangen und die Preise dramatisch gesunken sind. Ähnliches hören wir von Möbelherstellern. Sie fertigen wahre Monster-Möbel mit kunstvollen Einlegearbeiten aus Perlmutt, die von Hand geschliffen, geschnitzt und lackiert werden – es ist eine erstaunliche Handarbeit, aber auch hier hat sich der Geschmack geändert und wohlhabende Geschäftsleute importieren heutzutage lieber moderne Möbel aus Italien für ihr eigenes Wohnhaus. 

Wir machen noch einen Abstecher nach Lembar, dem Fährhafen von Lombok. Ursprünglich hatten wir vorgehabt, hier zu ankern, uns dann aber anders entschlossen, und als wir diesen scheusslichen Hafen sehen, sind wir richtig froh darum. Das kann man keinem Segler empfehlen. Auf dem Rückweg halten wir noch im einzigen modernen Supermarkt von Mataram, der Inselhauptstadt und Regierungssitz von Lombok. Manfred stürzt sich sofort auf das „Käse-Regal“ und wird – wieder mal – enttäuscht: nur Plastik-Camembert aus Australien. An der Kasse berappen wir für ein paar lumpige Sachen 300.000 Rupien, und Martina sagt: „nun habt ihr mit einem Einkauf fast soviel ausgegeben, wie ein normaler Arbeiter hier im Monat verdient.“ Der staatlich festgesetzte Mindestlohn beträgt 350.000 Rupien, je nach Arbeitgeber kommen noch Essen und Unterkunft dazu. Junge Frauen und Mädchen, die oft als Aushilfe oder Praktikantin in einem „losmen“ (Pension) oder einer Gaststätte arbeiten, bekommen deutlich weniger, und geben von dem Wenigen auch noch das meiste Geld an ihre Familien weiter. 

Auch die Prostitution von Kindern (Jungen und Mädchen) und damit die Verbreitung von sozialer Isolation und AIDS wird in ganz Indonesien, vor allem in den Touristen-Gebieten, mehr und mehr zum Problem. Martina erzählt uns von Europäern, die hier Häuser gekauft haben und sich die Zeit mit ihren kleinen „boyfriends“ vertreiben. Eine Zeit lang wohnen die Kinder bei diesen Männern, bekommen Essen und Unterkunft, dann werden sie gegen ein anderes Kind ausgetauscht. Die Polizei macht bei dem Spiel mit und wird ganz einfach bestochen, um den Mund zu halten. Bei aller Begeisterung für Indonesien ist das die Kehrseite. 

Unsere „Chauffeurin“ bringt uns wieder zurück – die zwei Tage mit ihr waren sehr schön, lustig und auch lehrreich, Martina konnte uns viele Informationen vermitteln und kennt sich überall aus. Sie spricht nicht nur englisch, sondern auch ein wenig deutsch, so war sie für uns ein perfekter „tour guide“.

Unsere Dinghi-Rückfahrt wird heute reichlich nass, ein ziemlich hoher Schwell aus Süd-West hat eingesetzt, so dass wir beide unter den staunenden Blicken der Zuschauer am Strand unfreiwillig baden gehen. Einer fragt uns doch tatsächlich, ob wir jetzt nach Bali fahren würden – im Dinghi? Nein, so verrückt sind wir nicht! 

Die Fahrt nach Bali, 53sm, starten wir ganz früh am nächsten Morgen. Wir müssen die Lombok-Strasse, d.h. die Meeresstrasse zwischen Lombok und Bali, überqueren, um nach Benoa zu gelangen. Und wer nun gedacht hat, dass das lieblich klingende Wort „Bali“ auch ein liebliches Segelgebiet verheisst, dem können wir nun mit klarer Stimme antworten: „Falsch gedacht!“ 

Verwöhnt durch wochenlanges, relativ wellenarmes Segeln und noch mehr motoren treibt mich heute eine innere Stimme dazu, wenigstens das Ankergeschirr richtig festzuschrauben. Alles andere wird in nachlässiger Manier offen gelassen oder einfach an Deck gelegt, die Lüfterhauben zeigen mit ihrer Öffnung nach vorne, der Blistersack liegt lose an Deck, usw. Am Anfang ist es auch recht gemütlich, wir frühstücken ganz normal, ohne umkippende Kaffeebecher, wir müssen nur die Fischerboote im Auge behalten, die überall um uns herum fahren. Allmählich wird der Schwell höher, aber es bleibt immer noch gemütlich Zeit, alles aufzuräumen, ich beginne, die vorderen Luken zu schliessen, weil ab und zu eine kleine Welle aufs Deck spritzt. Dann sehen wir vor uns weisse Brecher. Ist da ein Riff?? Kurzer Blick in die Karte: nein, kein Riff! Alles tief hier! Inzwischen machen wir unter Segel mit etwas Motor 9 Knoten Fahrt über Grund, aha, Strom mit uns, das ist gut. Wir hatten schon befürchtet, den berüchtigten Strom der Lombok-Strasse (bis 7 Knoten) gegen uns zu haben.  

Dann sehen wir, dass der weisse Schaum einfach irrsinnig hohe Wellen ankündigt, die sich aufgrund ihrer Höhe brechen. Also, alle Luken dicht! Blistersack bleibt, wo er ist, aber ... o je, nicht lange. Die ersten Wellen stürmen übers Deck und der Blister wandert ein Stück nach rechts. Die Wellen sind mittlerweile 4-5 m hoch, La Rossa rauscht in ein Wellental, schaufelt unten einige Tonnen Wasser und hebt sich mit ihren 30 zarten Tonnen wieder galant in die Höhe, die Wassermengen toben dabei über das Deck und das ganze Deckshaus. Da wir die Lüfterhauben nicht mehr nach hinten gedreht haben, ergiessen sich ganze Sturzbäche von Seewasser bei jeder überkommenden Welle ins Schiffsinnere. Im vorderen Bad geht es zu wie unter der Schwalldusche in der Taunus-Therme. Ich schliesse die Tür zum Bad, um es wenigstens vorläufig nicht mit ansehen zu müssen. Tun können wir im Moment nicht viel. Manfred kämpft sich zwischen zwei Brechern schnell an Deck und dreht wenigstens die beiden Lüfter über dem Salon nach hinten, so bleibt zumindest der Salon vor dem schlimmsten verschont.  Der Blistersack wandert immer mehr an die Steuerbordseite, ich sehe ihn schon in der Lombok-Strasse versinken, aber eine gnädige Welle trägt ihn noch ein weiteres Stück nach hinten und klemmt ihn zwischen Deckshaus, Relingstützen und Wanten fest, so kauert er nun dort als kümmerliches, nasses Häufchen. 

La Rossa stiebt jetzt mit 13,5 Knoten Fahrt durch die meterhohen Wellen. Wir kommen uns vor wie in der Achterbahn, sausend geht es nach unten, Wasser schaufeln, und ebenso schnell zeigt der Bug wieder nach oben. Das ist der Indische Ozean bzw. ein Vorgeschmack davon! Ziemlich bald ist der Spuk jedoch vorbei und wir haben die schützende Hafeneinfahrt von Benoa erreicht. Um uns herum brummen Wasser-Scooter, Motorboote schleppen Fallschirme hinter sich her, an denen Touristen baumeln, Schleppkähne und Pilotenboote sind eifrig mit  irgendetwas beschäftigt, es ist laut und etwas ungewohnt für uns, wieder durch einen so vollen Hafen zu schippern, schliesslich finden wir die Marina und können dort festmachen. Es ist keine Luxus-Marina, aber die Angestellten machen durch ihre Freundlichkeit den fehlenden technischen Standard wieder wett. 

Mit uns sind etliche andere Yachten angekommen, die wir kennen, hier trifft sich nun alles wieder. Bootsputz ist angesagt, hier können wir für 100.000 Rupien pro Tag einen boy engagieren, der die Rote wieder auf Hochglanz bringt. Die Hälfte des Preises erhält die Marina, die boys arbeiten also für 50.000 Rp pro Tag (ca. 4,50 Euro) und gehören damit zu den Balinesischen Superverdienern. Gestern waren wir in einem Grossmarkt (Makro-Markt) und haben einen kleinen Hochdruckreiniger gekauft; hier gibt es alles zu kaufen, der Lebensstandard auf Bali ist völlig anders als auf den Inseln, die wir bisher gesehen haben, aber vom „sagenhaften“ Bali haben wir bisher noch nichts gesehen, das kommt erst noch. 

Damit endet auch dieser Bericht, es sind immer neue Geschichten, die wir erleben.

Also, bis zum nächsten mal – seid herzlich gegrüsst von Renate und Manfred 


 

Reisebericht 51

Bali

Samstag, 2. Oktober 2004

Bali ist wirklich etwas besonderes! Gestern Abend kamen wir müde und staubig von einer 4-tägigen Reise zurück, die uns so mit Eindrücken angefüllt hat, dass es mit Worten nicht zu beschreiben ist. Wer nicht auf Fotos und Videos warten möchte, dem legen wir die homepage von Ingrid und Norbert (SY „Harlekin“) ans Herz, dort findet ihr in den nächsten Tagen viele Fotos, die ihr euch im Internet anschauen könnt – und auf dem einen oder anderen findet ihr bestimmt auch etwas von uns:

http://harlekin.sailingsite.org

 

Ingrid und Norbert freuen sich auch über einen Eintrag im „Gästebuch“ ihrer homepage!

 

Nun zu unserem Bali-Erlebnis: nachdem wir die Touristen-Zentren im Süden der Insel – Kuta, Sanur, Benoa und Nusa Dua – gesehen hatten, waren wir ziemlich schockiert. Touristen-Rummel, fast schon aggressive Verkäufer von diversem Ramsch, halbnackte Touristen, die sich auf den Strassen tummeln, ein immenser Verkehr, Lärm, Gestank, Dreck und Staub. Geschmacklosigkeiten ohne Ende. Wir standen fassungslos vor der geräumten Stelle, wo am 12. Oktober 2002 eine Diskothek von einer Bombe zerfetzt wurde und mehrere Hundert junge Menschen den Tod fanden; gegenüber wird zur Zeit eine Gedenkstätte errichtet, die an das grausame Attentat erinnert. Die Diskothek lag mitten in Kota, dem „Ballermann 6“ von Bali und Stachel im Fleisch der Götterinsel.

  

-        Ein Sonntag in Denpasar.

 

Manfred und ich nehmen ein Taxi nach Denpasar, der Hauptstadt Balis. Es ist eine kleine Hauptstadt, deren Zentrum wir gemütlich an einem knappen Tag durchstreifen können. Der Hauptmarkt ist geöffnet, hier herrscht jeden Tag geschäftiges Treiben. Obst, Gemüse, Fisch, Fleisch, Gewürze, Blumen, duftende indonesische Speisen, vieles für uns Unbekannte, Strohkörbe, Bambus, grellbunte Süssigkeiten und Getränke. Kleine, zarte Frauen transportieren schwere Lastkörbe auf dem Kopf. Fremde Geräusche um uns. Feilschen, verhandeln gehören zum Alltag in Indonesien, um jedes Ding wird diskutiert, um den Preis gekämpft, für die Indonesier ist das normal, für uns Europäer sehr ungewohnt und manchmal nervig, aber es ist so.  Rings um die Markthalle befinden sich zahllose Stoffgeschäfte, wo die Balinesinnen ihre Sarongs und Blusen kaufen – sie haben heute am Sonntag geöffnet, die meisten anderen Geschäfte sind geschlossen.

 

Wir besichtigen den ehemaligen Palast eines Radja, heute ist dort ein kleines Hotel,  dürfen die Tempelanlage betreten und uns ungehindert alles anschauen – wir sind in einer anderen Welt, obwohl mitten in Denpasar.

Das Bali-Museum zeigt eine Sammlung von Werkzeugen, Waffen, Textilien, Kostümen und Bildhauer-Arbeiten. Neben dem Museum befindet sich der wichtigste Tempel der Stadt, und wir lernen, dass ein Tourist in Bali einen Sarong in der Tasche haben muss – sonst kommt man in keinen Tempel. Lange Hosen sind akzeptiert, aber keine nackten Unterschenkel, weder bei Männern noch bei Frauen.

 

Lange sitzen wir noch bei den sonntäglichen Balinesen im Park und plaudern ein wenig mit ihnen. Viele sprechen ein paar Brocken englisch. Diese Plauderstündchen lieben wir ganz besonders.

  

-        Ja, dann unsere Reise nach Ubud und ins Bergland von Bali.

 

Wir entschliessen uns, mit Ingrid und Norbert (SY „Harlekin“) zusammen nach Ubud zu reisen. Zu viert hoffen wir, als Reisegruppe noch nicht zu gross zu sein. Neckermänner sind wir nicht.

 

Unser Fahrer, den wir einen Tag zuvor bestellt hatten, heisst Mahdi, und unser Taxi ist ein älterer Toyota-Geländewagen mit Klimaanlage und zusätzlicher „Naturbelüftung“ durch offene Spalten in den Türen und Fenstern. Für ½ Tag bezahlen wir 150.000 Rupien (ca. 14 Euro) und für 1 Tag sind 250.000 Rp vereinbart. Wir wollen nach Ubud, dem Zentrum des „kulturellen Tourismus“ von Bali.

Auf dem Weg dorthin „absolvieren“ wir – wie wohl viele Bali-Touristen – verschiedene Werkstätten, wo traditionelle Handwerksarbeiten erklärt und vorgeführt werden; daran angeschlossen ist immer ein grösserer Verkaufsraum, wo man dann die guten Stücke erwerben kann. 

 

Wir besuchen ein Batik-Zentrum, eine Silber-Werkstätte und eine Bilder-Galerie. Wirklich gearbeitet wird in diesen Show-Werkstätten nicht. Sobald eine Wagenladung Touristen aufkreuzt, beginnen ein paar Handwerker mit ihrer Arbeit, und sobald wir in der Verkaufshalle verschwinden, hören sie wieder auf – à la prochaine.

Dennoch sind wir beeindruckt, welch vielfältige Handwerkskünste auf Bali praktiziert werden. Die Handwerker leben und arbeiten halt nicht in diesen Handwerkszentren, sondern in ihren Dörfern; wir werden dies später noch sehen. Allerdings haben wir den Eindruck, dass vieles heutzutage auch „made in China“ ist.

 

Gute Touristen müssen auch einen Balinesischen Tanz sehen. Mahdi setzt uns vor einem Gebäude ab, der Parkplatz ist voll von Omnibussen und in der Halle sitzen auf einer Tribüne einige Hundert Touristen. Das wollen wir nicht und wir machen wieder kehrt. So hatten wir uns das nicht vorgestellt. Mahdi kennt noch einen anderen Platz, wo der gleiche Tanz aufgeführt wird, zwar auch für Besucher, aber alles wesentlich kleiner und in einer schönen alten Tempelanlage gelegen.

 

Auf der Weiterfahrt passieren wir einen kleinen Tempel. Manfred tippt Mahdi auf die Schulter: „Stop here, please.“ In der Tempelanlage viele Menschen, einige Frauen bereiten im Tempelinneren Opfergaben vor, draussen sind ein paar Männer damit beschäftigt, ihre prächtigen Hähne für einen Kampf vorzubereiten. Das Blut der Hähne wird für bestimmte Zeremonien benötigt. Sie binden den Hähnen mit Bindfäden etwa 8cm lange Skalpelle an die Füsse, dann werden die beiden Kampfhähne aufeinander losgelassen, und binnen Sekunden stehen Sieger und Verlierer fest. Der Verlierer wird blutend weggetragen.

Offiziell sind Hahnenkämpfe nicht erlaubt, aber es ist eine alte Tradition, und auf einer Insel wie Bali ganz bestimmt nicht so leicht auszurotten.

  

Schliesslich Ubud.

Ubud ist eine weitläufige kleine Stadt, die inmitten von Dschungel und Reisfeldern liegt. Früher siedelten sich viele Künstler hier an, nicht nur Balinesen, sondern auch Amerikaner und Europäer, viele Hippies. Seit einigen Jahren entwickelt sich Ubud immer mehr als Kultur-Zentrum für diejenigen Touristen, die sich aus ihrer Hotel-Enclave heraustrauen und Bali in kleinen Dosen in sich aufnehmen möchten. Es ist Ausgangspunkt für Rundreisen zu den wichtigsten Kulturstätten und Tempeln, Ubud hat wunderbare Hotels in alten Gärten und mit Millionen von Blumen, Statuen, Springbrunnen und Teichen, traumhafte Spas (Schönheits-Salons), teure und preiswerte Restaurants und viele herrliche und weniger herrliche Geschäfte, in denen man tagelang bummeln könnte. Die Verkäufer sind nicht aufdringlich, die Atmosphäre ist gemütlich und entspannt.

 

Wir klappern mit unserem Taxifahrer einige Hotels ab und quartieren uns schliesslich ein im „Ubud Inn“, parkartiger Garten, Schwimmbad, grosses Zimmer mit Himmelbett und Bad, Klimaanlage, Terrasse mit Blick in ein Blumenmeer und auf einen plätschernden Brunnen – inclusive Frühstück für 3 Nächte 100 US-Dollar. Mit feilschen natürlich!

 

Ingrid und ich haben für den nächsten Tag eine grosse Rundreise ausgearbeitet. Keine Handwerker-Zentren, kein Shopping, nur Kultur und Landschaft!

 

Im Gegensatz zu meinen sonstigen Berichten werde ich dies nun nicht mit allzu vielen Worten zu erklären versuchen – das kann ich nicht. Es ist das erste mal, dass mir die richtigen Worte fehlen, so schön ist das, was wir zu sehen bekommen.

  

-        Balinesische Tempel-Träume.

 

Die Tempel in Bali sind so exotisch wie ihre Namen klingen: Gunung Kawi, Tirta Empul, Pura Besakih...

Bali ist die einzige Hinduistische Insel im ansonsten überwiegend islamischen Indonesien. Die Balinesen beten die Hindu-Götter Shiwa, Vishnu und Brahma an, sie praktizieren aber eine Sonderform des Hinduismus, den es nur auf Bali gibt, die Hindu-Dharma-Religion. Neben den Hindu-Göttern bringen sie auch ihren anderen Göttern Opfer dar, und sie tun das mit wahrer Inbrunst. Die Tempelzeremonien sind ungeheuer wichtig und werden mit aller Pracht begangen; dazu gehören die Opfergaben, die tagtäglich zu den Tempeln gebracht werden – kleine Schälchen mit Blumen, Früchten, Gebäck und Räucherstäbchen – sowie die entsprechende Kleidung. Frauen tragen immer einen Sarong, je nach Feiertag mehr oder weniger kostbar, darüber ein Mieder und eine Spitzenbluse, die von einer Schärpe gehalten wird. Die Männer tragen ebenfalls einen Sarong und darüber ein loses Hemd, ebenfalls mit einer Schärpe, dazu eine Kopfbedeckung, die einem breiten Stirnband ähnelt. Durch die besondere Art der Kleidung bekommt selbst die einfachste Zeremonie etwas Feierliches.

 

Leider haben die Balinesischen Götter vor die Tempelpforten die Händler mit ihren Verkaufsständen platziert. Mit grellen Stimmen und auf aufdringlichste Weise versuchen sie, einem den billigsten Sarong oder die kitschigste Holzschnitzerei anzudrehen, es ist ein reiner Spiessrutenlauf und der arme Manfred fühlt sich persönlich attackiert. Mit seinen knielangen Bermudas ist er eine besondere Beute für die keifenden Marktweiber, denn in die Tempelanlage darf er nur mit Sarong und Schärpe. Haben wir diese Marktzeile hinter uns und uns beide in einen Sarong verpackt, dann herrscht Ruhe und wir dürfen die Tempelanlage betreten.

 

Gunung Kawi ist ein Felsentempel in einem tiefen Tal, 250 Stufen nach unten, Reisterrassen, Bäume, Palmen, ein kleiner Fluss, in dem ein paar Frauen Wäsche und sich selbst waschen, Teiche – ein grünes Paradies, verwunschen, heilig. Bemooste Steine, Altare mit bunten Schälchen für die Opfergaben an die Götter, Räucherstäbchen, dazwischen schnatternde Enten. Eine Frau ordnet die Schälchen und zündet neue Räucherstäbchen an.  Wir spazieren durch die Tempelanlage, baden im kühlen Wasser am Fuss eines kleinen Wasserfalls und erklimmen schliesslich wieder die 250 Stufen nach oben.

  

-        Nur wenige Kilometer weiter Tirta Empul.

 

Tirta Empul ist ebenfalls ein Wassertempel, aber vollkommen anders als Gunung Kawi. In Tirta Empul erwartet uns – ohne dass wir etwas davon ahnten – ein grandioses Schauspiel.

Die Balinesen feiern jeden Monat 3 Tage lang ihr Vollmond-Fest. Heute ist der 2. Tag der Vollmond-Feierlichkeiten, und in Tirta Empul findet eine ganz besonders schöne Zeremonie statt, denn der Vizepräsident der Republik Indonesien ist zu Gast, ausserdem das Bali-Fernsehen. Alle sind in prachtvolle Gewänder gekleidet, sodass wir mit unseren bunten Baumwollsarongs wie die armen Verwandten aus Europa daherkommen. Die Frauen tragen auf den Köpfen wundervolle Gebilde mit den verschiedensten Opfergaben, hoch aufgetürmte Fruchtkörbe, Kuchen, verziert mit Blumen und silbernen Aufsätzen. Manche Aufbauten sind gut einen Meter hoch. Die Gaben werden im Tempel abgestellt und später während der Zeremonie gesegnet. Danach nehmen die Spender sie wieder mit nach Hause und die Esswaren gehen den normalen Weg in den Magen. Das Bild, die begleitende Töne und der Singsang der Priester beeindrucken uns dermassen, dass wir alle Tränen in den Augen haben.

 

Nur wenige Touristen sind hier, denn diese Feier begehen die Balinesen unter sich. Sobald die Gebete beginnen, werden wir auch höflich gebeten, den inneren Tempel zu verlassen, um die Betenden nicht zu stören.

  

-        Autofahrt über Land

 

Von Tirta Empul fahren wir weiter nach Norden, wo die Vulkanberge in den Himmel wachsen. Balis Vulkane sind rund 3500m hoch, der höchste ist der Gunung Agung, der heilige Berg und Sitz der Götter. Er misst 3700m und brach zuletzt im Jahr 1963 aus, gerade als in Pura Besakih die Vorbereitungen zum allerhöchsten Tempelfest in Gang waren, das nur alle einhundert Jahre stattfindet.

 

Am Fuss des Vulkans liegt der Muttertempel Pura Besakih, der sich über mindestens 11 verschiedene Ebenen an den Gunung Agung schmiegt. Pura Besakih ist nicht ein einziger Tempel, sondern jeder Gott hat hier einen Tempel und jede Stadt bzw. Gemeinde unterhält ebenfalls einen Tempel hier. Pura Besakih ist das Symbol, das alle miteinander verbindet.

 

Unsere - d.h. eigentlich die von Norbert und Manfred - Aufnahmefähigkeit in Bezug auf Tempel ist inzwischen ziemlich am Ende, deshalb geniessen wir umso mehr die weitere Fahrt durch Felder, Reisterrassen und Plantagen. Dennoch stoppen wir auf dem Rückweg nach Ubud noch in der Stadt Klungkung, um den Palast eines ehemaligen Sultan anzuschauen, dann aber geht’s schleunigst zurück, denn heute ist unser 9. Hochzeitstag und wir wollen noch schön ausgehen.

  

-        Die Schönheitsfarm

 

Ubud ist nicht nur ein Zentrum für Kulturelle Veranstaltungen und schöne Läden, sondern hier gibt es wunderbare „Spas“, wo man sich von Kopf bis Fuss verschönern und verwöhnen lassen kann. Überall erhält man Werbebroschüren und Ingrid und ich haben uns diverse Studios angesehen und uns dann für eines entschieden, das uns gut gefiel und das auch gute Preise anbot. Natürlich wird auch hier verhandelt, das haben wir inzwischen schon im Blut.

 

Zuerst sind unsere beiden Männer dran. Sie haben sich entschieden für Fuss- und Fingernagelpflege, Haarschnitt und Kopfmassage und natürlich für eine Balinesische Ganzkörpermassage, wobei „Ganzkörper“ nicht alles einschliesst, d.h. anständig ist das hier schon. Wen’s interessiert: pro Mann bezahlen wir 180.000 Rupien (= 17 Euro). Wir beiden Frauen entscheiden uns für eine Doppelkabine, da gibt’s mehr zum lachen und schwätzen. Erst wird jede massiert (auch Balinesisch), dann mit einer gelben Paste eingerieben – Peeling – danach kommt eine Ladung Yoghurt, dann eine Dusche und ab geht’s ins Blütenbad! Könnt ihr im Internet auf der Webseite der „Harlekin“ anschauen.

 

Anschliessend sind Fuss- und Fingernägel dran sowie eine Gesichtsbehandlung. Da ich eine Maske im Gesicht habe, lasse ich die Augen zu und lausche auf die diversen Geräusche und Dinge, die mit mir geschehen: es raschelt, knetet, reibt, sprüht, knistert, fächelt, schnippelt, feilt, radiert, massiert, zupft, rupft, duftet, puschelt, wischelt und lackiert. Irgendwann ist die Prozedur beendet und ich schaue in den Spiegel – oh wie schön! Ich fühle mich wie neu geboren und bezahle dafür 210.000 Rupien (19 Euro).

 

Bevor wir am nächsten Tag wieder nach Benoa zurückfahren, lasse ich mir in einem anderen Studio noch eine Fussreflexzonenmassage verpassen. Es ist ein Erlebnis der besonderen Art – die Bali-Massage hat mir besser gefallen – aber dieses Studio ist ein besonderer Schatz, denn es liegt am Ende eines alten Gartens voller Pflanzen, Nischen, Treppen, Mäuerchen, Statuen und unzähligen kleinen Schwimmbädern, Wasserbehältern und Springbrunnen. Der Garten gehörte früher einer Balinesischen Familie, die hier lebte und in deren Wohnhaus sich jetzt ein Hotel befindet.

  

-        Pura Tanah Lot, der Tempel im Meer

 

Schon genug Tempel gesehen? Pura Tanah Lot soll ein „Muss“ sein, und es liegt auf dem Rückweg nach Benoa. Auch hier muss man erst wieder an den diversen Händlern vorbei, bevor man den Tempel sieht. Aber er ist wirklich bezaubernd, thront auf einem Felssockel im Meer und wird bei Flut vom Wasser umspült. Bei Sonnenuntergang soll der Anblick einfach spektakulär sein, wenn sich der Himmel blutrot verfärbt und der Tempel wie ein schwarzer Scherenschnitt davor erscheint.

 

In den Felsen um den Tempel sollen angeblich Seeschlangen nisten, zwar sehen wir keine, aber wir kommen an eine Höhle, vor der ein Mann hockt, ein kräftiges Ränzlein vor sich und dicke Ringe an den Wurstfingern, vor sich eine kleine Kiste mit einem Schlitz und ein Körbchen, in dem ein paar 5000 Rp-Scheine liegen. Ein Pappschildchen bittet um eine „donation“. Ich stopfe 3000 in den Schlitz des Holzkastens und ernte dafür einen missbilligenden Blick, darf aber mit Manfred die Höhle betreten. Im Innern hockt der Kumpel des anderen und leuchtet mit einer Taschenlampe in eine kleine Nische, in der zwei Schlangen liegen. Das Berühren der Schlangen bringt Glück, wenn auch vielleicht nicht uns, so doch zumindest den beiden geschäftstüchtigen Gesellen, die sich am Abend, wenn sie ihre Kiste ausleeren, bestimmt die Hände reiben, weil sie den doofen Touristen wieder ein paar Kröten abgenommen haben.

Manfred kann es nicht lassen, er fragt den „Boss“, ob das nicht auch ein guter Job für ihn wäre, den ganzen Tag nur dasitzen und Geld für nichts einsammeln – er erntet dafür nur ein breites Grinsen.

 

Unter dem Tempel im Fels kann man von den Mönchen heiliges Quellwasser kaufen – wir machen uns schnell aus dem Staub und bestellen rechtzeitig zum Sundowner schnell noch zwei grosse „Bintang“ (= indonesisches Bier), um mit Ingrid und Norbert auf die gelungene Reise anzustossen.

 

Wir verbringen noch zwei Tage in der Marina, und dann bereiten wir unsere Java-Reise vor. Jetzt beende ich erst mal diesen Reisebericht, unser Bali-Erlebnis war viel zu kurz, es gibt noch so viel zu sehen, wir könnten hier Monate verbringen!

Vielleicht irgendwann mal wieder....

 

Selamat datang aus Bali!

Eure Renate und Manfred

 

Reisebericht 52

Java

11. Oktober 2004

Unsere Zeit in Indonesien ist leider viel zu kurz! Das wird uns erst jetzt richtig bewusst. Die Informationen, die wir hatten, waren zum Teil falsch, zum Teil auch von sehr viel Angst geprägt. Man erhält für die Einreise nach Indonesien ein 2-monatiges Visum, und 2 Monate sind für ein so grosses und vielfältiges Inselreich zu wenig. Die meisten Segler fahren von Darwin direkt nach Bali und von Bali dann nonstop nach Singapore, dafür reichen die 2 Monate locker aus, aber wir wollen anders reisen.

 

Wenn wir auch nur im entferntesten geahnt hätten, was uns hier erwartet, dann hätten wir 6 Monate Australien streichen können und wären statt dessen lieber früher nach Indonesien gekommen – es gibt auch Visa, die länger gültig sind, kosten halt mehr -  aber dafür ist es jetzt zu spät, denn Ende Oktober dreht der Monsoon auf NW, und wir müssen dann mindestens in Singapore sein.

  

-        Java, Kolonialzeit-Träume

 

Wir haben ein interessantes Buch an Bord, das ganz ausführlich die Geschichte des Ausbruchs des Krakatau im Jahr 1883 beschreibt. Der Autor (Simon Winchester) beschreibt detailliert auch die damalige Situation in Java und in der Kolonialhauptstadt, die damals Batavia hieß, heute Jakarta. Batavia war nicht nur die Hauptstadt, sondern auch einer der wichtigsten Handelshäfen, die den Erfolg und die wirtschaftliche Bedeutung der Holländischen Kolonie Indonesien begründeten. Hier kamen die Schiffe aus Celebes an (heute Sulawesi), beladen mit Gewürzen, Edelhölzern aus Borneo, Seidenstoffen und Tee aus China.

 

Wir wollten – trotz aller Warnungen über Kriminalität in Jakarta – die Stadt sehen, die damals ein so bedeutendes Handelszentrum war. Der alte Hafen wird heute noch für den gesamten Schiffstransport in Indonesien genutzt.

 

Im Hotel reissen die Angestellten entsetzt die Augen auf, als wir sie nach einem Taxi für eine Rundfahrt durch die Altstadt und in den alten Handelshafen fragen. Da wollt ihr hin? In dieses Rattenloch?

Von den Taxifahrern am Hotel kommen Einwände wie „nur Stau!“ oder „das dauert viel zu lange!“ und ähnliches. Was das Verkehrschaos in Jakarta bedeutet, hatten wir schon bei der Ankunft erlebt; wir mussten 2 ½ Stunden auf ein Taxi warten, da eine Brücke abgerutscht und der Verkehr dadurch zusammengebrochen war. Trotzdem wollten wir in den alten Hafen!

 

Wir fanden auch einen netten Taxifahrer, der uns hinbrachte. Tatsächlich!

Was wir sahen, war grandios, obwohl es für uns eigentlich nichts neues darstellte.  Ähnliche Häfen in kleinerer Ausgabe kannten wir schon. Der alte Hafen von „Batavia“ ist ein schmaler, etwa 2sm langer Hafenschlauch, an dessen Kaimauer circa 50 Makassar-Schooner festgemacht waren. Diese charakteristischen, hölzernen Frachter mit dem hohen Heck und dem stark nach oben gezogenen Bug hatten wir schon während unserer gesamten Reise durch Indonesien gesehen, und auch das Getümmel am Kai war uns gar nicht neu, sondern sehr vertraut. Wir wussten nur nicht, dass diese Schiffe, die übrigens nach der Hafenstadt Makassar auf Sulawesi benannt sind, noch in so grosser Zahl auf den Gewässern herumfahren und praktisch den gesamten Inner-Indonesischen Frachtverkehr abwickeln.

 

Gerade waren acht Schiffe aus Kalimantan mit Teakholz angekommen und wurden entladen. Der Entladevorgang dauert eine Woche (!), jedes Teil wird von Männern über schmale Holzplanken auf dem Rücken von Bord des Frachters an Land getragen und dort auf Lastwagen verladen. Beladen werden die Schiffe mit Zement aus Java oder mit Reis. Auch das dauert eine Woche. Die Zementträger verdienen am meisten, weil der Zement sich in alle Poren und vor allem in der Lunge festsetzt. Ein Träger verdient pro Tag (10 Stunden) etwa 60000 Rupien (6 Euro), die Zementträger bekommen etwas mehr. Ihr Essen kaufen die Männer an kleinen fahrbaren Ständen, Reis mit diversen Sossen und Gemüse, eine Schale kostet 3000 Rupien.

 

Wir kennen diese Szenen aus diversen Hafenstädtchen, wo wir schon waren, und alles ist uns vertraut. Hier brauchen wir keine Angst zu haben, und alle Warnungen, Schmuck und Kameras zu Hause zu lassen, sind Blödsinn, herausposaunt von Leuten, die in ihrer Berührungsangst wie gelähmt sind, oder denen das hier schlicht und einfach zu dreckig ist, oder die vielleicht gar nie hier waren...

Zugegeben, auf der Rückfahrt zum Hotel kommen wir an kleinen Gassen vorbei, wo wir nachts auch nicht spazieren gehen würden, aber solche Gassen gibt es auch in Frankfurt oder in München.

 

Unser Hotel ist das Mandarin Oriental, gleich daneben die Deutsche Botschaft, die Deutsche Bank und Daimler Chrysler Indonesia. Gegenüber ein Shopping Center, wo alle europäischen Designer vertreten sind. Welch ein Trost, dass hier die Welt noch in Ordnung ist.

  

-        Yogyakarta, umtriebige Geschäftsstadt

 

Yogyakarta, auch kurz Yogya genannt, ist eine echte indonesische Stadt. Hier stehen zwar die bedeutendsten Tempel von Java, aber eine Touristenstadt ist Yogya dennoch nicht.

 

Am Flughafen lernen wir eine neue Spielart indonesischer Geschäftstüchtigkeit kennen, aber wir kommen mit diesen Tricks schon ganz gut zurecht. Unser Hotel ist das Mélia Purosani, ein alt-ehrwürdiges, indonesisches Luxushotel. Gäste sind überwiegend Indonesier und andere Asiaten.

 

Nach einem kleinen Stadtbummel, der vor allem mich hin- und herreisst vor Begeisterung, mieten wir für den nächsten Morgen ein Taxi, das uns nach Borobudur bringen soll. Die Fahrt dauert rund 1 ½ Stunden und ist ein Erlebnis der besonderen Art. Wir haben ja schon einige Fahrten auf indonesischen Strassen hinter uns, in den diversen „bemos“, „cidomos“, in Mietwagen oder Taxis, auch haben wir das gigantische verstopfte Knäuel von Jakarta kennen gelernt, wo sich der Verkehr nur im Schritttempo bewegt, aber Yogya ist anders. Hier fliesst der Verkehr recht flott, und dies trotz unterschiedlichster Fahrzeuge. In Yogya rollt alles, was Räder hat: Fahrräder mit überbreiten Körben, Kästen, riesigen Bündeln Stroh oder sogar Käfigen mit bunt gefärbten Küken auf dem Gepäckträger; Fahrradrikschas, bei denen der Fahrgast vor dem Fahrer in einer nach vorne offenen Kabine sitzt, Mopeds, normale Fahrräder mit einer oder gar drei Personen drauf, Pferdekarren, Autos, Busse, Lastwagen, Taxis.

 

Alle bewegen sich in ziemlich flüssigem Tempo vorwärts, Verkehrsschilder oder Ampeln sind kaum vorhanden, und wenn, dann werden sie meistens ignoriert. Die Strassen haben eine für mitteleuropäische Augen unsichtbare mittlere Fahrspur, die von allen eifrig benutzt wird. Doppelte Mittelstreifen, die in Europa Überholverbot bedeuten, sind für Indonesier dagegen unsichtbar. Überholt wird überall, rechts, links oder auf der imaginären Mittelspur. Vorfahrt hat, wer die Nase einen cm weiter vorne hat, zur Seite oder nach hinten wird grundsätzlich nicht geschaut. Gehupt wird ständig, damit der Vordermann gewarnt wird, wenn von hinten ein schnellerer Verkehrsteilnehmer anrückt. Wir wären als Autofahrer hier total überfordert, aber die Indonesier sind gute und umsichtige Fahrer und – vor allem – niemand regt sich über irgendetwas auf.

  

-        Borobudur, buddhistisches Tempelheiligtum

 

Ich hatte Berichte über Borobudur gelesen und Bilder gesehen und wollte deshalb unbedingt dorthin. Borobudur ist nach Wat Angkor und dem grossen Tempel in Myanmar das drittgrösste buddhistische Tempelheiligtum der Erde. Die Tempelanlage steht seit einigen Jahren als Weltkulturerbe unter dem Schutz der Unesco, nachdem sie durch Vulkanausbrüche, Erdbeben und Plünderungen zerstört worden ist, und die Unesco hat auch die Restaurierung sowie die weitläufige Anlage eines Parks rund um den Tempel finanziert.

 

Der Tempel ist quadratisch und besitzt drei Ebenen, die den Zustand des Geistes vom irdischen Dasein über eine mehr spirituelle Ebene bis zur dritten Ebene der totalen Geistigen Erhabenheit, das Nirwana, darstellt. In den beiden unteren Ebenen werden irdische Wonnen und Qualen in Fresken dargestellt, auf der mittleren Ebene befinden sich ebenfalls Fresken und zahlreiche Buddha-Statuen, auf der höchsten Ebene stehen Stupas, die das Nirwana bilden.

Bei den Restaurierungsarbeiten konnten die über 3000 Reliefs zum grössten Teil wieder hergestellt werden, bei vielen Buddha-Statuen fehlen leider bis heute die Köpfe oder eine Hand. Wer weiss, wo die Originale abgeblieben sind?

  

-        Kraton, Sultanspalast und ein Kaufrausch

 

Bevor wir ins Hotel zurückkehren, lassen wir uns von unserem Fahrer noch in die Altstadt von Yogya, den Kraton, bringen. Die Gassen sind so eng, dass wir befürchten, unser Auto wird links und rechts eingebeult. Im Kraton steht auch der alte Sultanspalast, den wir besichtigen können.

 

Ich bin auf der Suche nach Wayan-Puppen. Das Wayan-Puppentheater ist eine Kunstform, die hier aus Yogya stammt, und die Figuren – es sind Schattenfiguren – werden in mühseliger Handarbeit aus Büffelhaut geschnitten und gestanzt, danach bemalt und lackiert. Der Taxifahrer kennt eine Familie, die solche Puppen herstellt und bringt uns dorthin. Der „Chef“ der Familie begleitet uns durch engste Gässchen zu seinem Haus, wo die Puppen ausgestellt sind. Es sind wahre Kunstwerke, aber mir zu bunt. Er ist enttäuscht, als wir wieder gehen, aber so ist es eben.

 

Es gibt noch eine andere Puppenspielkunst hier. Diese anderen Puppen werden aus Holz hergestellt; es dauert ein wenig, bis ich das finde, was ich möchte, aber ich reise glücklich mit meinem Puppenschatz, einem Pärchen, das Rahma und Cinta – Romeo und Julia – darstellt, zurück.

 

Vorher aber verfalle ich noch in einen wahren Batik-Kaufrausch. „Kaufrausch“ kommt bei mir – im Gegensatz zu früher – immer seltener vor. Ich gehe heute reuelos an den schönsten Geschäften vorüber, freue mich an den hübschen Dingen, aber ich stelle immer wieder neu fest, dass ich das meiste nicht brauche und nicht besitzen möchte. Anders in diesem Batik-Laden. Batik ist eine für Indonesien, und insbesondere für Bali und Java typische Form, Stoffe zu färben. Dabei gibt es gravierende Qualitäts- und Preisunterschiede, die wir erst mit der Zeit verstehen. Am Vortag habe ich ein schönes Geschäft entdeckt, dort versinke ich nun heute, betreut von einer reizenden Verkäuferin und kommentiert von zahlreichen interessierten Kundinnen und Kunden, die um meine Schätze herum auf dem Boden lagern und alles kommentieren, und „schlage richtig zu“...

  

-        Prambanan – schönster Tempel der Erde

 

Dieser Tempel muss noch sein! Manfred ächzt und stöhnt, aber mein Bedarf an Kultur aller Art ist noch längst nicht gedeckt. Prambanan wird von den Indonesiern als der schönste Tempel der Erde bezeichnet.

 

Es ist ein Hindu-Tempel, der aus mehreren einzelnen Tempeln besteht, von denen jeder einer Hindu-Gottheit geweiht ist. Über eine steile Treppe gelangt man jeweils in einen dunklen Raum, in dem eine Statue der Gottheit wacht: Brahma, Vishnu, Shiwa und die dazu gehörenden Göttinnen.

Der Tempel ist wirklich sehr schön, ob es der schönste der Erde ist, kann ich nicht beurteilen.

  

-        Vulkane aus der Luft

 

Der Flug zurück nach Denpasar (Bali) war ein Wunder! Habt ihr schon mal einen Vulkan aus der Luft gesehen und direkt in den Krater geblickt?? Aus dem Flugzeug sehen wir alles wie eine Spielzeuglandschaft.

Der höchste Vulkan auf Java ist der Bromo. Man kann zum Kraterrand hinaufwandern, und in dieser Woche findet dort oben eine wichtige Zeremonie statt, zu der zahlreiche Pilger unterwegs sind. Einer dieser Wanderer ist jetzt auf dem glitschigen Pfad abgerutscht und in eine Felsspalte gestürzt, der Bromo wurde vorerst für Wanderer gesperrt. In derselben Zeitungsnachricht lesen wir, dass der Mount Rinjani, der grosse Vulkan auf der Insel Lombok, Rauch speit und dass Menschen evakuiert werden mussten. Wir fliegen hier über einen gigantischen Drucktopf. Nicht nur unsere Freunde von der „Windpocke“ haben den Ascheregen des Egon auf Flores erlebt und tagelang ihr Schiff geputzt, auch wir sehen aus dem Flugzeug die Rauchwolken, die ein Vulkan auf Java ausspuckt.

 

Die höchsten Vulkane Indonesiens befinden sich übrigens in Papua (Irian Yaya), sie sind über 5000m hoch! Alpen, versteckt euch!

  

-        Wieder in Benoa

 

Mit dicken Taschen beladen kommen wir in Bali an. Gerade rechtzeitig, um Renés Geburtstagsparty mit zu feiern. Er hat Balinesische Tänzerinnen engagiert und ein grossartiges Buffet in der Küche der Marina bestellt. In der Marina in Benoa haben wir nur noch einen Tag, wir wollen nun weiter, denn wir wollen unbedingt noch nach Kalimantan zu den Orang Utans, und müssen uns beeilen, um vor dem Windwechsel in Singapore zu sein.

  

-        Knalpot putt!

 

Also, Ölwechsel, Diesel tanken, Wäsche waschen, Wasser bunkern, Schiff putzen, einkaufen, reicht dafür ein Tag? Wir sind tatsächlich fertig mit allem und sind startbereit, die gesamte „deutsche Kolonie“ verlässt am Samstagmorgen die Marina, sechs Schiffe: Windpocke, MeNeVado, Harlekin, Te-Herb, Jöke (aus Wehrheim!) und wir. Aber wir hatten’s zu eilig: vergessen, das Seeventil für den Motor zu öffnen, und wundern uns über den Porsche-Sound des Diesel-Motors. Qualmwolken verkünden nichts Gutes, die Motortemperatur steigt auf 95°C, Manfred wird nervös, wir lassen den Anker im flachen Wasser fallen, fast wären wir noch auf einem Riff gelandet, aber alles läuft gut, und Manfred findet auch schnell den Fehler. Durch das geschlossene Seeventil bekam der Motor kein Kühlwasser, und der Impeller lief heiss, kaputt! Knalpot putt! („Knalpot“ ist indonesisch und heisst „Auspuff“).

 

Dummerweise haben wir nur einen bereits gebrauchten Impeller an Bord und Manfred baut ihn schnell ein. Wir können ums Verplatzen keinen neuen Impeller finden, dabei waren wir der Meinung, wir hätten gerade dieses wichtige Ersatzteil an Bord, aber Fehlanzeige. Wir fahren bis in die Padangbai, 25sm nördlich von Benoa, und ich gehe dort von Bord – La Rossa ist noch gar nicht am Anker -, finde hilfreiche Leute, die mich nicht nur über das Riff heil an Land setzen, sondern mir sogar helfen, ein Auto zu organisieren, das mich nach Benoa bringt. Es ist ein Privatmann, der bereit ist, mich zu fahren, ich feilsche mit ihm trotz meiner blöden Situation noch über den Preis – bin schon fast eine Indonesierin! – und lasse mich nach Benoa bringen. Renate und Walter vom TO-Stützpunkt in Benoa sagen mir eine Adresse, wo ich einen neuen Impeller kaufen kann, aber ich muss mich beeilen, es ist Samstag und um 17 Uhr schliessen die Geschäfte; natürlich verfährt sich mein Taxi zuerst noch, aber um Punkt 16.30 Uhr habe ich 2 neue Impeller einheimischer Herkunft in der Hand, Stück zu 70.000 Rp.

 

Rückfahrt durch herrliche Landschaft, Reisterrassen, vorbei an altertümlichen Gespannen, die Reisfelder durchpflügen, Menschen, die in den Feldern arbeiten (ohne Fleiss kein Reis!) - ich staune und staune und staune, immer noch, nach vielen Wochen in Indonesien kann ich mich nicht satt sehen.

 

Ich bin noch vor Einbruch der Dunkelheit in der Padangbai, rufe Manfred über die Handfunke und er holt mich gleich ab. Er hat in der Zwischenzeit das Unterwasserschiff von den Entenmuscheln befreit und einen Kurzschluss an den Steckdosen gesucht – und gefunden. So hat jeder seine Aufgaben.

Ein kühler Drink zum Abend, und ab geht’s in die Heia!

 

Mehr im nächsten Reisebericht! Lasst es euch gut gehen, wir grüssen euch ganz herzlich aus Indonesien,

eure 2 Seebären von der La Rossa

    

 

Reisebericht 52

Borneo - Bei den Orang-Utans

Freitag, 15. Oktober 2004

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  • Martina
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  • Orangutanboss
  • Heiner



-        Abschied von Bali

 

In der Padangbai gehen wir vor der Abfahrt noch mal zum schnorcheln, denn hier – direkt vor unserer Nase – befindet sich ein Korallengarten, zu dem Besucher scharenweise strömen, weil er so schön sein soll. Und wirklich – es ist ganz bezaubernd, nicht nur die Farbenpracht der Korallen, sondern vor allem die kleinen und grossen Fische. Manfred hat sein „Ganzkörperkondom“ nicht angezogen, und die kleinen schwarzen Fische attackieren ihn mit Bissen. Sie verteidigen ihr Revier, ganz schön tapfer.

 

Dann machen wir uns auf den Weg nach Norden. Wir fahren ganz nah an der Küste von Bali entlang, dort ist der starke, südwärts laufende Strom am wenigsten zu spüren, und wir können noch ein wenig von dieser schönen Insel sehen. Der Götterberg Gunung Agung zeigt sich zum Abschied noch mal ohne seine Wolkenmütze. Heute ist Sonntag, Ruhetag für die Fischer, und in jeder noch so kleinen Bucht stehen die Boote nebeneinander aufgereiht; auch hier benutzen die Fischer kleine Segelboote mit zwei staksigen Schwimmern an jeder Seite. Sie erreichen mit diesen Booten atemberaubende Geschwindigkeiten. Aber, wie gesagt, heute ist niemand draussen unterwegs und wir können ohne Slalomkurven nach Norden segeln, ja, tatsächlich, ich habe „segeln“ gesagt. Es ist zwar ein anstrengendes Segeln, denn ständig müssen wir irgendwelche Segelmanöver machen, da wir den Blister hochgezogen haben. Der Wind wechselt hier häufig. Und kaum haben wir den Blister in mühsamer Arbeit von der Backbord- an die Steuerbordseite umgesetzt, kommt von der „Harlekin“ weiter vorne die Meldung: „25 bis 30 Knoten Wind hier vorne!“ Also schnell wieder runter mit dem Ding!

 

Gegen Abend schläft der Wind ganz ein und der Diesel muss wieder ran. Da die gesamte deutsche „Flottille“ Bali gemeinsam verlassen hat – wir wollten eigentlich nie in einer solchen Horde segeln – muss man ordentlich aufpassen, dass man niemandem ins Gehege kommt, aber die Schiffe laufen unterschiedlich schnell und das Feld zieht sich dann doch auseinander.

  

-        Ein Crash in der Nacht!

 

In der Nacht schreckt uns plötzlich ein lautes Krachen auf! Ich schreie auf und denke instinktiv, dass wir ein Fischerboot überfahren haben, Manfred guckt schnell nach oben: ist der Mast gerade runtergekommen?? Da sehen wir im Dunkeln auch schon die TE-HERB an unserem Heck vorbeirauschen. Sie sind uns voll ins Heck gefahren! Unser Dinghi hängt nur noch an 3 Befestigungen und baumelt im Wasser. Manfred flucht wie ein Rohrspatz, und wir überlegen, wie wir das Dinghi sichern können. Was sonst noch kaputt ist, werden wir erst bei Tageslicht entdecken.

 

Am Ankerplatz vor der Insel Kep Kangean dann sehen wir, dass der Davit an der Steuerbordseite stark verbogen ist. Die Mechanik  zum Aufholen des Beiboots klemmt, die Gangway, die auf den Davits liegt, ist an einer Stelle gesplittert, und eine Dinghi-Aufhängung ist abgerissen. Ob wir den Davit noch mal reparieren können, wissen wir im Moment noch nicht. Ein völlig verstörter Herbert kommt zu uns an Bord. Seine Terezinha hatte Wache und war wohl eingeschlafen; Herbert hat keine Versicherung, so überlegen Herbert und Manfred gemeinsam, wie sie den Davit wieder gerade biegen und die Mechanik für das Hochziehen des Dinghis wieder instandsetzen können. Norbert kommt noch zum Helfen, und zu dritt schaffen sie es tatsächlich, das Ganze wieder gerade zu biegen. TE-HERB und wir hatten dabei noch viel Glück: ein Meter weiter rechts und es hätte unsere EPIRB erwischt, und wer weiss, was noch alles zu Bruch gegangen wäre.

Es sollte uns eine Lehre sein!

 

Nach einer Nacht dann fahren wir weiter, es sind noch 320sm bis Kalimantan. Kalimantan ist der indonesische Teil von Borneo, der Norden von Borneo gehört zu Malaysia, und dazwischen eingeklemmt liegt das Mini-Sultanat Brunei. Wir haben zwei Tage und zwei Nächte vor uns, andere haben uns gewarnt, dass hier sehr viele Fischerboote, besonders in der Nacht, unterwegs seien und man höllisch aufpassen muss. Die erste Nacht ist ganz gemütlich, viel zu wenig Wind, wenig Fischerboote, fast schon langweilig, wir sind gespannt auf die zweite Nacht.

 

Wir hatten erwartet, dass wir im Slalom zwischen Booten hindurch fahren müssen, aber das ist nicht so. Es muss zwar immer einer wach sein und aufpassen, aber wir sind fasziniert von den vielen Booten so weit draussen auf dem Meer. Sie fischen hier Tintenfische und die Boote sind taghell erleuchtet. Es sind wirklich viele Boote, 100? 200? So etwas haben wir auf unserer gesamten Reise bisher nicht gesehen, es sieht toll aus.

  

-        Endlich in Borneo!

 

Gegen 7 Uhr früh erreichen wir den Wegpunkt vor der Küste von Kalimantan, wir sehen aber nichts. Das Land verschwindet unter dichtem Qualm, der von den Waldbränden stammt, die hier gelegt werden, um Schneisen zur Abfuhr der Edelhölzer in den Dschungel zu schlagen. Das Meer ist seit Tagen nur wenige Meter tief und hier wird es noch flacher. Das Auge kann sich nirgends orientieren, deshalb schalten wir unsere gesamte Technik ein: zwei Computer, Radar, zwei VHF. Die Seekarten sind schon seit Timor nicht genau, hier stimmen sie auch nicht, ausserdem hat der Kumai River, in den wir hineinfahren wollen, an seinem Ausgang eine Barre, die sich verändert. Ein anderer Segler, mit dem wir Kontakt haben, sass vor 3 Tagen die ganze Nacht fest, obwohl er eine grüne Tonne an der richtigen Seite umfahren hatte. Er warnt uns und sagt uns, dass wir diese grüne Tonne unbedingt an Backbord lassen müssen. Wir folgen seinem Rat und kommen ohne Probleme in den Fluss, bleiben aber die ganze Zeit äußerst wachsam. Es ist unsere erste Flussfahrt mit La Rossa! Ein neues Erlebnis. Im Schlepptau fahren Windpocke, die das ganze äußerst locker sehen, denn sie haben keinen Tiefenmesser, aber wo wir durchkommen, kommen sie und Te-Herb auch durch.

 

Am Nachmittag sind wir in Kumai und ankern bei den anderen Yachten im braunen Fluss. Noch am Abend kommt Harry vorbei, der die Dschungelausflüge organisiert, und wir melden uns für eine 2-tägige Safari an.

Kosten: 1.300.000 Rupien (130 Euro) für 2 Tage und 2 Personen, incl. Essen und Getränke, Koch, Führer, Eintrittsgeld in den Nationalpark, und Aufpasser auf dem Schiff. Morgen, am 16. Oktober 2004, soll’s losgehen! Wir sind schon ganz aufgeregt vor Freude und freuen uns auf King Louis und seine Freunde!

 

In der Nacht kommen wir kaum zum schlafen, weniger wegen der Vorfreude, sondern in dieser Nacht beginnt der Ramadan, die Fastenzeit der Moslems, und in dieser Nacht sind sämtliche Muezzins von Kumai an den Megaphonen, und die Gläubigen singen und beten in voller Lautstärke. Erst um Mitternacht kehrt Ruhe ein, aber schon um 3 Uhr in der Frühe setzt der islamische Gebetsruf wieder ein!

  

-        Ausflug ins Dschungelbuch

 

Pünktlich um 8 Uhr werden wir abgeholt. Harry hat für jede Yacht einen Aufpasser bestellt, der während der gesamten Zeit an Bord ist, d.h. im Deckshaus der La Rossa und an Deck, nicht unten im Schiff. Er bekommt noch kurze Anweisungen von Manfred, ich reiche schnell unser Gepäck auf die Barke, und dann sind wir schon auf Safari! Heia!

 

„Wir“, das sind Martina und René, Herbert und Terezinha, Manfred und ich sowie der Steuermann und ein Koch, später kommt noch ein „guide“ an Bord. Alles junge, sehr lustige Männer.

Die Barke ist ein langes Holzboot, blau-gelb gestrichen, am Bug befindet sich ein Mini-Steuerhaus, in dem unser Pilot im Schneidersitz hockt. Wenn er es bequemer haben möchte, dann streckt er den Kopf aus der Luke über dem Steuerrad und lenkt mit den Füssen. Hinter dem Steuerhäuschen befindet sich ein hölzerner Aufbau mit einem Dach; dort liegen zwei Matratzen – aha, zwei Betten? – ein Niedergang führt nach unten in eine Kabine, wo nochmals zwei Betten sind. Im rückwärtigen Bereich ist die Küche und hinter der Küche, am Heck des Kahns, befindet sich eine Kabine mit Klo und Dusche. Welch Luxus!

 

Laut tuckernd setzen wir uns also in Richtung Dschungel in Bewegung. Wir sind gespannt wie die Flitzebogen. Unser Ziel liegt 20km weit im Tanjung Puting Nationalpark. Zunächst fahren wir auf einem kaffeebraunen Fluss, der links und rechts von Kentia-Palmen gesäumt ist. Mit der Zeit verändert sich die Vegetation, die Bäume werden höher, der Dschungel wird dichter. Unser Führer, Dansun, erklärt uns, wo die Station liegt, zu der wir wollen. Dort werden um 15 Uhr die Orang Utans gefüttert und wir wollen zu dieser Zeit dort sein.

 

Um 12 Uhr kündigt unser Koch das Mittagessen an. Zwischen den beiden Matratzen am Oberdeck wird alles leergeräumt und er reicht uns diverse Platten mit köstlichem indonesischen Essen aus der Küche nach oben, die wir auf den Boden stellen. Es gibt Reis, scharf gewürzte Gemüsegerichte, gebratenes Fleisch, pikante Sossen und eine grosse Platte mit Melonenstücken. Auf einem Tablett stehen die Zutaten für Kaffee und Tee sowie Tassen und Gläser bereit.

 

Links und rechts von uns zieht wie eine Bildtapete der immer dichter werdende Dschungel vorbei. Ab und zu überholt uns ein kleines Speedboot oder es kommt uns ein laut tuckernder Holzkahn entgegen. Durch den Dschungel bewegt man sich am besten auf Wasserstrassen. Wir hocken auf unserer Barke wie ein Grüppchen Pfadfinder, die Augen sind ständig beschäftigt. Wer entdeckt ein Krokodil? Woher kommt das aufgeregte Pfeifen? Da, ein Schmetterling! Hast du den Leguan dort gesehen? Unser Pilot steuert uns um schwimmende Inseln herum, über Wurzeln und an abgesägten Baumstämmen vorbei.

 

-        Probleme im Dschungel

 

Wir fragen Dansun Löcher in den Bauch. Warum ist der Fluss so dreckig braun? Er erklärt uns, dass flussaufwärts illegale Goldminen sind und dass beim Ausschwemmen des Goldes grosse Mengen Quecksilber und Schlamm herausgespült werden. Alle Fische, die weiter unten gefangen werden, sind vom Quecksilber verseucht, aber die Menschen haben keine andere Wahl als diese Fische zu essen. Die Regierung kümmert sich nicht um das Problem.

 

Ein anderes Problem ist das illegale Schlagen von Holz. Die Edelhölzer stellen einen wertvollen Besitz auf Borneo dar, und das Holz wird normalerweise legal geschlagen und exportiert. Dazu werden grosse Flächen Wald in Brand gesetzt und das Unterholz gerodet, um an die dicken Edelholzstämme zu gelangen. Aber natürlich gibt es auch illegalen Holzschlag und illegale Brandrodung. Die Polizei hat zwar an allen kleinen Zuflüssen Polizeiposten installiert, aber was heisst das schon? Wenn schon die Regierung korrupt ist, was soll dann ein kleiner Polizeiposten sein?

 

Die Brandrodung, egal ob legal oder illegal, hat zur Folge, dass der Lebensraum zahlreicher Tiere eingeschränkt wird, viele sterben in den Flammen einen qualvollen Tod, weil sie keinen Fluchtweg finden.

  

-        Forschung für die Orang Utans

 

Ende der 60er-Jahre begann die kanadische Forscherin Dr. Burité Galdikas zusammen mit ihrem Mann, unter unsäglichen Mühen eine Forschungsstation für die Orang Utans einzurichten. Auf Borneo und auf der anderen indonesischen Insel Sumatra leben die letzten Orang Utans, die es auf der Erde noch gibt. Insofern ist Burité Galdikas das Gegenstück zu Diane Fossey, die sich im afrikanischen Uganda für die dort lebenden Berggorillas eingesetzt hat. Diane Fosseys Leben wurde verfilmt (Gorillas im Nebel) und ihr Werk erhielt dadurch viel Publicity.

Das ist hier in Borneo anders. In unserem Reiseführer „Lonely Planet“ beispielsweise findet sich nicht der geringste Hinweis darauf, dass sich hier Orang Utan-Stationen befinden; wir haben das nur von anderen Seglern erfahren.

 

Orang Utans sind – wie alle Menschenaffen – sehr anhängliche und soziale Tiere. Die Kleinen bleiben bis zum Alter von 8 (bei männlichen Affenkindern) bzw. 12 Jahren (weibliche Tiere) bei der Mutter. In den ersten Jahren hängen die Kleinen ständig entweder auf dem Rücken oder vor dem Bauch der Mutter und werden von ihr mit aller Liebe versorgt, gesäugt, gesäubert und gehätschelt. Wer möchte nicht so ein niedliches Tierchen besitzen? So wurde es chic, einen kleinen Orang Utan zu besitzen und ihn wie ein Baby zu Hause zu versorgen. Dazu musste aber die Mutter getötet werden, denn freiwillig würde eine Affenmutter niemals ihr Baby hergeben. Mit der Zeit wird das Affenkind aber grösser und kräftiger. Ein ausgewachsener Orang Utan wiegt nicht nur bis zu 150kg, er vertilgt auch riesige Mengen Futter und ist körperlich nicht mehr zu bändigen. Dann passiert das, was kommen muss: der Affe wird im Dschungel ausgesetzt. Das Tier, das an seine Umgebung gewöhnt ist, das sein Menschen-Rudel liebt und sich ihm sozial angeschlossen hat, das nie gelernt hat, im Dschungel zu überleben, stirbt an Hunger, Durst und Kummer, vielleicht auch im Kampf mit einem wilden Artgenossen.

 

Aber auch die wild lebenden Tiere hatten immer mehr unter dem kleiner werdenden Lebensraum zu leiden. Durch die breiten Brandschneisen konnten die Affen, die sich ausschliesslich in den Baumkronen vorwärts bewegen, nicht mehr zur Paarung treffen, ihre Reviere wurden immer kleiner. Die Population der Orang Utans nahm rapide ab.

 

Burité Galdikas sorgte dafür, dass das Gebiet des Tanjung Puting zum Nationalpark erklärt wurde und dass dort jede Brandrodung eingestellt wurde. Sie verhandelte mit der Regierung, dass Affenkinder, die in privaten Häusern gehalten werden, ausfindig gemacht und konfisziert wurden. Sie kamen zur Auswilderung in die Forschungsstationen. Dort mussten die Affen lernen, was man zum Überleben in der „Freiheit“ als Affe wissen muss. Wie finde ich Futter? Wo finde ich Wasser? Wie baue ich mein Nest? Welche Rangordnungen gibt es?

Viele der Affen aus Gefangenschaft waren krank und mussten gegen die diversen Krankheiten, mit denen sie sich bei „ihren“ Menschen angesteckt hatten, behandelt werden. Die DNA der Orang Utans ist zu 97% identisch mit der menschlichen DNA. Also können sie auch alle Krankheiten bekommen, die bei Menschen auftreten. Galdikas richtete Krankenstationen für ihre Pfleglinge ein, bildete Pfleger aus und betrieb publicity für ihre Affen. Inzwischen wurde zumindest erreicht, dass der Bestand an Orang Utans zwar immer noch sinkt, aber nicht mehr so dramatisch wie in den 60ern und 70ern.

 

Übrigens stammen fast alle Orang Utans, die weltweit in Zoos gehalten werden, aus Borneo.

  

-        King Louis

 

Endlich sind wir da! Unser Kahn wird im Blätterwald vertäut und wir gehen an Land. Festes Schuhwerk an den Füssen, Arme und Beine mit literweise „Anti-Brumm“ (Autan) eingerieben, Kameras, Stativ, Filme im Rucksack. Ein Park-Ranger erwartet uns schon und führt uns auf einem Pfad etwa eine Stunde weit in den Dschungel hinein. Dort ist eine hölzerne Plattform aufgebaut, auf der ein gewichtiger Affenmann hockt und laut vernehmlich seine Bananen schmatzt. Es ist ein ausgewachsenes Männchen, nicht nur an seiner Grösse erkennbar, sondern auch an seinem Gesicht, das eine Form wie eine runde schwarze Scheibe hat, darunter geht das Gesicht in ein mächtiges Kinn über. Sein Körper ist mit einem dichten rostroten Haarkleid bedeckt.  Neben ihm in einigen Metern Entfernung sitzt ein Weibchen mit einem Baby – sie muss noch warten, bis sie fressen darf.

 

Wir sind fasziniert und beobachten das Schauspiel. Orang Utan ist ein indonesisches Wort und heisst „Mensch des Waldes“ – und die ganze Bedeutung des Wortes „Mensch“ kommt uns hier zu Bewusstsein. Das ist menschlich, allzu menschlich, was wir hier sehen! Der Affenmann, den wir King Louis nennen, greift sich mit seinen grossen Händen einen Topf und setzt ihn an die Lippen, um ihn auszutrinken. Sorgfältig setzt er ihn wieder ab, dann greift er nach einem Bündel Bananen und steckt sich einige davon in sein Affenmaul, kaut darauf herum, schiebt einen Teil des  Bananenbreis mit der Unterlippe nach vorne. Ein Komiker.

 

Der Ranger erklärt, dass dieser Affe ein wildes Tier ist, d.h. er wurde nicht auf der Station ausgewildert, aber er weiss, dass es hier Futter gibt und kommt regelmässig. Die Futterplätze werden zwar immer wieder an anderen Stellen aufgebaut, damit die Tiere das Suchen nach Futter nicht verlernen, aber King Louis hat dieses Revier zu seinem erhoben und sucht hier auch sein Fressen.

 

Als er satt ist, entfernt er sich langsam von der Plattform und entschwindet nach oben. Unter seinem Gewicht biegen sich die Bäume, aber elegant und behände wie ein Akrobat klettert er in die Baumkronen hinauf. Weit klettert er nicht, er schaut sich alles von oben noch ein wenig an.

Nun darf „sie“ den Bananen zu Leibe rücken und einen Topf mit stark verdünnter Pulvermilch trinken. Affen sind Vegetarier. Andere Affen steigen von den Bäumen herunter. Wir werden gemustert. Sieht so aus, als ob wir hier die Affen sind, denn wir sind wie gebannt und sehen die Tiere fast nur durch unsere Kamera-Linsen. Vielleicht wundern sie sich über die komischen Dinger in unseren Gesichtern? Der Ranger warnt uns immer wieder, nicht zu nahe heranzugehen und auch nichts herumstehen zu lassen. Ein unbewachter Rucksack zum Beispiel kann blitzschnell von einer Affenhand geklaut werden und bleibt dann auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Auch dürfen wir in Gegenwart der Affen nichts essen oder trinken, denn die neugierigen Kerle könnten sich dadurch eingeladen fühlen.

 

Wir beobachten das Spiel noch lange, nach dem Essen suchen sie sich gegenseitig die Köpfe nach Läusen ab, die Babies werden gesäugt und dann wird in den Bäumen geturnt. Wir könnten sie stundenlang beobachten. Irgendwann bläst unser Führer zum Aufbruch, denn wir müssen ja noch den ganzen Weg zurück zum Boot und es wird früh Dunkel hier.

 

Zurück im Boot hat unser Koch gebackene Bananen für uns vorbereitet, die wir uns jetzt gerne schmecken lassen. Dann suchen wir einen Platz, wo unser Boot während der Nacht vertäut werden kann.

  

-        Dschungelnacht

 

Unsere „crew“ treibt uns zur Eile. Bevor es richtig dunkel ist, können wir duschen. Das ist eine sehr lustige Angelegenheit. Da unsere 3 Indonesier Moslems sind, respektieren wir ihre Zurückhaltung, d.h. unbekümmertes Ausziehen und Duschen an Deck gibt es nicht. Eine Pumpe wird eingeschaltet, die Wasser aus dem Fluss nach oben befördert, durch die Bodenbretter läuft alles wieder zurück, wo es hergekommen ist. Das Flusswasser ist hier oben übrigens ganz sauber, es ist zwar schwarz gefärbt von der Vegetation, aber vollkommen klar und rein. Genauso wie die Dusche funktioniert die Toilette – wir stellen uns nur vor, wie das ist, wenn von unten ein Krokodil heraufschaut....

Einer nach dem anderen verschwindet also in voller Montur in dem Kabäuschen und kommt frisch geduscht wieder heraus. Danach gibt es Abendessen, wieder mehrere Platten voll indonesischer Überraschungen, die unser Koch für uns in seiner Miniküche gezaubert hat. Wir erzählen Witzchen und kleine Stories und staunen, wie schnell unsere „guides“ uns erkennen und passende Spitznamen für uns gefunden haben. Ist das die Erfahrung aus dem jahrelangen Umgang mit den Orang Utans???

 

Schon hat sich die Dunkelheit über uns ausgebreitet und es geht ans Betten-Bauen und Moskito-Netze installieren. Da wir alle keine erfahrenen Pfadfinder sind, geht das ganze mit viel Gelächter und Albernheiten vonstatten. Manfred und ich schlafen auf dem Oberdeck unter einen blauen Plastikplane, die uns vor dem nächtlichen Tau schützt, und unserem Moskitonetz. Vor dem Einschlafen lauschen wir noch auf die Geräusche, das Geraschel und Gezirpe aus dem Dschungel, aber schliesslich tauchen wir alle ab. Moskitos haben wir weder gehört noch gesehen noch gespürt.

 

Beim ersten Morgenlicht wachen wir auf. Wir wollen um 9 Uhr bei der nächsten Station flussabwärts sein und haben zwei Stunden Fahrt vor uns. Also – Matratzen wegräumen, alles aufräumen, frühstücken. Pünktlich um 9 Uhr sind wir bei der Station.

  

-        Indonesischer Affentanz ums fehlende Papier

 

Der Indonesische Stationsleiter erwartet uns schon. Er möchte die Tickets kontrollieren, aber Dansun kann sie ihm nicht vorweisen. Als Dansun am Vortag die Tickets für den Nationalpark gekauft hatte, waren die Eintrittskarten ausgegangen, so hat er zwar bezahlt, aber keine Papierkarten dafür erhalten. Eine Quittung, die Dansun vorlegte, genügte dem Indonesier nicht. Wir durften nicht eintreten, sondern sollten warten. Worauf?

 

Manfred, der sich mehr für die Affen als für die indonesischen Eintrittskarten interessierte, spazierte unentdeckt schon mal voraus. Wir andern wurden zurückgehalten, und Dansun bat uns auch, nicht einfach weiterzugehen, da er bei späteren Besuchen mit Touristen Schwierigkeiten befürchtete. Nach einer ¾ Stunde fing ich an zu maulen, ausserdem machte ich mir Gedanken wegen Manfred, immerhin war er ja alleine im Urwald unterwegs. Ich ging also voraus und 2 Minuten später folgten die anderen. Einer Holländerin, die zusammen mit ihrem Mann ebenfalls warten musste, gelang es, den alten Stationschef hinter sich her zu bewegen und ihm klar zu machen, dass er uns wenigstens den Weg zeigen müsse, was er dann schliesslich auch tat.

 

Bei der Fütterungsstelle sass dann auch mein lieber Manfred, zusammen mit anderen Besuchern und einigen Einheimischen, die auf der Station arbeiten. Etliche Affen aller Grössen waren schon beim Fressen versammelt. In den Baumkronen kletterten auch noch ein paar herum.

 

Nun klärte sich auch das Ticket-Affentheater auf: diese Station wird von Einheimischen betrieben, das Eintrittsgeld kassiert jedoch die staatliche Nationalpark-Verwaltung. Sie sollte das Geld an diese Station eigentlich weiterleiten, was sie aber nur gegen Vorlage der bezahlten Tickets tut. Und ebendiese waren gerade ausgegangen. Es geht also ums liebe Geld!

Hier zeigt sich das ganze Dilemma. Die Orang Utan-Stationen im Tanjung Puting sind zu wenig bekannt, es kommen nur etwa 400 Besucher im Jahr, und diesen wenigen Besuchern, deren Geld dringend benötigt wird, wird das Leben schwer gemacht, indem es an der Koordination mangelt.

 

Aber wir haben es ja geschafft und uns nicht wieder wegschicken lassen. Aber wie viele kommen her und lassen sich einschüchtern? Gerade am Vortag haben wir zwei französische Segler getroffen, die hatten zwar Tickets, aber keinen eigenen Führer dabei, sie wurden wieder fortgeschickt.

 

Als wir zur Bootsanlegestelle zurückkehrten, sassen überall auf den Bäumen wilde Orang Utans und beobachteten uns. Sie konnten sich an uns Touristen nicht satt sehen.

  

-        600 Seemeilen bis Batam

 

Indonesien – was ist das eigentlich? Fest steht, dass es nicht nur der grösste islamische Staat der Erde ist, und mit seinen 230 Millionen Menschen nach China und Indien das drittgrösste Land, sondern ein Inselreich von unvorstellbaren Dimensionen.  Wir durchreisen in den 60 Tagen, die uns die indonesische Botschaft genehmigt hat, nur einen kleinen Teil dieses Landes, aber wir legen von Darwin bis Singapore 2300sm zurück, das sind rund 4000km.

 

Wir beschliessen also, die restlichen 600sm bis Batam, dem letzten indonesischen Ausklarierungshafen vor Singapore, in einem Stück zurückzulegen. Es wird eine quälend lange Reise und sie dauert 4 Tage und 4 Nächte, bis unser Anker 20sm vor Nongsa Point ins Wasser fällt. Die letzten 20sm bis zur Marina müssen wir bei Tag zurücklegen.

 

Die 600sm bis hierher sind sehr anstrengend. Bei Tag quält uns die zunehmende schwüle Hitze - wir sind fast am Äquator, kein Lüftchen kühlt uns, nichts, was unsere Segel füllen würde, also brummt Tag und Nacht der Diesel. Keine Wellen, Wasser wie Öl, es tut schon weh vom Ansehen, die Hitze kann man sehen und fühlen. Wir sind von morgens bis abends in Schweiss gebadet.

Die Nacht bringt zwar ein wenig Abkühlung, dafür muss immer einer von uns Wache halten. Das Meer ist übersät von Schiffen: kleine Fischerboote, grosse Frachter und noch grössere Tanker. Die Fischerboote sind oft unbeleuchtet oder nur mit einer kleinen Funzel, manche sieht man ganz gut, dafür sind sie auf dem Radarschirm nicht zu erkennen. Die Wache ist also ständig auf der Lauer, mal mit Fernglas an Deck, dann wieder am Radarschirm. Besonders tückisch sind alle schwimmenden Objekte im Meer, entweder dicke Baumstämme, Fischereibojen oder Netze, die – wenn man Glück hat – durch kleine weisse Bojen markiert sind, aber bei Nacht ist einfach alles zu spät, man sieht es einfach nicht. Mehr als einmal kracht ein Stamm an den Rumpf, mehr als einmal fahren wir über ein Netz, aber wir haben Glück und bleiben nie hängen. Die MeNeVado hatte eine armdicke Leine in der Schraube und Bernd musste tauchen gehen, zum Glück war es bei Tag, in der Nacht hätten sie erst mal nichts tun können. Die „Cobra“ hatte nachts ein Netz in der Schraube und sass fest, und bei der Harlekin brach ein dicker Ast ein Stück aus dem Skeg.

 

In einer Nacht kommt uns die Te-Herb wieder gefährlich nahe, aber diesmal sind wir auf der Hut, geben ordentlich Gas und ändern den Kurs, weg von Te-Herb.

Nachts beginnt es nun auch gelegentlich zu regnen, der erste Regen seit wann? Um uns herum Wetterleuchten, eine unheimliche Stimmung. Am Morgen dann wieder stiller Dunst und keine Bewegung auf dem Wasser. Die Sicht beträgt nur 1 oder 2 Meilen.

 

Nach 3 Tagen kommen die ersten Hilferufe unserer Mitsegler: der Diesel reicht nicht! Sie haben die Entfernungen unterschätzt und die gesamten Bedingungen hier, Gegenstrom, kein Wind, keine Möglichkeiten, Diesel zu tanken. Einige haben zu kleine Tanks, zu kleine Motoren für tagelanges Fahren mit Maschine.

Jeder ist übermüdet, wir fahren ja alle nur zu zweit, und das gilt eigentlich als „short handed crew“.

 

Direkt am Äquator halten wir an und feiern bei 105° 30’E unsere zweite Äquator-Überquerung. Herbert hat sich als Neptun verkleidet und eine Flasche Champagner mitgebracht. Wir sitzen zu sechst an Bord der „Windpocke“, „Te-Herb“ und „La Rossa“ lassen wir treiben, es ist ja kein Wind, aber doch genug, dass sich unsere Rote klammheimlich mit der Strömung nach Süden wendet und still und leise alleine auf die Reise geht. Manfred hatte das Ruder festgestellt, so konnte sie sich gemütlich auf den Weg machen.

 

Nachdem wir sie wieder eingefangen haben, wird sie erst mal zur Tankstelle umfunktioniert. Manfred zapft ihr 300 Liter Diesel aus dem dicken Bauch in mehrere Ballons. Dabei gibt es noch eine ziemliche Sauerei. Unser Unglücksrabe Herbert lässt den Zapfschlauch los und mehrere Liter des stinkenden braunen Diesel verbreiten sich auf den Polstern und dem Fussboden. So allmählich gerät unsere Hilfsbereitschaft an ihre Grenzen.

 

Wir setzen uns dann auch ab, geben ordentlich Gas und fahren bei Nacht in den Selat Riau. Dabei kommen wir in ein grosses Feld von Netzen und Hunderten von kleinen Fischerbooten. Auf der Seekarte haben wir einen Ankerplatz ausgesucht, den wir ansteuern, aber wir sind beide so müde, dass wir kurz vor dem Ankerplatz nur mit knapper Not und Vollgas vor einem Schlepper queren können, der einen gigantischen Koloss hinter sich herzieht. Der Schlepper war zwar relativ vorschriftsmässig beleuchtet und auch auf dem Radar zu erkennen, aber der Koloss hatte nur eine Art Adventskerze zur Identifikation und keine Spur von Radarsignal. Glück gehabt!

 

Schnell in die Koje und 5 Stunden schlafen! Bis morgen!

 

Es grüssen euch herzlich eure 2 Dschungel-Freunde

Mogli und Baloo

 

 

Reisebericht 54

Batam - Singapore

Samstag, 30. Oktober 2004

Nach Batam gingen wir eigentlich nur, um dort auszuklarieren und noch einmal zu indonesischen Preisen den Dieseltank zu füllen. Auf der Fahrt zur Nongsa Point Marina wurde uns der indonesische Kontrast noch einmal so richtig vor Augen geführt: offene Holzkähne, in denen die Fischer stehen und alleine mit der Kraft ihrer Arme die Netze aus dem Wasser ziehen, direkt daneben ein riesiges, modernes Frachtschiff.

 

Die Marina liegt in einem Resort; Swimming Pool, Restaurants, ein Golfplatz in der Nähe und verschiedene Hoteldörfer, eines im landestypischen Stil, ein japanisches Dorf, ein italienisches, jedes mit mehreren Pools, Bars, Restaurants – nur keine Gäste. Die Insel war bis vor 6 Monaten Freihandelszone, und es gibt keinen qm, der nicht umgegraben, planiert und bebaut ist. Dann wurde der zollfreie Status plötzlich abgeschafft und anscheinend alle Baustellen schlagartig aufgegeben. Es sieht grauenhaft aus. Für uns war das „Indonesien zum abgewöhnen“. Aber immerhin hatte ich endlich mal wieder die Gelegenheit zum joggen!

 

Singapore liegt genau gegenüber von Batam – dazwischen verläuft die meist befahrene Schifffahrtsstrasse der Erde, die Singapore Strait. Um nach Singapore zu gelangen, müssen wir dieses Fahrwasser überqueren. Man sucht sich vorher eine schmale Stelle aus, an der das Queren zulässig ist, und fährt dann möglichst schnell im rechten Winkel auf die andere Seite. Klingt ganz easy, aber die Ozeanriesen düsen mit 20 bis 25 Knoten wie auf einer Perlenschnur heran, und man muss sich wirklich sputen, um keinem in die Quere zu kommen, denn die Riesen können auf kurze Distanz weder bremsen noch ausweichen. Dazwischen treiben Baumstämme, abgerissene Fischereibojen und allerlei Gerümpel, das einer Yacht schon Probleme bereiten kann. Unsere Freunde von der Windpocke z.B. hatten ein armdickes Stück Tau von einem Netz in der Schraube und mussten ins Wasser, um es herauszuschneiden. Wenn einem das mitten in der Schifffahrtsstrasse passiert – na dann „gute Nacht“! Bei der „Harlekin“ und der „MeNeVado“ hatten am Tag vorher Blitze direkt in die Masten eingeschlagen und alle elektronischen Geräte einschliesslich Radar, GPS, VHF usw. zerstört. Da sie in dem Platzregen auch nichts mehr sehen konnten, mussten sie ankern und warten, bis wenigstens die Sicht wieder klar war und sie in die Marina fahren konnten. Der Schaden beträgt pro Schiff etwa 30.000 bis 40.000 Euro.

Bei uns passierte gar nichts, weder Blitz im Mast noch Seil in der Schraube – aber es gehört einfach auch Glück dazu. Außerdem sind wir aus der Gewitterzone noch nicht heraus.

 

Nun sind wir in einer sehr schönen Marina und waren bis jetzt jeden Tag in der Innenstadt. Singapore ist eine hypermoderne kosmopolitische Stadt, sehr sauber, kilometerhohe Hochhäuser, unzählige klimatisierte Shopping Centers, die alle durch ein unterirdisches Netz von hell erleuchteten und klimatisierten Gängen, die auch selbst wieder Shopping Centers sind, verbunden sind. Man wandert eigentlich ständig durch Einkaufszentren und ist völlig ohne Orientierung, aber natürlich ist alles perfekt beschildert, sodass man sich dann doch gut zurechtfindet. Ein gigantisches Warenangebot: Elektronik, Computer, Kameras, Klamotten, Schuhe, chinesisches, indonesisches, thailändisches und was weiß ich für Essen, Schmuck und überall schon Weihnachtsdekoration – komisch, bei der schwülen Hitze.

Die jungen Singapurer sind extrem modebewusst und Singapur gilt neben einigen anderen asiatischen Großstädten, vor allem China (!), als Trendsetter in der Mode – USA und Europa sind passé. In der Zeitung habe ich vor einigen Tagen einen Artikel über die deutsche Sportartikel-Firma Adidas gelesen. Adidas hat im Singapore Suntec Center letzte Woche den weltweit größten Adidas-Laden eröffnet. Pro Jahr eröffnet Adidas in Asien 1000 neue Shops, in Europa 60. Das innovative Zentrum für die Entwicklung von Sportschuhen ist in Hongkong. Natürlich interessiert mich die Sportkollektion hier besonders, leider sind die Sachen für unser Klima nur im deutschen Hochsommer geeignet, lange Laufhosen z.B. sucht man hier vergeblich, die längsten enden unter dem Knie.

Die jungen Leute sind sehr modisch angezogen, aber nicht gestylt, sie sind auch nicht geschminkt, aber alle tragen sehr schicke Schuhe – hier hat niemand plumpe Turnschuhe an – und haben schön gepflegte Füsse mit lackierten Nägeln. Auch die eigenartigen extrem bauchfreien Jeans und bauchfreien Tops trägt hier niemand. Es gibt kaum Dicke, die Asiaten neigen schon aufgrund ihrer Ernährung nicht dazu.

 

Die Bevölkerung ist ein Gemisch aus überwiegend Chinesen und Indern, dazwischen einige weiße „Langnasen“. Gesprochen wird Chinesisch, Malaysisch, Hindi, Japanisch, Indonesisch, Englisch...  Auf der Singapore-Insel leben 5 Mio Menschen, dazu kommen pro Jahr mehrere Millionen Besucher. Es herrscht ein ungeheurer Lärm, aber gedrängelt und geschubst wird nicht, auch wenn zur Rush Hour alles auf den Beinen ist. Es gibt keine Slums, und die Regierung sorgt mit drastischen Programmen dafür, dass alle Arbeit haben bzw. finanziell versorgt sind, aber ein Zuckerschlecken ist das hier allenfalls für die Reichen. In der Stadt ist es sehr sauber, keine beschmierten Wände, kein Graffiti auf den Waggons der Bahnen, kein Abfall im Rinnstein, aber das Meerwasser ist dafür umso dreckiger. Das Wegwerfen einer Zigarettenkippe oder eines Papierschnipsels kostet 500 $ (250 €) und der Besitz von zuviel Rauschgift wird gnadenlos mit dem Tod bestraft, über soviel Perfektionismus müsste jeder glücklich strahlen.

 

Das Pro-Kopf-Einkommen in Singapore ist sehr hoch, aber Singapore ist nach Tokio die Zweitteuerste Stadt in Asien, für die Leute, die hier leben und arbeiten, bedeutet das eine 6 Tage-Arbeitswoche bei 11 Stunden pro Tag, anders wären die hohen Pro-Kopf-Einkommen wohl kaum zu realisieren. Gewohnt wird in Wohnblocks, kleine Wohnungen, die von mehreren Personen einer Familie bewohnt werden. Die sozialen Probleme, die bei uns in solchen Trabantenstädten entstehen, gibt es hier nicht in dem Masse, da die Familien noch zusammenleben und immer jemand da ist, der sich um den Nachwuchs kümmert. Auch gibt es zahlreiche freiwillige Wohlfahrtseinrichtungen, die sich um Jugendliche und Ältere kümmern. Man darf auch nicht vergessen, dass Singapore trotz aller Modernität eine chinesische Stadt ist und dass die Familienzusammengehörigkeit einen anderen Stellenwert hat als bei uns heute üblich.

 

Natürlich waren auch wir – wie wahrscheinlich Millionen vor uns – tagelang in den Shopping Centers unterwegs, um Preise und technische Details von Elektronikartikeln zu vergleichen, Manfred war in den ersten Tagen ganz grimmig, weil er nicht gleich „zuschlagen“, sondern erst mal alles vergleichen musste; mit der Zeit wurde er dann „wurstig“ und wollte letztendlich überhaupt nichts mehr. Heute waren wir dann aber nochmals gemeinsam unterwegs und kamen dann auch mit zwei großen Kartons nach hause: wir sind jetzt Besitzer eines DVD-Recorders, d.h. wir können unsere Video-Filme darauf kopieren, bearbeiten und DVD’s erstellen. Wir haben ja immer gefrotzelt, dass wir das mal im Altersheim machen, jetzt brauchen wir wahrscheinlich so lange, bis wir die Technik verstanden haben, aber eine Aufgabe braucht der Mensch ja schließlich. Manfreds Traum war noch ein zweiter Bildschirm, damit er sich von seiner Schlafstatt im Deckshaus aus auch Videos anschauen kann und natürlich auch die Seekarten. Da wir ja jetzt auch für den Autopilot endlich die Fernbedienung mit Verlängerungskabel haben, braucht er überhaupt nicht mehr aufzustehen – wie gemütlich! Der neue Bildschirm ist gleichzeitig auch Fernseher und hat außerdem auch einen Eingang für 14V Gleichspannung, d.h. wir sind in Zukunft auch stromsparend, was ja auf einem Schiff immer wichtig ist.

 

Bei den Elektronik-Einkaufs-Horror-Trips war ich nicht immer dabei. Ich habe mich statt dessen in den diversen Kaufhäusern, Schuhläden und Boutiquen herumgetrieben, auch war ich beim Dachgärtner und habe mir einen neuen Haarschnitt verpassen lassen. Besonders faszinierend finde ich die Gänge durch die Lebensmittelabteilungen der diversen Kaufhäuser; man geht nur den Gerüchen nach und entdeckt die tollsten Sachen. Mein absoluter Favorit ist das japanische Kaufhaus Takashimayo und dort insbesondere die Sushi-Abteilung – ich stehe mit tropfenden Zähnen vor den Theken und möchte am liebsten alles mitnehmen. Manfred lungert mit sehnsüchtigen Blicken beim Schweizer Bäcker herum und schnüffelt den Duft frischer Croissants und Baguettes. Unsere Mitsegler von den anderen deutschen Booten haben hier einen deutschen Supermarkt und einen Schweizer Metzger entdeckt und bekommen sie große leuchtende Augen beim Gedanken an Thomy’s Senf und Buchstaben-Nudeln für die Suppe – völlig bekloppt – das haben sie nachher noch lange genug, wenn sie wieder daheim sind.

 

So, nun wisst ihr fast alles! Ab morgen machen wir nur noch Sightseeing!

 

Wir sind immer noch umringt von einem ganzen Dorf deutscher Segler. Unser Versuch, uns von Bali aus abzusetzen, klappte leider nicht. Da wir wetterbedingt alle im selben Zeitplan reisen, trifft man sich an den „neuralgischen“ Punkten immer wieder. Es ist ein zusammengewürfeltes Häufchen, und natürlich sind auch nicht alle unsere Freunde; und selbst mit den besten Freunden klüngelt man nicht ständig herum. Im Moment geht uns alles ein wenig auf den Nerv. Manfred ist sehr hilfsbereit und wohl auch derjenige, der alles wieder in Gang kriegt, auf jeden Fall steht dauernd jemand am Steg und klopft an den Rumpf, weil er irgendetwas braucht oder wissen möchte. Letzte Nacht hat er bis um 4 Uhr vor Herberts neuem Laptop gesessen und ihm ein Programm eingespielt, an dem sich vorher ein anderer erfolglos versucht hat. Manfred kniet sich in die Probleme hinein und tüftelt Lösungen aus, so wie er es früher in seiner Unimess gemacht hat. Inzwischen  gibt es an unserem Schiff wohl kaum eine Vorrichtung, die er nicht schon auseinander genommen und – vor allem – wieder erfolgreich zusammengebaut hat. Ich glaube kaum, dass ich sonst so vertrauensvoll mit ihm auf den Meeren unterwegs wäre...

 

Nun zum Abschluss noch ein paar Informationen zu unseren weiteren Plänen:

Am Mittwoch, den 10.11. verlassen wir Singapore in Richtung Malaysia.

Ich hatte ja ursprünglich vor, am 19.11. von Singapore aus nach Hause zu fliegen. D.h. ich müsste dann jetzt ans packen denken und Manfred würde alleine die Malakka-Strasse hinauf bis nach Thailand segeln. Diesen Zeitplan haben wir etwas geändert und auch unsere weiteren Pläne sind neu. Ich segele mit Manfred zusammen bis nach Thailand und wir werden gemeinsam die Städte Melaka, Kuala Lumpur und Butterworth (Penang) besuchen. Letzte Station in Malaysia wird dann Langkawi sein und von dort sind es dann nur noch 130sm bis Phuket. Mitte Dezember wollen wir in Phuket sein; da Skipper und Schiff nur ein 4-Wochen-Visum erhalten, dürfen wir nicht zu früh in Thailand ankommen. Tatjan besucht uns über Weihnachten und Silvester, und Manfred bleibt dann noch eine Woche, um La Rossa für die Indik-Überquerung fit zu machen. Der Monsun im Nordindischen Ozean dreht Anfang Januar auf NE, d.h. dann geht eine ganze Horde Segelboote von Thailand aus auf die Reise nach Westen, über Sri Lanka, Malediven nach Oman. In Oman sammeln sich dann wieder diejenigen, die zusammen durch das Bab El Mandeb fahren, denn das ist berüchtigt für Piratenangriffe, und man ist besser dran, wenn man mindestens zu zweit oder zu dritt unterwegs ist. Von dort geht es über Port Sudan durch das Rote Meer in den Suez Kanal, danach in die Türkei. Segler würden jetzt sagen: ETA Mai 2005. La Rossa soll dann für 2 Jahre in der Türkei bleiben;  wenn alles klappt und wir gesund und fit bleiben, wollen wir später noch mal auf Reisen gehen, mit anderen Zielen.

 

Ich fliege Anfang Januar nach Deutschland – habe jedoch noch keinen Flug, aber es wird sich schon etwas ergeben. So, nun wisst ihr das Neueste!

Einstweilen herzliche Grüsse aus Singapore,

euer Elektronik-Guru und die Landratte von der La Rossa

 

       

Reisebericht 55

Malaysia

Freitag, 19. November 2004

  

-        Piratengeschichten

 

Strasse von Malakka - Piraten, die Schiffe überfallen und ausrauben, die heldenhaften Männer trotz heftiger Gegenwehr an den Großmast gefesselt, geknebelt und mit riesigen Messern bedroht; schwere Stürme bedrohen Schiff und Mannschaft, Segel zerfetzen im Sturm, Wellenberge donnern über die Planken und machen jeden Schritt an Deck zur letzten Verzweiflungstat. Handelsschiffe, schwer beladen mit Gewürzen, Seidenstoffen, Tabak und allen Herrlichkeiten Asiens, bestimmt für die Abnehmer in Holland, Portugal und England, den Kolonialherren über die Besitztümer in Süd-Ost-Asien, wagen die Passage durch diese schmale Meeresstrasse.

 

Handwerks- und Handelszentren erblühen an der wichtigsten Schifffahrtsstrasse, den „Straits“, wie die Strasse von Malakka genannt wird: Melacca, George Town, erst später entsteht Singapore. Die ersten Siedler, die hierher kommen, sind wohlhabende Chinesen, Geschäftsleute und fähige Handwerker, sie bauen Zinn ab und stellen daraus Gefässe und andere Gegenstände her, Melacca wird ein Zentrum der Silberschmiede, die einfacheren Arbeiter und Kulis kommen erst später, nachdem sie von den Arbeitsmöglichkeiten an den „Straits“ gehört haben. Die Kolonialherren bemächtigen sich aber im Handstreich der Handelszentren und verteidigen eifersüchtig ihre Herrschaft über die Häfen. Ihre Schiffe sind ein begehrtes Ziel von Piraten, nicht nur vor 300 Jahren, gelegentlich noch heute.

  

-        Wie sieht die Realität heute aus? Für uns segelnde Weltenbummler?

 

Singapore liegt hinter uns, die Strasse von Melakka mit all ihren Räubergeschichten von Piraten und alten Handelshäfen liegt vor uns. Wir träumen ein bisschen vor uns hin, unsicher über das, was uns erwartet. Wenn wir den ganzen Gruselgeschichten anderer Segler über Indonesien Glauben geschenkt hätten, dann lägen wir jetzt gemeuchelt und ausgeraubt auf dem Grund des Meeres.

Wie auch immer – wir wollen nach Thailand und müssen einfach hier durch.

 

Ein Fischernetz, das quer vor La Rossa im Wasser verspannt ist, bringt uns wieder in die Realität zurück. Wir weichen aus und fahren weiter. Was soll’s?! 5 Minuten später wieder dasselbe usw. Das Meer wimmelt von Fischern, die, ungeachtet der braunen Dreckbrühe, hier fischen. Nach dem 20. Netz weichen wir nicht mehr aus, sondern fahren genau in der Mitte zwischen zwei weißen Bojen mit ausgekuppelter Schraube über das Netz – es geht gut, aber wir entschließen uns, hier keine Nachtfahrten zu wagen, sondern zu ankern. Weder für den Eigentümer des Netzes noch für uns wäre es angenehm, bei Nacht in ein Netz zu fahren und mit der Schraube darin hängen zu bleiben. Die Strasse von Malakka ist flach und man findet ohne Probleme überall ein Ankerplätzchen.

 

Die Gänge über das Deck sind tatsächlich Heldentaten, aber weniger wegen der Brecher, die über das Schiff jagen, sondern wegen der glühenden Hitze auf den Decksplanken, ohne Gummilatschen an den Füssen geht hier kein Schritt. Wind??? Fehlanzeige! Wellen??? Ententeich ist angesagt! Segel??? Hier weht der Dieselwind!

  

-        Alte Stadt Melaka

 

Melaka ist heute keine Hafenstadt mehr, das war einmal – wir könnten La Rossa vor der Stadt ankern und dann mit dem Dinghi den braunen Stinkefluss hinauffahren, um uns die alte Stadt anzuschauen, das ist nicht unser Ding, und wir fahren weiter nach Port Dickson, in eine schöne Marina, und fahren von dort mit dem Taxi nach Melaka.

 

Portugiesen, Niederländer, Engländer und Chinesen haben der Stadt ihren Stempel aufgedrückt; viele der alten Gebäude sind noch erhalten und werden heute als Museen genutzt; so gibt es z.B. das „Museum der Schönheit“, wo Modelle und Abbildungen der unterschiedlichsten Schönheitssymbole vieler Länder und Völker zu sehen sind – Bilder von Chinesinnen, deren Füsse gebrochen und dann so eng gebunden wurden, dass sie nur 8cm (!!) klein waren. Dies galt bei den reichen Chinesen als Schönheitsmerkmal, niemand nahm darauf Rücksicht, dass diese Frauen vor lauter Schmerzen keinen einzigen Schritt gehen konnten und von ihren Dienern getragen werden mussten. In Melaka betreibt heute noch eine Chinese ein Geschäft, wo er die winzigen Schühchen aus Leder und Seide herstellt. Zwar ist das Einbinden der Füsse schon lange verboten, aber er erzählt uns, dass er noch einige wenige alte Kundinnen betreut, die solche Füßchen haben.

 

Wir besichtigen rauchige, dunkle chinesische Tempel, die nach Räucherstäbchen duften. In China wurden die Tempel während der Roten Revolution verboten, geschlossen oder niedergebrannt, hier zelebrieren die gläubigen Chinesen ihre Tempelrituale noch. Hindu-Tempel und Moscheen stehen nebeneinander, gegenüber eine christliche Kirche. Auch in die bunten Hindu-Tempel dürfen wir hineingehen und alles anschauen; die Moslems sind lieber unter sich, und die christlichen Kirchen sind meistens abgeschlossen. Die chinesischen Tempel gefallen mir am besten.

 

Ein Rikschafahrer fährt uns mit seinem Fahrrad durch die Altstadt. Das Rad hat keine Gangschaltung und der dünne Mann wiegt vielleicht die Hälfte meines Kapitäns, aber seine Rikscha ist mit einem Schirm aus bunten Blumen und vielerlei Krimskrams geschmückt. Das laut plärrende Radio hat er auf unseren Wunsch hin abgestellt, es sieht auch so jeder, dass wir Touristen sind.

Melaka hat eine chinesische Altstadt und ein „Little India“. Die Malaysier, die 57% der Bevölkerung ausmachen, leben in anderen Stadtteilen, weniger spektakulär. Am Abend kommen sie aber alle heraus aus ihren Häusern und schlendern über ihre Night-Markets, um zu essen, einzukaufen und zu schauen.

  

-        La Rossa ist krank

 

Es wird Zeit, dass ich über unser krankes Häschen berichte. La Rossa hat eine Antriebswelle, die in einem ölgefüllten Schaft gelagert ist. Schon seit längerer Zeit fällt uns auf, dass der Kontrollbehälter für das Öl schnell leer wird und wir müssen häufig Öl nachfüllen. Bisher hielt es sich einigermaßen in Grenzen, und wir hofften, damit noch bis Thailand zu kommen; nun hat sich das aber zugespitzt und wir legen uns in Port Dickson eine größere Menge Öl zu. Nach Singapore wollen wir jetzt nicht mehr zurück, dort hätte es einen großen Travellift gegeben, mit dem wir die Kranke hätten aus dem Wasser heben können. Dazu ist es jetzt aber zu spät, und große Travellifts gibt es in Malaysia nicht, erst in Langkawi, und dahin ist es noch weit.

 

Wir fahren also in Tagesetappen weiter, d.h. einer beobachtet die Fischer mit ihren Netzen, der andere beobachtet den Ölbehälter. In der Ferne ziehen die großen Schiffe vorbei, die in der Hauptschifffahrtsstrasse reisen.

  

-        Auf nach KL (Kuala Lumpur)!

 

Hätten wir gewusst, was uns hier erwartet, dann wären wir besser noch länger in Port Dickson geblieben und hätten KL mit dem Taxi besucht. So aber steuerten wir den Hafen Port Klang an, um unsere La Rossa beim Royal Selangor Yachtclub festzumachen. Ein wunderschöner Club, tolles Gebäude, Swimming Pool, Bar, herzlich-freundliches Personal, aber das ganze liegt am wohl dreckigsten Fluss, den wir je gesehen haben. Schon in Indonesien war der Ozean zuletzt trüb und schmutzig, vor Singapore wurde es immer schlimmer, aber dies hier ist eine einzige schwimmende Müllkippe. Ganze Berge von Unrat, tote Schweine und Ansammlungen von Plastikmüll aller Art treiben mit der Ebbe flussabwärts und kommen einige Stunden später mit der Flut wieder zurück. Auf den schwimmenden Müllhaufen thronen wie König und Königin der Nacht Frau Ratte und Herr Rabe und picken die besten Köstlichkeiten aus dem stinkenden Berg. Wir haben es fotografiert und gefilmt – für diejenigen, die das nicht glauben.

 

Mit der Bahn fahren wir nach KL und bewegen uns durch das Großstadtgewimmel, in KL nicht so einfach wie im durchorganisierten Singapore. Die diversen Bahnlinien in KL gehören unterschiedlichen Betreibern, man benötigt für jede Linie ein anderes Ticket und kann zum Umsteigen auch meistens nicht denselben Bahnhof benutzen, sondern wandert mit der Menschenmenge zu einem anderen Bahnhofsgebäude. Fußgänger sind hier auch nicht so verwöhnt; die Malaysier sind rasante Autofahrer und bremsen nur ungern, und Fußwege kennt man hier nicht. Malaysia hat die zweithöchste Unfallrate weltweit!

 

Gerne wären wir mit dem Lift auf das höchste Gebäude der Welt gefahren, die Petronas-Towers, die durch die Sky-Bridge miteinander verbunden sind, aber heute ist noch ein Ramadan-Feiertag und die Gebäude sind geschlossen. Zum Ersatz sehen wir uns KL von oben vom Fernsehturm aus an.

  

-        Historisches Penang

 

Die Weiterfahrt nach Penang wird immer nervöser. Das ständige Motoren und die sengende Hitze zerren den Nerven. Kein Windhauch rührt sich. Wenn wir wenigstens segeln könnten, dann hätten wir das Problem mit dem Ölverlust durch die Antriebswelle nicht. Zeitweise müssen wir jetzt schon alle 10 Minuten 1 Liter Öl nachfüllen; unsere Vorräte gehen zur Neige. Bei bestimmten Drehzahlen ist es besser, aber es ist schwierig, das herauszufinden. Und immer wieder Fischer, Fischer, Fischer...  Dabei können wir uns gar nicht vorstellen, wer den Fisch aus diesen dreckigen Gewässern essen soll.

 

Wir fahren nach Penang, bis George Town. Direkt an der langen Brücke, die die Insel Penang mit dem Festland verbindet, gibt es Stege, wo Schiffe festmachen können. Penang ist eine alte Stadt, von hier begann die Entwicklung dessen, was heute Malaysia ist. Zu Ehren von King George III. wurde die Siedlung George Town benannt. Malaya wurde eine britische Kolonie, und die Engländer verschifften von hier Malayas Schätze – Gummi und Zinn. Später bekam Stamford Raffles den Auftrag, am Eingang der Strasse von Malakka einen anderen Ort für eine britische Ansiedlung zu suchen, und fand die Insel, auf der heute Singapore liegt. Singapore wurde, wie Hong Kong, britische Kronkolonie, und George Town büßte seine Bedeutung ein.

 

George Town ist eine wuselige, chinesische Stadt, einige der historischen Gebäude europäischen Ursprungs sind noch erhalten bzw. werden gerade frisch renoviert. Ganze Straßenzüge bestehen aus chinesischen Geschäftshäusern, mit Läden und Werkstätten, wohin man schaut. Es ist sagenhaft spannend und exotisch.

 

Ich gehe in eine chinesische Apotheke und schaue mich ein wenig um. In den Regalen an den langen Seiten des schmalen, tiefen Raums stehen Flaschen und Pülverchen. Unter der Glasabdeckung der Theke sind besondere Kostbarkeiten auf silberfarbenen Tellerchen ausgestellt: getrocknete Seepferdchen und andere getrocknete Fischlein; etwas, das wie getrocknete Schafsknüttel aussieht; Wurzeln, in hauchdünne Scheiben geschnitten; diverse Pülverchen. Eine Chinesin in engen Jeans und knappem T-Shirt wiegt mit einer Handwaage gerade die Zutaten für eine Bestellung ab und legt alles vorsichtig auf ein Papier – neben ihr auf dem Tresen liegt ein Abacus, mit dem sie vermutlich hinterher den Preis ausrechnet. Ich fühle mich um Jahrzehnte zurückversetzt.

 

Ach ja, einen Laden muss ich unbedingt noch beschreiben – so etwas kann man sich als umweltpolitisch erzogener und geimpfter Europäer nicht ausmalen: „Mr. Poison“ im Volksmund, „Liang Traco“ steht in verblichenen chinesischen Schriftzeichen auf dem Ladenschild. Dort gibt es jede erdenkliche Chemikalie, bei dem Wissen um deren Existenz alleine unserem Grünen Minister Trittin jedes einzelne seiner strubbeligen Haare in die Luft stehen oder gar ausfallen würde. Da wir unser Unterwasserschiff leider schon wieder streichen müssen – an Stelle der in Brisbane gekauften Farbe hätten wir auch Dr. Oetkers Vanillepudding nehmen können –  haben wir den Tipp bekommen, bei Mr. Poison einfach eine Flasche „TBT“ zu kaufen und sie in die Unterwasserfarbe zu mischen. TBT ist ein Gift, das den Bewuchs durch Muscheln, Barnickels etc. verhindert. Einige Länder verbieten TBT bei Sportbooten, aber bei den Großschiffen wird es weiterhin ungestört verwendet – ein totaler Widersinn.

 

Wir betreten also die dunkle Ladenhöhle und bahnen uns einen Pfad durch Behälter, Flaschen, Trichter, Säcke und Kanister. In raumhohen Regalen stehen Packungen und braune Glasflaschen dicht an dicht, auf einem Schreibtisch stapeln sich etwa einen halben Meter hoch Papiere und Unterlagen; der Ladenbesitzer, schon bucklig, schief und halb zerfressen von den Ausdünstungen seiner Pülverchen und Essenzen, bietet mir einen Stuhl an. Manfred fragt nach „TBT“ und der Bucklige angelt blitzschnell unter meinem Plastikhocker eine Flasche heraus – TBT in reinster Form! Man mische 5 bis 10% zu der Unterwasserfarbe und keine Muschel wird sich je wieder an La Rossa vergreifen. Kostet 100 Ringgit pro Liter (20 Euro).

 

„Haben sie auch Phosphorsäure?“ „Ja, wozu brauchen sie das?“ „Um Edelstahl zu reinigen.“ „Aha! Ein Liter kostet 8 Ringgit (2 Cent).“

Haben die Chemikalien schon das Rechenzentrum im Gehirn unseres Kaufmanns angefressen? Manfred fragt nach, aber es bleibt bei 8 Ringgit und eine Flasche Phorphorsäure wechselt den Besitzer, nun brauchen wir nur noch ein sicheres Plätzchen, wo die Flaschen nicht umpurzeln können.

 

Wenn ich mir vorstelle, mit welcher Vehemenz bei uns auf jede leere Dose Jagd gemacht wird, und hier kann man für Pfennige und ohne Formalitäten Zeug kaufen, mit dem man ganz Asien vergiften könnte und über deren Entsorgung sich niemand Gedanken macht – vermutlich wandert der ganze Schmodder irgendwann ins Meer. Wir Deutschen kaufen aus Malaysia die meisten Halbleiter-Produkte, die hier für wenig Geld hergestellt werden, nach der Entsorgung der dabei anfallenden Abfälle fragt keine Sau, schon gar nicht der liebe Herr Trittin. Bei einem sehr interessanten Gespräch, das wir in Kuala Lumpur im Yacht Club an der Bar mit einem Rechtsanwalt hatten, haben wir erfahren, dass viele der Halbleiter-Produzenten ihre Fabrikation jetzt nach China verlegen, weil die Arbeit dort noch billiger ist als hier in Malaysia, und die Müllentsorgung wahrscheinlich genauso easy. Malaysia hat wegen der neu entstehenden Arbeitslosigkeit soziale Probleme, die man in dem Masse bisher nicht kannte.

 

Schon in Indonesien hatten wir den Einsruck, dass die Regierungen moderne Technik und Lebensstandard ins Land lassen, aber die Menschen mit den Nachteilen – sprich „Dreck“ –  alleine bleiben. Hier in Malaysia beschleicht uns dieses Gefühl noch mehr, da es hier noch mehr Plastik, noch mehr „modernen“ Müll gibt.

Dennoch ist für uns faszinierend, gerade weil es so fremdartig ist. Modern irgendwie, aber unzivilisiert. Die Menschen sind freundlich, sie winken dir zu und lachen, du winkst zurück, und dann rufen sie „I will fuck you!“ Widersprüche, Neuland, was fängt man damit an?

  

-        Endlich in Langkawi!

 

In George Town haben wir noch mal 3 Fässer mit je 20l Öl gekauft; bis Langkawi sind es noch 85sm und wir wissen nicht, wie viel wir noch nachkippen müssen. Während der letzten Nacht in George Town haben wir festgestellt, dass das Öl aus der Welle sogar wegläuft, wenn der Motor ausgeschaltet ist. Aber wir können nichts tun, ausser immer wieder nachfüllen und zuschauen, wie wir eine Ölspur hinter uns herziehen.

 

Die letzten Meilen bis Langkawi werden zur Geduldsprobe, nicht nur, weil wir inzwischen nach jeder Meile einen Liter Öl brauchen, sondern auch, weil die Strecke mit 85sm eigentlich zu weit ist, um sie an einem Tag mit einem Segelboot zu schaffen. Dazu ist es kochend heiss. Als wir Langkawi vor uns sehen, steht die Sonne noch hoch am Himmel, aber die letzten 20sm ziehen sich wie Kaugummi, wir haben kaum Augen für die bizarre Landschaft, sie sich da vor uns auftut, und im letzten Büchsenlicht machen wir endlich in Kuah an einem Ponton des Yachtclub fest. Geschafft! Nun müssen wir nur noch klären, wer und zu welchem Preis unsere Dicke aus dem Wasser hebt und ob Manfred die Reparatur auch wirklich ausführen kann. Wir wissen ja nicht, was kaputt ist; vermutlich sind die Dichtungen defekt, aber wer weiß das schon, solange man nicht hineinschauen kann?

 

Die Auflösung erfahrt ihr beim nächsten mal, damit es spannend bleibt, gelle?

 

Für heute senden wir euch allen, die ihr zu Hause im Vorweihnachtsstress seid, liebe Grüße; habe gerade gelesen, dass am 28.11. ja schon der 1. Advent ist! Hier herrscht keine besondere Weihnachtsstimmung, es passt nicht in die Hitze, außerdem sind wir in einem islamischen Land.

Also, lasst euch die Plätzchen schmecken, die ja bekanntlich jetzt am besten sind, und denkt mal an den Manfred, wenn ihr Schokolebkuchen aus Nürnberg verspeist!

Eure 2 Seebären, die jetzt fast schon Thailand erreicht haben

   

    

 

Reisebericht 56

Langkawi

Freitag, 26. November 2004

  

-        La Rossa auf dem Trockenen

 

Dies schreibe ich quasi „postum“. La Rossa steht zwar noch an Land, aber sie glänzt und glitzert in der Sonne und ihr Propeller ist wieder in Ordnung. Im Prinzip war es nur eine winzige Kleinigkeit, etwa wie ein kleiner Nagel im Autoreifen. Ein kleines Stück eines Fischernetzes hatte sich in der Schraube verfangen und hatte sich allmählich zwischen das Lager und die Dichtung des Propellerschafts gearbeitet. An dieser Stelle konnte dann langsam das Öl aus der Welle heraussickern. Wir hatten neue Lager und Dichtungen an Bord, aber sicherheitshalber haben wir vorab noch per email komplette Ersatzteile bestellt, da Manfred den Schaden erst feststellen konnte, wenn das Schiff an Land war.  Wir wollten dann später an Land nicht teure Zeit vergeuden durch das Warten auf Lieferungen.

 

Also, Ende gut, alles gut! Manfred wollte bei der Gelegenheit gleich noch das Unterwasserschiff neu streichen, zumal wir ja auch das TBT aus George Town an Bord hatten. Ausserdem frönte er seiner Lieblingsbeschäftigung: das rote Bäuchlein seiner Geliebten polieren und massieren!

Nun ist alles fertig und Manfred ist auf dem Weg ins Büro, um zu bezahlen. Ohne money wird kein Schiff wieder ins Wasser gesetzt, das sind auf der ganzen Welt die eisernen Regeln. Das Schiff ist das Pfand.

  

-        Das „Landleben“ einer Bordfrau

 

Was tue ich eigentlich während einer solchen Aus-Zeit?

Für technische Reparaturen bin ich grundsätzlich ungeeignet. Streichen, schon gar nicht mit TBT, ist auch nicht mein Fall, und das Rumpf-Polieren lehne ich aus philosophischen Gründen ab. Mein Part beginnt erst, wenn La Rossa wieder fest vertäut in der Marina liegt und vom Staube befreit wird.

 

D.h., so ganz tatenlos war ich vorher auch nicht. Ich habe ein Uralt-Auto gemietet, das nur noch vom Rost zusammengehalten wird, dafür nur 40 MR (=8 Euro) pro Tag kostet. Die Klimaanlage funktioniert übrigens hervorragend! Auch Hupe und Bremse sind perfekt. Damit bringe ich Manfred morgens zur Werft, denn wir nächtigen im Hotel (!!), und danach fahre ich wieder in die Stadt, um diverse Ersatzteile zu besorgen: Splinte, spezielle Schrauben, Anoden, Pinsel, Farbe, Stecker usw. Das alles gibt es keineswegs in einem einzigen Geschäft, sondern man muss die zahllosen chinesischen Läden abklappern, bis man fündig wird. Diese Adressen werden dann unter den Seglern gehandelt wie kostbare Perlen. Oft passt ein Teil nicht, dann muss ich wieder zurück und versuchen, den Kaufpreis zurück zu erhalten, was aber im allgemeinen hier kein Problem ist. Die Malaysier sind freundlich und hilfsbereit, zwar sehr geschäftstüchtig, aber fair.

 

Zwischendurch sause ich ins Internet. Der Inhaber des Ladens kennt mich schon und ich darf sogar während seiner Mittagspause an den Computer. Gestern habe ich versucht, ein Rückflugticket für mich zu buchen, aber es war wie in alten Zeiten, als man per Telefon beim Kinopolis Kinokarten bestellen wollte. Ich habe es nach 2 Stunden aufgegeben und hoffe nun inständig, dass Frau Kracker vom Reisebüro in Schmitten etwas für mich tun kann, sonst muss ich hier bleiben. 

Ich hatte auch noch den lieben Herbert und seine Terezinha im Schlepptau; Herbert leidet an fortgeschrittener Vergesslichkeit, und so sind wir ständig in der Stadt hin- und hergefahren, um irgendetwas zu holen, was er vergessen hatte. Na ja, letzten Endes war’s egal, denn ich hatte auch keine Lust, auf dem heißen Schiff zu sitzen und das Ende des Tages abzuwarten.

  

-        Das Schiffs-Innere ist eine gemütliche Höhle

 

So sollte es jedenfalls sein: ein Ort zum ausruhen!

Es sieht grauenhaft aus! Alles starrt vor Dreck, denn auf einer Werft wird geschliffen, gestrichen und gespritzt, und es staubt von morgens bis abends. Im Salon ist alles voll Werkzeug und Ersatzteilen, die Küche wurde zur Werkbank umfunktioniert, Hämmer und Zangen liegen im Obstkorb auf den Orangen, mein sauberes Bettchen ist Abstellplatz für Werkzeugkoffer und kleine Maschinen. Im Deckshaus stehen immer noch die Ölbehälter und der Boden sieht aus wie in einer Maschinenhalle. Über Türen und Haken hängen dreckige Klamotten und alte Lappen, meine diversen Souvenirs textiler Art muss ich ständig in Sicherheit bringen, damit sie nicht plötzlich zweckentfremdet werden. Das Bad ist eine Räuberhöhle, in der sich Hotzenplotz nach 6 Monaten Höhlenleben gewaschen hat. Igitt!

 

Die Kühlschränke sind abgetaut, denn die Kompressoren müssen im Wasser gekühlt sein, sonst gehen sie kaputt. Unsere Kostbarkeiten vom Swiss Butcher aus Singapore hat Herbert in seinem Tiefkühler aufbewahrt, bis wir wieder in der Marina sind. Klimaanlage gibt’s auch nicht, denn auch die ist für Kühlwasserzufuhr aus dem Meer ausgelegt; das ist auch der Grund, warum wir im Hotel schlafen – es ist hier kochend heiss und saudreckig! So, nun wisst ihr auch, was meine Arbeit heute Nachmittag ist: putzen und waschen. Wie sagte Traudl neulich? Pest und Cholera!

  

-        Langkawi

 

Gelegentlich, wenn ich mit der alten Klapperkiste durch die Gegend sause, werfe ich einen Blick auf die Landschaft, und natürlich kenne ich mich in der Inselhauptstadt Kuah jetzt schon recht gut aus. Verglichen mit dem, was wir von Malaysia bisher gesehen haben, ist Langkawi landschaftlich sehr schön, mit vielen Inseln, schroffen Felsen und relativ sauberem, aber nicht klarem Wasser.

Was die Malaysier bewogen hat, ihre schöne Insel mit derartigen Mengen von Beton zu verunstalten, das ist mir noch nicht klar. Ein pathetischer Themen-Park wurde angelegt, in dem die Legenden Langkawis dargestellt sind, ein gigantischer Adler aus Beton, 20m hoch, breitet seine Beton-Schwingen aus als ob er gleich starten wolle. Hinter ihm erhebt sich eine Säulenhalle wie vor Sankt Peter in Rom – schade, wir verstehen nicht, was dieser Gigantismus soll; viele Gebäude, die erst wenige Jahre alt sind, stehen leer und modern vor sich hin. 

 

Zur Zeit ist hier Hauptsaison. Die Wochen nach dem Ramadan-Ende, der 4-wöchigen Fastenzeit der Moslems, sind die Hauptferienzeit und die Kinder haben Schulferien. Im Yachtclub, wo wir jetzt auch wieder liegen, wird das Ende einer berühmten Regatta gefeiert und überall ist was los. Gestern Abend, nach getaner Arbeit, wollten wir irgendwohin zum Essen, fanden aber nichts was uns gefiel, so landeten wir im Sheraton Hotel am Buffet: Manfred in seinem ältesten (aber gewaschenen!!!) T-Shirt aus Pitcairn und kurzen Hosen, ich mit Gummilatschen. Es war köstlich, und wir fielen auch kaum auf!

 

Samstag, 27. November 2004

 

Heute war Einkaufstag, Langkawi ist zollfrei, also bunkerten wir Bier, Wein, Baileys’s, Campari, Zigaretten usw. Manfred gönnte sich sogar einige Sumatra-Zigarren. Ich tummelte mich heute früh auf dem Markt und füllte unsere Kühlbox mit Obst und Gemüse. Am Montag wollen wir von hier los und uns noch etwas von Langkawi ansehen, bevor wir nach Thailand segeln. Dort wütet gerade ein tropischer Wirbelsturm, dem wir sowieso nicht unbedingt begegnen wollen. Ein Wirbelsturm so weit südlich ist sehr ungewöhnlich.

 

Übrigens wurde in Langkawi der Film „Anna und der König von Siam“ (mit Jodie Foster) gedreht. Das „Sommerhaus“, einer der Drehorte, steht hier in der Nähe, die Filmgesellschaft hat es stehen lassen und heute gilt es als Touristen-Attraktion. Das muss ich noch sehen, denn den Film fand ich super – schluchz, rühr!

  

-        Backtag an Bord!

 

Sabine war heute an Bord. Es begann damit, dass ein email von ihr ankam mit Plätzchen-Rezepten, denn heute ist ja 1. Advent. Da ich ohnehin Brot backen musste und Manfred sich noch einen Kuchen gewünscht hatte, durchforstete ich also erst mal meine Vorräte. Mehl, Backpulver, Zucker, Eier und Butter sind eigentlich immer an Bord – Segler schlagen bei solchen Dingen immer zu, wenn sich die Gelegenheit zum einkaufen bietet. Sogar Roggen-Vollkornmehl haben wir aus Singapore mitgebracht.

 

Der Rest wurde eingekauft: Nüsse? Hier gibt’s nur Cashew-Nüsse. Mit denen kann man auch backen. Honig und Sirup? Sind vorhanden, Honig aus Neuseeland, Sirup noch aus der Karibik! Haferflocken? Gibt’s hier nicht, aber Müsli aus Australien, angeblich zuckerfrei. Zitronen? Ich finde nur grüne Limetten und wundere mich nachher über die grünen Stipseln im Butterplätzchen-Teig, ich dachte schon, ich hätte irgendwo Schnittlauch aufgelesen. Rum aus Vanuatu, auch da! Brauner Zucker aus Queensland.

 

Ich hole alle Tupper-Schüsseln, Teigschaber, Messbecher, Ausstechformen (auch Tupper) und Rührlöffel aus den Schränken, hallo, Sabine!!

Erst kommt das Brot dran, Roggenmehl, Weißmehl, Trockenhefe aus Deutschland, Salz, Wasser, dann kneten, zum Schluss noch Walnüsse aus Darwin in den Teig; dann ab in den Motorraum zum gehen! Als nächstes kommen Sabines Haferflockenplätzchen, ich schmelze, rühre und mische, dann kommt alles auf das einzige Backblech, das leider in der Mitte eine tiefe Delle hat, warum, weiß ich auch nicht. Dort läuft dann die klebrige Masse etwas zusammen, dafür wird es am Rand umso knuspriger. Ich habe Cashew-Nüsse und das „zuckerfreie“ Müsli reingemischt, aber es ist doch sehr süß geworden. Muss Sabine fragen, wie sie bei ihr schmecken. Riechen tut es wie in einer türkischen Backstube. In der Zwischenzeit mische ich den Rührteig. Da mein handbetriebenes Schneerädchen den Geist aufgegeben hat, muss ich auf die klassische Zubereitung mit geschlagenem Eischnee verzichten und rühre einfach alles zusammen. Wird schon gut gehen! Dafür kommt noch ein extra Schuss Rum dran.

 

So, jetzt müssen die Haferflockenplätzchen aus dem Ofen! Aber wohin damit? Das einzige Kuchengitter ist in der Kühlbox unter den Bierdosen, damit die mit den Füssen nicht im Wasser stehen. Ich nehme das Sieb, das man auf die Pfanne legt, damit das Fett nicht herausspritzt (wie nennt man das Ding eigentlich???) und lege die Plätzchen darauf. Kleb, kleb! Sabine, hilf mir!!

So, jetzt den Kuchen in den Ofen, aber wie?? Die meisten Haferflockenplätzchen sind noch auf dem einzigen Blech. Also nehme ich die rechteckige Auflaufform und stelle die Kuchenform hinein. Dauert 10 Minuten länger. Ofentür zu!

So, jetzt schnell die Brote noch mal kneten, damit sie ein zweites mal gehen können, und ab in die Formen! Zugedeckt, und weg damit ins Deckshaus, dort herrschen mittlerweile bestimmt 50°C, ideal für Brote.

Küchenwecker klingelt, Kuchen ist fertig! Wohin damit? Erst mal ins Deckshaus, dann ist er aus dem Weg. Ofen wieder hochheizen, Brote auf das (einzige) Blech und schnell in den Ofen. Jetzt muss ich den Kuchen aus seiner Form schälen – hmmm, riecht gut! Wo ist eigentlich Manfred??? Ach ja, er hat sich krank gemeldet, Bauchweh, Übelkeit usw., er ruht in der klimaanlagen-gekühlten Koje. Wahrscheinlich hat er Angst, dass er zu irgendwelchen klebrigen Tätigkeiten herangezogen wird.

 

Die Waschmaschine meldet sich, eine Ladung Wäsche ist fertig. Klammermaus schnappen (auch Sabine) und schnell alles aufhängen, damit’s noch trocknet.

Zwischendurch habe ich den Teig für die Butterplätzchen geknetet und stelle ihn zum „ruhen“ in den Kühlschrank. Das ausrollen spare ich mir für später auf, bis mir etwas eingefallen ist, womit ich ihn ausrolle. Auf dem Ponton warten die eingeweichten Schüsseln darauf, gespült zu werden. Das hat Zeit! Ich brauche jetzt einen Drink, entscheide mich für einen Pastis, denn überall riecht es so süss, das ist mir jetzt auch zuviel. Also prost!

 

Manfred hat sich gemeldet. Er ist wirklich krank und verschwindet gleich wieder mit einer Kanne Tee in seinem Bett. Der Arme! Ob er sich im Sheraton überfr.... hat??

 

Ich glaube, die Kokosmakronen lasse ich heute erst mal sein, zumal mein Schneerädchen weg ist. Eischnee schlagen mit Tupper’s Wundermixer? Ich weiß nicht. Kokosraspeln gibt’s hier ja in Hülle und Fülle, sogar Mandelaroma hab ich gefunden, Oblaten dafür nicht. Mal sehen, vielleicht mach ich die Kokosdinger später noch, morgen oder so. Im Moment steht mir der Sinn eher nach saurem Hering. Und Pastis!

 

So, dies war der Backbericht zum 1. Advent. Wir wünschen euch eine schöne Vorweihnachtszeit, mit Glühwein, Kerzenschimmer und Plätzchen, einem knisternden Kaminfeuer, knirschendem Schnee unter den Schuhen, und einem gemütlich warmen Stübchen. Wir versichern euch: hier würdet ihr nicht frieren!

 

Herzliche Grüsse von euren 2 backenden Weihnachtsmännern

 

P.S.  Zum Ausrollen der Butterplätzchen habe ich übrigens eine Flasche Pinot Grigio genommen, vorher gespült natürlich!



       

Reisebericht  57

Langkawi - Phuket/Thailand

8. Dezember 2004

-       Einkaufsterror in Langkawi

 

Irgendwie geht dieser große Reiseabschnitt von Australien über Indonesien bis hierher – 50sm vor Phuket – für uns jetzt so langsam seinem Ende entgegen. Die Spannung, die das Reisen so schön und aufregend macht, ist raus. Indonesien war unser „highlight“ im Jahr 2004, danach kam dann die lange und ermüdende Reise nach Singapore und dann noch mal ein endloses Stück durch die Malakka-Strasse bis nach Langkawi.

Zahlen? Entfernungen? Seit Darwin haben wir fast 3000sm zurückgelegt, nur 400sm davon unter Segeln. Mehr als 400 Motorstunden waren das, d.h. ein LKW, der im Durchschnitt 50kmh fährt, legt in dieser Zeit über 20.000km zurück. Das ganze bei Temperaturen zwischen 34° und 40°C, im Maschinenraum herrschten meistens weit über 50°C. Wir wundern uns immer wieder, wie die Aggregate, die dort montiert sind, das aushalten.

 

Langkawi war für uns geprägt durch die Reparaturen an unserer La Rossa, damit verbunden Dreck, Staub und Hitze. Als das überstanden war, traf uns beide kurz hintereinander Montezuma’s Rache. Und im Anschluss mussten wir noch Vorräte bunkern, weil Langkawi ja für die nächsten 100 Jahre der letzte Ort ist, wo man noch etwas einkaufen kann, und überhaupt ist es nirgends auf der Welt so billig wie hier...

Wir zogen mit langen Einkaufslisten durch die Supermärkte, Schokoladen-Messen und Schnapsläden der Stadt und häuften alles unter Deck in Schapps und in die Rumpelkammer, in die man jetzt keinen Fuß mehr setzen kann, so voll ist sie.

 

Nach endlosen Einkaufsorgien war ich völlig entnervt und froh, dem Marina-Leben vorerst adieu sagen zu können. Wir klarierten aus und verabschiedeten uns mal wieder von der „deutschen Truppe“, die uns hier in Langkawi eingeholt hatte.

 

Wir ankerten eine Nacht in der Nähe des Maiden Lake, ein Frischwassersee, zu dem man mit Dinghi und dann noch mal über einen kleinen Fussweg in das Inselinnere gelangt. Vom kühlen Wasser aus beobachteten wir die Seeadler, die an den steilen Felswänden nisten, und die lustigen Affen, die sich auf den Bäumen streiten und ihren eigenen Lärm veranstalten.

 

-        Lumpereien mit der Kreditkarte

 

Von dort steuerten wir Telaga Harbour an, um noch den zollfreien Diesel zu tanken und die beste italienische Pizza zu essen, die man sich vorstellen kann. Am nächsten Tag erhielten wir ein email von Mastercard und noch ein weiteres von Visacard – beide wunderten sich über die hohen Abrechnungen, die sie aus Malaysia erhielten. Anscheinend wird gerade in Malaysia und insbesondere in Langkawi enorm viel Kreditkartenbetrug betrieben; wir hatten das schon vorher von anderen gehört und werden wachsam sein, aber ich weiß auch nicht, ob man es wirklich mitbekommt, wenn die Karte heimlich kopiert wird.

 

Neben dem Hafen von Telaga befindet sich der Drehort des Films „Anna und der König“. Die Filmgesellschaft hat das „Sommerhaus“ des Königs stehen lassen und es der Inselgesellschaft „vermacht“, nun verfällt es und löst sich in seine Bestandteile auf, wie so vieles hier in Malaysia. Einen Steinwurf weiter wurde eine Seilbahn errichtet, mit der man auf den 709m hohen Gipfel eines der Inselberge fahren kann. Die Seilbahn ist nagelneu und Marke „Doppelmayer“, so steigen wir getrost ein und genießen den fantastischen Rundblick über die Inselwelt von Langkawi.

 

-        Thailändische Inselwelt

 

Danach kehren wir Langkawi endgültig den Rücken und motoren (!!) zu den ersten Inseln von Thailand. Ko Bulong, Ko Rok Nok und Ko Muk klingt es sehr exotisch für unsere Ohren. Die Inseln sind wirklich sehr schön, steile Kalksteinfelsen, die sich aus dem – leider sehr trüben – Wasser erheben. Die Thailändischen Inseln waren uns als Schnorchel- und Tauchparadies gepriesen worden, aber mit uns schwimmen Millionen bissiger Mini-Quallen im Wasser und vergällen uns jeden Schnorchelausflug. Wir gehen nur noch mit „Ganzkörperkondom“ ins Wasser, aber selbst das hält die bissigen Viecher nicht ab. Ich bin schon übersät mit roten Pusteln und kratze mich wie ein Affe.

 

-        Unser „Hong“-Erlebnis

 

Heute früh hatten wir aber ein Super-Erlebnis! Wir ankern seit gestern in einer sehr hübschen Bucht an der Insel Ko Muk, links und rechts von einem kleinen Sandstrand ragen 200m hohe Felsen senkrecht in die Höhe, am kleinen Strand wiegen sich ein paar Palmen, und La Rossa ankert vor dem Sandstrand in 6m tiefem Wasser. Ganz in der Nähe befindet sich der Eingang zu einer Höhle.

 

Wir fuhren heute früh, als noch keine Touristen mit den lauten Longtail-Booten hier waren, mit unserem Dinghi zum Höhleneingang und banden es dort an einer Boje fest. Dann ließen wir uns ins Wasser fallen, Flossen an den Füssen und einen Schwimmring sowie eine wasserdichte Taschenlampe in der Hand. Man schwimmt in die Höhle hinein in einen stockdunklen Gang. Es ist wirklich rabenschwarz darin, der Gang führt um eine Kurve, und nach ca. 80m sieht man das Licht des Höhlenausgangs. Wir kamen in einem „Hong“ wieder ans Tageslicht. Über einen kleinen Strand gelangten wir auf sandigen, festen Boden.

 

Ein „Hong“ ist ein runder Schacht, wie ein Vulkankrater, etwa 50-60m im Durchmesser und umgeben von 200 bis 300m hohen Felswänden, die senkrecht nach oben führen. Der Boden des Schachts ist dicht bewachsen mit tropischen Pflanzen, es riecht wie in einem tropischen Botanischen Garten und es herrscht eine absolute Stille, die nur durch Geräusche von Tieren unterbrochen wird. Früher wurde das „Hong“ von Räubern als erstes Versteck für ihr Diebesgut benutzt, von hier aus wurde es dann in andere Verstecke verteilt. Später kamen andere Diebe hierher. Sie raubten den Schwalben, die an den Steilwänden nisten wollten, die Nester und verkauften sie als Delikatesse an die Feinschmecker in Hong Kong oder Shanghai. Inzwischen gibt es hier kaum noch Seeschwalben, aber wir können ein Seeadler-Pärchen beim Kunstflug beobachten.

 

Als wir die ersten anderen menschlichen Stimmen hören, machen wir uns wieder auf den Rückweg, aber als wir vor dem Höhleneingang ankommen, stinkt es dort erbärmlich nach Diesel und das ganze Meerwasser schillert bunt. Irgendein Stinker mit einem Longtail-Boot hat seine Bilge hier sauber gemacht. Wir beeilen uns, dass wir schnell wieder ins Dinghi klettern, bevor wir nach Diesel-Parfum duften.

Als wir unsere hübsche Ankerbucht verlassen, beobachten wir einen ca. 2 m langen Schwertfisch, der sich in wilder Drohgebärde immer wieder seitlich aus dem Wasser katapultiert und sich auf die Wasseroberfläche klatschen lässt. Vielleicht flüchtet er auch vor einem größeren Fisch auf Raubzug, vor lauter Faszination haben wir gar keine Zeit, eine Kamera zu greifen und schauen nur diesem aufgeregten Fisch zu.

 

-        Ko Lanta, Klein-Mallorca

 

Die Insel Ko Lanta war mal ein Paradies für Backpacker, aber die sind heute woanders. In Ko Lanta treffen wir überraschend viele Deutsche, die meisten mit kleinen Kindern. Der Strand ist flach und sandig, und die Preise sind, im Gegensatz zu Phuket, noch annehmbar. Die Hotels wachsen noch nicht in den Himmel, sondern die Gäste leben in kleinen Bungalows, die sich um einen Swimming Pool gruppieren. Wir mieten uns für 150 Baht (=3 Euro) für 3 Stunden ein Moped und fahren bis zum Südende der Insel, vorbei an Bauerndörfern und den zerlumpten Behausungen der Sea-Gypsies. Nach unseren intensiven Indonesien-Erlebnissen gefällt uns das hier nicht so richtig, und wir machen uns auf den staubigen Heimweg.

 

Was ist es, das uns hier nicht so gefällt?

In Indonesien waren wir die Staunenden, aber auch unsere Gastgeber haben nicht weniger über uns gestaunt, d.h. wir standen ihnen gegenüber und fühlten uns auf gleicher Augenhöhe. Wenn wir mit unseren Dinghis an den Strand kamen, dann warteten wir immer, bis uns jemand in Empfang nahm, und wir fragten dann, ob wir das Dorf besuchen könnten. Immer waren wir willkommen, meist von 100 Kindern laut bejubelt. Sie fragten uns Löcher in den Bauch und wir ihnen. Sie wollten fotografiert werden, und wir taten es. Sie lachten über uns, und wir über sie, und schließlich lachten wir alle miteinander.

Das ist hier in Thailand nicht so. Hier sind zu viele Fremde, die einfach, ohne zu fragen, in die Dörfer gehen und starren. In den Dörfern der Sea-Gypsies sind am Tag vielleicht 50 Touristen, die sich mit ihren Mopeds hierher bewegen. Besucher sind hier eher lästig und werden noch nicht einmal mit einem kleinen Kopfnicken begrüßt. Grüssen wir denn einen Fremden, der durch unseren Garten geht?

 

Morgen werden wir uns den Touristen-Hochburgen noch mehr nähern. Mal sehen, was uns dort erwartet.

 

Phuket, 15. Dezember 2004

 

Wir sind nun seit gestern in einer Marina, die mitten in einen Mangroven-Sumpf in eine ehemalige Zinngrube gebaut wurde. Die Zufahrt führt durch einen ausgebaggerten Kanal, der nur bei Hochwasser befahrbar ist. Trotz Hochwassers blieben wir vier mal stecken, kamen aber aus eigener Kraft immer wieder heraus. Es ist alles ein weicher Schlamm, und man fährt nur ganz, ganz langsam, sodass nicht viel passieren kann. Normalerweise ruft man vorher einen Piloten über UKW-Radio, aber wir wussten, dass alle Marinas vor Weihnachten proppenvoll sind und jeder, der sich anmeldet, wieder weggeschickt wird; also fuhren wir quasi als „Notfall“ einfach in die Marina hinein und bekamen einen „Notfall-Liegeplatz“ außerhalb der eigentlichen Marina. Notfall-Liegeplatz heißt in dem Fall, dass La Rossa bei Niedrigwasser im tiefen weichen Schlamm sitzt; gestern fiel schon die Klimaanlage aus, weil sie nur noch Schlamm angesaugt hat. Heute Mittag können wir uns aber für die nächsten Tage an einen anderen Platz in der richtigen Marina verlegen. Wir hoffen, dass wir dort bleiben können bis Tatjan hier ist, dann wollen wir sowieso weg, denn wir wollen Weihnachten nicht in einer zwar sehr schönen, aber mitten im Mangroven-Sumpf gelegenen Marina ohne Zugang zum Meer verbringen.

 

Kurz noch über unseren Touristen-Insel-Erlebnisse. Wir ankerten vor der Insel Phi Phi Don, landschaftlich ein Naturwunder – senkrechte Kalksteinwände, 200 bis 300m hoch, mit Höhlen und Einbuchtungen, wunderschöne Plätze zum ankern. Es könnte eine einzige Idylle sein, wenn nicht von morgens um 9 Uhr bis abends um 18 Uhr der reinste Höllenlärm herrschen würde und ein Seegang wie am Kap Hoorn, hervorgerufen durch Speedboote, die in Schlangenlinien und mit Höchstgeschwindigkeit zwischen den Ankerliegern hindurchbrausen. Ich wollte nach unserer Ankunft schnell ein wenig schwimmen gehen, ließ es aber sein als ich das erste Boot heranflitzen sah – die fahren einem den Kopf ab, denn sie können bei der Geschwindigkeit nichts erkennen, was hinter einem ankernden Schiff im Wasser schwimmt. Also: auf dem Wasser das totale Chaos! Bis 3 Uhr morgens hämmern die Bässe der Discos durch die Bucht. An Land selbst ist es recht nett, aber es könnte genauso gut in Mallorca oder Rimini sein, mit „Thailand“ hat das nichts zu tun.

Wir verstehen nicht, warum Tourismus oft so  laut und so penetrant sein muss.

 

Wir hoffen, dass wir auch noch ein paar ruhigere Plätzchen finden werden, wo man in Ruhe schwimmen und schnorcheln kann, es gibt sie bestimmt irgendwo!

 

Nun grüßen wir euch alle ganz herzlich aus dem Schlammloch heraus und wünschen euch einen schönen 4. Advent!

Wir denken oft an euch zu Hause! Alles Liebe, viele Grüße und Sawasdee aus Phuket,

Eure Renate und Manfred


Reisebericht aus T

  Einkaufsterror in Langkawi

 

Irgendwie geht dieser große Reiseabschnitt von Australien über Indonesien bis hierher – 50sm vor Phuket – für uns jetzt so langsam seinem Ende entgegen. Die Spannung, die das Reisen so schön und aufregend macht, ist raus. Indonesien war unser „highlight“ im Jahr 2004, danach kam dann die lange und ermüdende Reise nach Singapore und dann noch mal ein endloses Stück durch die Malakka-Strasse bis nach Langkawi.

Zahlen? Entfernungen? Seit Darwin haben wir fast 3000sm zurückgelegt, nur 400sm davon unter Segeln. Mehr als 400 Motorstunden waren das, d.h. ein LKW, der im Durchschnitt 50kmh fährt, legt in dieser Zeit über 20.000km zurück. Das ganze bei Temperaturen zwischen 34° und 40°C, im Maschinenraum herrschten meistens weit über 50°C. Wir wundern uns immer wieder, wie die Aggregate, die dort montiert sind, das aushalten.

 

Langkawi war für uns geprägt durch die Reparaturen an unserer La Rossa, damit verbunden Dreck, Staub und Hitze. Als das überstanden war, traf uns beide kurz hintereinander Montezuma’s Rache. Und im Anschluss mussten wir noch Vorräte bunkern, weil Langkawi ja für die nächsten 100 Jahre der letzte Ort ist, wo man noch etwas einkaufen kann, und überhaupt ist es nirgends auf der Welt so billig wie hier...

Wir zogen mit langen Einkaufslisten durch die Supermärkte, Schokoladen-Messen und Schnapsläden der Stadt und häuften alles unter Deck in Schapps und in die Rumpelkammer, in die man jetzt keinen Fuß mehr setzen kann, so voll ist sie.

 

Nach endlosen Einkaufsorgien war ich völlig entnervt und froh, dem Marina-Leben vorerst adieu sagen zu können. Wir klarierten aus und verabschiedeten uns mal wieder von der „deutschen Truppe“, die uns hier in Langkawi eingeholt hatte.

 

Wir ankerten eine Nacht in der Nähe des Maiden Lake, ein Frischwassersee, zu dem man mit Dinghi und dann noch mal über einen kleinen Fussweg in das Inselinnere gelangt. Vom kühlen Wasser aus beobachteten wir die Seeadler, die an den steilen Felswänden nisten, und die lustigen Affen, die sich auf den Bäumen streiten und ihren eigenen Lärm veranstalten.

 

-        Lumpereien mit der Kreditkarte

 

Von dort steuerten wir Telaga Harbour an, um noch den zollfreien Diesel zu tanken und die beste italienische Pizza zu essen, die man sich vorstellen kann. Am nächsten Tag erhielten wir ein email von Mastercard und noch ein weiteres von Visacard – beide wunderten sich über die hohen Abrechnungen, die sie aus Malaysia erhielten. Anscheinend wird gerade in Malaysia und insbesondere in Langkawi enorm viel Kreditkartenbetrug betrieben; wir hatten das schon vorher von anderen gehört und werden wachsam sein, aber ich weiß auch nicht, ob man es wirklich mitbekommt, wenn die Karte heimlich kopiert wird.

 

Neben dem Hafen von Telaga befindet sich der Drehort des Films „Anna und der König“. Die Filmgesellschaft hat das „Sommerhaus“ des Königs stehen lassen und es der Inselgesellschaft „vermacht“, nun verfällt es und löst sich in seine Bestandteile auf, wie so vieles hier in Malaysia. Einen Steinwurf weiter wurde eine Seilbahn errichtet, mit der man auf den 709m hohen Gipfel eines der Inselberge fahren kann. Die Seilbahn ist nagelneu und Marke „Doppelmayer“, so steigen wir getrost ein und genießen den fantastischen Rundblick über die Inselwelt von Langkawi.

 

-        Thailändische Inselwelt

 

Danach kehren wir Langkawi endgültig den Rücken und motoren (!!) zu den ersten Inseln von Thailand. Ko Bulong, Ko Rok Nok und Ko Muk klingt es sehr exotisch für unsere Ohren. Die Inseln sind wirklich sehr schön, steile Kalksteinfelsen, die sich aus dem – leider sehr trüben – Wasser erheben. Die Thailändischen Inseln waren uns als Schnorchel- und Tauchparadies gepriesen worden, aber mit uns schwimmen Millionen bissiger Mini-Quallen im Wasser und vergällen uns jeden Schnorchelausflug. Wir gehen nur noch mit „Ganzkörperkondom“ ins Wasser, aber selbst das hält die bissigen Viecher nicht ab. Ich bin schon übersät mit roten Pusteln und kratze mich wie ein Affe.

 

-        Unser „Hong“-Erlebnis

 

Heute früh hatten wir aber ein Super-Erlebnis! Wir ankern seit gestern in einer sehr hübschen Bucht an der Insel Ko Muk, links und rechts von einem kleinen Sandstrand ragen 200m hohe Felsen senkrecht in die Höhe, am kleinen Strand wiegen sich ein paar Palmen, und La Rossa ankert vor dem Sandstrand in 6m tiefem Wasser. Ganz in der Nähe befindet sich der Eingang zu einer Höhle.

 

Wir fuhren heute früh, als noch keine Touristen mit den lauten Longtail-Booten hier waren, mit unserem Dinghi zum Höhleneingang und banden es dort an einer Boje fest. Dann ließen wir uns ins Wasser fallen, Flossen an den Füssen und einen Schwimmring sowie eine wasserdichte Taschenlampe in der Hand. Man schwimmt in die Höhle hinein in einen stockdunklen Gang. Es ist wirklich rabenschwarz darin, der Gang führt um eine Kurve, und nach ca. 80m sieht man das Licht des Höhlenausgangs. Wir kamen in einem „Hong“ wieder ans Tageslicht. Über einen kleinen Strand gelangten wir auf sandigen, festen Boden.

 

Ein „Hong“ ist ein runder Schacht, wie ein Vulkankrater, etwa 50-60m im Durchmesser und umgeben von 200 bis 300m hohen Felswänden, die senkrecht nach oben führen. Der Boden des Schachts ist dicht bewachsen mit tropischen Pflanzen, es riecht wie in einem tropischen Botanischen Garten und es herrscht eine absolute Stille, die nur durch Geräusche von Tieren unterbrochen wird. Früher wurde das „Hong“ von Räubern als erstes Versteck für ihr Diebesgut benutzt, von hier aus wurde es dann in andere Verstecke verteilt. Später kamen andere Diebe hierher. Sie raubten den Schwalben, die an den Steilwänden nisten wollten, die Nester und verkauften sie als Delikatesse an die Feinschmecker in Hong Kong oder Shanghai. Inzwischen gibt es hier kaum noch Seeschwalben, aber wir können ein Seeadler-Pärchen beim Kunstflug beobachten.

 

Als wir die ersten anderen menschlichen Stimmen hören, machen wir uns wieder auf den Rückweg, aber als wir vor dem Höhleneingang ankommen, stinkt es dort erbärmlich nach Diesel und das ganze Meerwasser schillert bunt. Irgendein Stinker mit einem Longtail-Boot hat seine Bilge hier sauber gemacht. Wir beeilen uns, dass wir schnell wieder ins Dinghi klettern, bevor wir nach Diesel-Parfum duften.

Als wir unsere hübsche Ankerbucht verlassen, beobachten wir einen ca. 2 m langen Schwertfisch, der sich in wilder Drohgebärde immer wieder seitlich aus dem Wasser katapultiert und sich auf die Wasseroberfläche klatschen lässt. Vielleicht flüchtet er auch vor einem größeren Fisch auf Raubzug, vor lauter Faszination haben wir gar keine Zeit, eine Kamera zu greifen und schauen nur diesem aufgeregten Fisch zu.

 

-        Ko Lanta, Klein-Mallorca

 

Die Insel Ko Lanta war mal ein Paradies für Backpacker, aber die sind heute woanders. In Ko Lanta treffen wir überraschend viele Deutsche, die meisten mit kleinen Kindern. Der Strand ist flach und sandig, und die Preise sind, im Gegensatz zu Phuket, noch annehmbar. Die Hotels wachsen noch nicht in den Himmel, sondern die Gäste leben in kleinen Bungalows, die sich um einen Swimming Pool gruppieren. Wir mieten uns für 150 Baht (=3 Euro) für 3 Stunden ein Moped und fahren bis zum Südende der Insel, vorbei an Bauerndörfern und den zerlumpten Behausungen der Sea-Gypsies. Nach unseren intensiven Indonesien-Erlebnissen gefällt uns das hier nicht so richtig, und wir machen uns auf den staubigen Heimweg.

 

Was ist es, das uns hier nicht so gefällt?

In Indonesien waren wir die Staunenden, aber auch unsere Gastgeber haben nicht weniger über uns gestaunt, d.h. wir standen ihnen gegenüber und fühlten uns auf gleicher Augenhöhe. Wenn wir mit unseren Dinghis an den Strand kamen, dann warteten wir immer, bis uns jemand in Empfang nahm, und wir fragten dann, ob wir das Dorf besuchen könnten. Immer waren wir willkommen, meist von 100 Kindern laut bejubelt. Sie fragten uns Löcher in den Bauch und wir ihnen. Sie wollten fotografiert werden, und wir taten es. Sie lachten über uns, und wir über sie, und schließlich lachten wir alle miteinander.

Das ist hier in Thailand nicht so. Hier sind zu viele Fremde, die einfach, ohne zu fragen, in die Dörfer gehen und starren. In den Dörfern der Sea-Gypsies sind am Tag vielleicht 50 Touristen, die sich mit ihren Mopeds hierher bewegen. Besucher sind hier eher lästig und werden noch nicht einmal mit einem kleinen Kopfnicken begrüßt. Grüssen wir denn einen Fremden, der durch unseren Garten geht?

 

Morgen werden wir uns den Touristen-Hochburgen noch mehr nähern. Mal sehen, was uns dort erwartet.

 

Phuket, 15. Dezember 2004

 

Wir sind nun seit gestern in einer Marina, die mitten in einen Mangroven-Sumpf in eine ehemalige Zinngrube gebaut wurde. Die Zufahrt führt durch einen ausgebaggerten Kanal, der nur bei Hochwasser befahrbar ist. Trotz Hochwassers blieben wir vier mal stecken, kamen aber aus eigener Kraft immer wieder heraus. Es ist alles ein weicher Schlamm, und man fährt nur ganz, ganz langsam, sodass nicht viel passieren kann. Normalerweise ruft man vorher einen Piloten über UKW-Radio, aber wir wussten, dass alle Marinas vor Weihnachten proppenvoll sind und jeder, der sich anmeldet, wieder weggeschickt wird; also fuhren wir quasi als „Notfall“ einfach in die Marina hinein und bekamen einen „Notfall-Liegeplatz“ außerhalb der eigentlichen Marina. Notfall-Liegeplatz heißt in dem Fall, dass La Rossa bei Niedrigwasser im tiefen weichen Schlamm sitzt; gestern fiel schon die Klimaanlage aus, weil sie nur noch Schlamm angesaugt hat. Heute Mittag können wir uns aber für die nächsten Tage an einen anderen Platz in der richtigen Marina verlegen. Wir hoffen, dass wir dort bleiben können bis Tatjan hier ist, dann wollen wir sowieso weg, denn wir wollen Weihnachten nicht in einer zwar sehr schönen, aber mitten im Mangroven-Sumpf gelegenen Marina ohne Zugang zum Meer verbringen.

 

Kurz noch über unseren Touristen-Insel-Erlebnisse. Wir ankerten vor der Insel Phi Phi Don, landschaftlich ein Naturwunder – senkrechte Kalksteinwände, 200 bis 300m hoch, mit Höhlen und Einbuchtungen, wunderschöne Plätze zum ankern. Es könnte eine einzige Idylle sein, wenn nicht von morgens um 9 Uhr bis abends um 18 Uhr der reinste Höllenlärm herrschen würde und ein Seegang wie am Kap Hoorn, hervorgerufen durch Speedboote, die in Schlangenlinien und mit Höchstgeschwindigkeit zwischen den Ankerliegern hindurchbrausen. Ich wollte nach unserer Ankunft schnell ein wenig schwimmen gehen, ließ es aber sein als ich das erste Boot heranflitzen sah – die fahren einem den Kopf ab, denn sie können bei der Geschwindigkeit nichts erkennen, was hinter einem ankernden Schiff im Wasser schwimmt. Also: auf dem Wasser das totale Chaos! Bis 3 Uhr morgens hämmern die Bässe der Discos durch die Bucht. An Land selbst ist es recht nett, aber es könnte genauso gut in Mallorca oder Rimini sein, mit „Thailand“ hat das nichts zu tun.

Wir verstehen nicht, warum Tourismus oft so  laut und so penetrant sein muss.

 

Wir hoffen, dass wir auch noch ein paar ruhigere Plätzchen finden werden, wo man in Ruhe schwimmen und schnorcheln kann, es gibt sie bestimmt irgendwo!

 

Nun grüßen wir euch alle ganz herzlich aus dem Schlammloch heraus und wünschen euch einen schönen 4. Advent!

Wir denken oft an euch zu Hause! Alles Liebe, viele Grüße und Sawasdee aus Phuket,

Eure Renate und Manfred

   

Reisebericht 58

Thailand  - die Tsunamis vom 26.12.2004 



Donnerstag, 30. Dezember 2004

 

Wisst ihr, was ein Tsunami ist? Es ist ein japanisches Wort, ich habe in einem der emails, die wir in den letzten Tagen erhalten haben, die Übersetzung gelesen. Kann mich nicht mehr erinnern.

Für mich bedeutet es ab sofort sterbn, verwüsten, zerstören, zerschmettern, Leichengeruch, Elend, .....

 

Ihr habt viel mehr Informationen als wir hier auf unserem Schiff, ohne Fernsehen, Deutsche Welle nur sporadisch zu empfangen, aber wir sehen die Gesichter der Menschen hier. Wir können hier keinen Fernseher abschalten und damit die Bilder aus unserem Blick verdrängen, wir sind jeden Tag in irgendeiner Weise damit konfrontiert. Das Unglück ist für uns nicht weit weg, sondern es ist unmittelbar hier.

 

 

 

 

 

  • Bond-LaRossa 24.12.2004
  • Bond5
  • Bond6
  • Bond4
  • Naihaarn28
  • Naihaarn32
  • Naihaarn29
  • Naihaarn30
  • Weihnachten 2004 Naihaarnbay
  • Naihaarn31
  • Naihaarnbay 24.12.2004
  • Naihaarn28a
  • Naihaarn34

Ein Tsunami entsteht durch ein Seebeben, das ist ein Beben unter dem Meeresspiegel. Dieses entstand im Nordwesten der indonesischen Insel Sumatra und seine Stärke wurde mit 9.0 gemessen. Der Inselbogen der Sunda Islands ist in Bezug auf Erd- und Seebeben sowie Vulkanausbrüche eine der aktivsten Gegenden der Erde. Hier treffen zwei große Kontinentalplatten zusammen und lösen in regelmäßigen Abständen Beben und Vulkanausbrüche aus. Die schwersten Beben und Vulkanausbrüche in der jüngeren Erdgeschichte spielten sich am Indonesischen Inselbogen ab.

 

Es gibt im Pazifik ein Frühwarnsystem für Tsunamis, das von den reichen Anrainerstaaten des Pazifik finanziert und unterstützt wird und dessen Zentrale in Hawaii ihren Sitz hat. Im Indik, der im wesentlichen von armen Kontinenten begrenzt wird, gibt es ein solches Frühwarnsystem nicht. Das bedeutet, dass keinerlei Evakuierungsmaßnahmen eingeleitet werden konnten, da niemand davon wusste, dass sich Wasserberge mit einer Geschwindigkeit zwischen 700 und 1000kmh den Küsten näherten. Eine Stunde hätte genügt, um Zehntausende in Sicherheit zu bringen. So waren alle ahnungslos.

 

Wir haben inzwischen mit einigen Menschen an Land und mit Seglern gesprochen. Jeder hat die Tsunamis – es waren mehrere hintereinander – anders erlebt, abhängig davon, wo er sich zu dem Zeitpunkt, in Thailand zwischen 10 und 10.30 Uhr am Vormittag, befand. In der Kata Bucht, die sehr flach und sandig ist, spielten um diese Zeit viele Kinder am Strand. Andere sonnten sich in Liegestühlen. Der erste Tsunami kündigte sich an, indem er zunächst alles Wasser aus der flachen Bucht saugte. Die Segelschiffe, die weiter vorne ankerten, saßen innerhalb weniger Minuten im Sand fest.

Die Kinder am Strand fanden es toll, dass man plötzlich so weit hinauslaufen konnte, und sie rannten in ihrer Begeisterung dem weglaufenden Wasser hinterher. Erwachsene folgten. Dann kam die erste hohe Welle und stürmte in einem 8m hohen Brecher in donnerndem Getöse über den Strand. Zum Weglaufen war es zu spät. Die nächste, noch höhere Welle saugte die Toten, die die erste Welle gefordert hatte, nach draußen zum Meer hin, und die zweite brachte sie wieder zurück und holte sich neue Opfer. So war das hier – keine Chance!

 

Von einem hier ankernden Katamaran wissen wir, dass sein Ankergeschirr bei der zweiten oder dritten Welle abriss; der Skipper, ein querschnittsgelähmter Mann, der schon seit Jahren mit seinem Schiff unterwegs ist, schaffte es irgendwie, aus der Bucht zu kommen und traute sich zwei Tage lang nicht mehr in Landnähe. Ein anderer berichtete uns, dass sich zwei oder drei Schiffslängen vor ihm die Monsterwellen brachen und er nur noch betete, dass der Anker hält. Wir haben uns über Funk erkundigt, wie es den anderen Schiffen ergangen ist – die Segler sind alle okay. Die offenen Holzboote der Einheimischen Fischer und die Motorboote, die am Strand lagen, sind zertrümmert. Manche wurden weit ins Land hineingetragen und in Hotelhallen hineingespült oder irgendwo in Kleinteile geschlagen.

 

Wir waren kurz in Phi Phi Don, der kleinen Ferieninsel, die ein beliebter Ausgangspunkt für Tauchtrips und Ausflüge zu den anderen Inseln war. Vor drei Wochen waren Manfred und ich hier, wir fanden es eigentlich zu laut, aber auf der Insel herrschte am Abend, wenn die Tagesausflugsboote weg waren, eine fröhliche und ausgelassene Stimmung. Es gab zahlreiche kleine Läden, Cafés, Restaurants, Bars und Tauchshops. Die Gäste waren allesamt jung. Wir dachten uns, dass dies ein netter Platz wäre, um mit Tatjan, Manfreds Sohn, Silvester zu feiern.

 

Von dem Tsunami haben wir selbst ja nicht viel mitbekommen, wir wunderten uns nur über die starke Strömung, die plötzlich eingesetzt hatte, und über die biblische Ruhe am James-Bond-Felsen. Bei einem Kurzbesuch in der Nähe von Krabi sahen wir einen zerstörten Strand, die Hauptstrasse wurde gerade mit viel Wasser von Sand und Schlamm befreit, aber die Schäden hielten sich in Grenzen.

Nichts hatte uns auf Phi Phi Don vorbereitet.

 

Wir wollten Tatjan zeigen, wie diese Insel aussah, denn landschaftlich schön ist sie immer noch. Phi Phi Don besteht aus zwei hohen Inselhälften, die durch eine schmale Landbrücke mit einander verbunden sind. Auf dieser Landbrücke befanden sich alle Einrichtungen, Geschäfte, Hotels. Bei der Annäherung schlug uns schon ein furchtbarer Geruch entgegen, aber wir wollten kurz an Land und dann wieder weiterfahren. Es traf uns wie ein Hammer. Alles lag in Trümmern, Hilfskräfte der Armee waren überall dabei, Tote in weißen Tüchern zu einem Sammelplatz zu tragen. Unter einigen Häusern lagen noch Verschüttete, die noch gar nicht geborgen werden konnten, weil schweres Rettungsgerät erst zu der Insel gebracht werden musste. Der Geruch war bestialisch.

 

Zerstörung Phi Phi Don mit vielen Toten




  • PiPi15
  • Tote auf PiPiDon
  • PiPi14
  • PiPi13
  • PiPi12
  • UhrPiPi16
  • Pi Pi Don Verw&uuml;stet
  • Verw&uuml;stet PiPiDon
  • Verw&uuml;stetIII
  • Viele Tote auf PiPiDon
  • Verw&uuml;stetIV

Phi Phi Don war von zwei Seiten von den heranstürmenden Wassermassen überrollt worden. Für die Menschen, die irgendwo auf dem schmalen Landstreifen am Strand, in Häusern oder in den Strassen unterwegs waren, gab es keine Fluchtmöglichkeit. Die erste Welle kam aus Süd-West, raste über die schmale Landbrücke, indem sie alles mit sich riss und auf der anderen Seite ins Meer spülte, in diesem Moment kam die zweite Welle aus Nord-Ost und zerschmetterte alles, was die erste Welle noch übrig gelassen hatte. In der Provinz Krabi, zu der auch Phi Phi Don gehört, gab es bisher – offiziell – 665 Tote, aber es werden immer noch weit über 2000 vermisst.

Die Regierung hält sich mit offiziellen Zahlen sehr bedeckt.

 

An Silvester waren wir an der Westküste in der Kata Bay. Viele Urlauber waren schon evakuiert worden, aber es gab eine kleine, stille Silvester-Feier in einem schönen Hotel, das von der Welle einigermaßen verschont geblieben war. Gegen Mitternacht schwebten aus allen Buchten Hunderte von Luftballons mit Lichtern in den schwarzen Nachthimmel. Auf Feuerwerk wurde verzichtet. Es passte nicht, und niemandem war danach zumute.

 

An vielen Stränden ist schon wieder normales Leben zurückgekehrt, aber es ist ruhiger, weil viele Urlauber abgereist sind. Die Einheimischen bleiben zurück und müssen mit den Resten irgendwie zurechtkommen.

 

Thailand zählt zu den reicheren Staaten, die von den Wellen getroffen wurden, und es sind – neben den Sachschäden – nicht so viele Tote zu beklagen wie in Sumatra und Sri Lanka. Dort ist es wirklich schlimm, weil – wie z.B. in Sumatra – das betroffene Gebiet politisch instabil ist und deshalb internationale Hilfstruppen nicht schnell genug ins Land kommen konnten. In Banda Aceh z.B. laufen die Hilfsmaßnahmen erst jetzt – eine Woche nach der Katastrophe – an!

 

Unsere Reise durch die Thailändischen Inseln ist nun vollkommen anders verlaufen als sie geplant war; das völlig zerstörte Kai Lakh und die Similan Islands haben wir ausgelassen, auch in der Patong Bay waren wir nicht mehr. Der Anblick von Phi Phi Don hat uns genügt. In anderen Buchten mit ehemals schönen Hotelanlagen haben wir geankert, aber die Landgänge haben wir uns erspart. Wir haben uns trotzdem nicht angstvoll in einer Ecke verkrochen und auf die Nachbeben gewartet.

Unser Urlaub mit Tatjan war sehr schön; wir konnten schwimmen und schnorcheln und Tatjan hatte sogar Gelegenheit zum tauchen. Anstatt an Hotelbars zu sitzen, zu feiern und zu plaudern haben wir an Bord Karten gespielt und gelesen.

 

Morgen (5.1.) fahren wir in die Nähe der Marina und wollen am 6.1. morgens bei Hochwasser durch den Kanal hineinfahren. Noch wissen wir nicht, was die Tsunamis dort angerichtet haben. Sobald wir dort sind, beginnt unser „Endspurt“. La Rossa muss für die große Reise vorbereitet und mit Proviant gefüllt werden. Auch diese Reise wird nun anders als geplant: Galle/Sri Lanka kann Manfred nicht anlaufen, weil dort alles zerstört ist. Fraglich ist auch, ob er nach Uligami/Malediven kann. Erster Stop wird vielleicht erst Salalah/Oman; bis dahin sind es rund 2800sm. Er plant, um den 15. Januar von Phuket aus zu starten.

 

Tatjan wird noch einige Tage als „backpacker“ im Norden von Thailand verbringen und dann über Hongkong nach Hause fliegen, und ich packe dann auch meine „Plünnen“ und starte am 9. Januar über Kuala Lumpur nach Frankfurt.

 

Haltet Manfred die Daumen, dass er den Sprung über den Indik gut hinter sich bringt, und schickt ihm mal ‚ne email, wenn er unterwegs ist!

 

Nun lasst es euch gut gehen! Wir grüssen Euch alle vielmals aus Phuket,

eure Renate, Manfred und Tatjan

    

    

Reisebericht 59

Einhand von Phuket ins Rote Meer

Abreise Phuket  16. Januar 2005

Ankunft : Port Galib Ägypten 23. März 2005

Renate habe ich am 10. Januar 2005 zum Flughafen gebracht mit Ziel Heimat. Die erste Überraschung am Flughafen war, dass ihr Flug nach Phuket/Singapoor, aufgrund der Flutkatastrophe, gecancelt war. Aber nach einer halben Stunde hatte sie einen Flug nach Kualalumpur / Frankfurt und kam auch noch ca. um die selbe Zeit in Frankfurt an, wie der ursprünglich geplante Flug. Es viel mir schon schwer sie einfach so von dannen ziehen lassen, nach einer so langen gemeinsamen Zeit auf unserem zweiten zu Hause, die La Rossa. Fast ununterbrochen 1 Jahr sind wir zusammen von Australien bis Phuket /Thailand gesegelt und motort.

Kaum auf dem Schiff angekommen, stürzte ich mich auf die Arbeit und habe als erstes Öl-, Filter- und Impellerwechsel an der Hauptmaschine gemacht. Bei dem intensiven Check für die 4500 sm lange Reise ist mir aufgefallen, dass sich wieder einmal die Schrauben von der Motorhalterung und dem Flansch am Getriebe gelöst hatten. Also, Motor wieder ausrichten und alle Flanschschrauben wieder ordentlich befestigen. Hauptmaschine wieder o.k. , Generator auch nochmals überprüft und ich hoffe und gehe davon aus, dass alles bis ins Rote Meer funktionieren wird.

Mit Tatjan habe ich schon das große Dingi und den großen Außenborder verstaut und so konnte ich mich nun an die Montage der Windsteueranlage ran machen.

Wenn man so ein Monster alleine montieren muß, kommt man doch ganz schön ins schwitzen. Gott sei dank, hat mir Paolo ein Italiener von einem anderen Schiff dabei geholfen, die zusammengeschraubte Anlage an den unteren Befestigungsflansch zu befestigen. Leider hat sich der arme Kerl dabei die Finger gequescht und meinte nur trocken – ein schönes Andenken von La Rossa.

Letzte Einkäufe habe ich getätigt und alle Bestände waren für die lange Reise aufgefüllt. Vom Cammenber bis zum guten Australischen Filet war nun alles an Bord und ich konnte am 14. Januar ausklarieren. Auch die Dieseltanks mit 1300 Liter und Wassertanks mit 800 Liter waren in der Zwischenzeit randvoll. Tom von der SY. Distancdrummer versuchte noch meinen Computer in Gang zu bringen, was aber irgendwie nicht geklappt hat. So muß ich halt damit leben, dass der alte Laptop von mir halt alle 5 Minuten aus welchem Grund auch immer abstürzt. Jams Cook hatte auch keinen Computer und auch überall angekommen!!

 

Am Sonntag, den 16. Januar war es dann endlich so weit, um 14.00 Uhr war die Tide so hoch, dass ich aus der Boatlagoon- Marina auslaufen konnte. Thusit der Portcaptain hat mich aus dem Kanal herausbegleitet und mit mir gingen noch drei andere  Boote aus dem Hafen. Thusit verließ mich am ende des Kanals und die letzten 200 Thailändischen Bhat`s wechselten den Besitzer. Es war schon ein seltsames Gefühl, jetzt für die nächsten drei Monate alleine unterwegs zu sein. Der Wind war nicht so günstig und so musste ich bis zur Südspitze von Phuket (Nay Han Bay ) motoren.  Endlich konnte ich die Segel herauslassen und los ging die lange Reise Richtung Westen.

Der erste Wegpunkt war Graete Nicobar Island ca. 270 sm westlich von Phuket.  Bei östlichen Winden   mit 10 – 15 knt. Wind    benötigte ich dafür rund zwei Tage. Kurz vor dem Kanal und bis ca. 200 sm nach dem Kanal, war das Meer voll von Unrat, der von der Flutwelle am 26. Dezember 2004 ins Meer gespült wurde. Accee an der Nordspitze von Sumatra, dass Epizentrum des Erdbebens lag ja nur ca. 400 sm südlich von mir. Nach neuesten Berichten, rechnet man alleine in Indonesien mit 180.000 Toten und insgesamt mit ca. 230.000 Toten, als Opfer der Flutkatastrophe.

 

In der Zwischenzeit habe ich auch erfahren, daß sich der vor Sri Lanka befindliche Zyklon aufgelöst hat. Auf der Funkrunde habe ich auf dem amrikanischen Netz (14323.00 kHz) erfahren, dass eine Yacht die bei der Blowwater Rallay von Pkuket nach Sri Lanka mitgemacht hat, entmastet wurde und einige andere Yachten am Rigg beschädigt wurden. Mein Schätzchen hat mich zwar auch für verrückt erklärt, dass ich so früh gestartet bin, aber ich konnte mir ausrechnen, dass bis ich in das gefährdete Gebiet komme, sich der Zyklon verzogen haben musste. So war es auch schließlich und ich hatte guten Segelwind und bin gut vorangekommen. Mein tägliches Etmal von Sonntag bis Donnerstag den 20.Januar lag zwischen 113 und 130 sm.  Konstanter Wind zwischen  5 und 10 knt. machten es möglich, mit an steuerbord ausgebaumten Blister und ausgebaumter Genua auf der Backbordseite immer mit einer Geschwindigkeit um die 5 knt zu segeln. Nicht immer sehr komfortabel, da es vor dem Wind immer eine elende Schaukelei ist , 30 Grad nach links, 30 grad nach rechts und das Tag und Nacht.